Billy Coen: Linke gegen Linke

Billy Coen:

Was mich immer wieder am meisten verblüfft: hier im Forum schreiben nun nicht gerade wenige politisch eher bis klar links stehende User regelmäßig mit. Sie haben unterschiedlichen persönlichen Hintergrund und gehören auch unterschiedlichsten linken Strömungen oder / und Denkschulen an. Dennoch haben sie sowohl miteinander als auch mit dem Rest der hiesigen User eines gemein: sie lehnen postmoderne Identitätspolitik ab, äußern sich regelmäßig höchst kritisch über Themen wie Islam oder BLM und lassen kein gutes Haar an dem derzeitigen „linken“ politischen Lager in unserer Parteienlandschaft.

Dennoch kommen immer wieder derartig pauschale Rundumschläge gegen „Linke“. Wie kriegt man die hier zu erlebende Realität von Linken mit einem derart holzschnittartigen Bild unter eine Decke? Oder wird dann auf einmal mal eben der echte Schotte anders herum verwendet als gerne in die andere Richtung vorgeworfen: sind auf einmal die hier postenden Linken keine echten Linken?

4 Gedanken zu „Billy Coen: Linke gegen Linke

  1. weiss_auch_nicht

    Ich reiche mal die Antworten von ebd nach

    „Es ist wie mit Feministinnen: die sind nicht alle Männerhasserinnen, aber diejenigen die in die Politik gehen oder durch Bücher und feministische Wissenschaften bekannt wurden/werden, haben i.d.R. ein ausgesprochen negatives Männerbild.“

    „Die hier residierenden Linken befinden sich als Außenseiter als Kommentatoren in einem antifeministischen Blog.
    Nahezu jede dezidiert linke Mainstream-Gruppierung ist feministisch, genderistisch und ganz bestimmt antikapitalistisch und auf Seiten der armen unterdrückten Hamas.“

    „Die von dir benannte Kategorisierung von „gerecht“ und „ungerecht“ lehne ich daher auch rundweg als Richtlinie für Zuschreibungen als „links“, „rechts“ oder was auch immer ab. Diese Zuschreibungen sind erkennbar blanker Moralismus, der derzeit vor allem von sich links verortenden Menschen propagiert wird“

    Antwort
  2. Nur noch empört

    Als Kind war ich mit dem Satz groß geworden, daß die SPD die Arbeiterpartei ist. Die SPD kümmere sich um die Belange der kleinen Leute und Arbeiter. Das fand ich später als Arbeiter und Wähler durchaus wichtig.

    Die Regierung Kohl schaffte das Schlechtwettergeld ab und griff die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall an. Dann wurde Kohl abgewählt und durch Schröder/Fischer ersetzt. SPD/Grüne.
    Beide Änderungen von Kohl wurden rückgängig gemacht. Aber eher unter Druck von Lafontaine als unter Schröder.
    Später gab es das Zerwürfnis zwischen Schröder und Lafontaine, und die SPD-Mitglieder wurden aufgerufen sich für einen politischen Weg zu entscheiden. Sie entschieden sich für Schröder und die Agenda 2010. Lafontaine ging und wurde als Arbeiterverräter quer durch alle Medien gebrandmarkt.
    Durch das propagandistische Mediendauerfeuer war ich selbst genau davon überzeugt.

    Eher zufällig stolperte ich über das Buch „Meinungsmache: Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen“ von Albrecht Müller. Der Titel ist Programm und das Buch hat mich zum ersten mal wachgerüttelt. Auch ließ es mich nochmal die Sache mit Lafontaine überdenken.

    Die SPD/Grüne zerlegten ohne Not die gesetzliche Rente, brachen mit Hartz4 den Gewerkschaften das Genick, öffneten die Leiharbeit und fingen wieder an im Ausland Krieg zu führen.
    Alles keine Belange der kleinen Leute und Arbeiter. Für mich war damals die SPD gestorben.

    All diejenigen die mit der Politik der SPD nicht mehr mitgehen wollten, fühlten sich besser aufgehoben in der neu gegründeten WASG. Lafontaine hatte dort seine neue politische Heimat gefunden und zog viele enttäuschte SPDler und Wähler mit sich.
    Die WASG tat sich später mit der PDS aus dem Osten zusammen und firmierte fortan unter dem Namen „die Linke“. In dieser Zeit hörte ich mir regelmäßig an was sie den kleinen Leuten und Arbeitern versprachen. Und das war halt das, was mal Kerngeschäft der SPD war.

    Wenn ich mit Kollegen und Gewerkschaftern über Politik sprach, bekam ich oft gesagt: Du bist halt ein Linker.
    Ich selbst hatte gedanklich zu dieser Aussage nur die Verbindung „wer für die kleinen Leute ist, muß dann wohl ein Linker sein“. Selbst habe ich mich aber nie als Linker, Rechter, Oberer oder Unterer gesehen. Ich fand die Lösungsvorschläge gut, ging damit aber keine Verpflichtung irgendeiner Gruppierung gegenüber ein (machte höchstens mein Kreuzchen bei der Wahl dort). Schließlich kann auch jemand mit anderen politischen Ansichten mal was kluges sagen. Und dem sollte man sich nicht verschließen, nur weil der andere nicht zur eigenen Gruppe gehörte.

    Wenn ich mir heute die politische Landschaft anschaue, so betreiben alle Parteien gefühlt nur noch Identitätspolitik. Was ich mal gewählt habe interessiert sich nicht mehr für die kleinen Leute und Arbeiter. Wenn ich das einfordere was früher die Linke, noch früher die WASG/SED und noch viel früher die SPD/die Grünen in ihren Wahlprogrammen einforderten, dann bekomme ich von eben diesen Parteien mittlerweile vorgeworfen, ich sei ein Rechter, Nazi, Verschwörungstheoretiker und Antidemokrat. Immer mit tatkräftiger Mithilfe der Öffentlich rechtlichen Medien und der großen Zeitungen.

    Wer mich von früher her kennt hat mich immer noch unter „Linker“ in der politischen Einordnung abgelegt. Die politische Linke ist aber mittlerweile so dermaßen mutiert (oder hat inzwischen die Maske abgelegt), daß man sie getrost als Omega Doppelplus Supermegavariante bezeichnen kann.

    Meine Ansichten haben sich in all der Zeit kaum oder gar nicht geändert. Aber das Koordinatenkreuz von Recht/Links wurde verschoben. Und zwar so, daß ich nun Rechts eingeordnet werde, ohne meine Ansichten geändert zu haben.
    Wenn ich also auf heutige Linke schimpfen kann, dann deshalb, weil ich kaum mehr etwas mit ihnen gemein habe. Die verstehen nicht mal mehr was ich da (und warum) von der Politik fordere.

    So geht es vielen Leuten in meinem Bekanntenkreis. Sie sind politisch heimatlos und können der Demokratiesimulation bestenfalls noch durch Protestwahl etwas abgewinnen. Nichtwahl ist schlecht, hat man uns jahrzehntelang gesagt. Nun wählen halt viele die AfD. Die ist ja eigentlich auch nur eine Splittersekte der CDU/CSU. Und scheinbar ärgern sich die anderen Parteien immer so arg über die. Die werden sicher auch nichts für die Arbeiter tun, aber die anderen Parteien ärgern sich so schön über die.
    Das reicht den meisten schon zur Wahlentscheidung aus.

    Und das ist ein weiterer Punkt den ich der Identitätspolitik ankreide. Sie stellt den kleinen Rest der politisch noch interessierten Arbeiter vor die Wahl: Friss meine Scheiße oder stirb.

    Antwort
    1. Renton

      Das politische Elend unserer Zeit für alle, die Arbeiterinteressen am höchsten gewichten, gut auf den Punkt gebracht.

      Antwort

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