Anmerkung zu „Native Americans“

Ok, Indianer soll man nicht „Indianer“ nennen, da das eine Fremdbezeichnung der weißen Eroberer war, die die Ureinwohner so nannten, da sie sie für Inder hielten – daher „Indianer“.

Man soll sie stattdessen „Native Americans“ nennen. Das treffe es besser und man signalisiert die richtige Haltung – wichtig für Gutmenschen.

ABER:

In „Native American“ ist „American“ ebenfalls eine Fremdbezeichnung. Dieser Ausdruck stammt meines Wissens von einem Italiener ab. Die „Native“ haben ihr Land doch bestimmt anders genannt, bevor die weißen Eroberer kamen?

Bringe ich jetzt jemanden auf Ideen? Muss eine neue Bezeichnung her für die Native Americans?

6 Gedanken zu „Anmerkung zu „Native Americans“

  1. Billy Coen

    „Dieser Ausdruck stammt meines Wissens von einem Italiener ab.“

    Korrekt: Amerigo Vespucci. Der kam zwar erst nach Kolumbus in Amerika an, äußerte aber selbst als erster die Vermutung, man habe einen neuen Kontinent entdeckt, während Kolumbus bis zu seinem Tode glaubte, eine westwärts führende Seeroute nach Indien gefunden zu haben, weshalb er die Inseln vor der mittelamerikanischen Ostküste, wo sie anlandeten, auch „Westindische Inseln“ betitelte.

    Der Begriff „native american“ ist aber auch insoweit – wenn man ihn mal sehr streng interpretiert – Unsinn, weil der Mensch auf dem amerikanischen Kontinent, wie auf weiten Teilen der Erde, keine „native“ Spezies ist. Die ersten Menschen, das ist anthropologisch meines Wissens inzwischen nahezu unstrittig, kamen aus Asien, sehr wahrscheinlich während der Eiszeit über die zugefrorene Beringstraße. Die wussten auf ihrem Marsch nach Osten über Berge von Eis und Schnee wahrscheinlich nicht einmal, dass sie gerade eine Meerenge überqueren und den Kontinent wechseln.

    Die auffälligen Ähnlichkeiten amerikanischer „Ureinwohner“ mit Asiaten sind wohl auch schwerlich von der Hand zu weisen.

    Diese ganze Debatte, die sich aus Amerika über die ganze Welt verbreitet, halte ich grundsätzlich für tiefenverlogen und sozial zersetzend. Immer wird von durchgeschallerten SJWs angeführt, diese oder jene Gruppe fühle sich von derlei Dingen „verletzt“. Faktisch sind jene, die sich in entsprechenden Gruppen von so etwas „verletzt“ fühlen, aber beständig in einer teils geradezu marginalen Minderheit, kaschieren dies lediglich geschickt durch ihr individuell sehr vokales Auftreten. Wenn wir tatsächlich ständig alles infrage stellen wollen, weil sich irgendwelche „Special Snowflakes“ von irgendwas „verletzt“ fühlen, dann können wir jede Kultur, jede Sprache, eigentlich das Menschsein an sich auch gleich einstellen. Gesellschaft kann nicht im Vetoverfahren funktionieren, wo sich gefälligst alle sofort folgsam zeigen müssen, sobald sich irgendwo irgendwer räuspert oder eine Krokodilsträne aus dem Augenwinkel presst.

    Tiefenverlogen ist die Sache natürlich durch die intersektionale Doppelmoral, die dabei betrieben wird. Für irgendwelche erlesenen Gruppen muss gefälligst Mitgefühl aufgebracht werden, welches die Grenze zum Absurden schon lange um Meilen überschritten hat (Stichwort „Mikroaggressionen“), andere Gruppen (Weiße, Männer, Heterosexuelle, „Cis“) hingegen haben sich jede nur vorstellbare Herabwürdigung gefallen zu lassen und dürfen sich dann noch anhören, dass sie aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit nicht diskriminiert werden können. Begründung: sie hätten ja die Macht, obwohl komischerweise jene, die das behaupten, ihren faschistoiden, rassistischen Brechdurchfall, ohne Gefahr von Widerworten oder gar Veröffentlichungsverweigerung, über die reichweitenstärksten Medien tonnenweise in den Äther pumpen können, während die „Mächtigen“ von sofortigen Twitter- Facebook- etc.-Löschungen bedroht sind, wenn sie sich nur wagen, diesem Beleidigungsstakkato zu widersprechen.

    Oder ganz kurz zusammengefasst: ich kann den ganzen Scheiß echt nicht mehr hören…

    Antwort
      1. Billy Coen

        Das widerspricht aber meiner Aussage nicht. Ich schrieb nicht von den „ersten Menschen“ sondern von den ersten Menschen IN AMERIKA(!). Die Eiszeit war laaaaaaaaaange nach dem besagten Zeitraum vor 4,4 Millionen Jahren.

        Antwort
  2. Blue Jaw

    „Muss eine neue Bezeichnung her für die Native Americans?“

    Unbedingt, je schneller sich das Begriffskarussell dreht, umso mehr Minderheiten die vorschreiben, wovon sie gekränkt zu haben sein sollen, desto schneller machts Knirsch.

    „Bringe ich jetzt jemanden auf Ideen?“

    Wie mans nimmt, der Name des Kontinents muß sowieso geändert werden, da Vespucci seine Finger im Sklavenhandel hatte.

    Antwort
  3. apokolokynthose

    Wenn man im Dt. „Amerikanische Ureinwohner“ sagen würde, wäre das immerhin eine ungefähre Umschreibung. Die Vorsilbe „Ur-“ bezeichnet ja sehr altes oder erstes, aber nicht notwendigerweise „ewiges“.
    Ansonsten wäre die Frage, ob „Native Americans“ eigentlich aus dem Quetschua, Nahuatl oder einer der vielen anderen indigenen Sprachen käme…

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s