Doku: Wie im Interesse des Kapitals Wissenschaft mit Wissenschaft manipuliert wird und das in die Katastrophe führt

tl;dr

Da jeder Eingriff in die Wirtschaft, jede Regulierung der Industrie als Sozialismus, also das pure Böse verstanden wird, wird geleugnet, dass diese Industrie unsere Lebensgrundlagen zerstört, zum Beispiel mit Bienensterben, Klimawandel etc…

Die Dokumentation „Forschung, Fake und faule Tricks“ erzählt wie die Wissenschaften manipuliert werden, um die Interessen der Kapitalisten zu schützen, das heißt zu verhindern, dass Produkte, die z.B. Bienensterben verursachen, verboten werden.

Dabei werden ausgeklügelte Strategien angewendet. Wissenschaft bedeutet z.B., dass man grundsätzlich Zweifel hegt, die Dinge hinterfragt, und genau diese Eigenart der Wissenschaft wird missbraucht, um Zweifel an bestimmten Ergebnissen seriöser Forschung zu säen, die nahelegen, das man die Industrie regulieren muss. So werden Pseudostudien finanziert, die zu anderen Ergebnissen kommen und andere, „alternative“ Erklärungen anbieten. Auf diese Weise wird Verwirrung und Konfusion gestiftet, alles wird in Zweifel gezogen, was zur Folge hat, dass der Gesetzgeber nicht aktiv wird. Am Bienensterben wäre somit nicht ein profitables Pestizid verantwortlich, sondern Parasiten, eingeschleppte Hornissenarten etc. Oder es wird behauptet, es gäbe keinen Klimawandel, oder wenn doch, dann wäre er nicht menschengemacht, alles unterlegt mit „soilder“ Wissenschaft.

Wie ein Thriller erzählt sich dann die Geschichte über die Machenschaffen der Tabakindustrie. Vorgestellt werden Eigentümer der großen Tabakkonzerne, die unter Eid aussagten, dass Nikotin nicht abhängig machen würde, und die sich dazu auf vermeintlich „solide“ Wissenschaften beriefen. „Solide“ ist alles, was den Interessen der Kapitalisten nutzt. Dumm nur, dass ein Mitarbeiter eines Tabakkonzerns Dokumente leakte, welche bewiesen, dass sich Wissenschaftler, Manager und Anwälte der Tabakkonzerne im Klaren darüber waren, dass a) Rauchen abhängig macht und b) zu Tod und Elend führt. Dokumente, denen sich entnehmen ließ, wie man gezielt mit Wissenschaft manipulierte, um diese Erkenntnisse zu verwässern. Diese Methodik diente dann als Blaupause für andere Interessen, zum Beispiel dem Leugnen des Klimawandels.

Dabei stellt sich die Frage, warum manche Akteure mit aller Leidenschaft diesen Konsens der seriösen Wissenschaften in Zweifel ziehen. Natürlich zum einen, weil Kapitalisten nicht ihre Profite gefährdet sehen wollen. Aber eine andere Erklärung ist noch verblüffender: Eine Wissenschaftlerin untersuchte die Biografien der führenden Klimaleugner und kam zum Ergebnis, dass es sich um Libertäre handelt. Diese lehnen jeden Eingriff in die Industrie als Kommunismus ab. Das ist für sie das pure Böse. Wenn aber z.B. die Ölindustrie zu katastrophalen Konsequenzen, dem Klimawandel, führt, dann muss in die Wirtschaft eingegriffen werden. Das wird als Bedrohung der „Freiheit“ und sozialistischem Umbau der Gesellschaft verstanden. Deshalb wird die Existenz dieser Probleme geleugnet. Ein gutes Beispiel, wie ein „freier Markt“ zum schlechtmöglichsten Ergebnis führt.

Die Doku (90 Minuten) ist zur Gänze sehenswert, entweder auf Youtube, oder wer die Datenkrake meiden will, noch einige Zeit auf ARTE (eventuell muss der Ton manuell eingeschaltet werden).

8 Gedanken zu „Doku: Wie im Interesse des Kapitals Wissenschaft mit Wissenschaft manipuliert wird und das in die Katastrophe führt

  1. alderMann

    Es ist nicht nur das Sozialismus-Gespenst, es ist auch die Bequemlichkeit der Politiker und die Armee der Lobbyisten, denen sie ihre „Erkenntnisse“ verdanken. Da brauchen sie sich nicht mehr weiter zu informieren, denn sie fühlen sich ja genügend informiert.

    Sagte mal einer „Früher hielten sich die Fürsten Narren am Hof zur Belustigung. Heute hält sich die Wirtschaft Politiker“. Ich habe mal gelesen, dass auf jeden EU-Abgeordneten im Finanzbereich acht Lobbyisten kommen.

    Die Tabakindustrie weiß nicht nur, dass Nikotin süchtig macht, sie setzen dem Tabak auch tl;dr< Da bin ich bei Alles Evolution ganz andere Dinger gewohnt. Und dann auch noch häufig in englisch. Das schaffe ich dann nur mit Deepl.com und auch nur, wenn es mich massiv interessiert.

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  2. Renton

    Ich schaue zur Zeit beim Sporttreiben eine Doku über Rupert Murdoch, ebenfalls auf Arte, gleiches Thema. Die Doku ist leider nur noch zwei Wochen online, keine Ahnung, ob es sie auf Youtube gibt (einfach mal den Titel googlen):

    https://www.arte.tv/de/videos/098154-000-A/der-aufstieg-der-murdoch-dynastie-1-3/

    Es ist immer dasselbe.

    Im Artikel „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“ in der Wikipedia gibt es eine Grafik, wie man sie auch in tausenden Schulbüchern findet:

    Bildunterschrift: Politisches System der Bundesrepublik Deutschland.

    Ich habe einige Jahre nach meiner Schulzeit gebraucht (fünf bis zehn?), um zu begreifen, dass die Grafik einen wesentlichen Teil unterschlägt. Man müsste am Rand einen großen Sack Geld abbilden, mit beschrifteten Pfeilen, etwa in der Art: „Sponsert genehme Parteien“, „Finanziert die Wahlkämpfe von Politikern“, „beeinflusst Gesetzgebungsverfahren“, „greift in die öffentliche Meinungsbildung durch Anzeigenkampagnen und gekaufte Wissenschaftler ein“, etc. Dann hätte man unser politisches System adäquat abgebildet. So ist es nur die halbe Wahrheit, und eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.

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      1. Jens

        Zur Abhängigkeit gehört auch die Handlung. In diesem Fall das Kauen oder Schnupfen. Deshalb ist die Dampfe ja auch so erfolgreich: Deine Hand hat etwas zu tun, es gibt Rauch (Dampf). Genaueres kann dir sicherlich EvoChris erklären. Es gibt ja auch Abhängigkeiten ohne jeden chemischen Stoff, bspw. Spielsucht.

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  3. dr. caligari

    Danke, ganz wichtiger Beitrag,

    Wissenschaft ist allgemein schlechter geworden durch den Zwang nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu funktionieren.
    Dabei wird immer unterschätzt, das die objektive Wissenschaft, ja auch von Menschen gemacht wird, also auch die üblichen Dinge eine Rolle spielen, Eitelkeit, Geltungsbedürfnis, Konkurrenzdenken, die übertriebene Wichtung der Meinung von Autoritäten usw., jedenfalls ein spannendes Thema.

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