Billy Coen über die unterschiedliche Bewertung von Sexismus und Rassismus

Billy Coen:

Danke, dass du die Analogie zur Ausländerfeindlichkeit gezogen hast. Dann muss ich das nicht schon wieder übernehmen.

Aber es ist eben unübersehbar, wie gleiche Dinge völlig ungleich betrachtet werden. Man würde es Niklas dem Neonazi nie als Entschuldigung für seinen gruppenbezogenen Menschenhass durchgehen lassen, dass er (vermeintlich) jahrelang auf dem Schulhof von Ali, Murat und Erkan drangsaliert worden ist. Selbst wenn diese ihn mehrmals krankenhausreif geprügelt hätten, würde man es nicht als legitim abtun, wenn er diese Erlebnisse schlank auf alle Türken projiziert. Dieselbe Extrapolation von Einzelerlebnissen auf alle Männer hingegen ist nicht nur legitim, sie ist geradezu eine Art gesellschaftliche Übung geworden. Man könnte in unserer Gesellschaft fraglos keine andere geschlechtlich oder rassisch definierte Gruppe derart widerspruchslos mit den Worten „Alle xxx sind Schweine!“ kombinieren, wie man es mit Männern kann. Eine solche Aussage gilt dann wahlweise als „satirisch“ oder gar als progressiv.

Ohne Julia hier in eine „Guilt by Association“ verstricken zu wollen – ich habe jetzt keine Lust ihre Artikelvita zu checken – aber gerade die taz, für die sie auch mal publizierte, ist ein Musterbeispiel für diese Doppelmoral. Auf der einen Seite kriegt man sich dort beständig nicht wieder ein vor Empörung über Rassismus (natürlich nur gegen Nichtweiße) oder über das, was man inzwischen dazu hochstilisiert, aber gleichzeitig ist diese Postille das Organ, welches, trotz der im deutschen Medienmarkt diesbezüglich übermächtig stark erscheinenden Konkurrenz, quantitativ wie qualitativ für die hochfrequenteste Schlagzahl im Pumpen regelrecht pathologisch anmutenden Männerhasses verantwortlich ist. Ich kann mir also schwer vorstellen, dass ihr diese Zustände verborgen geblieben sein können.

Hier in einem inhaltlich der Männerrechtsszene zuzuordnenden Forum einzuwerfen, bevor man sich darüber beschwere, dass manch Frau alle Männer Scheiße findet, man erst einmal zur Kenntnis nehmen müsse, dass sich unter den Männern eben auch einzelne befinden, die tatsächlich Scheiße sind – was hier ganz nebenbei nie jemand infrage gestellt hat, wo wir mal wieder beim Thema „Strohmann“ wären – dann ist das das absolut selbe, als würde man Ausländern sagen, bevor sie sich über rechte Hetze gegen ihre Gruppe beschweren, sollten sie erst einmal anerkennen, dass es unter ihnen eben auch einen Anteil Asozialer und Krimineller gibt.

Ein Gedanke zu „Billy Coen über die unterschiedliche Bewertung von Sexismus und Rassismus

  1. Andy

    Aus privilegientheoretischer Sicht passt der Vergleich Männerfeindlichkeit / Ausländerfeindlichkeit nicht. Männer und Inländer stehen oben in der Privilegienhierarchie, Frauen und Migranten stehen oben in der Opferpyramide. Täter dürfen nicht von Einzelfällen, selbst wenn diese häufig vorkommen, auf die strukturelle Verderbtheit der gesamten Tätergruppe schließen, Opfer hingegen schon (weil sie ohnehin alles dürfen).

    Ich würde von „struktureller Doppelmoral“ sprechen.

    Antwort

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