Wenn sich Männer emanzipieren…

Arne Hoffmann – «Männerbeben», Seite 274:

MattoMatteo: Was halten Sie von einer Emanzipation des Mannes? Könnte darin nicht eine große Chance bestehen?

Meyer: Wenn die Männer ihre zugewiesene Rolle genau so verweigern würden, wie das in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Frauen gemacht haben, dann herrschte Heulen und Zähneknirschen beim anderen Geschlecht. Es würden fast über Nacht alle Partnerschaften auseinander brechen. Zwölf Mitglieder einer Münchener Männergruppe machten den Versuch, bei ihrer Freundin oder Ehefrau sämtliche Rollen, die man wie selbstverständlich dem Manne aufbürdet, zu verweigern, um in Erfahrung zu bringen, was dann passieren würde. Sie weigerten sich, all die Dinge zu tun, die ansonsten ein Mann eben so zu tun hat. Sie steckten keine Geldbörse ein, wenn sie mit der Frau zum Essen ausgingen, sie weigerten sich, Chauffeur zu spielen, sie erklärten, dass sie mehr Zeit für sich selbst brauchten, dass sie keine Lust mehr hätten, als Lokal-, Konzert-, Opern-, Operetten- oder Theater-Begleiter zu füngieren, dass sie nicht mehr zum Shopping mitgehen wollten, dass es sie langweilte, ihre Schwiegermutter zu besuchen, dass sie auf Grund der Überlegung, dass das Leben so kurz sei, nur noch halbtags arbeiten werden, dass sie keinen Euro mehr für Geschenke, Klamotten und für ihre Einrichtungswünsche investieren wollten, sie rührten keinen Finger mehr bei tropfenden Wasserhähnen und ausgebrannten Glühbirnen, sie weigerten sich, der Frau ständig zuzuhören, sondern sprachen selbst von sich und ihren Problemen. Keines der Mitglieder in der Männergruppe hielt den vereinbarten Versuchszeitraum von vier Wochen durch, denn die Reaktionen des weiblichen Geschlechts waren fürchterlich: Tag und Nacht wilde Streits, Aggressionen en masse. Wut und vor allem sexuelle Verweigerung. Doch auch der Mann möchte gerne um seiner selbst willen geliebt werden und nicht nur deshalb, weil er artig sein Rollenspielchen absolviert. Die wirkliche Emanzipation des Mannes sieht ganz anders aus, als die Frauen es ihm vorgeschrieben haben. Nicht stricken, häkeln, waschen, putzen, einkaufen, Kartoffeln schälen, Salat putzen, kochen, backen, braten, abspülen, abtrocknen und Kinder hüten ist hier angesagt, sondern die Infragestellung der zugewiesenen Männerrolle, der tausend Selbstverleugnungsrituale, die er bisher ohne Murren exerziert hat.

5 Gedanken zu „Wenn sich Männer emanzipieren…

  1. vasshouhs

    Deshalb ist die Emanzipation des Mannes so stark mit MGTOW verwebt. Es geht halt in der jetzigen Zeit kaum ohne gleichzeitige Befreiung von der Frau. War aber früher für die Frauen nicht viel anders da Unabhängigkeit auch nur sehr oft mit dem ausbleiben von Schwangerschaft und Nachwuchs einherging. Bei uns sind es vermutlich die Sexbots. Aber mal schauen was die Zukunft bringt. Ich bin zur Zeit glücklich mit meinem Leben, da ich alle diese Untiefen wie ein guter Seemann umschifft habe.

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  2. ClaudiaBerlin (@HumanVoice)

    Das Experiment ist interessant, aber es war doch klar, dass es scheitern würde! Wer sich in seinem Leben auf eine bestimmte Weise (egal mit welcher Rollenverteilung) eingerichtet hat, wird durch eine plötzliche Kündigung bisher eingefahrener Verhaltensweisen extrem brüskiert, das gewohnte Leben funktioniert nicht mehr,

    Ich weiß nicht, ob und wie diese Männer mit ihren Frauen über ihr „Experiment“ kommuniziert haben – vermutlich haben sie das ja zuvor nicht getan, obwohl ihnen die Erwartungen der Frauen nicht passten. Der ganze Ablauf spricht überhaupt nicht für eine vertrauensvolle Partnerschaft, in der die Dinge ausgehandelt werden und man versucht (weil man sich ja liebt!), für beide ein gut lebbares Optimum zu gestalten.

    „Männliche Emanzipation“ ist nicht, von jetzt auf gleich ein Anderer zu sein, den mann bisher verborgen hat – oder denkst du das wirklich?

    Mein Liebster hat nie behauptet, ein Händchen fürs Handwerkliche zu haben, also bin ich es, die die Dinge regelt oder Dienstleister beauftragt. Unternehmungen, die ihm keinen Spass machen, unternehmen wir auch nicht – allerdings ist er offen dafür, auch mal was Neues zu testen, genau wie ich auch. Sein Wohnstil weicht von meinem stark ab,. also haben wir nie in Betracht gezogen, zusammen zu wohnen, das wäre für uns beide die Hölle! Finanziell macht jeder seins, wir führen eine Tabelle mit gemeinsamen Ausgaben und rechnen ab und zu ab.

    Unter „emanzipiert“ verstehe ich Männer und Frauen, die sich selbst kennen und mit sich auch alleine gut zu recht kommen. Die sich nicht bis zur Unkenntlichkeit verbiegen, bloß um dem Gegenüber zu gefallen. Klar, man macht mal was mit, weil es dem Anderen gefällt – aber doch wirkllich nicht auf Dauer!

    „Nicht stricken, häkeln, waschen, putzen, einkaufen, Kartoffeln schälen, Salat putzen, kochen, backen, braten, abspülen, abtrocknen und Kinder hüten ist hier angesagt, sondern die Infragestellung der zugewiesenen Männerrolle, der tausend Selbstverleugnungsrituale, die er bisher ohne Murren exerziert hat.“

    Das entspricht im Grunde dem, was ich sage. Allerdings ist für mich auch ein Teil männlicher Emanzipation, dass er zur Selbstversorgung in der Lage ist! Mir scheint, hier verbessert sich auch langsam was, z.B. gibts mittlerweile viele Männer, die durchaus kochen können und das ab und an auch gerne machen. Ich hab nicht mehr so den Überblick, doch „früher“ lernte ich nicht wenige Männer kennen, die bis zum Auszug rundum von Mutti versorgt wurden und dann direkt zur Freundin zogen, von der sie vergleichbare Nestbau- und Versorgungsleistungen erwarteten. Ein Mann sollte alleine leben können, ohne im Chaos zu versacken. Dann ist es auch vergleichsweise leicht, ein Miteinander zu finden, ohne sich drüber zu streiten, wer jetzt die Waschmaschine anwirft und die Wäsche auch wieder rechtzeitig raus holt.

    Gründet man eine Familie (was ich wohlweislich nicht getan habe) wird es natürlich sehr viel schwieriger. Wer Kinder hat, muss auch „Kinder hüten“ – wie man das dann aufteilt, sollte Ergebnis partnerschaftlicher Verhandlungen sein.

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    1. uepsilonniks Autor

      Alles richtig, dennoch spricht das Ergebnis des Experiments nicht gerade dafür, dass der Mann an der Macht wäre, wie es einem jeden Tag um die Ohren gehauen wird.

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