Männer sollen weinen

Darum sollen Männer weinen.

Ich weine, Männer weinen. Wir weinen allenfalls etwas weniger als Frauen, das ist aber auch in Ordnung so. Ich beschäftige mich gerade mit der Thematik „toxischem Schwarzsein“ und bin dabei auch darüber gestolpert, dass Männer weinen sollen – wie Frauen also. Mehr Weinen ist besser. Nun, das kann der Fall sein, Weinen kann einem die Seele erleichtern. Andererseits ist der angebotene Gegensatz dazu: Schmerz nicht zeigen, auf die Zähne beißen und Weitermachen. Weitermachen aber ist nicht schlecht, es bringt die Sache voran. Sich in Tränen zu ergehen zeugt darüber hinaus von einer gewissen Dekadenz, von Luxusproblemen. Sind die Zeiten hart, ist einem auch zum Heulen zumute, aber dann kann man sich das einfach nicht leisten. Dass Frauen mehr weinen als Männer, ist Beweis für ihr Privileg: Weinen ist deshalb weiblich, da es etwas mit nachgeben zu tun hat und es ist einfacher nachzugeben; männliche Charaktereigenschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie schwerer zu erreichen und zu halten sind.

Weinende Männer sind nicht sexy, das sagte sogar die große Männerfreundin Esther Vilar. Und es hilft ihnen auch nicht – besonders wenn sie als Betroffene von Sexismus weinen. Trennungsväter weinen, weil sie darunter leiden, von ihren Kindern getrennt zu sein, öfters mal bis in den Suizid. Das aber löst bei verständigen Männer-sollten-auch-mal-weinen-Feministen kein Mitgefühl aus. Allenfalls kriegt man verklickert, dass es noch mehr Feminismus bräuchte, um das „Patriarchat“ zu stürzen, welches auch schlecht für Männer wäre.

Ich bin sehr dafür, dass Männer auch mal schwach sein können. Dass ihnen in solchen Situationen geholfen wird, so wie man Frauen ganz selbstverständlich hilft. Damit habe ich Feministen aber nicht auf meiner Seite, denn es geht Feministen nicht um Hilfe für schwache Männer, es geht ihnen um ihre Freude an schwachen Männern.

Es geht Feministen nicht um Männer. Sonst würden sie nicht von vergifteter Männlichkeit sprechen – wer so spricht, dem geht es um Abwertung und Anfeindung. Es resultiert aus Missgunst und Hass, dass man Männer weinen sehen will, man will ihnen nicht helfen. Wenn man helfen wollte, gäbe es viele Möglichkeiten, dies zu tun – zum Beispiel mit Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern. Es geht darum Männer zu verweiblichen, sie klein zu machen, da man sich an kleinen Männern erfreut. Männer sollen wie Frauen werden, aber nicht weil man es gut mit ihnen meint. Analog sollen Frauen wie Männer werden, was man auch mal extrem aggressiv vorantreibt – Pink stinks! – weil man nur vor vermännlichten Frauen Respekt hat, die z.B. den Vater entsorgt haben oder als Topmanagerinnen unterwegs sind. Alles eine einzige verlogene, zum Himmel stinkende Heuchelei.

3 Gedanken zu „Männer sollen weinen

  1. Vagabund

    Du vermutest, „es geht ihnen um ihre Freude an schwachen Männern.“
    Da bin ich anderer Ansicht, ich bin davon überzeugt, den Feministinnen – insbesondere denen auf diesen Bildern – geht es um leidende Männer, sie haben Freude daran, Männer zu quälen. Ich halte das für eine Krankheit, die aber zum Glück selten ist. Mir sind bisher – so weit ich mich erinnern kann – nur Frauen begegnet, die Macht ausüben und demonstrieren wollten. Aber quälen und leiden lassen noch nicht.

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  2. beweis

    Widerspruch! Weinen ist überwiegend weiblicher Luxus. Es ist, wie das Ventil öffnen zu können, kurz bevor der Fahrradschlauch unter dem gigantischen Gewicht zerplatzt.

    Außerdem ist es ein Signal an andere und vergesellschaftet damit das vorgeblich gefühlte Leid. Weibliche Tränen kitzeln bei Männern garantierte Empathie hervor und bringen die dazu, den Wünschen der Frauen zu folgen. Da Frauen diese Empathie in der Regel nicht aufbringen, sind männliche Tränen weitgehend nutzlos, werden verhöhnt oder als Trophäen weiblicher Dominanz in kleinen Fläschchen gesammelt.

    Meine Schwester erzählte mir letztens, sie wundere sich, dass Männer in der Regel nicht wüssten, dass sehr viele Frauen beliebig auf Knopfdruck Tränen vergießen könnten. Sie hat mir das dann vorgemacht. Meine Nichte bot anschließend auch noch eine entsprechende Showeinlage. Ich war beeindruckt und spürte unwillkürlich ritterliche Gefühle in mir aufsteigen.

    Was sind wir Männer nur für Clowns, wenn uns das Herz in die Hose rutscht, weil unser weibliches Gegenüber weint.

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  3. Claudia Berlin

    @beweis: also ich schaffe es nicht, auf Kommando zu weinen! Wenn ich drüber nachdenke, wie das überhaupt funktionieren sollte, komme ich nur auf die Idee: sich gedanklich in irgendwas echt Trauriges & Schlimmes vertiefen, von dem man persönlich betroffen ist oder war – aber auch das würde doch etwas Zeit kosten, dieses „Umschalten“..

    @uepsilonniks; was das männliche Weinen angeht, ist mir schon aufgefallen, dass in besseren öffentlichrechtlichen Krimis recht häufig pro Folge mindestens ein Mann weint. Sie (Drehbuchschreiber) machen das aber gut: Sie weinen an den richtigen Stellen, aus nachvollziehbaren Gründen – und wirken damit nicht „weinerlich“, sondern berührbar, eigentlich normal…. nur ist es halt in der Gesellschaft bei Männern noch nicht sooo normal wie im ÖR-Krimi.

    Ja, weinen muss man sich leisten können – und es ist gut, wenn mensch in der Lage ist, sich zusammen zu reissen, wenn es sein muss! Dieser Part war traditionell männlich, doch gibts da schon eine gewisse Veränderung. Indem nämlich Frauen weniger weinen, das wäre in der Berufswelt, an der Frauen mittlerweile teilhaben, auch kontraproduktiv. Das hysterische Hascherl, das ständig heult oder kreischt ist nurmehr in alten SchleFaz.-Filmen zu besichtigen.
    Wie es privat bei Männern so aussieht mit dem Weinen, kann ich nicht beurteilen, „Meine Männer“ weinen nicht, nicht weil sie sich nicht trauen, sondern weil sie keinen Grund haben – toi toi toi!

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