Gastartikel: „Hort des Bösen“

Es folgt ein Gastartikel von fckafd:

In meiner Jugend erkrankte ich an Depression. Das versaute mir das ganze Leben.

Meine Mutter gab mir damals eine Nummer eines Männernotrufs. Ich dachte, ich erhalte dort Hilfe. Ich rief an und es meldete sich eine Frauenstimme. Ich sagte recht kläglich, dass ich nicht mehr weiter wüsste. Sie fragte mich, ob ich eine Frau misshandelt hätte. Es war klar zu hören, dass ich ihr unsympathisch war. Auf mein irritiertes „Nein“ fragte sie, ob ich Gewaltphantasien hätte. Auch hier konnte ich nur mit „Nein“ antworten. Kurz: Ich erhielt bei diesem Männernotruf kein Hilfe.

Dann ging ich in eine Rehabilitationsklink. Die hatte meine Mutter ausgesucht. Ich war damals schon auf das Geschlechterthema gekommen. Ich hatte meine feministische Mutter damit konfrontiert. Die Klinik war überwiegend für vergewaltigte Frauen, was ich aber erst später erfuhr. Frauen, die unter den üblen Männern litten. Ich sollte ein schlechtes Gewissen bekommen. Eine Feministin sagte mal, dass sie sich mit Männern, die sich nicht für ihr Geschlecht schämen, gar nicht erst auseinandersetze. Männer sollen sich schämen und keine Männerrechtler sein. Die Klinik entpuppte sich dann als Hort des Bösen. Denn dort wurde Frauen eingeredet, dass ihre Väter sie vergewaltigt hätten. Sie könnten sich nur nicht daran erinnern. Ich war selbst Zeuge. Eine Therapeutin sprach das in einer Gruppensitzung gegenüber einer jungen Patientin an. Ich habe versagt. Ich habe meine Mitpatientin nicht beiseite genommen und ihr erklärt, was es mit falschen Erinnerungen auf sich hat. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Vielleicht hat mein Versagen eine Familie zerstört.

Jahre später war ich bei einer Psychotherapeutin. Auch ihr gegenüber sprach ich Ungerechtigkeiten gegen Männer an. Ich war ihr wohl unsympathisch. Jedenfalls half sie mir nicht. Ich hatte damals die fixe Idee, unbedingt um 6:00 Uhr morgens aufstehen zu müssen. Damit ich am Tag meine Aufgaben angehen könnte, zum Beispiel die Post öffnen. Sowas zu schaffen ist für einen psychisch Kranken quasi unmöglich. Das wusste sie. Sie redete es mir aber nicht aus. Später kam ich auf die Strategie der kleinen Schritte. Man muss sich ein kleines Ziel setzen. Wenn man das nicht erreicht, nimmt man sich ein nochmal kleineres Ziel vor. Meine Therapeutin hätte mir genau das beibringen können. Hat sie aber nicht. Auch kam ich von selbst darauf, dass man zuerst die unangenehmsten anstehenden Aufgaben erledigen sollte. Dann ist es einfacher. Ich erzählte ihr davon. Sie antwortete, das wisse sie bereits. Aha. Warum hat sie mir das dann nicht erklärt? Warum musste ich von selbst darauf kommen? Letztlich habe ich es allein geschafft. Dieser Frauenverein namens Psychologie war mir keine Hilfe.

Und heute? Die schlimmsten Missstände in meinem Leben konnte ich mit der Strategie der kleinen Schritte angehen. Ich bin aber immer noch von Obdachlosigkeit bedroht. Patriarchat halt.

19 Gedanken zu „Gastartikel: „Hort des Bösen“

  1. elmardiederichs

    Volle Bestätigung: Ich gehe analog nicht mal mehr zu weiblichen Ärzten, da ich als dort im Mittel eine schlechtere Behandung erhalte als bei Männern – einfach, weil weniger Zeit, Interesse und Sorgfalt aufgewendet wird und deutlich erkennbar ist, daß die Ärztinnen kein Interesse haben, das Leid der männlichen Patienten zu lindern: rausgeworfenes Geld. Bei männlichen Ärzten klappt das im Mittel deutlich besser und ich bekommen auch Informationen, nach denen ich nicht explizit gefragt habe. Das ist bei Ärztinnen eigentlich nie der Fall.

    Auch auf diese Weise wird eine Geschlechtertrennung gefördert: Wer als Mann seine Probleme lösen will, muß das mit Männern tun, weil die Frauen sich einfach nicht für Männer interessieren. Perfide wird es, wenn die Frauen den Männern dann vorwerfen, daß sie die Frauen nicht mehr dabei haben wollen. Aber was bleibt den Männern anderes übrig?

    Antwort
    1. indra

      Was ist an einer Geschlechtertrennung denn so schlimm? Es wird ja auch keiner Frau vorgeworfen, dass sie zu einer Gynäkologin gehen will. Ich selbst halte es schon seit langem so, dass ich nur Ärzte aufsuche, bei Ärztinnen würde ich mich aus vielerlei rationalen und persönlichen Gründen nicht wohl fühlen.

      Antwort
      1. elmardiederichs

        Eine Gesellschaft, in der Geschlechtertrennung als normal praktiziert wird, ist eigentlich nicht eine, sondern zwei Gesellschaft, da keine Kooperation mehr stattfindet. Und insofern sie auf dem selben Gebiet leben, kann das nur zu Konflikten um Resourcen führen, so daß wir kaum eine friedliche Koexistenz der beiden Gesellschaft erwarten können. Ohne Frieden aber wird an vielen anderen Säulen der Zivilisation auf Dauer genagt werden: weniger Freiheiten, weniger Dominanz der Wahrheitssuche, weniger Demokratie. Und da in diesem Fall die Produktion vom Frieden abhängt, werden die Menschen auch weniger glücklich sein.

        Antwort
        1. indra

          Solange sich die Trennung nur auf bestimmte Situationen beschränkt (wie etwa Schwimmen, Saunen, Fitnesstudios u. ä.), fände ich das ganz in Ordnung – wenn es entsprechende Angebote auch für Männer gäbe. Die gibt es aber nicht oder nicht mehr.

          Antwort
          1. elmardiederichs

            Tja, hat alles Vor- und Nachteile: Jungs würden sich ohne Mädchen in der Schule sicher besser entwickeln. Aber dann fehlen ihnen wiederum die Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht in privaten Situationen.

            Antwort
            1. indra

              Waren denn vor Einführung der Koedukation alle lebensfremd? Im übrigen bleibt es ja jedem unbenommen, seinen privaten Kreis nach Belieben zu gestalten.

            2. Renton

              Lebensfremd sicher nicht, aber sicherlich intoleranter. Die Zeiten der Monoedukation waren auch die Zeiten des „Das ist keine Aufgabe/Tätigkeit für X, denn X ist eine Frau (ein Mann)“.Dieser Korrelation könnte durchaus eine direkte Kausalität zugrunde liegen: Trennung in der Schule führt zu Trennung der Geschlechter in den Köpfen. Wollen wir das?

            3. Renton

              Nachtrag: Trennung in anderen Bereichen fördert die Trennung im Kopf natürlich auch. In der Schule könnte dieser Effekt aber am stärksten sein.

            4. indra

              Die „Trennung im Kopf“ halte ich ohnehin für eine Konstante menschlichen Denkens. Und die „Trennung in anderen Bereichen“ wird von den Feministinnen begrüßt, solange sie als Vorteil für Frauen wahrgenommen wird. Warum also nicht auch „mens‘ spaces“? Oder eben: Alles für alle!

            5. Renton

              Alles für alle!

              In der Serie Ally McBeal gab es vor einem Vierteljahrhundert Unisextoiletten in der Anwaltskanzlei. Das galt damals als Ausdruck progressiven Denkens. Muss man nicht mögen, aber wenn ich nur die Wahl hätte zwischen letzterem oder stärkerer Geschlechtersegregation, würde Ich die Unisextoiletten wählen.

            6. indra

              @renton Da bin ich völlig anderer Ansicht, wir werden in diesem Punkt keine gemeinsame Grundlage finden.

            7. Renton

              Müssen wir auch nicht. Ich bin zufrieden, dass Deine Aussage „Solange sich die Trennung nur auf bestimmte Situationen beschränkt (wie etwa Schwimmen, Saunen, Fitnesstudios u. ä.), fände ich das ganz in Ordnung – wenn es entsprechende Angebote auch für Männer gäbe“ zeigt, dass Du einen funktionierenden Sinn für Fairness hast. In diesem Rahmen kannst Du mirwegen gerne eine andere Ansicht vertreten, da bin ich total generös ;-)

  2. beweis

    „Meine Mutter gab mir damals eine Nummer eines Männernotrufs.“

    So läuft das, wenn das eigene männliche Kind einer Feministin in Not gerät. So läuft das auch bei nicht explizit feministischen aber alleinbestimmenden Frauen, die ihren Zoff mit dem Ex-Mann auf den Jungen projizieren. Soll der doch selber sehen, wie er das hinbekommt. Hier haste ne Telefonnummer.
    Fast alle jugendlichen Gefängnisinsassen in den USA mussten ohne Vater groß werden, vermutlich auch ohne Empathie.
    Nach dem Anruf beim Männernotruf bleibt dann nur noch: Abfinden mit der gesellschaftlichen Einsamkeit, alles für sich selber machen und sich notfalls gewaltsam nehmen, was man braucht. Oder in Depression und Drogen ersaufen, scheitern und unter der Brücke erfrieren.
    Je nachdem, welche Männernotruf-Nummer man gewählt hatte.

    Antwort
  3. Renton

    Auch ich bin rückblickend nach einigen Jahren zu dem Schluss gekommen, dass meine Psychotherapeutin mir keine große Hilfe war. An entscheidenden Stellen vermisste ich bei ihr auch einfach Verständnis. Vielleicht ging es ihr ab, weil sie eine Frau war. Wäre möglich.

    Antwort

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