Feministische Argumentationsformen: „Die Frauenquote ist nur ein fairer Ausgleich für die Männerquote“

Häufig wird angeführt, es gebe eine inoffizielle Männerquote, wofür die Frauenquote einfach nur ein Ausgleich sei. Das ist Humbug und dient allein dazu, sexistische Frauenquoten als gerecht zu framen, da damit Frauen nur das erhalten, was Männer angeblich schon hätten. Aber auch für Männer gibt es eine gläserne Decke, das heißt, sie steigen trotz Bemühungen nicht weiter auf, können nur noch ausgegrenzt dabei zusehen, was weiter oben läuft.

Der vermeintliche Mangel an Frauen in Vorstandsetagen geht auf einen Mangel williger und qualifizierter Bewerberinnen zurück. Schon als Studienanfängerinnen belegen sie die falschen Studienplätze. Denn mit Genderlaberei qualifiziert man sich nicht für einen Vorstand. Erst recht nicht für ein Unternehmen der Technologiebranche, und unter Maschinenbaustudenten (sehr schöner Einsatz der geschlechtsneutralen Form) sind Studentinnen so schwer zu finden als die berühmte Nadel im Heuhaufen.

Dann kommt hinzu: Wenn man sich für einen Vorstand qualifizieren will, muss man sein ganzes Leben dem Beruf widmen – über Jahrzehnte in Übervollzeit. Und es sind Feministen selbst, die einräumen, dass Frauen weit weniger bereit sind, dieses Opfer zu bringen, dass sie mehr Wert legen auf die sogenannte Work-Life-Balance, also nicht soviel arbeiten wollen (Nachtrag: Punkt 3).

Wenn es wahr wäre, dass Frauen wie Männer sowohl willens als auch qualifiziert wären, aber erleben müssten, dass inoffizielle Männerquoten sie am Aufstieg hindern, Frauen würden ihre eigen Unternehmen gründen und an die Weltspitze führen.

Und auch das Argument, dass Frauen die „unbezahlte“ Care-Arbeit erledigen müssten, sticht nicht, denn keine ist bereit, es so wie Männer zu machen, nach unten zu heiraten und den Löwenanteil des Lebensverdienstes an Partner und Kinder abzugeben – so selbstlos sind nur Männer.

Am Ende führt all das dazu, dass sich ganz ohne Männerquote unter zehn Kandidaten für einen Vorstandsposten vielleicht ein Frau findet, obwohl es Frauen leichter als Männer haben, dorthin aufzusteigen, die Nachfrage nach Führungsfrauen ist größer als das Angebot.

Naja, eigentlich ist es mir egal, wenn den Vorständen Quotenfrauen vor die Nase gesetzt werden. Was mich aber ankotzt, ist dass sich ein paar privilegierte Frauen der Elite gute Pöstchen sichern, mit dem üblichen Unterdrücktenblabla (wer der Wirtschaft vorschreibt, wie sie ihre Stellen zu vergeben hat, ist an der Macht und nicht unterdrückt), während man Männern die Drecksjobs überlässt – dort wo die Männerquote 99,9% beträgt, wird komischerweise keine Frauenquote gefordert.

10 Gedanken zu „Feministische Argumentationsformen: „Die Frauenquote ist nur ein fairer Ausgleich für die Männerquote“

  1. Christian - Alles Evolution

    “ Und es sind Feministen selbst, die einräumen, dass Frauen weit weniger bereit sind, dieses Opfer zu bringen, dass sie mehr wert legen auf die sogenannte Work-Life-Balance, also nicht soviel arbeiten wollen.“

    Das ist in vielen Diskussionen erst einmal ein heiß umkämpfter Punkt. Hast du da Quellen zu, dass Feministinnen das zugestehen, die könnte ich gut gebrauchen.
    (Meist ist es erst ein heiß umkämpfter Punkt und wenn es dann mit genug Studien belegt ist, dann schwenkt es um zu „diese männliche Work-Life-Balance ist ja auch höchst uneffektiv, die muss eh geändert werden, so schreckt das Patriarchat Männer ab!“)

    Antwort
    1. beweis

      Ist das nicht berechenbar? Es muss doch Zahlen geben, wie viele Frauen ohne kleine Kinder teilzeit arbeiten oder gar nicht und sich halt um die Wohnzimmerdeko kümmern, den Start-Knopf an der Miele drücken oder mit den Freundinnen so viel networken, dass sie unter der Mental Load fast zerbrechen.
      Warum sollten sie das sonst tun, wenn nicht aus Bequemlichkeit oder Faulheit (sog. Work-Life-Balance)?
      Also ich kenne in meinem Umfeld viele Pärchen, wo das so läuft…

      Antwort
    2. Gunnar

      Hallo Christian,

      ich habe zwar keine Quellen zu direkten Aussagen bezüglich Work-Life-Balance, aber ein paar zu indirekten Aussagen hinsichtlich des Wunsches, den bequemen Weg zur Karriere gehen zu wollen (natürlich aus meinem Schwarzbuch Feminismus):

      Adrienne Goehler (GAL) 1986 in Bezug auf die Frauenliste der Grünen:
      „Dieses Sonderrecht nehme ich vollen Herzens und voll bewußt in Anspruch. Wir machen das nicht wie einst die Apo mit ihrem langen Marsch durch die Institutionen. Wir wollen nicht den langen Marsch durch die Männerköpfe, bis nach oben. Wir wollen quer einsteigen.“
      https://web.archive.org/web/20200110221850/https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13518310.html

      Inge Wettig-Danielmeier (ASF in der SPD) 1992 in Bezug auf Frauenquoten in der SPD (S. 282):
      „Viele Frauen, die sich vorher der wenig aussichtsreichen und vor allem demütigenden Konkurrenz nicht stellen mochten, zeigten sich nun bereit, für die SPD Funktionen und Mandate zu übernehmen. Wir haben mit der Quote Sackgassen geöffnet, bestehende Pfade verbreitert und mehr und mehr Frauen die Chance gegeben, auf den Karrierestraßen mitzufahren.“
      https://shop.budrich-academic.de/wp-content/uploads/2018/05/9783863883652.pdf?oa=ja

      Silke Laskowski (Mastermind hinter den Parité-Bestrebungen) 2019 über die Frage, ob sich Frauen nicht einfach die Plätze in den Parteien auch ohne Quote holen können:
      „Aber das setzt voraus, dass alle Frauen bereit sind, sich in diese Männerstrukturen zu begeben.“
      https://web.archive.org/web/20200102164059/https://www.deutschlandfunk.de/debatte-um-parite-gesetz-der-weibliche-blick-fehlt.694.de.html?dram:article_id=439995

      Nina Warken (Frauen-Union in der CDU) 2019:
      „In den Wahlkreisen kandidieren häufig Männer, nicht Frauen. Das liegt auch daran, dass Frauen sich öfters als Männer dagegen entscheiden, in die harte Auseinandersetzung um einen Wahlkreis zu gehen.“
      http://archive.is/zfvzy#selection-5227.65-5227.263

      Antwort
  2. lu7tmp404

    Die gute Maria und ihrer Kameradinnen reden unglaublich gerne über diese jahrhundertealte (warum eigentlich nicht jahrtausendealte?) implizite Männerquote, vergisst allerdings zu erwähnen (beziehungsweise weiß es wahrscheinlich sogar gar nicht, ‚Splitter und Balken im Auge‘) das es sich bei dieser Männerquote um Leibeigenschaft im Dienste des jeweiligen regierenden Herrschers handelt(e) – auch noch heute gang und gäbe, entweder in Form von Militärdienst oder aber auch etwas abstrakter in Form von Unterhalts- und Kindergeldzahlungen.

    Antwort
    1. beweis

      „etwas abstrakter in Form von Unterhalts- und Kindergeldzahlungen“

      Du meinst hier die Leibeigenschaft im Dienste der jeweiligen Herrenfrau mit *ihren* Kindern. Ich kenne keinen Überstunden schrubbenden Familienvater, der das für seine eigene Work-Life-Balance macht oder der nicht auch gerne mal beruflich kürzer treten würde. Dass er die ganze Zeit auch für seine habgierige Frau malocht, wird ihm dann noch hinterfotzig als Eigennutz vorgehalten.
      Da Frauen sich grundsätzlich nicht „nach unten“ liieren, arbeiten die auch nicht für ihre Männer. Ich kenne zumindest kein solches Paar. Entweder sie sind beide Gutverdiener, oder die Frau ist in keiner wirtschaftlichen Paarbeziehung.

      Antwort

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