Lucas Schoppe: Was ist dieser Antifeminismus eigentlich?

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Vielen Dank, Christian, dass Du aus dem Artikel zitierst. Mir ging es grundsätzlich darum zu zeigen, dass der Begriff „Antifeminismus“ völlig inhaltsleer ist. Gerade deshalb lässt er sich ja auch gut völlig beliebig verwenden. Er ist wiederum deshalb inhaltsleer, weil auch der Begriff „Feminismus“ keine klare Bedeutung hat.

Steht er dafür, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollen? Dann sind die letzten verbliebenen Antifeministen, neben ein paar marginalen Winzgruppen, die Mütterlobbys und die unterstützenden Parteien, Grüne, Linke, SPD. Das wollte Ulle Schauws jedoch offenbar nicht sagen. Was aber dann?

Steht er für die Meinung, dass sich gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse grundsätzlich als Herrschaft von Männern über Frauen beschreiben lassen? Dann ist sein Kern eine sachliche Einschätzung, die man richtig oder eben auch mit guten Gründen falsch finden kann, ohne dadurch „anti“ zu werden. Wer es für widerlegt hält, dass die Erde eine Scheibe ist, wird deswegen ja auch nicht als „Antischeibler“ bezeichnet.

Tatsächlich geht es, wie breakpoint ja auch schon andeutet, einfach darum, Kritik beliebig abwehren zu können. Feminismus ersetzt so in einem bestimmten Milieu tatsächlich die Religion, und „Wie hältst Du’s mit dem Feminismus?“ wird dort zu einer neuen Gretchenfrage, auf die niemand einer Gegenfrage („Mit welchem denn?“) rechnet.

Deshalb hatte ich nachgesehen, wie der Begriff „Antifeminismus“ denn historisch verwendet wird, um vielleicht dort etwas mehr Klarheit zu finden. Hedwig Dohm war eine zentrale Figur der bürgerlichen Frauenbewegung, und Fabrikantentochter. Sie hat mit ihrer „Antifeministen“-Beschreibung Männer eines ganz bestimmten, winzigen, großbürgerlichen Milieus im Kopf. Der Begriff „Arbeiter“ kommt in ihrer Schrift überhaupt nicht vor. („Arbeiterin“ nur ein paar Mal.)

Bezeichnend ist, dass dieser radikal verengte Blick heute – in einer Gesellschaft, die nicht mehr durch die starren Strukturen des Kaiserreichs geprägt ist – sich nicht etwas erweitert hat, sondern dass er zum EINZIGEN als legitim präsentierten Blick der Geschlechterpolitik geworden ist. Zu Dohms Zeiten hingegen gab es wenigstens noch eine proletarische Frauenbewegung, von der heute nichts mehr übrig ist.

Das heißt: Eine Gruppe wie das Forum Soziale Inklusion kann mit dieser Bezeichnung gar nicht gefasst werden – die Männer (und auch Frauen), die dort aktiv sind und vertreten werden, kommen faktisch im etablierten Diskurs der Geschlechterpolitik überhaupt nicht vor. Die Diskreditierung durch die Bezeichnung „Antifeministen“ funktioniert nur, weil sich alle längst daran gewöhnt haben, dass diese Bezeichnung eigentlich völlig inhaltsleer ist. Sie bedeutet faktisch nichts anderes als: Die gehören nicht zu uns.

Zugleich ist es ein Signal an Dritte: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!

Der Blick des heutigen Feminismus auf Männer reproduziert so mit erstaunlicher Genauigkeit den Blick von Töchtern aus gutem Hause, die auf der Suche nach geeigneten Heiratskandidaten sind. Wahrgenommen werden Männer mit einem besonders hohen sozialen Status, so dass völlig selbstverständlich Quoten in Vorständen, aber nicht etwa in den Schulen oder gar in gesundheitsgefährdenden berufen gefordert werden. Der weitaus größte Teil der Männer kommt dort überhaupt nicht vor – was auch erklärt, dass an den meisten Männern rituelle feministische Aufregungen spurlos vorbeisausen, wenn sie nicht gerade als Trennungsväter oder Gewaltopfer direkt mit ihren Konsequenzen konfrontiert sind.

4 Gedanken zu „Lucas Schoppe: Was ist dieser Antifeminismus eigentlich?

  1. beweis

    Auch hier wieder. Feminismus wird als etwas Selbstverständliches dargestellt. Warum? Woraus leitet sich die gewaltige gesellschaftliche Strömung rund um die Besonderheit von Frauen ab? Worin besteht ihre Berechtigung?

    Wer Feminismus akzeptiert, der unterstützt doch damit die Auffassung, entweder seien Frauen qua Geschlecht benachteiligt – oder sie seien etwas Besonderes, das über anderen Menschen steht, aber nicht entsprechend gewürdigt und umhegt wird.

    Ich erkenne weder die geschlechtsspezifische gesellschaftliche Benachteiligung, noch sehe ich weibliche Attribute und verbreitete Wesenzüge, die eine Höherstellung rechtfertigen würden. Und wenn es die gäbe, dann soll sie jemand benennen und das Grundgesetz entsprechend ändern.

    Vielleicht bin ich ja ziemlich alleine – aber wenn Feminismus keine Berechtigung hat und trotzdem die Benachteiligung von Männern und Kindern nach sich zieht, dann ist es folgerichtig, dagegen zu sein. Gegen Geschlechterspalterei und gegen die Bevorzugung einer Menschengruppe nur aufgrund angeborener Attribute. Damit bin ich anti. So antifeministisch wie ich auch antifaschistisch bin.

    In ihrer Bestimmungshoheit definieren die Feministen jetzt Antifeminismus als böse, frauenfeindlich, naziesk. Und Männerbewegte kuschen sofort, rechtfertigen sich ob des Begriffes.

    Anstatt trotzig-stolz zu sagen, „Dann bin ich halt ein Schmuddelkind“, kommt ein artiges „Ich hab‘s ja nicht so gemeint, kommt auch nicht wieder vor“. Dann geht‘s mit gesenktem Haupt in die Männerhöhle, nachdem die Juso-Zofe nochmal ordentlich nachgetreten hat.

    Meine Güte, es wird sowas von Zeit, wieder im Stehen zu pinkeln!

    Antwort
  2. Emannzer

    „.. Meine Güte, es wird sowas von Zeit, wieder im Stehen zu pinkeln! ..“

    Mach ich schon seit Jahren. Und ich verwende auch konsequent das generische Maskulinum, wie schon seit Jahrzehnten üblich. Und ich frage, wenn sich jemand an seinem Gender*sterinnen bei der Aussprache verschluckt hat, ob ich mit dem Helmholtz-Griff lebensrettend eingreifen darf (muss man ja, weil sonst jederfraux versucht dir eine Vergewaltigung anzuhängen).

    Und ich nutze das Wort Negerkönig von Frau Lindgren auch oft und gerne, nebst allen anderen Unwörtern der selbsternannten Unmenschen.

    Männer steht auf, pinkelt aufrecht und pfeift beim Lullern das Lied der 10 kleinen Negerlein.
    Die Zeit ist längst reif dafür, sich diesen Minderheitenterror nicht mehr gefallen zu lassen!

    Antwort

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