2 Gedanken zu „Menschen OHNE Nazihintergrund

  1. Rolf Blüm

    An dieser Stelle erlaube ich mir einen Betrag der NZZ hier einzustellen:
    Islamisten instrumentalisieren den Holocaust – mit Unterstützung von Wissenschaftern
    Obwohl sie selber Judenhass verbreiten, inszenieren sich Islamisten gerne als «neue Juden» und potenzielle Holocaust-Opfer. Ermuntert werden sie dabei ausgerechnet von Historikern.

    Lucien Scherrer
    27.04.2021, 05.30 Uhr

    Wenn es ihren politischen Zwecken dient, inszenieren sich selbst Antisemiten als «neue Juden» (Bild: jüdischer Gebetsraum im Hotel Etania in Davos).
    Karin Hofer / NZZ
    Corona-Leugner, Impfgegner, Christoph Blocher und deutsch-arabische Clan-Kriminelle haben eines gemeinsam: Sie alle haben ihr Schicksal schon einmal mit jenem der Juden verglichen, um sich öffentlichkeitswirksam als Verfolgte zu inszenieren. Die «Juden von heute» tragen an Demonstrationen gelbe Sterne, wie sie jüdische Bürger unter dem Naziregime tragen mussten. Oder sie klagen, ihre Partei (SVP) werde ausgegrenzt «wie damals die Juden». Oder sie behaupten, der Staat behandle Clan-Kriminelle wie im Krieg, «wo sie auf die Juden geritten sind».

    All diese Vergleiche rufen normalerweise die Reaktionen hervor, die sie verdienen. Wobei die Urheber daran erinnert werden, dass die Stigmatisierung, die Ghettoisierung und die Ermordung von Millionen Frauen, Kindern und Männern nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden sollten. Allerdings gibt es eine Ausnahme: sobald Islamisten, Verteidiger von Islamisten und linke Identitätspolitiker Vergleiche ziehen zwischen «den» Juden von gestern und «den» Muslimen von heute. Dann gibt es sicher auch einige Empörte. Aber die Urheber ernten eben auch sehr viel Nachsicht, Verständnis oder gar Unterstützung.
    Erst «Burkaverbot», dann «Kristallnacht»
    So duldete es die Grüne Partei der Schweiz kürzlich, dass ihr Lausanner Gemeinderatskandidat T. Djamel E. Medjitna via Twitter erklärte, Minarett- und Burkaverbote seien Vorboten neuerlicher Nazigreuel: «Heute Verbot von Burkas, morgen Bücherverbrennung und Kristallnacht in unseren Strassen.» Vonseiten der Medien wurde Medjitna weitgehend von Kritik verschont; bei den Wahlen erhielt er immerhin 7000 Stimmen. Ebenfalls im Abstimmungskampf über die «Burka-Initiative» behauptete der Operation-Libero-Co-Präsident Stefan Manser-Egli, «die Salafisten» würden heute für ebenso bedrohlich gehalten wie die Juden im 19. Jahrhundert, weshalb man Religionsangehörige damals wie heute diskriminiere.
    Auch wenn Manser-Egli zum Teil harsch kritisiert wurde – man warf ihm vor, Extremisten mit harmlosen Bürgern gleichzusetzen –, rezipierte er im Grunde nur eine These, die in sogenannt progressiven, antirassistischen und universitären Kreisen sehr populär ist. Hinter der Legende von den islamischen «Ersatzjuden» (Pascal Bruckner) steht mittlerweile eine ganze Wissenschaft, die selbst von bekannten Historikern legitimiert und verteidigt wird, trotz ihrem hohen politischen Missbrauchspotenzial.

    Die heutige Angst vor dem Islam, die sogenannte «Islamophobie», so lautet die Kernthese dieser Theorie, funktioniere nach den gleichen Prinzipien wie der Antisemitismus – und die Muslime hätten die Juden als Lieblingsfeind der europäischen Fremdenhasser und Rassisten abgelöst. Um dem drohenden Vorwurf der Holocaust-Relativierung vorzubeugen, verweisen die Anhänger dieser Theorien gerne auf die Zeit vor der «Endlösung der Judenfrage», etwa auf die 1930er Jahre oder eben das 19. Jahrhundert.
    Zu den prominentesten Verfechtern dieser Theorie gehört der deutsche Geschichtsprofessor und Vorurteilsforscher Wolfgang Benz, der bis 2011 das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin leitete und auch von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus zitiert wird. «Die Judenfeindlichkeit des 19. Jahrhunderts, die im 20. Jahrhundert zum Holocaust geführt hat», so erklärte Benz kürzlich im «Deutschlandfunk», sei mit der «Islamfeindlichkeit des 21. Jahrhunderts vergleichbar», da sie sich derselben Methoden bediene: Diskriminierung, Ausgrenzung und Dämonisierung.
    Tatsächlich gibt es bei der Ausgrenzung von Minderheiten stets Parallelen. Das Schächtverbot zum Beispiel, dem die Schweizer Männer 1893 zustimmten, richtete sich klar gegen die Juden. Ebenso klar ist, dass Teile der politischen Rechten den Kampf gegen Burkas oder Minarette missbrauchen, um Stimmungsmache gegen sämtliche Muslime und alle als «fremd» eingestuften Menschen zu betreiben.

    Moralische Hilfe für islamistische Ideologen
    Überzeugend ist diese Parallelisierung allerdings nur, wenn man den historischen und ideologischen Kontext völlig ausblendet. Die jüdische Bevölkerung war bereits im 19. Jahrhundert (staatlichen) Repressalien ausgesetzt, die in manchen Ländern von Pogromen begleitet waren, mit Morden und Vergewaltigungen. Ebenso konnten die Juden nur mit Lügen und Verschwörungsphantasien wie den vom russischen Geheimdienst zusammengeschusterten «Protokollen der Weisen von Zion» zur Gefahr stilisiert werden.
    Es gab und gibt keine jüdischen Gruppen, welche die Weltherrschaft anstreben. Umgekehrt gibt es in Europa keine Pogrome gegen Muslime. Dafür beweisen Salafisten, Wahhabiten, Muslimbrüder und andere Anhänger radikaler islamischer Strömungen regelmässig, dass sie gefährlich sind – und dies nicht nur, weil sie tatsächlich von der Bekehrung der ganzen Welt träumen und Terrorakte verharmlosen.
    Der ägyptische Gelehrte und in der muslimischen Welt sehr populäre (Fernseh-)Prediger Yusuf al-Karadawi etwa, der von manchen Islamwissenschaftern als gemässigt wahrgenommen wird, plädiert in seinem auch in europäischen Islamschulen verbreiteten Buch «Erlaubtes und Verbotenes im Islam» dafür, Glaubensabtrünnige zu töten. Homosexuelle gehören seiner Meinung nach ebenfalls mit dem Tod oder zumindest mit Peitschenhieben bestraft, und Frauen sollen sich ihrem Mann unterwerfen.

    Alles nur Verschwörungsphantasien?
    In der Wahrnehmung von Wolfgang Benz und anderen Verfechtern der Islamophobie-These sind jedoch nicht die islamistischen Ideologen das Problem, sondern deren Kritiker. Nachzulesen ist das unter anderem in Benz’ kürzlich erschienenem Sammelband «Streitfall Antisemitismus», der von fragwürdigen historischen Vergleichen durchdrungen ist. So diffamiert Benz in einem Aufsatz sämtliche Islamismusgegner als «Panikmacher», dazu vergleicht er sie mit dem Antisemiten Heinrich von Treitschke, der 1879 den Slogan «Die Juden sind unser Unglück» prägte.
    Kritik am Islam und an islamistischen Machtansprüchen, so suggeriert Benz, ist bloss eine Obsession von «obskuren Publizisten» wie Thilo Sarrazin und Udo Ulfkotte. Muslimische und liberale Intellektuelle, die ebenfalls vor islamistischen Unterdrückungsphantasien warnen, zählen für den emeritierten Professor nicht. Entsprechend wertet er die Vorstellung, dass in Europa eine Minderheit Dominanz über die Mehrheit anstrebt, als reine Verschwörungsphantasie ab.
    Die auch von jüdischer Seite vorgetragene Islamkritik hält er angesichts der Bedrohung Israels und der «offensiv gelebten Judenfeindschaft mancher Muslime» immerhin für nachvollziehbar. Sie habe aber, so schreibt er, «kein historisches Gedächtnis und kein Problembewusstsein für die Austauschbarkeit der Stigmatisierung von Gruppen».

    Vereinnahmung des Holocaust
    Obwohl Wissenschafter und Publizisten die Thesen von Wolfgang Benz bereits vor zehn Jahren als geschichtsblind, konstruiert und verharmlosend kritisiert haben, halten sie sich hartnäckig. Dies unter anderem bei der mit Steuergeldern finanzierten deutschen Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). Dort hält der Islamwissenschafter Thorsten Gerald Schneiders zwar fest, «das Phänomen der Islamfeindlichkeit» entspreche nicht einmal ansatzweise den historischen Ausmassen des Antisemitismus. Am Ende plädiert er aber doch dafür, Vergleiche zwischen den beiden Phänomenen nicht grundsätzlich abzulehnen.
    Damit wird bewusst oder unbewusst eine Legende genährt, die trotz allen gegenteiligen Beteuerungen auf eine Banalisierung des Holocaust hinausläuft. Denn selbst wer «nur» auf das 19. Jahrhundert oder die 1930er Jahre verweist, löst entsprechende Assoziationen aus. Das ist ganz im Sinne islamistischer Strömungen, die derzeit im identitätspolitischen Diskriminierungs- und Opferwettbewerb ganz oben stehen wollen.
    Wie der französische Philosoph Pascal Bruckner in seiner Analyse «Der eingebildete Rassismus» festhält, ist es ihr erklärtes Ziel, den Holocaust zu vereinnahmen, um sich gegen Kritik zu immunisieren, nach dem Motto: «Den Islam zu kritisieren, ihn nicht schlechthin willkommen zu heissen, das wäre nicht mehr und nicht weniger, als einen neuen Holocaust vorzubereiten.»

    Islamischer Judenhass soll verdrängt werden
    Dass das Privileg, sich als neue Holocaust-Opfer zu inszenieren, ausgerechnet den Islamisten zugestanden wird – samt wissenschaftlicher Fundierung –, gehört zu den Absurditäten der derzeitigen Diskriminierungsdebatte, in der allein zählt, wer etwas sagt. Wobei die angeblich Diskriminierten immer recht haben. Selbst wenn sie, wie im Fall der Islamisten, selber antisemitische Hetze verbreiten.
    Der oben erwähnte Yusuf al-Karadawi erklärte in einer Fernsehansprache, er sei zwar nicht mit allen Methoden Adolf Hitlers einverstanden. Aber der Diktator habe die Juden dahin geschickt, wo sie hingehörten. Da «Ersatzjuden», die selber Judenhasser sind, nicht sonderlich glaubwürdig sind, wird dieser zentrale Aspekt islamistischer Ideologien ebenfalls gerne verdrängt.
    So behauptete eine Autorin in Wolfgang Benz’ Sammelband «Streitfall Antisemitismus», das bei muslimischen Schülern populäre Schimpfwort «Du Jude!» sei nicht per se antisemitisch gemeint. Auch für die Wortführer des antirassistisch und wissenschaftlich verbrämten «Islamophobie»-Diskurses werden die Grenzen des Sagbaren bis zur Schmerzgrenze erweitert. Das zeigt der Fall des österreichischen Politologen Farid Hafez.

    Der Doktor an der Universität Salzburg gibt einen von der Erdogan-nahen türkischen Seta-Stiftung mitfinanzierten «Islamophobie-Report» heraus, in dem Wissenschafter und Islamismuskritiker regelmässig als verkappte Rechtsextremisten diffamiert werden. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien stellte er 2016 in eine Reihe mit der FPÖ, weil sie wie die rechtspopulistische Partei eine Veranstaltung über den, wie es Hafez vielsagend formulierte, «sogenannten islamischen Antisemitismus» organisiert hatte.
    Während Hafez raunend vor einer Allianz zwischen «Juden und Rechten» warnt, verliert er in seinem Buch «Islamisch-politische Denker» kein Wort über das antisemitische Gedankengut von Yusuf al-Karadawi, Sayyd Qutb und anderen Islamisten. Qutb, der seine antisemitischen Verschwörungstheorien unter anderem auf die «Protokolle der Weisen von Zion» stützte, wird den Lesern gar als Antirassist und Befreiungstheologe ans Herz gelegt.
    Universität verbreitet Pogromnacht-Vergleich
    Obwohl die Arbeit von Farid Hafez darauf hinzielt, islamistische Vordenker und Positionen als demokratietauglich zu legitimieren, wird er seit Jahren von Medien und (SPÖ-)Politikern hofiert und von Wissenschaftern unterstützt – unter anderem von Wolfgang Benz und dem Schweizer Historiker Damir Skenderovic, die beide im wissenschaftlichen Beirat von Hafez’ «Jahrbuch für Islamophobieforschung» sind.

    Die wahren Opfer von heute, das insinuierte Hafez im letzten November, sind Leute wie er, die angeblich völlig zu Unrecht verdächtigt werden, mit Islamisten wie den Muslimbrüdern zu sympathisieren. Nachdem die österreichische Polizei bei einer Aktion gegen mutmassliche Unterstützer der Hamas und der Muslimbrüder Anfang November seine Wohnung durchsucht hatte, veröffentlichte er auf der Website der amerikanischen Georgetown University einen Text mit dem Titel «Xinjiang und Kristallnacht in Österreich».
    Wie der Titel ankündigt, vergleicht der Wissenschafter die Polizeiaktion nicht nur mit der Verfolgung der Uiguren in China, sondern auch mit der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, in deren Zuge die Nazis Hunderte Juden ermordeten und 30 ooo in Konzentrationslager deportierten, wo weiter gemordet und gefoltert wurde. Während sich die Universität Salzburg von ihrem Mitarbeiter und dessen «inakzeptablen Aussagen» distanzierte, formierte sich nach dem Skandal ein internationales Unterstützungskomitee, das «Komitee Hafez» (mit dabei: Wolfgang Benz und zahlreiche Universitätsprofessoren).
    Glaubt man diesem Komitee, zielte Hafez trotz mehrfachen Verweisen auf die Pogromnacht mitnichten auf eine «Gleichsetzung» der Polizeirazzia und der Novemberpogrome. Was von dieser Behauptung zu halten ist, kann jeder selber nachprüfen: Die Georgetown University hat den Text bis heute nicht von ihrer Website entfernt.

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