Die Hausfrauenneurose

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So souverän wie obige Madamme können nicht alle Frauen damit umgehen, dass sie und nicht er die Privilegierte in der traditionellen Rollenverteilung ist, dass sie und nicht er ein Leben führt wie ein reicher Bürger, das heißt vom Übel der Arbeit befreit.

Esther Vilar diagnostizierte bei Hausfrauen die „Hausfrauenneurose“. Sie führte das darauf zurück, dass es einen Widerspruch gab zwischen der Geschichte, die die Medien, die Gesellschaft den Frauen erzählten – sie sei unterdrückt und benachteiligt – und der Wirklichkeit – sie ist privilegiert und weiß das auch ganz genau: Dieser Widerspruch führe zu einer Neurose.

So sehr ich Vilar schätze, möchte ich hier doch widersprechen. Die Ursache für die Hausfrauenneurose ist eine andere: Nämlich der Umstand, dass die Hausfrau ihren Mann und die Gesellschaft darüber täuschen muss, wie privilegiert sie ist – spätestens wenn die Kleinen größer werden, gerät sie unter Rechtfertigungsdruck; sie muss simulieren, sie arbeite viel und hart. Das berichtete bereits Joan Bitterman: Frauen heben sich die Haushaltsaufgaben bis zum Abend auf, damit der Mann den falschen Eindruck bekommt, nämlich sie wäre mit Haushalt und Kindern ausgelastet bzw. überlastet. Ich hatte mal eine interessante Erfahrung: Ein Karrieremann erklärte mir mal, während seine Frau daneben stand, was er alles im Job zu leisten hätte – sie sagte nichts sondern stierte nur ins Leere.

Das weibliche Anerkennen, dass es sein Opfer ist, welches ihr ein besseres Leben ermöglicht, gefährdet ihr Privileg. Deswegen muss sie betrügen und lebt ständig damit, dass sie auffliegen könnte. Das ist der Grund für die Hausfrauenneurose.

8 Gedanken zu „Die Hausfrauenneurose

  1. beweis

    „Das weibliche Anerkennen, dass es sein Opfer ist, welches ihr ein besseres Leben ermöglicht, gefährdet ihr Privileg.“

    Das eigentlich Erschütternde ist doch, wie unbedarft wir das seit Jahrzehnten mitmachen, ohne es wirklich zu hinterfragen. Dass wir uns permanent und überall eine Benachteiligung der Frau einreden lassen, um sie dann unabhängig von ihrer Leistung im Leben mit noch mehr Wohlstand zu überhäufen, ihr die alleinige Herrschaft über unsere Kinder zu überlassen, ihr besonderen Schutz und Fürsorge zuteil schenken.
    Sie nehmen das nicht einfach und bedanken sich womöglich, nein, sie werden immer gieriger. Und die männlichen Volltrottel malochen einfach noch härter.

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  2. Emannzer

    Wir waren damals drei Kinder und das war ganz sicher damals kein „Nine-till-Five-Job“, den meine Mutter seinerzeit durchgezogent hat. Nicht mal während des (Zelt-)Urlaubs hatte sie auch nur einen einzigen freien Tag.

    Das sollte man nicht mit der heutigen „Latte-Machiatto-Design-Mami“ verwechseln, wie sie hier aktuell herumlaufen – und ob ihrer medialen „Opfertugend“ folgend immer herumjammern und einer angeblichen Doppelbelastung zwischen Kind,Telefonaten und ihren Kaffeehausbesuchen frönen..

    Damals war es allerding zumeist ein 24*7 Job ohne Unterlass.
    Nur mal so als Einwurf, da ich denke, dass man das trennen muss.

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      1. uepsilonniks Autor

        Und nachtragen könnte man noch, dass durch das Lohndumping der letzten Jahrzehnte immer weniger Männer die finanzielle Potenz haben, eine Frau vollständig von der außerhäuslichen Arbeit freizustellen. Das führt dazu , dass die Frauen mehr arbeiten müssen, also das machen, was laut Feminismus deren Befreiung bedeutet. Tatsächlich aber sind sie unglücklicher geworden.

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    1. Mario

      Wir waren damals drei Kinder und das war ganz sicher damals kein „Nine-till-Five-Job“, den meine Mutter seinerzeit durchgezogent hat. Nicht mal während des (Zelt-)Urlaubs hatte sie auch nur einen einzigen freien Tag.

      Wenn ich mir einen Hund anschaffe, habe ich auch keinen einzigen freien Tag mehr.
      Sorry, aber es gibt Entscheidungen im Leben, über die sollte man sich vorher Gedanken machen.
      Mein Mitleid für deine Mutter hält sich in Grenzen.

      Ich stimme dir allerdings zu, dass es früher für Hausfrauen vermutlich anstrengender war als heutzutage. Vielleicht sollten wir Vollwaschautomaten, Kaffeemaschinen oder Geschirrspüler wieder abschaffen. 😉

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  3. Sabrina Seerose

    Ich kann Euren Ausführungen nur zustimmen!
    Die skizzierten Kindheits-Bedingungen der älteren unter uns, haben sich demgegenüber heute weitgehend verändert, und auch meine Mutter war mit ihren Herausforderungen und mit uns fünf Kindern in der gegenüber heute materiell relativ bescheidenen Nachkriegszeit der 50-er Jahre voll ausgefüllt.
    Das, was einmal weitgehend ausgewogene Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern war, ist heute, unter den beschriebenen Umständen, zu fragwürdigen Privilegien mit entsprechender „Hausfraueneneurose“ verkommen.
    Es ist gut, daß Du (YX) dies hier thematisierst, und eine notwendige Diskussion darüber anregst!

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    1. uepsilonniks Autor

      Meine Oma hat sieben Kinder großgezogen in dem Haus, das mein Opa gebaut hat. Über das Jammern der heutigen Feministen würde sie nur den Kopf schütteln. Ja, das sind andere Verhältnisse, als die, die ich in meinem Artikel anspreche.

      Antwort

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