Crumar: Über alte Linke, Linksidentitäre und Anti-Rassismus

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Das Problem ist, was die alte Linke – darunter Marxisten – als „Anti-Rassismus“ verstanden hat, hat mit dem, was Linksidentitäre darunter verstehen nichts mehr zu tun.

Die alte Linke ging von dem Universalismus aus, dass alle Menschen gleich sind (im Sinne von Rechten, Freiheit, Menschenwürde) und Stereotype, Klischees und Vorurteile gegenüber anderen Gruppen zwar existieren, aber überwunden werden können.

Die Linksidentitären gehen davon aus, dass dieser Universalismus eine Erfindung der Weißen ist, die sich selber damit als Maßstab setzen und diese Werte dazu dienen, ihre weiße Vorherrschaft (white supremacy), die ihnen weiße Privilegien (white privilege) sichert, zu legitimieren. Kurz: Es ist ein Machtreduktionismus par excellence. Was aber bspw. an „Menschenwürde“ spezifisch weiß sein soll, erschließt sich nur den „woken“.

In diese „weißen Privilegien“ wird man hineingeboren – wie praktisch für diese „Theorie“, dass man sich damit einen Blick auf die konkrete Sozialstruktur eines Landes ersparen kann. Unglaubliche Arbeitszeitverkürzung. /sarcasm
Aus dieser unwissenschaftlichen Sicht ist es „logisch“, dass ALLE Weißen privilegiert sind und ja, auch der weiße obdachlose Mann ist zweifach privilegiert gegenüber einer schwarzen Multi-Millionärin.

Hier wird immer wieder kritisiert, es handle sich um einen primitiven „Kollektivismus“ – das ist nur die halbe Wahrheit. Es sind vor allem „Kollektive“, die überhaupt nicht existieren. Es sind reine Kopfgeburten einer Pseudo-Theorie auf biologistischer Basis.

Dieser Rassismus ist „den Weißen“ also angeboren, sie haben ihn gefälligst zu gestehen (als „racial bias“) und wiedergutzumachen, indem sie ihre Macht und Privilegien abgeben. Er ließe sich nur durch jahrelanges antirassistisches Training im Zaum halten und ist prinzipiell unüberwindbar.

Wie ausgesprochen hilfreich für den Broterwerb als ein solcher Trainer, dass man a. als Weißer nur rassistisch sein kann (gerade wer leugnet er sei Rassist ist einer), b. jede Form von Ungleichheit darauf hindeutet, dahinter steckt Rassismus und c. auch jeder zwischenmenschliche Konflikt, wie auch jede Interaktion zwischen den „Rassen“ zwangsläufig eine rassistische Komponente hat.

Und jetzt stelle dir vor, wie eine Gesellschaft aussieht, die nur ausreichend genug „trainiert“ worden ist, nämlich mit Folgen, die absehbar sind: Gegenseitiges Misstrauen, permanente Vorwürfe und Unterstellungen von einer Seite, Rückzug in die jeweiligen „Kollektive“, Segregation. Also prinzipiell das genaue Gegenteil von dem, was die alte Linke – mit Martin Luther King – gewollt hat, nämlich einen Menschen nach seinem Charakter, nicht nach seiner Hautfarbe zu beurteilen.

Die Theorie hinter dem Begriff „Anti-Rassismus“ hat sich komplett geändert, das liegt nicht am „Das ist kein echter™ xxx“, sondern die Linksidentitären wollen den Begriff kapern, um ihr völlig absurde, kontraproduktive „Theorie“ durchzusetzen.

An der extrem auffällt, Fragen sozialer Ungleichheit werde nicht mehr allgemein behandelt (s. weißer obdachloser Mann), sondern nur noch im Kontext der Hautfarbe. Womit es vortrefflich gelingt, weiße Armut – und damit die absolute Mehrheit der Armen in den USA – einfach verschwinden zu lassen. Die sind schließlich privilegiert. Durch die Überführung einer sozialen Frage in einer der „Rasse“, ist man die soziale Frage elegant losgeworden.

Rate mal, wie es mir geht, mit diesem Pack in einem Atemzug als „Linker“ genannt zu werden. Es handelt sich bei den Linksidentitären um die beste Linke, die man für Geld kaufen kann.

6 Gedanken zu „Crumar: Über alte Linke, Linksidentitäre und Anti-Rassismus

  1. apokolokynthose

    Wenn die einfach sagen würden: Klasse ist nicht mehr der Hauptunterschied wie früher, wir müssen auch andere soziale Unterschiede berücksichtigen.
    Aber nein, sie vergessen komplett, dass es so etwas wie Klasse immer noch gibt.

    Antwort
  2. zehnter_ochse

    „Es sind vor allem „Kollektive“, die überhaupt nicht existieren.“

    Kurios, dass mir das vorher nie auffiel: „Proletariat“ ist auch kein „Kollektiv“.

    Unter Proletariat wird ein großer Haufen sehr unterschiedlicher Menschen zusammengefasst, die quasi nichts eint, außer ihr Mangel an Fähigkeiten, mit etwas anderem als stupider Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

    Das ist so wenig eine Solidargemeinschaft wie „Mann“.
    Im Gegenteil: Sowohl in Beruf als auch im Sexuellen stecken sie in einer Konkurrenzsituation, ohne dass sie von außen da rein gezwungen würden.
    Und etwa die Hälfte hat von ihrer Persönlichkeit her die Einstellung, sich gar nicht mit allen anderen Proletariern solidarisieren zu wollen, sondern lieber im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Beste rauszuholen.

    Also auch echte™ Marxisten gehen von einem Kollektiv aus, das gar nicht existiert.

    Kurios

    Antwort
    1. crumar

      Das ist ein Missverständnis. Das Proletariat im weiteren Sinne sind alle Menschen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Die Verengung auf „Bauern und manuelle Arbeit“ ist eine primär durch Stalin erfolgte Reduktion.
      Auch „Manager“ sind im strengen Sinne Proletarier, weil sie nicht Eigentümer der Produktionsmittel sind, jedoch agieren sie stellvertretend im Interesse dieser Eigentümer. Sie werden demzufolge bezahlt aus dem Anteil des Mehrwerts, den sie produzieren helfen.
      Wie obszön dieser Anteil gewachsen ist, sieht man daran, der bestbezahlte Manager war in der alten BRD der Deutschen Bank 1 Million DM pro Jahr wert – für 500.000 Euro würde der heute nicht einmal aufstehen.

      „Das Proletariat“ im Sinne der Arbeiter für einen Konzern wie Google oder SAP besteht zu einem Großteil aus hochqualifizierten Mitarbeitern, deren Qualifikation hat jedoch nichts mit ihrer objektiven Stellung in diesem Prozess zu tun.
      Subjektiv können sie sich bestens bezahlt vorkommen (weil sie faktisch von der Monopolstellung des Unternehmens auf dem Weltmarkt profitieren) – einen Einfluss auf Konzernentscheidungen haben sie dennoch nicht.
      Im Kern läuft die exklusive Bezahlung also darauf hinaus, auf Mitbestimmungsrechte zu verzichten, die existieren würden, wenn man sich organisieren würde.
      Was wiederum die „new technology“ Firmen ermutigt, die Arbeitskraft dieser Menschen durch Überarbeit vorzeitig zu verschleißen.
      D.h. ab 40 Jahren sollte man anfangen zu zittern, weil die frischen Absolventen der Universitäten gegen einen verwendet werden und sich mit 50 Jahren zum (überflüssigen) alten Eisen zählen.
      Bis zur Rente sind dann aber noch ein paar Jahre…

      Der Witz ist, durch den „Produktionsprozess“ auch in diesen Firmen ergibt sich ein Interessengegensatz, den du auch durch noch so viel Ideologie nicht beseitigt bekommst.
      Es ist völlig egal, wie sich diese spezifische Klasse „rassisch“ oder per Geschlecht zusammensetzt, von den Folgen sind alle betroffen.
      Was hier versucht wird, ist dieses Klasseninteresse zu fragmentieren.
      Analog zu dem Buch von Gunnar ist das Geschlecht xxx, die Ethnie yyy BESONDERS betroffen davon 40 Jahre alt zu werden. Während die Zahlen dir das Gegenteil sagen.

      Hast du aber genügend hilfreiche „Anti-Rassisten“ am Start, dann FÜHLT sich eine bestimmte Klientel BESONDERS benachteiligt.
      Die Ursache ist nicht mehr, dass sie für die Überarbeit nicht mehr taugt, weil zu alt.
      Sondern weil Hautfarbe yyy.
      Die „Diskriminierung“ steckt nicht mehr im „Produktionsprozess“ selbst, sondern ist außerhalb angesiedelt, eben in der Hautfarbe.

      Deshalb werden diese nützlichen Idioten fürstlich bezahlt – sie bringen die eigentlichen Interessenkonflikte auf ein Niveau, auf dem sie nicht mehr als Interessenkonflikte sichtbar sind.
      Sie sind magisch „verwandelt“ in Konflikte zwischen Geschlechtern und zwischen „Ethnien“.

      Antwort
  3. Pingback: Die Linke von heute ist auch nicht mehr, was sie mal war – apokolokynthose

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