Pauline Harmange will Männer hassen

Harmange meint, Hass gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe wäre kein Problem, mehr Hass wäre gut: „Wenn nun aber Frauen, auf dieses Übel reagierend, die Gesamtheit der Männer geringschätzten, tue das niemandem weh und im Gegenteil den Frauen wohl.“ Was lässt sich darauf erwidern? Zum Beispiel das hier:

Auch bei dem von Deutschland begangenen Völkermord, dem Holocaust an den Juden im Dritten Reich, lässt sich feststellen, dass die Hemmschwelle zur Gewalt gegenüber männlichen Opfern deutlich niedriger liegt. »Die Offiziere der Einsatzgruppen«, stellte beispielsweise der Holocaustforscher Daniel Jonah Goldhagen fest, »konnten ihre Leute an ihre neue Aufgabe als Ausführende eines Völkermordes gewöhnen, indem sie das Töten schrittweise eskalieren ließen. Dadurch dass man sie zuerst vor allem jüdische Männer im Teenager- und Erwachsenenalter erschießen ließ, waren sie schließlich in der Lage, sich auch an Massenhinrichtungen von Frauen, jungen Kindern und gebrechlichen Alten zu gewöhnen.« Was die Ermordungen von Juden während der ersten Wochen des Unternehmens Barbarossa anging, den Angriff der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, gelangt der Historiker Professor Christopher Browning zu einer ähnlichen Einschätzung.

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Aber gut, Harmange geht davon aus, dass Männer an der Macht seien, weshalb Hass gegen sie unproblematisch ist. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, gegen Juden zum Beispiel, unterstellt der angefeindeten Gruppe immer, dass sie an der Macht sei. Diese Unterstellung ist aber nur eine Folge des Diskurses. Männern wird in einem männerfeindlichen Diskurs unterstellt, sie seien an der Macht und würden unmoralisch handeln. Dieser Diskurs führt dazu, dass seine Teilnehmer zu der Auffassung gelangen, Männer seien böse und mächtig, welche sie dann wiederum reproduzieren, indem sie zum Beispiel Bücher schreiben, wonach Männer böse und mächtig seien, weshalb man sie hassen sollte.

Dieser falsche Eindruck entsteht auch dadurch, dass männliche Opfer und weibliche Täter ausgeblendet werden, und männliche Täter wie weibliche Opfer betont. Ein gutes Beispiel ist häusliche Gewalt. Harmange findet, Männer seien hassenswert, da sie Frauen Gewalt antun. Damit ist sie voll auf den Diskurs reingefallen. Denn nicht eine, nicht zehn, nicht 50 Studien sagen, dass häusliche Gewalt genauso oft von Frauen ausgeht, es sind hunderte von internationalen Untersuchungen. Zu diesem Diskurs gehört auch, dass man darüber informiert wird, wie oft Männer Frauen töten, aber Zahlen darüber, wie oft Frauen Männer töten, nur schwer bis unmöglich zu finden sind – es ist einfach nicht wichtig.

Frauengewalt wird tabuisiert, auch die, die sich gegen die Schwächsten richtet. Wird ein Kind ermordet, ist sein Mörder in der Regel die eigene Mutter. Ein Grund, Frauen zu hassen? Auch andere Gewalt gegen Kinder geht überwiegend von den Müttern aus. Aber die Ärmsten sind halt überfordert, wie es dann sofort entschuldigend heißt. Väter, die ihre Kinder misshandeln, werden nicht mit Samthandschuhen angefasst. Ein Vater, der schließlich so eine Hölle verließ und damit sein Kind in Stich ließ, berichtet, wie seine Tochter ihm erklärte: „Was Mama früher mit dir machte, macht sie heute mit mir.“

Aber für solche Menschen gibt es kein Hilfe, weil Menschen wie Harmange den Diskurs dominieren. Und erst recht nicht werden Hasskampagnen gegen Frauen gefahren. Keine Bilder, in denen eine bedrohliche Frauengestalt vor einem verängstigtem Kind zu sehen ist. Keine Kampagnen, wonach der gefährlichste Ort für ein Kind bei seiner Mutter ist. Frauen dürfen das.

Frauen dürfen das im Patriarchat. So wie man unter muslimischer Herrschaft lernt, dass Mohammed ein pädophiler Massenmörder war und der Islam ein Verbrechen ist, so lernt man unter patriarchaler Herrschaft, dass eben Männer Verbrecher sind. Finde den Fehler. Was ist das eigentlich, dieses Patriarchat? Ganz einfach: In so einer Gesellschaft arbeiten Männer für Frauen, was dazu führt, dass Frauen weniger arbeiten, was dazu führt, dass sie weniger verdienen und weniger hoch aufsteigen. Und auch Frau Harmange wird nicht ihren Mann ernähren. Und wenn sie durch den Verkauf ihres Buches nun mehr verdient als ihr Mann, wird sie ihn wahrscheinlich verlassen, denn wenn die Frau mehr verdient, hat sie ganz schnell das Gefühl, die Dumme zu sein, die von ihrem Mann ausgenutzt wird. Und dann verlässt sie ihn. Ein Leben lang in Übervollzeit malochen gehen und den Löwenanteil ihres Einkommens an Mann und Kinder abgeben, so selbstlos ist keine Frau.

Auf Männer einzudreschen ist weder originell noch mutig. Es ist das, was man darf und soll. Mutig ist es, dagegen anzuschreiben, weil man damit tatsächlich in Gefahr gerät. Wer als Student keine feministische Sprache anwendet, erleidet Nachteile und gibt damit obendrein zu erkennen, dass er nicht der richtigen Gesinnung anhängt – gefährlich. Ein weiteres willkürliches Beispiel:

Neil Lyndon: Bis Dezember 1990 war Lyndon einer der bestbezahlten und angesehensten Journalisten Großbritanniens, schrieb für die „Times“, den „Independent“ und den „Evening Standard“. Dann veröffentlichte er einen Zeitungsartikel, in dem er eine wachsende Feindseligkeit gegenüber Männern in den Medien beklagte und zur Sprache brachte, dass die zunehmende Kontaktsperre vieler Väter zu ihren Kindern ein schwerwiegen des Problem darstelle. Darüber hinaus vertrat er die Thesen, dass nicht Mädchen, sondern Jungen in unseren Schulen benachteiligt würden und dass das Gesundheitssystem in Fragen wie der Krebsvorsorge nicht Frauen, sondern Männer vernachlässige. Da sein Artikel als Angriff auf die Grundlagen des Feminismus verstanden wurde und allgemeine Einigkeit darüber bestand, dass der Feminismus heilig war, wurde über Lyndon geurteilt, er müsse offensichtlich schwer psychisch gestört sein, moralisch verkommen, impotent, einen zu kleinen Penis haben oder nicht in der Lage sein, eine Frau zu finden. Lyndon war zu diesem Zeitpunkt glücklich verheiratet und hatte einen Sohn. Als er wenig später ein Buch zu demselben Thema herausbrachte, „No More Sex Wars“, erklärten Akademikerinnen, das Buch solle verbrannt und Lyndon erschossen werden. In erster Linie attackierten ihn Menschen, die das Buch nicht gelesen hatten. Ihm wurden Frauenfeindlichkeit und rechtes Gedankengut unterstellt. Infolge dieser ständigen öffentlichen Attacken zerbrach seine Ehe. Seine Frau wendete sich verstärkt dem Alkohol zu und beteiligte sich schließlich an den Angriffen auf ihren (inzwischen) Exmann. Sie erstritt sich das volle Sorgerecht für den Sohn. Unter anderem, indem sie dem Gericht Auszüge aus Lyndons lästerlichen Schriften präsentierte. Gleichzeitig wurde Lyndon beruflich und gesellschaftlich weiterhin ausgegrenzt und sein Einkommen fiel von mehreren tausend Pfund pro Monat auf mehrere hundert. Schließlich musste er Privatinsolvenz anmelden und sein Haus kam unter den Hammer.

Und was die vermeintliche Rape-Culture angeht: Man muss schon unter schweren Wahrnehmungsstörungen in der Filter-Bubble leiden, wenn man unfähig ist, zu erkennen, dass Vergewaltiger auch unter Männern geächtet sind. Deshalb ist Falschbeschuldigung auch kein Kavaliersdelikt.

Oben führte ich den Holocaust an. Warum eigentlich fällt es leichter, Männer zu töten91f27-ff0c6d9e291b11e398ee22000ab78009_7 als Frauen? Das liegt am Empathiedefizit. Man hat mehr Mitgefühlt mit Frauen. Das ist evolutionär hart in unserem Gehirn verdrahtet. Eine Frau ist fortpflanzungstechnisch wertvoller als ein Mann, weshalb es unser biologisches Erbe ist, Frauen mehr als Männern beizustehen, ihr Überleben zu sichern. Deshalb lässt man Männer in Notlagen eher allein. Und nicht nur das: Die Tränen dieser Männer werden wie Champagner geschlürft, männliches Leid bedeutet Freude für Frauen. Männer stellen die Mehrheit der entsorgten Väter, der Selbstmörder, der Obdachlosen. Wären hier mehrheitlich Frauen betroffen, all das wäre ein Thema wie die immer wieder kehrende Lohnlüge. Eine Frage an Harmange: Wenn hier tatsächlich mehr Frauen betroffen wären, wenn Mütter ihre Kinder nicht sehen würden, wenn Frauen in der Männerherrschaft obdachlos unter der Brücke krepieren würden, und man diese zudem noch verhöhnen würde, würde sie Männer dann noch mehr hassen? Und wenn die tatsächlichen Verhältnisse genau umgekehrt liegen, sollten Männer dann langsam mal anfangen, Frauen zu hassen?

Aber nein. So sind wir nicht.

Ein Gedanke zu „Pauline Harmange will Männer hassen

  1. Tom H.

    Viel mehr Männer sollten es den Frauen gleichtun. Frei nach der Beschreibung der im November erscheinenden deutschen Übersetzung auf der Homepage des Verlags:

    Paul Harmange hasst Frauen – und zwar alle bis auf seine Ehefrau. In seinem kurzen, pointierten Essay appelliert er offenherzig, provokativ und nicht ohne Witz an alle Männer, es ihm gleichzutun und sich nicht mehr darum zu scheren, was eine frauendominierte Umwelt ihnen entgegenbringt. Dabei ist sein Buch keineswegs ein Aufruf zur Gewalt, sondern eine Aufforderung zum Umdenken: Männer sollten das Recht haben, Frauen abzulehnen und ihnen misstrauisch zu begegnen. Denn dieser Perspektivenwechsel kann ein emanzipatorischer und freudvoller Umgang mit einer Welt sein, die noch immer von Ungleichheiten in den Geschlechterbeziehungen geprägt ist. Frauenhass ist für Harmange eine Möglichkeit der Befreiung in ein selbstbestimmteres Leben, in dem mehr Raum für männliche Solidarität und mehr Verbrüderung sein sollte, eine Einladung an alle Männer, Frauen lustvoll zu meiden und Kraft aus den Beziehungen untereinander zu schöpfen.

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