Allah liebt die Ungläubigen

Muss man aushalten.

Eine Umfrage unter Atheisten kam zum Ergebnis, dass der Buddhismus die bei ihnen am wenigsten unbeliebte Religion ist. Das ist darauf zurückzuführen, dass sie am wenigsten unangenehm auffällt durch Religionskriege, gewaltsame Bekehrung, Folter und Mord im Namen des Glaubens.

Das hat seinen Grund in der Lehre des Buddhismus, die es einfach nicht hergibt, es sei geboten, Ungläubigen irgendwie zu schaden. Im Buddhismus gilt, dass auch Ungläubige durch gute Taten gutes Karma sammeln. Rein theoretisch kann ein Ungläubiger auch dann das buddhistische Paradies – Nirvana – erreichen, ohne jemals in Kontakt zur buddhistischen Religion gekommen zu sein. Der Religionsstifter und Namensgeber dieser Religion, der erste Buddha hat es schließlich auch so geschafft. Gleichzeitig gilt, dass Ungläubige kein Freiwild sind. Einem Ungläubigen Schaden zuzufügen, führt nach der Lehre der Buddhisten genauso zu schlechtem Karma, wie einen gläubigen Buddhisten zu verletzen.

Piss Christ, Jesus in der Pisse des Künstlers: Verletzungen religiöser Gefühle muss man in einer aufgeklärten Gesellschaft aushalten. An den Künstler: Jetzt dasselbe mit Mohammed du Held!

Ähnlich halten es heute die Christen. Das Christentum war mal wie der Islam eine blutrünstige Religion. Aber  die Aufklärung hat ihr den scharfen Zahn gezogen – zumindest im Westen. Christen im Westen hängen nicht mehr der Vorstellung an, dass Nichtchristen automatisch in die Hölle kämen. Sie machen es davon abhängig, ob jemand ein gutes oder schlechtes Leben führt, ob man anderen schadet oder nicht. Ich habe Christen in meiner Verwandtschaft, und keiner sagt mir gemäß der katholischen Dogmatik, die streng genommen auch heute noch gilt, dass ich in die Hölle käme, wenn ich mich dieser Religion nicht anschließe. Sie gehen davon aus, dass mich ihr Gott liebt und Wohlwollen mit mir übt, auch wenn ich nicht an ihn glaube: „Du glaubst nicht an Gott, aber Gott glaubt an dich.“

Einen ähnlichen Quantensprung der Aufklärung müssen auch Muslime vollziehen. Sie müssen weg von der Vorstellung, dass Unglaube das schlimmste Verbrechen wäre, hin dazu, dass Allah tatsächlich derjenige ist, wie es im Koran am Anfang jeder Sure geschrieben steht: Der Barmherzige. Es macht schlicht keinen Sinn, dass der Allmächtige ein sadistisches Schwein* ist, der ein fühlendes Wesen erschafft, um es dann bis in alle Ewigkeit leiden zu lassen. Es macht nur Sinn, dass Gott die von ihm erschaffenen Wesen so liebt, wie Eltern ihre Kinder lieben. Dass also Allah auch die Ungläubigen liebt, und dass es genauso ein Verbrechen ist, sie zu bestehlen, zu verletzen und zu töten, wie einem Gläubigen zu schaden. Dass also die Ungläubigen – eine gute Lebensführung vorausgesetzt – ebenfalls ins muslimische Paradies eingehen.

Eine solche gute Lebensführung leisten auch Atheisten, also Ungläubige. Ein Atheist, der einsieht, dass eine gewisses moralisches Regelwerk notwendig ist, damit man in der Gesellschaft friedlich zusammenleben kann, folgt einer Ethik, der zum Beispiel der kategorischen Imperativ zugrunde liegt, der im Grunde nur die goldene Regel – „Was Du nicht willst, dass man dir antu, füg auch keinem ander’n zu.“ – auf hohem Niveau ist. Oder er übt Nächstenliebe: Da er nicht will, dass Andere leiden, verzichtet er darauf, sie zu bestehlen, zu verletzen oder zu töten. Das heißt, jemand, der sich nicht dem Islam unterwirft, ist nicht automatisch ein Übel, das man ausmerzen muss. Man kann friedlich mit ihm zusammenleben.

Allerdings halten viele Islamexperten den Islam in dieser Hinsicht für nicht reformierbar und würden mich wegen meiner naiven Hoffnung auslachen. Ein europäischer, liberaler Islam, der sich der Aufklärung anpasst, selbst Aufklärung erfährt, gilt als gescheitert.

Muss man aushalten.

3 Gedanken zu „Allah liebt die Ungläubigen

    1. uepsilonniks Autor

      Ja. In dem Artikel dazu wird festgehalten, dass dieses Bild niemanden dazu animierte, Anschläge zu verüben, was aber mit einer Mohammedkarikatur der Fall gewesen wäre – wahrscheinlich.

      Antwort

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