Billy Coen über „absolute Beginner“ und weibliche Hypergamie

[Kontext] Es geht um männliche, absolute Beginner („Incels“), die noch keinerlei Beziehungserfahrung gesammelt haben, aber dafür angefeindet werden.

Billy Coen:

„Es wäre in dieser Gesellschaft völlig unmöglich, dass mit Frauen genauso verfahren wird.“

Das ist das entscheidende! Wie man an deinen Beispielen gut sehen kann: ein Mann muss schon offen erkennbar schwerbehindert sein, damit anerkannt wird, dass er wohl selbst nicht viel an diesem Zustand ändern werden kann. Liegen andere, weniger offensichtliche Dinge vor, werden diese ignoriert bzw. dem Mann / Jungen als „biste halt auch irgendwie selber Schuld“ angelastet. Nur… auch etwa Schüchternheit lässt sich nicht mal so eben ausziehen wie ein schmutziges T-Shirt. Man kann zwar an Details arbeiten, aber du wirst nie aus einem sehr schüchternen Menschen mit ein Bissel Personal-Training wirklich einen absolut authentisch selbstbewussten Menschen machen. Meist läuft es drauf hinaus, dass der eigentlich Schüchterne beginnt, eine Rolle zu spielen. Das geht aber nicht lange gut, denn dabei wirkt er oft sogar für andere NOCH unsympathischer als Menschen mit völlig übersteigertem aber ECHTEM Ego. Denn ein eigentlich schüchterner Mensch, der versucht, selbstbewusst zu wirken, der wird in dieser Rolle Authentizitätsbrüche nicht vermeiden können, welche bei anderen Menschen wiederum diffuses Unwohlsein verursachen.

Und obwohl Schüchternheit eines der größten Probleme vieler Incels sein dürfte, werden sie medial geradezu rituell als frauenhassende, narzisstische Monster verkauft. Dieses Framing macht es natürlich leichter, so über sie zu berichten und sich dabei noch als einer von den Guten zu fühlen und nicht erkennen zu müssen, dass man mit all dieser schamlos zur Schau gestellten Empathielosigkeit selbst das Monster ist, zu dem man die anderen machen möchte.

Ich meine, was kann man schon alleine an der Bezeichnung „UNfreiwillig zölibatär“ missverstehen? Die wenigsten von denen hassen Frauen; die meisten hätten gerne eine. Und weil sie das nicht hinkriegen, qualifiziert sie das dazu, dass man sie als „Creeps“ darstellt, über die man sich wechselweise amüsieren oder auf die man beliebig seine eigenen abgespaltenen Charaktermängel projizieren kann.

Und gleichzeitig erscheint der 138.478ste Jammerartikel darüber, dass immer mehr studierte Frauen Single bleiben, weil einfach nicht genügend brauchbare Männer am Markt vorhanden sind. Während also Männer, die gerne IRGENDEINE Frau hätten, als Monster dargestellt werden, wird über Frauen, die keine Männer finden, weil die meisten nicht ihren hypergamen Ansprüchen entsprechen können, weil sie selbst schon über viel mehr Status und Einkommen verfügen als die Mehrheit der Männer, ein deren grausames Schicksal beklagender Artikel nach dem anderen rausgehauen. Und – mal ganz nebenbei – bin ich der einzige, der hier einen möglichen kausalen Zusammenhang erahnt? Auf der einen Seite werden viele Frauen seit Jahren über allumfassende Förderung in enorme Statushöhen hochgepampert, was sie aber in großer Zahl nicht veranlasst, ihre hypergamen Partnerwahlkriterien zu ändern, was dazu führt, dass für immer mehr Frauen immer weniger Männer überhaupt noch als Partner in Frage kämen und die auf diese Weise immer öfter ungewollt allein bleibenden Männer, die sich so eigentlich bei jeder objektiven Betrachtung als erstes Opfer dieser Entwicklung qualifizieren, werden, wie ja auch durch so ziemlich alles andere schon gut eingeübt, geradezu notorisch als die Schuldigen an dieser Situation gesehen. Sie sind Schuld, dass gutsituierte Frauen nicht mehr genug akzeptable Männer finden (hätten sie sich halt mal mehr angestrengt) und sie sind Schuld an ihrer eigenen Situation (hätten sie sich halt mal mehr angestrengt). Hätten sie sich aber angestrengt – das geht jetzt mal leicht OT ins Politische, passt aber zum Thema „Kafka-Trap“ – und zahlenmäßig weiterhin die (hochgequoteten) Powerfrauen ausgestochen, wäre dies nur ein Signal an die Politik gewesen, die Powerfrauenförderung nur noch weiter zu intensivieren. Egal, was Mann macht, Mann macht es im Auge der Gesellschaft auf jeden Fall falsch.

Abschließend möchte ich noch ein schönes, popkulturelles Beispiel dafür bringen, wie ungleich Empathie verteilt ist.

Der Song „Scars To Your Beuautiful“.

Es ist meines Erachtens KEIN Zufall, dass hier das fiktive Schicksal eines Mädchens beklagt wird, das Schönheitsidealen nachrennt und von „der Gesellschaft“ nicht anerkannt wird. Alleine durch das Austauschen der Worte „she“ durch „he“ würde aus einem „tollen und sooo wichtigen Statement“ ein Ausdruck maßlosen männlichen Anspruchsdenkens werden, gerade, wenn mal eben von der ganzen Welt verlangt wird, ihn gefälligst anders wahrzunehmen. Derselbe Mensch nur mit anderem Geschlecht wäre ein lächerlicher Creep und Möchtegern, aber wenn man solch ein Liedchen über ein Mädchen singt, wird es sogar als toller und auch noch sinnvoller Tipp angesehen, man solle an sich selbst rein gar nichts ändern, sondern die Welt solle ihr Herz ändern.

Ich denke, das sagt alles…

6 Gedanken zu „Billy Coen über „absolute Beginner“ und weibliche Hypergamie

  1. Jan Deichmohle

    Das ist eine wichtige Einsicht, die an ein zentrales Problem der feministischen Gesellschaft und des Feminismus insgesamt rührt: Fortpflanzung ist zentrale Eigenschaft und Aufgabe des Lebens, das dadurch definiert ist, sich selbst fortzupflanzen und in leiblichen Nachkommen fortzuleben. Wer das nicht tut, dessen Eigenschaften und Linie sterben aus.

    Seit Entstehung der Zweigeschlechtlichkeit vor 750 Millionen Jahren ist bei fast allen Arten das weibliche Geschlecht dominant. Deshalb bevorzugen wir instinktiv Frauen und benachteiligen männliche Verlierer, ohne es auch nur zu merken. Warum dies aus den Grundsätzen der Evolution folgt, erläutern meine Bücher, die aus eben demselben Grund seit den 1980ern genauso ignoriert werden wie männliche Verlierer, die sich nicht beschweren dürfen, was ein angeboren instinktives Vorrecht von Kindern und Frauen ist.

    Das hat zur Folge, daß bevorzugte Frauen sich aufgrund dieser instinktiven Sinnestäuschung benachteiligt vorkamen, den Feminismus erfanden. Siehe Bücher https://www.quellwerk.com. Feminismus hat die bereits instinktive Schiefsicht durch Ideologie nochmals radikal verschlimmert. Wir bedauern Mädchen, die aufgrund ihrer Hypergamie (letztlich ein Nebenprodukt der sexuellen Selektion, aber nicht das zentrale Problem, wie Nichtleser von Deichmohle-Büchern gerne als Halbwahrheit glauben) sich zu gut sind für die vielen unerfahrenen Jungen und Männer, die es gar nicht lernen konnten, wie Mann bei Frauen Erfolg hat. Das bedauerte Opfer ist tatsächlich also Täterin: Sie diskriminiert seelisch grausam jene Jungen und Männer, die ihrer Zuwendung bedürfen.

    Dagegen werden männliche Verlierer verhöhnt, weil sie sich der Grundregel der Evolution gemäß nicht fortpflanzen sollen. Also werden jede Empathie und jede sexuelle Anziehungskraft auf Frauen blockiert. Eine Meute mobbt sie nieder, verhöhnt sie, greift sie persönlich an, wenn sie versuchen, sich zu Wort zu melden. Das ist eine zynische Ungerechtigkeit, wobei wiederum feministische Ideologie stark verschlimmert hat, was bereits aus biologischen Gründen ungerecht und schief war.
    All das erläutern meine Bücher seit Jahrzehnten und werden deshalb genauso ignoriert wie männliche Verlierer, aus den gleichen Gründen, mit gleichen Methoden, sogar von vielen der wenigen ‚Männerrechtler‘.

    Ich empfehle: Lest die Bücher. Sie zeigen die grundlegenden Fehler im Ansatz jeglichen Feminismus und der Behandlung von Geschlechterfragen in unsrer Gesellschaft. Es wird Zeit, das Ignorieren dieser Argumente zu überwinden, die Blockade meine Bücher zu brechen, damit die Wahrheit erkannt wird, von der in obigem Artikel erste Ansätze anklingen.

    Antwort
  2. ClaudiaBerlin (@HumanVoice)

    Nur zu Billy Coen: ein eindrücklicher Artikel aus männlicher Sicht, der – aus meiner Sicht – nicht den Verdacht aufkommen lässt, er sei „aus Frauenhass“ inspiriert.
    Er beschreibt ein Phänomen, das mensch nicht leugnen kann: Männliche „Looser“ werden anders behandelt als weibliche!

    Aber woran liegt das?

    Wäre ich ideologisch stramme Feministin, würde ich jetzt auf „toxische Männlichkeit“ verweisen – aber erstens bin ich das nicht und zweitens wären dann beim Gegenüber schnell die Schotten dicht – bin ja hier auf einem Männerblog.

    Woran liegt es also? Soweit ich das (über mehr als sech Jahrzehnte) mitbekommen habe, gab und gibt es auch immer schon weibliche schüchterne Mauerblümchen, auch jede Menge Mädels, die aufgrund von „Schönheitsmängeln“ plus gemindertem Selbstbewusstsein gemobbt werden – nicht nur von Frauen, auch von ;Männern.

    Bei ihnen gab und gibt es aber auch Gegenwehr, verschiedenste Versuche, darauf zu reagieren, raus aus dieser Situation zu kommen. Einige machen das eher kämpferisch, andere zeigen ihre Verletztheit, jammern und klagen… und Mischungen aus beidem.

    Was tun die Jungs und Männer? Einige machen Pick-Up-Kurse, andere versammeln sich offenbar in recht frauenfeindlichen Foren (so hab ich „Incels“ medial kennen gelernt).

    Aber hat schon mal einer ein trauriges Lied darüber gesungen, dass er bei Frauen nicht ankommt?

    Ich weiß es nicht, erzählt es mir!

    Antwort
    1. crumar

      Ich schrieb bereits auf AE: „Die Frage ist, warum man Incel – als Gruppe – nicht als das sieht, was sind vulnerable Personen, sondern sie so auffällig schnell als „Frauenhasser“ labelt.
      Hier mein Erklärungsansatz: Damit man sich mit sozialer Isolation, objektiven Gründen für gesellschaftliche und individuelle Ausschlüsse und sozialen Bedürfnissen von Männern nicht auseinandersetzen muss. Männern wird der Status „verletzlich“ nicht zugestanden.

      Ihre Lebensumstände äußern sich bei Incel laut Umfragen auf den eigenen sites so:
      „- 78% report always suffering from extreme sadness, anxiety, and stress.
      – 82% have considered suicide.
      – 62% have considered surgery to improve their looks.
      – 77% report being a healthy weight or underweight (only 23% report being overweight, which is far less than the general western population average).
      – 57% report receiving a medical diagnosis labeling them as non-neurotypical or having a physical disability that impairs their normal daily functions.

      Die Konstruktion des „Incel“, der sich einfach individuell ändern muss, beruht auf der Konstruktion, dass er sich einfach ändern kann:
      1. Objektive und nicht veränderbare Beeinträchtigungen oder Behinderungen werden rundweg abgestritten. Nicht, weil sie nicht existieren, sondern das Publikum möchte nicht damit konfrontiert werden.
      2. Nachdem das Problem durch schiere Ignoranz subjektiviert worden ist, wird jede gesellschaftliche Beteiligung an der Problemlage abgestritten und dem Individuum als eigenes übereignet: „Ab mit dir in die Mucki-Bude und arbeite an deiner Persönlichkeit!“

      Auch wenn es sich um keine körperliche Behinderung handelt, sondern um Formen von Autismus oder Asperger oder soziale Phobien, erfolgt die Ausblendung der objektiv existierenden Beeinträchtigung. Es wird nicht gefragt, ob solche Probleme für den Incel existieren, sondern unterstellt, es handle sich um Probleme die durch eigenes Handeln schnellstens lösbar wären. Diese Unterstellung und Verzwergung auf der ersten Ebene führt automatisch zum Vorwurf der Unterlassung auf der zweiten Ebene.

      Kafka-Trap: Männern wird unterstellt, dass sie ihre eigene psychische Befindlichkeit nicht ernst genug nehmen würden und eine „Mister-fix-it“-Mentalität hätten – machen sie ihre eigene psychische Befindlichkeit zum Thema, wird ihnen vorgeworfen, nicht genug „Mister-fix-it“ zu betreiben.

      Die verborgene Botschaft 1: Das Publikum möchte nicht damit konfrontiert werden.
      Die verborgene Botschaft 2: Der gnadenlose Entzug jedweder Empathie gegenüber Problemen die Männern haben muss gleichermaßen gelten und unentdeckt bleiben; der Hohn und der Sadismus gegenüber den „Versagern“ ist gerechtfertigt, denn sie haben ihn verdient.

      Es wäre in dieser Gesellschaft völlig unmöglich, dass mit Frauen genauso verfahren wird.

      Wie groß das zugrunde liegende – und nie diskutierte – gesellschaftliche Problem (in den USA) ist, steht auf der Startseite der Incel-Wiki: „Among American millennials, 15-30% are incels, roughly 51% do not have a steady partner, roughly 30% are often or always lonely, and roughly 22% have no friends.“
      Wobei „Millenial“ alle Personen umfasst, die zwischen 1981 und 1996 geboren sind.“

      Weiter aus dem Jahr 2019: „The portion of Americans 18 to 29 reporting no sex in the past year (!!!) more than doubled between 2008 and 2018, to 23 percent.“
      https://www.sciencealert.com/the-percentage-of-americans-not-having-sex-has-reached-a-record-high

      Dies setze sich jedoch so zusammen: 18% der jungen Frauen in diesem Altersspektrum, aber 28% der jungen Männer hatten im letzten Jahr (!!!) keinen Sex.
      Wohlbemerkt: Per Definition ist Incel, wer im letzten halben (!) Jahr unfreiwillig keinen Sex hatte.

      Zusammengefasst: In der Alterskohorte zwischen 24-39 Jahren 15-30% hatten per Definition (Incel) wenigstens im letzten halben Jahr keinen Sex, 51% (die Mehrheit) keine/n feste/n Partner/in, 30% sind oft oder immer einsam und 22% haben keine Freunde.
      In der zwischen 18-29 hatten satte 28% aller Männer im ganzen Jahr 2018 gar keinen Sex.

      Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund ist m.E. erstens die „Dämonisierung“ der Incel als geradezu panischer Versuch zu verstehen, nicht zu „diesen Verlierern“ dazu gerechnet zu werden, obwohl man es per Definition ist.
      Zweitens ist das Problem der sozialen Vereinsamung und der Beziehungs- (!!!) und Sexlosigkeit offensichtlich ein Massenphänomen, dessen Diskussion sich kanalisieren lässt, wenn man es unter dem Label „Frauenhass“ einsortiert.
      Dieses Label sorgt drittens für eine gezielte Mitleidslenkung – schaut nicht auf die Männer in erbärmlichen Zustand, sondern auf die, denen der unterstellte „Hass“ gilt und das sind (selbstredend) besonders Frauen.
      Mit dem „Othering“ des gesellschaftlichen Problems als eines der Konstruktion „Incel“ ist der Kreislauf der Ignoranz wieder geschlossen.

      Gesellschaftliche Probleme in diesem Umfang, die besonders eine gesellschaftliche Gruppe betreffen, lassen sich auf Dauer aber nicht unter den Teppich kehren, ignorieren und in „gewohnte Bahnen“ lenken.
      Auch nicht von feministisch dominierten MSM und nicht durch diese initiierte Zensur.

      Antwort
      1. Jochen Schmidt

        Prima Analyse!

        Da Du ja gerade „White Fragility …“ liest (oder gelesen hast): Wäre jene Einstellung, die Du hier gegenüber den Incels diagnostizierst, vergleichbar mit jener Einstellung, welche DiAngelo weißen Leuten gegenüber Schwarzen und Rassenproblemen unterstellt?

        Antwort
    2. Billy Coen

      Hallo Claudia! Lange nichts mehr von dir in unserer „Masku-Blase“ gelesen… ;)

      „ein eindrücklicher Artikel aus männlicher Sicht, der – aus meiner Sicht – nicht den Verdacht aufkommen lässt, er sei „aus Frauenhass“ inspiriert.“

      Danke und ja, deine Sicht ist korrekt. Ich bin, wohl ganz in der Tradition „führender Maskus“ wie Warren Farrell oder Arne Hoffmann, ein klarer Gegner kollektivistischen Denkens. Und Frauenhass wäre ja exakt das. Wenn ich Menschen hasse, was eh eher selten der Fall ist, dann für das, für was sie als Individuum stehen, was sie sagen, was sie tun. Nicht für irgendeine willkürlich gewählte Gruppe, der sie angehören, vor allem, wenn sie individuell nicht das geringste dafür können, zu dieser oder jener Gruppe zu zählen.

      Nur leider scheint diese Denke bei uns Menschen nicht ausreichend weit verbreitet zu sein, zumindest nicht so, dass sie sich auch, abseits von wohlklingenden Behauptungen, in der Lebenswirklichkeit Bahn bricht. Der enorme Erfolg der intersektional geprägten Identitätspolitik ist da ein trauriges Zeugnis für. Ich finde es höchst ernüchternd, dass die Anhänger dieser Ideologie sich zwar überzeugt selbst als Antirassisten und Antisexisten sehen, in Wahrheit aber exakt das ausleben, wogegen sie angeblich vorgehen, dabei nur andere Feindbilder pflegen; und alleine das Austauschen der Feindbilder reicht aus, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre eigene kollektivistisch geprägte Menschenfeindlichkeit zu erkennen.

      Ein wunderbares Beispiel ist dafür immer noch der ohne weiteres auf SPON veröffentlichte Text von Margarete Stokowski, dessen Inhalt uepsi in einem späteren Blogbeitrag hier spiegelte (https://uepsilonniks.wordpress.com/2020/08/12/liebe-schwarze-ihr-habt-die-strassenseite-zu-wechseln/). Auch die Maggy beginnt dabei, über die Aufzählung von Männern begangener Straftaten ein Bild allgemein bedrohlicher Männlichkeit zu zeichnen, um final auf den „gutgemeinten“ Ratschlag abzuheben, Männer sollten doch einfach mal die Straßenseite wechseln, wenn eine Frau vor ihnen herläuft oder ihnen entgegenkommt, um ihnen so ihre Nichtbedrohlichkeit zu demonstrieren. Das Interessante daran ist, dass nicht wenige der genannten Taten von Männern mit ausländischen Wurzeln begangen wurden, ein Hinweis wiederum auf diese Gemeinsamkeit brächte allerdings Fräulein Stokowski umgehend in Schnappatmung, denn das wäre ja Nazi. Alleine, weil sie nicht in ähnlicher Weise darauf konditioniert wurde, Männerfeindlichkeit zu erkennen, wie sie gelernt hat, Ausländerfeindlichkeit zu sehen, merkt sie wohl tatsächlich nicht, wie sie alleine schon mit dem Anfang ihrer Kolumne eins zu eins rechtsextreme Argumentationsmuster kopiert, nur dass sie ihre Beispiele nicht dazu instrumentalisiert, allgemeine Angst vor Ausländern zu schüren, sondern vor Männern.

      Deine Fragen sind berechtigt, bewegen sich aber auf einer anderen Ebene, als die hier thematisierte. Individuell ist es klar, dass es auch Mädchen und Frauen gibt, die schüchtern sind und / oder aufgrund äußerlicher Mängel gemobbt werden.

      Hier geht es ja nun aber eher darum, wie diese Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit wahrgenommen werden und da spielt erneut der Kollektivismus inklusive des Gender-Empathy-Gaps mit rein. Wenn ein Mädchen ihr Leid klagt, wird sie damit gewiss nichts bei ihren Mobbern erreichen, aber sie hat weit größere Chancen, bei anderen auf Gehör, Mitgefühl und Trost zu stoßen. Das geht so weit, dass mit großer Zuverlässigkeit auch mediale Thematisierungen dieser Probleme sehr häufig Mädchen als Beispiele aufführen. Diese soziale Demonstration von – wenn auch letztlich doch nur virtueller – Unterstützung macht es ggf. Mädchen vergleichsweise „leichter“, offensiv mit ihren Notlagen umzugehen. Jungen befürchten oft, leider nicht unbegründet, schnell abgekanzelt zu werden mit „stell dich nicht so an!“. Was das Schreiben von Texten angeht… Nun ja, die Poesie ist voll von Männern, die ihre Gefühle künstlerisch verklärt zum Ausdruck brachten. Dies gefällt zwar jedem Schöngeist, einer sozialen Erkenntnis, dass auch Männer keinesfalls gefühlsärmer sind als Frauen, hat dies aber leider keinen Vorschub leisten können.

      Du sagst ja selbst, dass dein medial geprägtes Bild von Incels ist, dass sie sich eher in Frauenfeindlichkeit hineinradikalisieren. Ich weiß nicht, wie realistisch dieses Bild ist. Bei einer Internetcommunity, die aus zigtausenden regelmäßiger User besteht, ist es ein leichtes, wirre Kommentare durchgeschallerter Typen darunter ausfindig zu machen, die man dann medial ausschlachten kann. Aber genau das ist ja die Frage, die auch Crumar hier anspricht: Was verleitet so viele medial Tätige dazu, sich notorisch die Extremisten rauszukrallen, um darüber dann die ganze Gruppe zu verunglimpfen. Ich finde es immer unfassbar, wenn dann ständig sogar ein Mörder wie Elliot Rodger als „Muster-Incel“ dargestellt wird. Wenn der Typ auch nur annähernd exemplarisch wäre, müsste es, bei der Größe der Online-Communities alleine, schon an die 100 Amokläufe täglich in der westlichen Welt geben. Tut es das?

      Es ist meines Erachtens auch diese Art der öffentlichen Exekution demonstrierter Empathielosigkeit, die es Jungen und jungen Männern zusätzlich erheblich erschwert, einmal aus ihrer Isolation in sich selbst auszubrechen, sich hilfesuchend nach außen zu wenden. Für sie bleibt gefühlt ja nur noch, sich ausschließlich mit „ihresgleichen“ auszutauschen, weil so zumindest das Wissen des erfahrenen Leids eine vertrauensbildende Gemeinsamkeit schafft. Und obwohl solche Filterblasen verzweifelter Individuen ein gewisses Radikalisierungspotential schaffen, macht die Gesellschaft, angeheizt von vor allem den Schaum vor ihrem Mund kaum verleugnen könnenden, feministischen Autoren und Autorinnen, genau das, was diesen Jungs nur noch mehr zeigt, dass sie außerhalb dieser Filterblasen auf keinerlei Verständnis hoffen brauchen. Man zeigt ihnen also, dass man sie außerhalb ihrer Filterblasen nicht haben will und nimmt gleichzeitig den Fakt, dass sie sich in Filterblasen einrichten als Gegenstand, um über ihre Verschlagenheit und Gefährlichkeit zu sinnieren. Oder plakativer: Die Gesellschaft wirft diesen Jungs vor, dass sie sich nicht viel eher an diese Gesellschaft gewendet haben, von der sie demonstrativ verachtet werden. Tolle Handlungsoption…

      Also natürlich gibt es auch sehr viele Mädchen, die ähnliche Probleme haben, aber gesamtgesellschaftlich gesehen ist das für Jungen und Mädchen nochmal ein ganz anderer Schnack. Es ist, wie auch Crumar schreibt, nicht vorstellbar, dass in ähnlicher Weise über Mädchen und junge Frauen in vergleichbarer Situation derart abfällig, bösartig und in Teilen grob entmenschlichend berichtet werden würde. Und da wir als Individuen dennoch alle auch in dieser Gesellschaft leben und uns als Individuum an ihr messen und spiegeln, ist es wenig überraschend, wenn Mädchen und junge Frauen vielfach anders und unter Umständen gesünder mit vergleichbaren Situationen umgehen – allgemeine geschlechtertypische Verhaltensdifferenzen jetzt mal ganz außer Acht gelassen. Sie bekommen von eben dieser Gesellschaft eine komplett andere Botschaft vermittelt, als Jungen und junge Männer. Mädchen und junge Frauen werden ausschließlich ermutigt – neudeutsch „empowert“ – Jungen und junge Männer hingegen, vor allem medial wie auch politisch, verspottet und / oder dämonisiert. Da einen einzelnen Jungen zu fragen „warum machst du es nicht mal wie das Mädchen da?“, halte ich vor diesem Hintergrund für unfair.

      PS: „Wäre ich ideologisch stramme Feministin, würde ich jetzt auf „toxische Männlichkeit“ verweisen – aber erstens bin ich das nicht und zweitens wären dann beim Gegenüber schnell die Schotten dicht – bin ja hier auf einem Männerblog.“

      Dass du das nicht bist, ist mir bekannt. Obwohl wir, unter anderem bei Man-tau schon das eine oder andere Mal unterschiedlicher Meinung waren, schätze ich dich, auch aufgrund deiner eigenen Blogartikel, als vernünftige, diskussionsbereite und glaubhaft antisexistische Person ein. Wobei ich mutmaßen würde, dass ein Verweis auf „toxische Männlichkeit“ nicht nur auf einem dezidierten Männerblog, sondern wohl so ziemlich überall außerhalb Radikal- / intersektional feministischer Filterblasen ein überaus ungeeigneter Diskussionseinstieg wäre… ;)

      Antwort
  3. ClaudiaBerlin (@HumanVoice)

    Ich danke Euch für die umfangreichen Kommentare!
    Um mal zu schauen, wie es sich im deutschsprachigen Raum in Sachen Partnerinnenlosigkeit verhält, suchte und fand ich folgende Statistik zu den Gründen fürs Single-Sein bei Männern und Frauen:

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163192/umfrage/gruende-fuer-partnerlosigkeit-von-singles-nach-geschlecht/

    Dabei begründen fast doppelt so viele Männer ihr Single-Dasein mit „Schüchternheit“, was ja zum hier beklagten Zustand passt.

    Interessant auch, dass der Grund „Meine Ansprüche an einen Partner sind zu hoch“ von 30,2 % der Frauen und 25,5% der Männer angegeben wird. Trotzdem steht als Fazit unter der Statistik:

    „Die Statistik das ergebnis einer Umfrage zu den möglichen Gründen von Singles für ihre Partnerlosigkeit nach Geschlecht. 25,5 Prozent der befragten Single-Männer halten ihre Ansprüche an den Partner für zu hoch.“

    Schon heftig!

    Antwort

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