Billy Coen über die Sichtweise auf die schwarze und weiße Unterschicht

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Ich würde die Sklaverei als Grundlage heutiger sozialer Verteilungen nicht mehr allzu hoch gewichten. Seit dem Ende des Bürgerkrieges hat es eine immense Evolution der amerikanischen Gesellschaft gegeben in deren Zuge, nur die Sklaverei betrachtet, ausreichend Raum gewesen wäre, die durch die Sklaverei hinterlassenen sozialen Bedingungen unterschiedlicher Demographien weitgehend zu nivellieren.

Wesentlich schwerwiegender dürfte da die in etlichen Staaten noch bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hineinreichende Rassensegregation gewesen sein, die es vielfach Schwarzen unmöglich machte, höhere oder überhaupt nur durchschnittliche Bildungsgrade zu erreichen. Dadurch wurde die amerikanische Unterschicht seinerzeit angereichert mit überwiegend schwarzen Menschen in prekären Lebensbedingungen. Die in dieser Zeit massiv entstandene Ghettoisierung der schwarzen Unterschicht dürfte die Vererbung dieses Zustandes teils bis in die Gegenwart gefördert haben. Da fand einfach von Geburt an eine vollends schiefe Sozialisierung statt, nicht selten das Abdriften in die Kriminalität.

So eindeutig sind diese Zustände aber heute auch schon lange nicht mehr verteilt. Der Fakt, dass die Mehrheit der amerikanischen Unterschicht weiß ist, dringt wohl nur aus zwei Gründen nicht ins gesellschaftliche Bewusstsein: erstens sind viele dieser weißen Unterschichtler Leute, die einen Absturz aus der unteren Mittelschicht hinter sich haben, den sie sich aber, wohl aufgrund der sozialisierten, teils etwas schrägen amerikanischen Mentalität ums Verrecken selbst nicht eingestehen wollen, ABER zweitens, weil sie auch schlicht als Menschen in prekären Lebensverhältnissen nicht wahrgenommen werden können / sollen / dürfen, weshalb man sie einfach nur als „White Trash“ abkanzelt und die Sache damit als erledigt ansieht. Und da spielt eben das „schwarze Opferabo“ in den Staaten mit rein. Es wäre schlicht unmöglich, in aller Öffentlichkeit schwarze Unterschichtler als „Black Trash“ zu titulieren. Jede politische oder mediale Karriere wäre damit umgehend ultimativ beendet. Die Not weißer Unterschichtler wird in den USA rigoros ignoriert nicht obwohl sondern WEIL sie weiß sind. Das ist der Status Quo des Sozialen in den USA. Nicht deine faktische Lage sondern deine Hautfarbe und ggf dein Geschlecht entscheidet darüber, ob du Gehör und Mitgefühl erfährst. Und Schuld daran sind unter anderem bis zum Bersten mit Privilegien zugeschissene College-Tussen, die in Verhältnissen leben, von denen die überwiegend weiße Unterschicht nur träumen kann, sich aber dennoch mit „I can’t breathe!“-Transparenten auf die Straße stellen, um sich trotz ihrer vollverpamperten Lebenswirklichkeit als unterdrücktes Opfer inszenieren zu können und sich dabei schamlos auf einen Mann berufen, der der Unterschicht angehörte, was aber für sie wiederum völlig egal ist, weil für sie nur seine Hautfarbe zählt, die sie als einzigen Faktor mit ihm gemeinsam haben, diese aber für ihr Narrativ ohne Rücksicht auf Verluste ausschlachten.

„Eine ganz andere Sache ist, heute Lebende Weiße dafür persönlich verantwortlich zu machen oder sie als Rassisten zu beschimpfen.“

Leider scheint mir in den USA dies nahezu untrennbar mit der Erinnerung an diese Zeiten verknüpft. Ein sachlicher Umgang damit und eine objektive Analyse scheint mir quasi nicht stattzufinden.

Ein Gedanke zu „Billy Coen über die Sichtweise auf die schwarze und weiße Unterschicht

  1. Sabrina Seerose

    Ein wirklich sehr guter Beitrag, der die realen Gegebenheiten so benennt, wie sie sind!:

    „Das ist der Status Quo des Sozialen in den USA. Nicht deine faktische Lage sondern deine Hautfarbe und ggf dein Geschlecht entscheidet darüber, ob du Gehör und Mitgefühl erfährst.“

    Wesentlich schwerwiegender dürfte da die in etlichen Staaten noch bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hineinreichende Rassensegregation gewesen sein, die es vielfach Schwarzen unmöglich machte, höhere oder überhaupt nur durchschnittliche Bildungsgrade zu erreichen…Die in dieser Zeit massiv entstandene Ghettoisierung der schwarzen Unterschicht dürfte die Vererbung dieses Zustandes teils bis in die Gegenwart gefördert haben. Da fand einfach von Geburt an eine vollends schiefe Sozialisierung statt, nicht selten das Abdriften in die Kriminalität.“

    Elvis hat darüber so eindrücklich gesungen; Elvis Presley: In the ghetto:

    Wo und wer ist der heutige „Elvis“?!

    Antwort

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