Billy Coen: Kapitalismus und Krankenhäuser

Aus der Reihe „Der freie Markt regelt Alles zum Besten Aller“ (sieh auch) Billy Coen:

Krankenhausschließungen sind sowieso oft eine Pest, die daher rührt, dass sich der Irrglaube politisch hat einnisten können, man müsse Krankenhäuser, jedes für sich, wie Wirtschaftsunternehmen bewerten. Das verkennt vollends den ureigensten Sinn von Krankenhäusern: für eine bestimmte Region eine möglichst gute Sicherung der Leben der dort Beheimateten zu gewährleisten.

In der Region Hannover gibt es das kleine Städtchen Großburgwedel. Das dortige Krankenhaus stand für viele Jahre ständig auf der politischen Abschussliste und bekam erst vor kurzem endlich das OK zur Weiterexistenz. Um Burgwedel herum ist alles sehr ländlich. Nur Dörfer, also keine besonders dichte Besiedelung. Entsprechend dürften die Auslastungszahlen für das Krankenhaus dürftig gewesen sein, weshalb es wohl zu Disposition gestellt worden war. Aber: für die besagte ländliche Region hätte die Schließung des Krankenhauses bedeutet, dass sich das nächstgelegene Krankenhaus in der Nordstadt von Hannover befunden hätte. Ein dort losfahrender RTW bräuchte locker zehn bis fünfzehn Minuten länger, um in einem medizinischen Notfall vor Ort zu erscheinen. Ich glaube, es ist müßig zu erwähnen, was zehn bis fünfzehn Minuten zusätzliche Wartezeit – ganz zu schweigen, dass sich auch der Transport ins Krankenhaus um nochmals dieselbe Zeit verlängert – bedeuten können, wenn gerade jemand mit einem Infarkt oder Schlaganfall zu Hause darniederliegt. Man hätte mit der Schließung also, nur weil man meint, alles nach strikten betriebswirtschaftlichen Kriterien bewerten zu müssen, die medizinische Notfallversorgung für viele Menschen massiv verschlechtert.

Ja gut, dann sind halt in diesem Jahr mal wieder so und so viele Menschen über die Wupper gegangen, die wir, hätte es das Krankenhaus noch gegeben, hätten retten können. Aber dafür haben wir viel Steuergeld gespart, welches wir jetzt in so lebensnotwendigen Projekten wie, ganz aktuell, der Gleichstellungsstiftung versenken können.

15 Gedanken zu „Billy Coen: Kapitalismus und Krankenhäuser

  1. Shitlord

    Fairerweise sind alles über 10 Minuten *wirklich* ein guter Grund, nicht neben Tatütata zu wohnen; kann jeder selbst entscheiden.

    In d/a/ch.

    Und das ist international *Luxus*.

    (Gesendet von einem Berg in Österreich; Notarzt braucht 13 Minuten, KKH mit Heli mindestens 35).

    Antwort
      1. Shitlord

        Falsche Frage: wie effizient ist denn ein Dorfkrankenhaus mit Bergdoktor, der pro Jahr mal vielleicht einen Schlaganfall sieht?

        Deine andere Frage: das betrifft so den halben Planeten. Eher 2/3.

        Die sterben dann ggf.

        Antwort
          1. Shitlord

            Och, mein Onkel brauchte von Anruf bis zu einer der führenden Schlaganfall-Kliniken D’s (Zufall) 16 Minuten.

            Hat auch einen Hirnschaden.

            Freilich, waren 16 schöne Monate, aber seit einem Jahr ist er mental *weg*. Und das noch sicher 5-10 Jahre; er kann ganz toll _alles_ Scheisse finden.

            Meine Tante kann nicht mehr, Papa ist völlig fertig, und ich kann nur im Internet sagen, dass ich lieber wie unser süßer Kater eingeschläfert werden würde…

            Antwort
    1. Billy Coen

      10 bis 15 Minuten MEHR (Lesekompetenz (!) – im Übrigen noch wohlwollend geschätzt; kann bei Berufsverkehr deutlich länger sein). Im Resultat reden wir hier also auch von Zeiten, je nach Wohnort, von dann locker mal über einer halben Stunde.

      Und dass das internationaler „Luxus“ ist, ist natürlich ein wirklich phantastisches und nicht im Geringsten schwachsinniges Argument, die Lage ohne Not zu verschlechtern. Sicher findet sich immer irgendwo ein Land, wo die Lage schlechter ist und wenn wir dafür irgendwann in den Kongo gucken müssen. Solange wir Milliarden für grotesken Schwachsinn wie besagten Gender- und Gleichstellungskäse aus dem Fenster schmeißen, ist das Gesundheitswesen ganz bestimmt das allerletzte, wo man den Rotstift ansetzen sollte – von den Unsummen sonstiger Steuerverschwendungen gemäß des Schwarzbuches des Bundes der Steuerzahler mal ganz zu schweigen.

      Antwort
  2. Shitlord

    Selber Lesekompetenz.

    Siehe meinen reply an yx: was nützt Dir denn ein Krankenhaus ohne Spezialisten? Und was nützen Spezialisten, die 300 Tage im Jahr Sudokus ausfüllen?

    Das spielt also in Deinen Punkt „Milliarden für Schwachsinn ausgeben“ schön rein, wenn man es denn so sehen will – so ein paar Helikopter sind viel besser und viel billiger als nutzlose kleine Krankenhäuser, die sich nicht tragen.

    Antwort
    1. Billy Coen

      „Selber Lesekompetenz.“

      Oh, bitte verzeih, dass ich nicht in der Lage war, deine Antwort auf Uepsis Kommentar in meinem zu berücksichtigen, welche du nach meinem Kommentar geschrieben hast. Das hat nur wenig mit Lesekompetenz zu tun, sondern eher mit Machtbegabung…

      Hmmm… ja, warum benutzen die nicht einfach viel mehr Helikopter??? Könnte es, ganz abseits des Kostenfaktors, auch daran liegen, dass die Dinger in vielen Gegenden, also nicht gerade auf österreichischen Almen, einfach weit unpraktischer sind als RTWs?

      Und fällt dir nicht selber auf, wie du dich hier in wilde Übertreibungen versteigern musst, um zu argumentieren? Zwischen Vollauslastung und Sudoku spielenden Spezialisten gibt es sehr viele Abstufungen. Wir reden auch bei besagtem Krankenhaus beileibe nicht von einer Einrichtung, in der sich das Personal die meiste Zeit gelangweilt im Gesellschaftsraum die Ärsche plattdrückt. Und vor allem reden wir hier nicht davon, wild das ganze Land mit Krankenhäusern zuzuscheißen, sondern davon, dass bestehende Einrichtungen dicht gemacht werden, was für die Steuer zahlenden Bürger in der Region eine faktische Verschlechterung ihrer Notfallgesundheitsversorgung bedeutet. Mehr als berechtigt, dass diese Bürger dann dagegen opponieren.

      Bei deinem Beispiel zu Wohnkosten im Übrigen dasselbe: merkst du nicht selber, dass du nur mit wildesten Übertreibungen arbeitest und nur damit sogar Lebenswirklichkeiten in deinem Sinne wegdeklinierst? Es geht hier um eine zeitlich günstige Erreichbarkeit eines Krankenhauses und du kommst direkt mit Wohnen in der unmittelbaren Nachbarschaft…

      Natürlich hat eine Nähe zu einem Krankenhaus Einflüsse auf Grundstückspreise und Mieten. Nicht zuletzt, weil Gegenden, in denen das nächste Krankenhaus nicht allzu weit entfernt ist, sehr gerne von älteren und – in der aktuellen Rentnergeneration noch – recht solventen Menschen gesucht werden. Also dass sich das Wohnen in der Nähe eines Krankenhauses negativ auf Wohnkosten auswirken soll… da muss man erst einmal drauf kommen. Oder eben mit albernen Übertreibungen arbeiten…

      Antwort
      1. Shitlord

        Ich mache „wilde Übertreibungen“, weil die (a) Eueren zentralen Punkt widerlegen, v.a. aber, um nicht um 70 vs 80% diskutieren zu müssen.

        Dazu gleich – ich fand den Gedanken absurd, dass es sich Leute „nicht leisten können“, in KKH-Nähe zu leben.

        Können sie sehr wohl, siehe mein Beispiel. Wichtiger ist aber, dass ich nicht denke, dass sich da nennenswert viele Leute überhaupt darüber Gedanken machen.

        Zurück zu den wilden Übertreibungen: es geht auch nicht darum, dass das Personal „die meiste Zeit“ Kaffee trinkt.

        Es geht mir darum, dass wenn/weil Gesundheit ja sozialistisch ist, man da effizient quasi-monopolistisch arbeiten könnte – sollte, vielmehr; wenn Du ein breites Angebot willst, lass es den Markt machen.

        Bei Flugzeugen brauchst du so 70% voll, damit das kostentragend ist, KKH sind wohl so 80% voll im Schnitt – das ist doch *gut*?

        Und die 10-15 mehr Fahrzeit sind halt für locker 80% aller RTW-Einsätze eh Wurst; wir haben in D ja Notärzte (wie Helikopter).

        Ich gebe Lauterbach ja enorm ungern Recht, aber weniger gute statt viele mittelmäßige KKH sind halt *wirklich* eine gute Idee.

        Dass Leute in x-Dorf das blöd finden, verstehe ich auch; die sind aber eher nicht arm. Arme Leute in D wohnen in Städten (zu 80%).

        Nochmal: denk Dir zu meinen „Extremen“ halt ein „in der überwiegenden Mehrheit“ dazu.

        In Australien ist eine miese Buschklinik sinnvoll, dito in Nunavut oder in den flyover States in den USA.

        Im kleinen Deutschland ist das *nur* teuer. Und da habe ich lieber einen Notarzt zum RTW oder ggf. einen Heli als den gleichen Arzt beim Kaffeetrinken.

        Dass das alles nicht so toll läuft, da sind wir uns sicher einig. Die ganzen Frauen, die Medizin studieren, um dann halbtags Urinproben zu nehmen, sind zB keine sinnvolle Allokation von staatlichen Mitteln.

        Antwort
        1. uepsilonniks Autor

          „Praktisch identisch war jedoch der Umstand, dass zuletzt schon die schwere Grippewelle von 2018 die Krankenhäuser und Intensivstationen an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht hatte, und dass generell die Überlastungssituation in den Krankenhäusern schon seit langem völlig unabhängig von Corona besteht. Die Schlüsselaussage des Pflegers Ricardo Lange auf der Bundespressekonferenz lautet: »Die Pflege arbeitet seit vielen Jahren schon am Limit, aber leider hat es bislang in diesem Umfang niemand interessiert.«“

          Der Segen des Marktes.

          https://ingbert-juedt.net/corona-als-politische-religion

          Antwort
  3. Shitlord

    Toller Artikel.

    Das letzte Aufbäumen der staatlichen (!) Pyramidenspieler mit dem Gesundheits-, Pflege, und (Spoiler: coming soon) Rentensystem.

    Was genau ist daran die „Schuld“ von Markt respektive Kapitalismus? Außer, dass der Markt das halt regelt? Weil – das tut er schon; es gefällt nur nicht mal mir sonderlich. Aber das war halt *klar*, deswegen sind Ponzi-Schemes ja verboten (vom Staat, natürlich; nicht für den Staat; quod licet Jovi…)

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Ja, der Markt regelt. Aber nicht auf gute und akzeptable Weise. Leerstehende Betten und Intensivbetten werfen keinen Profit ab und… der Rest ist Geschichte.

      Antwort

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