Schullektüre: „Der Besuch der alten Dame“

Die Auswahl der Lektüre für Schüler ist eine Qual besonders für Jungen – deren Interessen und Neugier werden am wenigsten bedient, was zur Freude der Feministen Konsequenzen hat. Ich kann mich noch an das todlangweilige „Gestern war heute“ erinnern, das ich trotz schulischem Zwang nicht vollständig gelesen habe.

Ein weiteres Stück, das ich lesen musste, und welches ich nicht hinterfragte, war „Der Besuch der alten Dame“, mit der korrekten politischen Botschaft, wonach der Mann, der nicht für eine Frau sorgt, ein Verbrecher ist, der auch mal ermordet wird; sein Verbrechen: Er hatte die alte Dame – die als Milliardärin zurückkehrt und dann Rache nimmt – in jungen Jahren geschwängert, dann aber nicht geheiratet.

Nur: Warum sollte er das nicht tun? Das war damals finstersten Patriarchat. Dass irgendwas zum Nachteil des Mannes gewesen sein könnte, ein Mann also irgendwelche Vorbehalte gegen eine Ehe haben könnte, ist vollkommen ausgeschlossen:

Selbst bei Zwangsehen weiß doch jeder, dass das nur ein Problem für Frauen aber nicht für Männer ist. Wenn also keine Nachteile damit verbunden sind, für eine Frau und ihr Eigentum zu sorgen, warum sollten ein Mann das ablehnen? Moment! Sorgen? Ist alles vielleicht ganz anders? Bedeutet Vaterschaft für einen Mann, sein Leben lang zu malochen? Sein Geld der Frau zu geben, was zu einem gigantischen Geldstrom führt, der als unsichtbares Privileg der Frau praktischerweise keine Namen hat, erst nach der Trennung „Unterhalt“ heißt? Bedeutet Ehe und Vaterschaft massive, lebenslange Verpflichtung, wie es bereits Esther Vilar formulierte?

Eine Verpflichtung, die auch dann nicht aufgehoben wird, wenn der Unterhaltssklave die Vorteile einer Familie – Nestwärme – nicht mehr erfährt; er also weiterzahlen muss, selbst wenn er von seinen Kindern gehasst wird aufgrund des psychoterroristischen Befehls der Mutter, den einst geliebten Vater zu hassen? Warum eigentlich sollte so einer nicht mal die Gerechtigkeit in die eigenen Hände nehmen? Warum nicht ein etwas mehr an die Realität angelehntes Stück schreiben, in welchem sie ihn entsorgen will und er dann zurückschlägt woraufhin sich selbst ihre Kinder gegen sie stellen: „Nur eine tote Frau ist ein gute Frau“ – als Bestseller aus den Regalen gerissen und alsbald vom Staatsfunk verfilmt und gesendet? Und natürlich als Schullektüre den Kleinen vorgesetzt.

4 Gedanken zu „Schullektüre: „Der Besuch der alten Dame“

  1. beweis

    Es gab nie ein Patriarchat, in dem Väter wirklich etwas zu melden hatten. Wie jeder wurde auch ich in Kindergarten und Schule gemäß der Sichtweise und Lebenswirklichkeit der Frauen erzogen. Mein Vater arbeitete bis spät in den Abend und sorgte damit für die angenehmen Rahmenbedingungen seiner Kinder und Frau.

    Die geistige Prägung erfuhr ich wie alle Heranwachsenden fast ausschließlich von Frauen. Englisch erlernte ich mit Bildern aus dem Klassenraum wie: „Peter is pulling my hair.“ „Stop it, Peter!“. Schon in der Mittelstufe wurde mir eingehämmert, dass Frauen seit Jahrtausenden unterdrückt und benachteiligt seien. Eine geistige Grundhaltung, die ich bis heute selbst in meinem feminismuskritischen Umfeld an vielen Ecken wiedererkenne. Kaum jemand kann sich von der Mär befreien. Kaum einer hinterfragt den Irrglauben und schaut, worin denn wirklich die Benachteiligung besteht oder bestand. Trotzdem wird die Dosis der mentalen Infusionen im Rahmen der Femotherapie vor allem für männliche Kinder stetig erhöht.

    Aber es gibt auch ab und zu einen Lichtblick. Meinem Kind wurde in der ersten Klasse von der Lehrerin das Grimmsche Märchen (vielleicht war es eher eine Dokumentation) „Vom Fischer und seine Frau“ vorgelesen. Ein Klassiker der matriarchal-feministischen Habgier und Herrschsucht, der eigentlich als „antifeministisch“ auf dem Index stehen müsste.

    Mein Kind fand die Story gar nicht so besonders – war halt wie im normalen Leben. Nur mit Butt und Fluss.

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  2. Renton

    Eieiei. Deine Interpretation der Alten Dame ist mangelhaft.

    „mit der korrekten politischen Botschaft, wonach der Mann, der nicht für eine Frau sorgt, ein Verbrecher ist, der auch mal ermordet wird“

    Man sollte schon die Zeitumstände berücksichtigen, unter denen die Geschichte spielt. Das Stück stammt von 1956. Wenn ein Mann und eine Frau 50 Jahre früher, also um 1900, ein Kind zeugten, gab es keine (legale) Möglichkeit, abzutreiben. Es wurde also mit einem gewissen Recht erwartet, dass Mann und Frau die Verantwortung für das Kind übernahmen. Damals hieß das: Heiraten und Familie sein. Das wussten beide auch vor dem Geschlechtsverkehr. Wenn der Mann nun, wie in der Geschichte geschehen, die Frau nicht einfach nur nicht heiratet, sondern auch noch Zeugen besticht, um die Vaterschaft zu leugnen, was für die Frau umgekehrt bedeutete, durch das Erwarten eines unehelichen Kindes entehrt und aus der Gesellschaft ausgestoßen zu werden, ist das Verhalten des Mannes zurecht als unmoralisch (nicht zu seiner Verantwortung stehen) und verbrecherisch (Zeugenbestechung) zu werten.

    „der auch mal ermordet wird“

    So, wie das bei Dir steht, könnte man meinen, die Aussage des Stücks wäre, dass das auch vollkommen in Ordnung gehe. Der Besuch der alten Dame weist die Beurteilung dessen aber bis über das Ende hinaus dem Zuschauer zu. Es wird keine Partei ergriffen, sondern der Zuschauer mit moralischen Fragen konfrontiert. Geht die Rache der Alten Dame in Ordnung? Sie hat immerhin die ganze Stadt ins Elend gestürzt, auch die Menschen, die ihr gar nichts angetan hatten, weil sie z.B. erst später geboren wurden. Ist es von seiten der Städter in Ordnung, einen der ihren für ihren Wohlstand zu opfern? Wie wird das ganze davon beeinflusst, dass derjenige sich unmoralisch verhalten hatte? Viele der Städter aber auch?

    Wenn Du diesen moralischen Fragen eine weitere hinzufügen möchtest – inwieweit darf ein Mann dazu verpflichtet werden, für die Mutter seines Kindes zu sorgen? – be my guest. Aber den Eindruck zu erwecken, ein Stück, dem es in der Hauptsache darum geht, dem Zuschauer die qualvolle Beurteilung moralischer Fragen aufzubürden, würde einfach nur eine politisch korrekte Botschaft transportieren – nenene, das gibt von mir nicht mal ’ne Mitleidsvier.

    Mangelhaft (5), gez. Renton (ehemaliger (Aushilfs-)Lehrer für Physik/Mathematik)

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Ok, ich stimme dir zu. Es bleibt aber dabei, dass man damals wie heute den Vater dazu nötigt, für Frau und Kind zu sorgen, was kein Privileg ist, da Arbeitenmüssen bedeutet, ein Opfer zu erbringen. Der Mann erbrachte einen nicht gerade kleinen Dienst für die Frau, dafür haben Staat und Kirche gesorgt, was aber in der simplen feministischen allgemeinen Geschichtsschreibung stets so ausgelegt wird, er hätte sie unterdrückt und ausgebeutet, obwohl sie das bessere Los gezogen hatte. Nichtsdestotrotz: In Tausenden von Jahren Menschheitsgeschichte hat der Mann die Frau unterdrückt, aber wenn einer sich weigert diese äh… Vorteile anzunehmen, die privilegierte männliche Rolle ausschlägt, ist er ein Verbrecher. Der Mann ist ein Verbrecher, wenn er für die Frau sorgt. Und auch, wenn er es nicht tut.

      Antwort
      1. Renton

        Das nun sehe ich prinzipiell auch so. Wobei ich es eigentlich auf die feministische Geschichtsschreibung beschränken würde, die allgemeine Geschichtsschreibung interessiert sich für das Verhältnis der Geschlechter zueinander höchstens am Rande; dieses Thema macht bestenfalls einen Promillebereich aus, wie ich mich nach einem Vierteljahrhundert des (Laien-)Studiums von Geschichtsbüchern mal zu behaupten traue.

        Ich schätze auch, wir zwei sind uns einig, dass es prinzipiell in Ordnung von der Gesellschaft ist, einen Vater zu nötigen, für sein Kind zu sorgen. Wenn es denn seines ist; wenn die Mutter auch dazu genötigt wird; und wenn der Vater bei der Frage, ob dieses Kind auf die Welt kommt, ein Mitspracherecht hat.

        Und da fangen die Probleme an: Vom ersten bis zum letzten „wenn“ anerkennt die Gesellschaft die Interessen von Männern und das Prinzip der Gleichberechtigung immer weniger.

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