Die Sexsklavin und die Geborgenheit

Heute erreichte mich eine SPAM-Mail, in der mir alle möglichen Sexualpraktiken zwischen normal und anal angeboten wurden. Das führt mich dazu, dass ich vor Jahren eine Mail erhielt, die auch mit Sex zu tun hatte, aber kein liebloser SPAM war. Sie irritierte mich, was dazu führte, dass ich wie ein Mensch ohne Manieren nicht antwortete, sondern sie löschte.

Sie kam von einer Frau, die sich mir mit einer 24/7-BDSM-Beziehung als Sklavin anbot. Jetzt finde ich das ganz witzig, da sich mir die Frage stellt, welchen Eindruck ich eigentlich mit meinem Blog mache. Mache ich den Eindruck, dass ich, der polternde Maskulist, von einer Welt träume, in der Männer über Frauen herrschen? Nun: Ich bin für Gleichberechtigung. Und das macht mich zum Männerrechtler, da die dominierende Strömung Feminismus eben nicht für Gleichberechtigung ist, was u.a. dazu führt, dass Männer in Notlagen allein gelassen werden.

Zurück zu meiner Sexsklavin. Was ihr nicht entgegen gekommen wäre, wenn ich ihr geantwortet hätte: „Okay, ich bin jetzt dein Herr. Geh‘ Arbeiten, in Übervollzeit, nehm‘ dir vom Lohn das Existenzminimum und überweise mir den Rest, hier ist meine Kontoverbindung…“

Was sie mehr antreibt, einen Herren zu suchen, hat was mit dem Abgeben von Verantwortung zu tun und dem Wunsch nach Geborgenheit und Sicherheit in einer unsicheren Welt. Ich habe mal eine Frau kennen gelernt, die von so einem Wunsch besessen war. Sie wollte wieder ein Kind sein. Die haben die eingewiesen. Kinder tragen keine Verantwortung und werden geliebt (sollten sie zumindest). Der Bottom in einer BDSM-Beziehung gibt Verantwortung ab. In einer Session, beim Ausleben der Sexualität, für sein psychisches Befinden. Das kann auch schiefgehen, weshalb Safe-Wörter vereinbart werden, die dem Top signalisieren, dass sich der Bottom in einer seelischen Notlage befindet. Der Top trägt Verantwortung – in einer 24/7-Beziehung nicht nur während einer einzelnen Session, sondern auch für das ganze Leben und bietet zudem Sicherheit (das heißt nicht, dass Bottoms außerhalb so einer Beziehung unterwürfig seien). Eine Muslima erklärte mal auf AE, sie würde ihrem Mann dienen. Ich sehe das mit Skepsis, sie übersieht, dass ihr Mann ihr auch dient, wenn er Arbeiten geht und den Löwenanteil seines Einkommens an die Familie abgibt.

Nun: Dass man mich mit so einem Ansinnen angeschrieben hat, zeigt, dass es gar nicht so einfach ist, so einen Mann zu finden, der dazu willens und fähig ist, den „Sklavenhalter“ zu geben. Traurig für sie, ich wünsche ihr, dass sie eine erfüllende, Geborgenheit stiftende Beziehung findet.

 

5 Gedanken zu „Die Sexsklavin und die Geborgenheit

  1. beweis

    Zwei Aspekte finde ich bei den True-Crime- und „Die Monster sind unter uns“-Dokus besonders spannend: Das Stockholm-Syndrom und die unglaublich vielen Liebesbekundungen und Heiratswünschen von Frauen gegenüber den besonders blutrünstigen Massenmördern, Kinderschändern oder Menschenfressern. Warum sammeln sich in deren Zellen solche hingebungsvollen Liebesbriefe von Frauen kistenweise an? Was macht die daran so scharf, wenn einer gegen alles, was der Gesellschaft vorgeblich lieb und teuer ist, verstößt?

    Nun schreibst du ja selber nicht nur so markante Dinge wie „Ich bin ein Diener des Bösen“ – du stehst auch noch für etwas, das in unserer Welt als besonders gefährlich und schändlich eingeordnet ist: Die Gleichberechtigung von Männern gegenüber Frauen. Das ist so schlimm und verwerflich, da du damit indirekt Frauen Privilegien entziehen willst, dass es offenbar in manchen Frauen eine schlummernden Lust an der Bestialität stimuliert.

    Ein Freund von mir hat mal eine offenbar halbwegs normale Frau gedated, die ihm nach ein paar Treffen, Kopulationen und Gesprächen vorschlug, ihm Kinder für den Sex zuzuführen, um dann bei der Tat dabeisein zu können. Das war ihre stärkste sexuelle Phantasie. Der Freund hat natürlich sofort das Weite gesucht und war danach lange psychisch derangiert, weil er das bei Frauen nie für möglich gehalten hätte.

    Es gibt in der weiblichen Psyche offenbar noch viel zu entdecken jenseits ihrer stereotypen Stilisierung zum zarten, ängstlich-zitternden Rehkitz.

    Antwort
  2. djadmoros

    »Wunsch nach Geborgenheit und Sicherheit in einer unsicheren Welt.«

    Eva Illouz hat dazu eine interessante Ansicht, die in dieselbe Richtung geht:

    »Ich betrachte den Sadomasochismus als einen Teil der Aufklärung, weil er eine immanente Lösung des Problems der Gewißheit darstellt. Das heißt: Wenn die moderne Moral von den Problemen der Ambivalenz, der Ungewißheit und der Unbestimmtheit heimgesucht wird, die allesamt aus dem Zusammenbruch eines geordneten moralischen Kosmos resultieren, und wenn sie keine Gewißheit auf der Grundlage transzendenter moralischer Bezugssysteme mehr herstellen kann, dann muß sie immanente Lösungen für die Frage finden, wie man das Handeln auf selbsterzeugte Formen von Gewißheit stützt. BDSM ist eine brillante Lösung für die strukturelle Instabilität von Liebesbeziehungen, gerade weil es sich um ein immanentes, in einer hedonistischen Definition des Subjekts verankertes Ritual handelt, das Gewißheit über Rollen, Schmerz und die Kontrolle des Schmerzes sowie die Grenzen des Konsenses verspricht. Dies ist auch der Grund, warum sich die Selbsthilfe zum wichtigsten kulturellen Modus der Gestaltung der eigenen Individualität entwickelt hat: weil sie eine immanente Antwort auf die Frage bietet, wie man ein Selbst formt und wie man zu angemessenen Beziehungen und einem angemessenen Selbst findet. Wenn wir keine Regeln, Normen oder Moral haben, aus der sich Gewißheiten und Orientierungen ableiten ließen, dann werden BDSM und Selbsthilfe zu einem unmittelbaren Ersatz für sie.« (Illouz, Eva (2013): Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey. Berlin: Suhrkamp, S. 76 f.)

    Antwort
  3. Renton

    „Was sie mehr antreibt, einen Herren zu suchen, hat was mit dem Abgeben von Verantwortung zu tun und dem Wunsch nach Geborgenheit und Sicherheit in einer unsicheren Welt. […] Der Bottom in einer BDSM-Beziehung gibt Verantwortung ab. In einer Session, beim Ausleben der Sexualität, für sein psychisches Befinden.“

    Das Abgeben von Verantwortung ist mit Sicherheit für viele Bottoms ein Reiz des BDSM. Dem Top ausgeliefert zu sein stellt für viele, Tops und Bottoms, einen großen Vertrauensbeweis dar. Ein Top kann sich dabei geschmeichelt fühlen und motiviert, diesem Vertrauensvorschuss, der es ja immer ist, gerecht zu werden. Der Bottom kann das Abgeben von Verantwortung genießen und gleichzeitig das wohlige Gefühl eines Schenkenden haben; das Geschenk ist das dem Top geschenkte Vertrauen. Beide können dabei eine Intimität und Nähe erleben, die in Stino-Beziehungen*) sicherlich schwieriger zu erreichen ist.

    Andererseits ist BDSM zu vielfältig ist, als dass man irgendetwas pauschalisieren könnte. Nimm mich zum Beispiel: Es entspricht nicht meinem Verständnis von BDSM, dem Top die alleinige Verantwortung zu geben. Der Top muss sich auf mich verlassen können. Sei es, dass ich ihn über mein Wohlbefinden auf dem Laufenden halte; sei es, dass ich ihm keine Vorwürfe mache, wenn wir etwas neues ausprobieren, er sich an alle Absprachen hält und ich trotzdem einen Absturz erlebe, einfach, weil ich mir – besser wahrscheinlich: wir mir – zuviel zugemutet haben. (Dass der Top allerdings als der Kontrollierende die größere Verantwortung für mein unmittelbares Wohlbefinden trägt, ist auch klar – wenn er mich erwürgt, ist ganz klar er schuld.)

    Darüber hinaus liegt der Reiz von BDSM für mich als Bottom auch gar nicht so im Devoten. Ich bin deutlich mehr maso als devot. Etwas wie Verantwortung und Kontrolle abgeben würde ich daher als gar nicht sonderlich wichtig für mich einstufen. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte man sogar sagen, im Gegenteil: Mein Wunsch ist es, die sadistischen Bedürfnisse und Gelüste der Partnerin zu befriedigen, wofür ich mich dann tatsächlich verantwortlich fühle. Eine Session, die meiner Partnerin nicht gefällt, war für mich keine gelungene Session.

    Ich bin insofern ein Beispiel dafür, dass Pauschalisierungen bei BDSM verdammt schwierig sind.

    Falls es sich bei dem Angebot an Dich nicht um einen versteckten Abzockversuch handelte („Kontakt mit mir kannst Du aufnehmen nur unter der Nummer 0190… oder auf folgender Webseite mit Bezahlfunktion:…“), hättest es Dir übrigens passieren können, dass die Sub sehr genaue Vorstellungen einer 24/7-Beziehung mitbrachte; so weitgehend, dass effektiv Du ihr Diener gewesen wärst. Ich will das gar nicht verurteilen, aber man sollte sich immer darüber klar sein, dass es faktisch beiden passen muss, sonst ist der eine schnell weg. Einem unerfahrenen Top kann es bestimmt schnell passieren, dass er sich mehr verbiegt, als er eigentlich möchte, um seinen Sub zu halten. Eine solche Beziehung trägt dann ein erhebliches Ungleichgewicht in sich, denn ich vermöchte nicht zu erkennen, was die (ausreichende) Gegengabe für das Abnehmen von Verantwortung und die Gewährung von Sicherheit durch den Top ist.

    Eine Bekannte von mir, nicht BDSM-affin, soweit ich weiß, hatte übrigens auch so verquere Vorstellungen von Beziehung. Sie wollte wohl (ich weiß es nur aus zweiter Hand), dass ihr Partner die Führung übernimmt, aber sie schon noch mitzureden hat. Mit anderen Worten: Alles nach ihrem Willen, aber bitteschön möglichst wenig Verantwortung. Nun ja. Sie ist recht hübsch, deshalb hat sie keine Probleme, einen Partner zu finden; aber zu ihrer Verwunderung halten die Beziehungen nie lange, entweder wollen die Kerle nur eine Bettbeziehung (das sind die Vernünftigen) oder sie sind selbst komisch, nämlich die (unvernünftige) Sorte Mann, die sich auf so eine Frau einlassen würde, und dann beendet sie oder er irgendwann die Beziehung, je nachdem, wer des anderen eher überdrüssig wird. Ich weiß nicht, ob sie ihre eigene Einstellung schonmal kritisch reflektiert hat. Naja, jetzt ist sie mit einem Engländer zusammen, und das hält schon eine Weile.

    *) STInkNOrmale Beziehungen 😉

    Antwort

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