Wokesprech: „gelesen als“

Wird als schwarz gelesen. Aber was bedeutet das? Ganz einfach: Sie ist tatsächlich schwarz. Das ist die Hautfarbe. Nicht ihre Persönlichkeit.

Sprache ist ein Instrument um Ideen zu transportieren. Es ist z.B. ein Unterschied, ob ich von Migranten oder Invasoren spreche oder auf der anderen Seite von Asylberechtigten. Es macht keinen Sinn, einem Asylberechtigten, der von Afrika nach Italien und von Italien nach Deutschland „geflüchtet“ ist, zu unterstellen, er wolle lediglich in das deutsche Sozialsystem migrieren – denn das widerspricht der Definition eines Menschen, der ein legitimes Anrecht auf Asyl hat. Mit der Wahl der Begriffe wird Politik gemacht.

Eine der Lieblingswendungen in der woken Sprache ist, dass Menschen „gelesen“ oder „markiert“ werden. Das liest sich z.B. so:

Mittlerweile wird in rassismuskritischen Diskursen vermehrt davon gesprochen, dass Menschen „als xy gelesen“ und „als xy markiert“ werden: zum Beispiel redet man von „als Schwarz gelesenen“ oder „als Asiatisch markierten“ Personen. Dadurch wird – ähnlich wie bei der Rassifizierung – deutlich, dass man sich nicht aneignet, wie Menschen tatsächlich sind oder sich identifizieren, sondern es auch eine gesellschaftliche „Lesart“ anderer Menschen gibt. So etwas wie eine Art Interpretation aufgrund äußerlicher Merkmale.

Das ist trivial. Wir alle interpretieren. Wir alle haben bestimmte Bilder und Überzeugungen, wonach wir das, was wir vorfinden, beurteilen. Es gibt Eigenschaften, und es gibt die Bewertungen von Eigenschaften, die man wahrnimmt. Und darin sind wir übrigens auch sehr unterschiedlich, es gibt keine allgemeingültige „gesellschaftliche Lesart“: Der eine will einen Schwarzen rausschmeißen, der andere küsst ihm die Stiefel und der nächste wiederum will ihn erstmal näher kennenlernen, bevor er sich ein Urteil bildet.

Aber Ok, der Schwarze ist also gar nicht schwarz, sondern wurde nur so „markiert„. Soll heißen, ein anderer Weißer kam vorbei und hat ihn schwarz angemalt – und das obwohl Blackfacing eine ganz doll böse Sache ist. Weiße sind halt das letzte.

Oder gelesen als… Zum Beispiel gelesen als schwarz, gelesen als Frau. Wenn es von Seiten der Woken heißt, jemand würde als „schwarz gelesen,“ was zugleich falsch sei, weil dieser Vorgang der gelesenen Person nicht gerecht werde, wird jemand aufgrund des bloßen Sehens verurteilt. Das ist bösartig und totalitär, ein Gedankenverbrechen, für das man den Prozess gemacht bekommt, wobei man sich schon durch den bloßen Akt des Wahrnehmens schuldig gemacht hat, etwas also, was sich der eigenen Kontrolle schlicht entzieht. Denn die Eigenschaft „schwarz“ wird eben nicht durch den Vorgang des Lesen festgelegt, sondern ist eine real existierende Eigenart der wahrgenommenen Person. Wie der Wahrnehmende dann dazu steht, welche Urteile er über Männer, Frauen, Schwarze fällt, ist eine ganz andere Geschichte.

Es wäre angebracht zu sagen, dass man die tatsächlich vorliegende Eigenschaft „schwarz“ interpretiert. Und hier könnte man dann auch Klischees und Vorurteilen sprechen, z.B. das Vorurteil, dass sämtliche Schwarze selbstgefällige Rassisten wären, die sich in einem Opferkomplex suhlen, unverschämt aufführen und Weiße anklagen für Verbrechen, die sie nicht begangen haben – ein Vorurteil, das nicht zutrifft.

Wo wir jemanden für eine bloße Wahrnehmung anklagen, haben wir es mit Leugnen von Wahrheit zu tun, denn nicht der rassifizierte Blick legt die wahrgenommene Eigenschaft fest, sie existiert tatsächlich beim Farbigen. Dass sich diese Eigenschaft allein im Blick des Beobachters fände, ist eine Komponente einer Doppelbindung. Doppelbindung bedeutet, dass man vor zwei Alternativen gestellt wird, aber beide falsch sind, dass man bestraft wird, egal welche Entscheidung man trifft. Doppelbindungen werden in der Folter angewendet, um Gehirnwäschen vorzunehmen, finden sich aber auch in toxischen Beziehungen z.B. zwischen Mutter und Kind. Im Rassismusdiskurs bedeutet es, dass man Hautfarbe einerseits nicht sehen, lesen soll – andererseits aber machen woke Farbige die ganze Zeit nichts anderes, als auf ihrer Hautfarbe herumzureiten und zu fordern, sie auf dieser Basis als Opfer anzuerkennen. Es ist ein totalitäres Ansinnen, dass richtige Denken – welches unter der Doppelbindung eben niemals richtig sein kann – durchsetzen zu wollen mit dem Anspruch, dass Hautfarben gar nicht erst wahrgenommen werden sollen, da das „Lesen“ oder „Markieren“ – also die bloße unmittelbare Wahrnehmung – bereits falsch sei und Rassismus verkörpere. Jemanden aber – ich wiederhole mich – aufgrund von bloßer, unmittelbarer Wahrnehmung anzukleiden und zu verurteilen trieft nur so vor Bösartigkeit und schließt von vornherein einen Freispruch aus – in der kritischen Rassentheorie ist der Weiße immer ein Rassist, sein Leben lang; er kann höchstens eingestehen, einer zu sein und daran arbeiten, dann ist er ein etwas besserer Rassist, der es immerhin einsieht, aber er bleibt dennoch ein Rassist.

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