Links Emanze, rechts Hausfrau: Als Maskulist zwischen allen Stühlen

Die alternative Konstellation findet sich deshalb so selten, da keine Frau bereit ist, ihr Leben lang malochen zu gehen und ihr Lebenseinkommen an Mann und Kind abzugeben.

Es ist eine Umfrage und sie fragt, ob es denn nun nicht genug sei mit der „Gleichstellung“, oder ob nicht doch noch viel mehr nötig wäre. Tja, was soll ich darauf antworten? Die Macher der Umfrage meinen natürlich Gleichstellung für Frauen. Was soll ich also antworten, wenn ich denke, es müsse noch viel für Männer getan werden?

Für die Macher zählt allein die Perspektive auf die Frauen und dabei auch nur, ob Frauen sich als Hausfrauen und Mütter verwirklichen (Pfui!), oder aber lieber eine Karriere anstreben (Hui!). Die Frage, wie Frauen ihr Leben leben, spielt rein in politische Haltungen, die man in rechts und links unterteilen kann (Einwände, diese Gruppierungen seien obsolet, kommen meistens aus der neoliberalen, antilinken Ecke). Und wenn man als Antifeminist auftritt, wird man diesem Raster nach in die rechtskonservative Schublade gesteckt, also Pfuibäh, für den die „natürliche Ordnung“ jene mit ihm als Malocher und ihr als Kinderhüterin ist. Positioniert man sich hingegen links, dann wird einem unterstellt, Feminist zu sein und damit eine „Befreiung“ der Frau mittels Erwerbstätigkeit anzustreben; man wolle frei nach de Beauvoir der Frau das Recht entziehen, zu Hause zu bleiben und sie in die Maloche pressen.

Nehmen wir die Hausfrauenfraktion. Und zwar die, die sich gegen den Feminismus positioniert, zugleich aber das weibliche Privileg wahren will. Konkret zu nennen wäre hier Birgit Kelle. Dass sie den Feminismus unter Feuer nimmt, machen sie für Männerrechtler erst mal sehr sympathisch. Zu Unrecht, denn sie stellt klar, dass ihre Opposition zum Feminismus sie noch lange nicht zur Männerverbündeten macht. Kelle prügelt wie jede Vulgärfeministin auf Männer ein und nimmt sie in die Kollektivhaft.

Dass der Mann auf der feministischen Seite auch mal dazu aufgefordert wird, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, weniger zu arbeiten und mehr zu Hause zu sein, ist dabei nur auf den ersten Blick zum Vorteil des Mannes. Dieses Geschenk ist vergiftet, denn es hat nicht seinen sondern ihren vermeintlichen Vorteil im Sinn. Dem Irrtum unterliegend, dass Frauen deshalb seltener Karriere machen und weniger hoch aufsteigen, nicht weil sie es so wollen, sondern weil sie durch ihre Kinder und Haushalt daran gehindert wären, soll der Mann ihnen diese lästigen Pflichten abnehmen. Die Verlogenheit zeigt sich besonders im Trennungsfall: Dort ist auf einmal keine einzige Feministin mehr zu finden, die sich dagegen verwahrt, die Frau auf die Rolle der Mutter und Hausfrau festzulegen, und die für Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern eintritt. Die Kinder gehören dann ganz genauso wie für den Konservativen allein zur Mutter.

Wenn ich mich also antifeministisch positioniere, dann besteht die Gefahr wie oben in der Umfrage, dass ich als konservativ eingeordnet werde und damit versehentlich als Verbündeter jener Frauen gesehen werde, die zu Hause bleiben wollen und dafür einen Mann brauchen, der ihnen dieses Lebensmodell unterhält.

Tatsächlich aber will ich auch, dass der Mann mehr bei den seinen bleiben kann. Aber nicht, weil ich linker Feminist, sondern weil ich Maskulist bin und dabei die Interessen der Männer im Blick habe. Ich halte es mit Warren Farrell, der sagte, die schlimmste Tragödie im Leben eines Mannes ist es, dass wenn er für die Seinen sorgen will, er sich von ihnen entfernen muss, dadurch, dass er den ganzen Tag auf der Arbeit ist. Ich halte es mit Esther Vilar, die vorschlug, wie echte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aussehen könnte, dabei aber von Feministen auch körperlich angegriffen wurde, da sie diesen Vorschlag nicht auf der Annahme unterbreitete, es wäre die Frau, die durch die traditionelle Rollenverteilung benachteiligt wäre.

Somit kann ich als Linker nicht auf dem linken Stuhl mit seiner Geschlechterpolitik Platz nehmen, da ich Männerrechtler bin, und auch auf den rechten Stuhl ist kein Platz für mich, da ich die traditionelle Rollenverteilung ebenfalls ablehne – nicht weil ich die Familienzeit der Frau verringern will, damit sie sich vermeintlich „selbstverwirklichen“ – also entfremden – kann, sondern weil der Mann mehr von der Familie haben soll.

Damit steht man als linker Maskulist zwischen allen Stühlen, hat keine größere Gruppe als Verbündeten, keine politische Heimat.

4 Gedanken zu „Links Emanze, rechts Hausfrau: Als Maskulist zwischen allen Stühlen

  1. ClaudiaBerlin

    Ich hab das eben in deinem Vilar-Artikel nachgelesen: was wäre denn von feministischer Seite gegen die „Halbtagsgesellschaft“ einzuwenden? Das ist doch eine alte Utopie, die auch viele Linke ohne feministischen Kontext teilten und teilen.

    Was ich übrigens an diversen Maskulisten / Männerrechtlern äußerst widersrüchlich finde: Da wird – anders als im Feminismus (soweit man diesen überhaupt verallgemeinern kann) -. bei der Entscheidung von Frauen „für Familie/gegen Karriere“ von einer „freien persönlichen Lebensentscheidung“ gesprochen. Nicht gesellschaftliche Verhältnisse oder gar der Druck von Seiten des Mannes sei irgendwie relevant, sondern allein die freie Wahl ihrer Prioritäten durch die Frau. (und diese werde durch den bösen Feminismus eingeschränkt…)

    Dieses Argument kommt allerdings NIE, wenn Männer beklagen, dass sie soviel arbeiten (müssen) und ihre Kinder zu wenig sehen. Dann ist es auf einmal Zwang, mal von Seiten der Frau, die „versorgt“ werden will und das „hard working“ dem Mann überlässt, mal – immerhin – durch die gesellschaftlichen Verhältnissen, die angeblich keine Wahl lassen (was ja faktisch von jenen Männern widerlegt wird, die tatsächlich Teilzeit arbeiten und nichts anderes anstrebten),

    Antwort
    1. Billy Coen

      Der Widerspruch erscheint auch nur als solcher, wenn man mal die Hintergründe nicht beachtet. Wo ist denn der Druck auf die Frau? Ob eine Frau Hausfrau sein oder Karriere machen möchte, hat auf ihre Attraktivität bei Männern quasi keine signifikante Auswirkung. Männer, die sich erklärt von der Haupternährerrolle lossagen, werden von vielen Frauen nicht mit dem Allerwertesten angeguckt. Und kam nicht erst vor wenigen Jahren eine Studie, die herausfand, dass der Verlust von Arbeit für Männer ein deutlich erhöhtes Scheidungsrisiko mit sich bringt, während vergleichbare Effekte bei Veränderungen im Leben / im Lebensentwurf von Frauen nicht zu ermitteln waren?

      Natürlich spielen bei beidem Präferenzen erheblich mit und natürlich sind Männer hier nicht nur die willenlosen Opfer einer „matriarchalen Gesellschaft“, aber ich würde sagen, dass bei diesem Thema, wie bei vielen anderen auch, der gesellschaftliche Konformitätsdruck für Männer deutlich größer ist als für Frauen.

      Antwort
    2. uepsilonniks Autor

      Ich hab das eben in deinem Vilar-Artikel nachgelesen: was wäre denn von feministischer Seite gegen die „Halbtagsgesellschaft“ einzuwenden?

      Keine Ahnung, Feministinnen (oder normale Frauen?) haben Vilar zusammengeschlagen. Die Mädchenmannschaft fand Vilars Vorschlag „haarsträubend“ – ohne zu erläutern warum, ja nicht mal ihre Leser darin aufzuklären, worin der Vorschlag bestand. Frag sie. Poste die Antwort hier, wenn Du Erfolg hast, würde mich interessieren.

      Antwort
      1. ClaudiaBerlin (@HumanVoice)

        Soweit ich erinnere war das nicht wegen geforderter Halbtagsarbeit für beide (was auch mir von Vilar gar nicht in Erinnerung ist, muss aber nix heißen), sonder weil sie das gewohnte Täter/Opfer-Schema provokant umdrehte und den Mann als von Frau unterdrückt darstellte.

        Antwort

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