Cuties

Der Film Cuties, welcher mit sexualisierten Mädchen Aufmerksamkeit ziehen will, sollte ein Skandal werden. Sollte. Ich denke, das war die Intention. Sexualisierte kleine Mädchen. Eine breite erregte Debatte von Bild über ARD-Brennpunkt bis Heute-Journal. Eine Tagung im Bundestag. Trendende Hashtags auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Medien, denn: Skandal!

Amie unterliegt einer strengen islamischen Erziehung. So besucht sie Koranschulungen, wo sie lernt, dass es ihre Pflicht sei, als Frau dem Mann zu gehorchen. Sie trägt dort Kopftuch, hier ist man keusch und fromm. Im Kontrast dazu stößt sie auf eine Mädchengang, die sie zuerst mobbt, dann aber doch aufnimmt. Diese will mit sexualisierten Tänzen an einem Wettbewerb teilnehmen. Sie dienen sich als also einem Patriarchat an, welches von Frauen verlangt, sich schön und sexy zu geben (das kann jede Frau auch unterlassen, nur das es ihr dann schwerer fallen dürfte, einen Mann zu finden, der ihr ein angenehmes Leben unterhält). Dabei kommt es zu Streitigkeiten in der Klicke, deren Auswüchse eines der Mädchen beinahe das Leben kostet. Anstatt also zusammen zu halten gegen die Männerwelt, unterwerfen sie sich ihrem Diktat und lassen sich entzweien. Am Ende nimmt Amie am Tanzwettbewerb teil, erkennt dann aber mittendrin, dass das grundfalsch ist und flüchtet tränenaufgelöst von der Bühne.

Feministen nahmen den Film in Schutz. Die, die sonst sexualisierte Darstellungen selbst von erwachsenen Frauen verurteilen, sagen über Kritiker, sie seien „rechte Trolle“. Vermutlich deshalb, weil der Film eine Kritik am Patriarchat darstellen soll, am muslimischen wie am westlichen – nur dass die Menschen im Patriarchat eine Sexualisierung von Kindern scharf ablehnen, wie sich an den vernichtenden Reaktionen ablesen lässt. Dabei ist der Film väterfeindlich. Amies Vater taucht im gesamten Film nicht auf. Dass er existiert, merkt man nur indirekt, nämlich anhand des Drecks und der Arbeit, die er den Frauen seiner Familie aufhalst. Er nimmt sich eine zweite Frau, was seine erste – Amies Mutter – nur noch weinen lässt. Dass ein Zimmer in der Wohnung für ihn und die neue Frau reserviert ist, bedeutet für Amie, dass sie sich ein Zimmer mit ihrem Bruder teilen muss. Er verursacht für Amie und den anderen Frauen einen Riesenberg an Arbeit für die Hochzeitsvorbereitungen. Bei einem seiner Geschenke an Amie – ein Kleid für das Fest – hat Amie die Vision, dass Blut aus ihm herausströmt. Amie will folgerichtig nichts von ihrem Vater wissen, weigert sich am Telefon, mit ihm zu sprechen, schmeißt es aus dem Fenster und wünscht sich, dass er nie zurückkommt.

Der Film löste keinen Skandal aus. Ein paar Kommentatoren – die rechten Trolle – kotzten sich hier und da über den Mist aus; das breite Publikum verpasste dem Streifen einfach nur eine vernichtende Wertung und zog weiter. Gut so.

Der Film in einem Wort: Langweilig.

Nachtrag: Es zeigt, welch hohen moralischen Ansprüchen Feministen gerecht werden, wenn sie, um gegen das Patriarchat anzustänkern, Minderjährige auf diese Weise missbrauchen.

8 Gedanken zu „Cuties

  1. jalavarietas

    Ich mag ja oft deine Artikel, auch wenn ich anderer Meinung bin, aber dieser Text ist einfach nur schlecht. Es klingt beinahe so als hättest du denn Film nicht gesehen… Es geht darum, dass Amie zwischen den Kulturen (der streng islamischen und der sehr sexualisierten) steht und am Ende des Films bemerkt, dass keines von beiden das Richtige für sie ist.

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  2. Peter Müller

    Ich vermute stark, wäre dieser Film von einem (mittel-)alten weißen Mann produziert worden, hätten die gleichen Feministas die ihn jetzt so loben, Gift und Galle gespuckt.

    Aber ausgedacht und produziert hat dieses „Werk“ Maïmouna Doucouré – Eine Frau mit Migrationshintergrund. Die darf das :-)

    Jalavarietas: „und am Ende des Films bemerkt, dass keines von beiden das Richtige für sie ist.“

    Wenn man diesen Subkontext heranzieht, wird allerdings die gnadenlose Passivität der Frau voll ausgeleuchtet. Storyboard:“Junge Frau hüpft auf die Bühne und ruft Hier bin ich, eine aufblühende Hülle, man fülle mich mit Sinn und Sein. Und von links locken Musels mit keuschem Leben und Mutterschaft als Erfüllung, von rechts die agnostischen Konsumisten mit leichtem Leben, Spaß und Sex und am Ende will sie keins von beidem und steht weiter leer herum…Und wenn sie nicht an ihrer Passivität gestorben ist, welkt sie weiter leer vor sich hin…“

    Hihi, irgendwie passend, dass die Jammer-Feministas von heute mit ihrer absurden Anspruchshaltung rein aus dem Frausein heraus die Story gut finden…aber nur weil eine Frau das produziert hat, natürlich…

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    1. Renton

      „Junge Frau hüpft auf die Bühne und ruft Hier bin ich, […] man fülle mich mit Sinn und Sein.“

      Diese Interpretation halte ich für verfehlt. Die Hauptperson macht sich aktiv auf die Suche, sie probiert etwas Neues aus. Das ist kein passives Sich-füllen-lassen. Und bloß weil der Film damit endet, dass sie weder ihrem alten noch ihrem neuen „Lebensentwurf“ etwas abgewinnen kann, und somit erstmal ohne dasteht, zu spekulieren, dass sie in Zukunft weiter „leer herumsteht“ und „passiv vor sich hin welkt“, ist eben genau das: Spekulation, aber nicht Inhalt des Films. Der Film erzählt, wenn ich das richtig verstehe (habe ihn nicht gesehen), von der Suche eines jungen Mädchens nach ihrem Platz in der Welt. Wäre sie ein paar Jahre älter, würde man von einem Coming-of-Age-Film sprechen.

      Dementsprechend ist die Bezeichnung „junge Frau“ für eine 13- oder 14jährige (Alter der Schauspielerin) übrigens ebenso verfehlt.

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      1. Peter Müller

        Sie sucht nicht aktiv, sie stolpert in der Schule darüber und wird dann reingezogen. So wie sie auch die antagonistische Lebensweise nicht aktiv entwickelt sondern nur repitiert. Das leer umherlichtern wird ganz gut dargestellt.

        Und zu „junge Frau“: Aus unserer kulturellen Perspektive stimmt das „verfehlt“, es ist ein pubertierendes Mädchen. Früher hat man diese Stufe „Backfisch“ genannt. Aber das war in einer anderen Zeit.

        Tatsächlich aber ist eine Schlüsselszene des Films der mütterliche Hinweis an den Backfisch, dass es jetzt eine Frau ist. Andere Kultur: Frau-sein beginnt mit der Menarche und endet mit dem Tod (in Schande, wenn sie nicht dazwischen viel Nachwuchs aus sich rauspresst und/oder viele andere Vorschriften befolgt)

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        1. Peter Müller

          Nicht „repitiert“, was dann repetiert wäre, sondern reproduziert wollte ich schrieben…Eine Korrekturfunktion wäre manchmal echt hilfreich.

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        2. Renton

          Na gut, Du scheinst den Film gesehen zu haben, ich nicht, dann verlasse ich mich auf Dein Urteil.

          Jaja, die nicht vorhandene Editierfunktion…

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  3. Sabrina Seerose

    Nach allem, was ich bisher von diesem Machwerk gesehen, und in den Kommentaren darüber gelesen habe, kann ich mich weitgehend den mMn überwiegend zutreffenden Kommentaren der Männer auch hier wieder anschließen.
    Wie „naiv“, wie unbestimmt, und als beliebig steuerbare Masse verfügbar muß Mädchen/Frau denn sein, um eine solch fragwürdige Botschaft über eine Pädo-W….-Vorlage meint rüberbringen zu müssen?!
    So sehr ich dem YX-Kommentar zustimme, so würde ich das Muselmanen-Patriachat aber nicht verniedlichend als „prüde“ bezeichnen; ich präferiere hierzu die Bezeichnung „geheuchelt-prüde“.

    Antwort

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