Crumar über Friedrich Engels‘ feministischen Totalausfall

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Zunächst einmal ist die Redeweise „Unterdrücker und Unterdrückte“ keine marxistische, weil – nicht ohne Grund – das Motiv fehlt.
Im Marxismus ist der Zweck und das Ziel der Unterdrückung die Ausbeutung, bzw. der Aufrechterhaltung dieser.
D.h. die unentgeltliche Aneignung von (Mehr-) Arbeit.
Seitens feministischer Propaganda wurde mit dem Argument der „Doppelbelastung“ der Frauen ständig darauf angespielt. Es wurde eine „Mehrarbeit“ von Frauen einfach durch den Begriff nahegelegt, der aber in der Realität als Mehrarbeit nicht existiert.

Die zitierte Arbeit von Engels „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ (MEW 21) zählt zu seinen Spätwerken und die haben m.E. höchst durchwachsene Qualität.
Ich halte diese für eine Propagandaschrift, die (klein-)bürgerliche Frauen von den Vorzügen des Sozialismus überzeugen sollte, dabei schamlos auf die Tränendrüse drückt und für streckenweise völlig unmarxistisch argumentierend.

Die Passage, auf die sich die Sendung bezieht befindet sich auf S. 75 und lautet im Original: „Der Mann muß heutzutage in der großen Mehrzahl der Fälle der Erwerber, der Ernährer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen, und das gibt ihm eine Herrscherstellung, die keiner juristischen Extrabevorrechtung bedarf. Er ist in der Familie der Bourgeois, die Frau repräsentiert das Proletariat.“

Was vollendeter Quatsch in mehrfacher Hinsicht ist. Ist der Mann Bourgeois, dann ist er auch in der Familie Bourgeois. Die Frau eines Bourgeois ist ebenfalls Bourgeois – sie wechselt nicht einfach per Geschlecht die Klasse.

Zur Ehe in der bürgerlichen Gesellschaft weiß Engels auf Seite 73 zu sagen, die „Heirat (sei) bedingt durch die Klassenlage der Beteiligten und ist insofern stets Konvenienzehe“ (im Gegensatz zur Liebesehe) und die Frau werde „ein für allemal in die Sklaverei verkauft“.
Was bei den „Beteiligten“ bedeutet, sie hatten eine identische, bzw. eben nicht, dazu später.

Er führt auf S. 72 aus (meine Herv.): „Bei allen geschichtlich aktiven, d.h. bei allen herrschenden Klassen blieb die Eheschließung, was sie seit der Paarungsehe gewesen, Sache der Konvenienz, die von den Eltern arrangiert wurde.“, um auf S. 80 genauer anzuführen, „In der Paarungsehe ist ist es die Regel, daß die Mütter die Ehen ihrer Kinder verabreden“.

Das führt zu meiner oft gestellten Frage, was sich „das Patriarchat/die männliche Herrschaft“ eigentlich dabei gedacht hat???
Seit wann beauftragt man „die Unterdrückte“/“Sklavin“ mit einer so wichtigen Aufgabe der Sicherung einer sozialen Stellung? Wo ist denn da die „Herrscherstellung“ bei der Entscheidung, die Kinder „ein für allemal in die Sklaverei“ zu verkaufen???

Zur Sklaverei Wiki: „Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert.“ Ich habe historisch von keinem Beispiel eines versuchten Weiterverkaufs einer bürgerlichen Ehefrau lesen können. Dabei wäre es zweifellos eine interessante Alternative zur Scheidung gewesen.

Hingegen würde ich es für den Sinn und zweck von „Sklavenarbeit“ halten, sie „muß heutzutage in der großen Mehrzahl der Fälle der Erwerber, der Ernährer der Familie sein“.
Es ist irgendwie komisch, „die Frau repräsentiert das Proletariat“ – aber sie muss nicht arbeiten und die „Ernährerin der Familie sein“.
Das ist ein recht merkwürdiges Proletariat und eine seltsame Bourgeoisie, nicht wahr.
Der Bourgeois arbeitet für das Proletariat/die Sklavin, die aber dadurch Unterdrückte ist…

Würde er noch leben, ich würde ihm sagen: „Schreibst du den Text bitte noch einmal in marxistisch, Friedrich? Danke!“

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