Sprachen ohne Genus, Gesellschaften ohne Sexismus

Robert schreibt:

Wenn es stimmen würde, daß Sprache die Wirklichkeit formt, dann müßten Länder, in denen genuslose Sprachen gesprochen werden, geradezu ein Hort der Gleichberechtigung sein. Türkisch gehört da übrigens dazu, und die Türkei ist ja geradezu ein Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung, nicht wahr?

Also erstmal spielen die Frauen dort wegen unsichtbargemachter Vorzüge dieses Spiel mit.

Aber um zum Punkt zu kommen: Ein Feminist würde wohl sagen, dass man auch in diesen Sprachen immer die Geschlechter ansprechen muss: „The female and male writers“. Damit erst würde ein Bewusstsein dafür entstehen, dass prestigeträchtige Arbeiten auch von Frauen übernommen werden können.

Aber Roberts Einwand zeigt auf, dass die Sprache die Realität nicht konstituiert. Auch in Gesellschaften mit genuslosen Sprachen haben sich die Geschlechterrollen und Arbeitsteilungen genauso entwickelt wie in solchen mit Genussystem: Hebammen sind Frauen, Soldaten Männer. Diese Verhältnisse wurden nicht durch Sprache geprägt und ihre Ursachen sind weit wirkmächtiger, als dass sie sich über eine Manipulation der Sprache ändern ließen.

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