Elsa Koester: Kämpfer, Kämpferin oder kämpferische Person?

Die Linguistikamateurin Elsa Koester (via) hat ein Rätsel aufgestellt, und zwar folgendes:Wenn das Geschlecht unbekannt ist, ist dies nun

  1. Ein Kämpfer,
  2. Eine Kämpferin,
  3. oder doch eine kämpferische Person?

Die gute Elsa will natürlich auf 3. hinaus, also ein Argument für das Gendern, womit ihr aber gleich drei Fehler unterlaufen.

Denn erstens wird mit der ersten Antwort nicht das Geschlecht der Person festgelegt. Das ist der Witz des generischen Maskulinum, das man verwendet, wenn das Geschlecht keine Rolle spielt oder unbekannt ist. „Ein Kämpfer“ meint eben nicht nur einen Mann sondern ist eine übergeordnete Form, in der das Geschlecht nicht gemeint ist – genausowenig wie Hautfarbe, Alter, soziale Stellung etc, – all das spielt keine Rolle. Wollte man ausdrücken, dass tatsächlich ein Mann gemeint ist, müsste man vom „männlichen Kämpfer“ sprechen. Tatsächlich wäre die generische Maskulinum nie in Verdacht geraten, allein einen Mann zu meinen, wenn es keine weibliche Form gäbe, die allein das weibliche Geschlecht meint.

2. Wenn Frau Koester mit ihrer Fangfrage darauf hinaus will, dass „Kämpfer“ allein einen Mann meint, dann müsste „kämpferische Person“ allein eine Frau meinen. Offensichtlich sieht sie das aber anders, sie ist der Ansicht, dass eine generisch weibliche Form auch einen Mann meinen könne – womit sie ja auch Recht hat. Aber wenn sie diese Logik bei Punkt 1 ablehnt, müsste sie das auch bei Punkt 3 tun. Generisch feminine Formen meinen nicht ausschließlich Frauen, genausowenig, wie generisch maskuline Formen allein Männer meinen. Koester will alles und wird dabei zu gierig.

3. Ein Kämpfer ist nicht dasselbe wie eine kämpferische Person – hier zeigt sich auch, wie genderbetonte Sprache zu Spracharmut führt; sie wird ärmer an Nuancen und der Fähigkeit, feine Unterschiede auszudrücken.

Ich hätte ihr das alle ja unter ihrem Artikel geschrieben, aber Freitag hat mir den Account gesperrt.

+++

So, ab hier müssen Sie nicht weiterlesen, jetzt geht’s um Tierschutz (zusammengeflickt aus einem Newsletter):

Gestern war Tag des Schweins.

Schweine sind ausgesprochen neugierige und intelligente Tiere. Man weiß inzwischen, dass sie über ein Ich-Bewusstsein verfügen und sogar intelligenter sind als die meisten Hunde.

Trotzdem werden in Deutschland jährlich rund 26 Millionen Schweine in etwa 20.500 Betrieben zum Zweck der Fleischproduktion gehalten. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 53.000.000 Schweine getötet und gegessen.

Jeder Einzelne von uns kann täglich etwas gegen Schweine-Quälerei tun! Wer nicht auf den gewohnten Geschmack tierischer Produkte verzichten möchte, kann sich den Umstieg durch vegane Ersatzprodukte erleichtern. Es gibt inzwischen viele Alternativen zu Fleisch, und viele davon sind mittlerweile in jedem Supermarkt zu finden. Auf Instagramm haben die User gewählt und das ist das Ergebnis:

Platz 1: Vegane Schnitzel von Rügenwalder Mühle, Like Meat und Vivera
Platz 2: Würstchen von Beyond Meat und Like Meat
Platz 3: “Pulled Pork” aus Jackfruit
Platz 4: Soja Medaillons von Vantastic Foods und Veganz

8 Gedanken zu „Elsa Koester: Kämpfer, Kämpferin oder kämpferische Person?

  1. koerzitivfeldstärke

    Alle Drei Punkte sind falsch.

    Schießbudenfigur ist passender. Die Haltung ist für Angriffe, wie für eine Verteidigung ungeeignet.
    Das Gebammsel um die Handgelenke störend. Die Maske macht das ganze auch nicht besser.
    Profilneurose?!

    Antwort
  2. Renton

    Unter der Prämisse, dass wenigstens eine der Aussagen wahr ist und sich alle drei auf das Bild beziehen:
    1. und 3. sind wahr, 2. ist wahrscheinlich wahr.
    Ich wüsste den Unterschied zwischen „Kämpfer“ und „kämpferische Person“ im Hinblick auf „kämpfen“ nicht zu benennen. Daher, und weil mindestens eine Aussage wahr sein muss, stimmt für mich beides zugleich. 2. stimmt wahrscheinlich, da das Bild ein weibliches Geschlecht des Kämpfers bzw. der kämpferischen Person vermuten lässt.

    +++

    Ab hier müssen Sie nicht weiterlesen, denn jetzt kommt noch was zu Vegetarismus/Veganismus und Sprache, und nur am Rande zu Tierschutz:

    Ich habe nichts gegen Menschen, die es ethisch nicht für vertretbar halten, Tiere zu essen. Sollen Sie ihrem Gewissen folgen. Ich habe aber sehr wohl etwas gegen Menschen, die für fleischlose Speisen Begriffe verwenden wie „veganes Schnitzel“, „Würstchen“, „Pulled Pork“ etc. Ihr seid Sprachverhunzer wie die Genderisten. Ein „veganes Schnitzel“ ist ein „schwarzer Schimmel“, ein Würstchen ohne Matsche aus einem Wesen mit Zentralnervensystem ist wie ein Auto, das nicht fahren kann, nie konnte und nie fahren wird. Denkt euch gefälligst eigene Begriffe für eure fleischlosen Speisen aus! Sprecht von Bratlingen, Pflanzerln, Gemüserollen oder was weiß ich, es sind eure Kreationen. Aber legt eure sprachlichen Wichsgriffel nicht an den etablierten Fundus meiner Muttersprache um sie zu pervertieren, bloß, weil ihr euch gedanklich ganz entgegen euren tollen Moralvorstellungen nicht von der Vorstellung lösen wollt, Fleischgerichte zu essen! Ihr verlogenen Tofuterroristen, ihr Sojastalinisten, Maismafia und Körnercosanostra!!!11elf!!

    Das musste mal gesagt werden. *grummel*

    Antwort
  3. ClaudiaBerlin

    Gegen das generische Maskulinum wird eingewendet, dass zwar sprachlogisch alle gemeint seien, aber tatsächlich in den Köpfen in der Regel Männer vorgestellt werden, wenn es z.B. Kämpfer heißt. Dazu hat es Studien gegeben, die das belegen.

    Für mich heißt das, dass ich die Kritik nicht abseitig finde und das ganze Anliegen ebenso wenig. Trotzdem nervt es im schreiberischen Alltag ohne Ende, jedes Mal dran zu denken, wie mensch das nun schreiben könnte, ohne irgendjemanden / irgendeine / irgendwen Zu vergrätzen.

    Im Beispiel würde ich im Singular „Kämpfern“ sagen, wenns ein Mann ist „Kämpfer“ und wenn es Männer und Frauen sind vermutlich „Kampfgruppe“, „Kampftruppe“ – oder eben das bemühte „Kämpferinnen und Kämpfer“ (was auch keine befriedigende Lösung ist, denn wo bleiben da die „Diversen“?).

    Komisch eigentlich, dass man hier nicht von „Kampfkraft“ reden kann, analog zu „Pflegekraft“!

    Zu den veganen Produkten kann ich noch empfehlen:

    -> Like Meat Schinken Bratwurst
    -> Garden Gourmet vegane Burger

    wirklich sehr sehr gut! Getestet von einer, die das Fleisch nicht ganz lassen mag, aber nur mehr sehr selten konsumiert.,

    Antwort
    1. Renton

      Ich weiß nicht, wie valide diese Studien sind und wie bedeutsam der von ihnen ermittelte Effekt. Wahrscheinlich ist er unbedeutend, schließlich gibt es in Sachen Sexismus keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem deutschen Sprachraum und dem englischen, in dem das Englische bei fast allen Wörtern nur die generische Form kennt.

      Aber wenn ich mich einmal darauf einlasse, dass es „sprachlogisch“ ein Problem sei, weil in den Köpfen überwiegend Bilder von Männern produziert werden (wo auch immer dabei das Problem liegen soll), ist die Lösung für mich nicht Gendern und Abschaffen der generischen Form, sondern Einführung einer zusätzlichen männlichen Form. Das hat den zusätzlichen Reiz, dass „traditionelle“ Sprecher ihre bisherige Sprache beibehalten können, ohne dass es sonderlich oft irgendwem aufstößt, und „moderne“ Sprecher ebenfalls in der Regel nicht mit den Neukonstruktionen anecken. Denn nur in seltenen Fällen will man überhaupt das Geschlecht des Sprechers betonen. „Meine Freundin ist Lehrer“ ist eine völlig korrekte Aussage und braucht nicht die Endung „-in“. „Die Studenten streiken“ transportiert als wichtige Botschaft den „Studentenstreik“. Das sowohl die männlichen als auch die weiblichen Studenten streiken, ist hier völlig belanglos.

      Wenn man also eine neue, männliche Form einführt, z.B. Lehrerer und Studenter, taucht sie in der Sprache nur selten auf und irritiert sowie verkompliziert dementsprechend deutlich weniger als das jetzige Gendergebrabbel.

      Antwort

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