Toxische Weiblichkeit und Magersucht

Es ist ein monströser Diskurs, den Maskulinisten über erkrankte Frauen pflegen oder über Frauen, die auf andere Weise Opfererfahrungen machen müssen. Unter „toxischer Weiblichkeit“ verstehen sie ein Bündel weiblicher Persönlichkeitsmerkmalen, mit der Frauen sich selbst und anderen schaden.

Ein Beispiel hierfür wäre Magersucht. Eine schwere Erkrankung, die viel zu oft auch tödlich verläuft. Den Sexisten nach müssten die Erkrankten einfach ihre toxischen Idealbilder von Weiblichkeit ablegen und ihnen wäre geholfen. Das heißt in dieser bestialischen Denkweise wird den Schwerkranken die Verantwortung zugeschoben; sie seien selbst schuld, also müsse man auch kein Mitgefühl mit ihnen üben oder gesellschaftliche Anstrengungen unternehmen, um ihnen zu helfen. Magersucht ist in dem Kontext ein Phänomen, dass den ersten Teil der Definition von „toxischer Weiblichkeit“ erfüllt, nämlich das sich-selbst-schaden.

Aber dabei bleibt es ja nicht. Auch das Verhalten, mit welchem Frauen anderen schaden, wird unter dem Begriff gefasst – z.B. beim Infantizid. Und hier wird jetzt besonders die moralische Verwerflichkeit und Bösartigkeit von Frauen betont im Gegensatz zu Männern, bei denen solche Taten als nachvollziehbar verstanden werden („war überfordert“). „Toxisch“ kommt von Gift. Gift wirkt heimtückisch und hinterhältig, das wird projiziert auf die Menschen, denen Toxizität unterstellt wird: Sie selbst werden dadurch als heimtückisch, hinterhältig und bösartig erfahren.

Gleichzeitig wird damit Kollektivhaft betrieben. Die Frau, die ihre Kinder tötet, handelt nicht als Individuum oder als Mensch, sondern als Frau aus toxischer Weiblichkeit heraus, sprich, die Frau an sich wird in diese Gruppenschuld gezwungen – sie begehen keine menschlichen Verbrechen, sondern weibliche.

Zurück zur Magersüchtigen. Indem ihr Verhalten unter „toxischer Weiblichkeit“ erfasst wird, passieren zwei Dinge: Ersten wird ihr die Verantwortung in die Schuhe geschoben – sie muss ja nur damit aufhören und toxische Charaktermerkmale ablegen! – Zweitens – da unter „toxischer Weiblichkeit“ auch Täterschaft subsumiert wird – wird sie in die Nähe von Verbrechern gerückt. Beides dient einem Entzug von Mitgefühl und sabotiert Hilfe und Unterstützung für Frauen.

Maskulinisten, die behaupten, sie wollten auf diese Weise helfen, sind Heuchler. Wäre man ernsthaft an Hilfe ohne wenn und aber, ohne Verurteilung interessiert, man würde ganz andere Wege beschreiten. Man will nicht helfen, man will anfeinden. Es ist entsetzlich, wie Opfer, z.B. Magersüchtige, behandelt werden.

Weiterlesen: Toxisches Schwarzsein.

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