Crumar: Ansprüche an Männer: „Opfere dich!“

[Kontext: Es wird feige oder heldenhafte Männlichkeit erörtert, was im Anspruch mündet, dass sich Männer für Frauen zu opfern hätten, z.B. so wie auf der Titanic]

Crumar:

Dazu ein paar Kommentare, weil sie hier notwendig sind.
Diesen Zusammenhang: „80 Prozent der Männer mit dem Schiff untergegangen sind, überlebten 52 Prozent der Kinder und 74 Prozent der Frauen. Nicht jeder Mann auf der Titanic war ein Held, aber die soziale Norm war, Frauen und Kindern vor den Männern die Rettungsboote zu überlassen.“ hatte m.E. als erster Arne Hoffmann in „Sind Frauen bessere Menschen?“ aufgezeigt, während vorher besonders das Problem der soziale Klasse herausgestellt worden ist.

Diesen Altruismus zu „dekonstruieren“ hatte sich eine (verlogene) schwedische Studie vorgenommen, denn männlicher Altruismus verträgt sich schlecht mit männlichen Privilegien und dem „Patriarchat“.

Hier gilt es, das ranking genau aufzuzeigen. Die Überlebenden nach bester Wahrscheinlichkeit:
1. Frauen 74%
2. Kinder 52%
3. Männer 20%

Nicht überlebt haben ein Viertel der Frauen, die Hälfte der Kinder und über drei Viertel aller Männer. Die Kategorie „Frauen und Kinder“ existiert nicht, das besonders lebenswerte Leben heißt schlicht: Frauen. „Kinder“ werden nicht nach Geschlecht aufgeschlüsselt. Merkwürdig, oder?
Verzichtbar: Männer.

Nachdem er vorher die gute „soziale Norm“ skizziert hat, sich als Mann nämlich aufzuopfern, wird der Sinn des folgenden Satzes deutlicher, weil implizit einem Geschlecht zugewiesen: „Eine Frau hatte sich die Beine gebrochen und flehte man möge ihr eine Rettungsweste geben – aber es war das Gesetz des Dschungels.“
Da steht demzufolge als Subtext, sie flehte, Mann möge ihr eine Rettungsweste geben.
Frauen sind befreit davon, nicht den „Gesetzen des Dschungels“ zu folgen.
Es ist tatsächlich eine totale Entschuldung weiblichen Verhaltens und eine Anklage explizit gegen Männer, als wären Frauen abwesend und per se unverantwortlich.

Er schreibt: „Ein anderer Augenzeuge beschreibt, wie er „über weinende Kinder stieg“, um zu den Rettungsbooten zu gelangen.“ – anscheinend gab es keine Augenzeuginnen und merkwürdigerweise trifft das bekannte „Frauen und ihre Kinder“ hier nicht zu.
Wo sind eigentlich die Mütter dieser Kinder?

Dann liest sich auch dieser Satz völlig anders: „Von den 1051 Passagieren überlebten 139 – darunter keine einzige Frau unter 15 oder über 65. Nur fünf Prozent aller Frauen überlebten, während es bei den jungen Männern über 40 Prozent waren.“
How dare they! Männern wird das eigene überleben zum Vorwurf gemacht.

Für den Sachverhalt gibt es eine einfache Erklärung, bestehend aus zwei Teilen:
1. Wer in der Nacht auf einer sinkenden Fähre am a. schnellsten und b. in die richtige Richtung läuft, der hat die höchsten Überlebenschancen.
Welches Geschlecht wird bei Geschwindigkeit und Orientierung bessere Karten haben?
2. Wer bei Eiseskälte ins Meer springt, hat nicht etwa mit Körperfett einen Vorteil, sondern mit Muskelmasse, denn Kältezittern hat die Aufgabe, durch Muskelaktivität Wärme zu produzieren.
Welches Geschlecht hat in Sachen Muskelausstattung die besseren Karten?
Rationale Erklärung der höheren Überlebenswahrscheinlichkeit von Männern abgeschlossen.

Das hier: „Nur fünf Prozent aller Frauen überlebten, während es bei den jungen Männern über 40 Prozent waren.“ ist tatsächlich der biologische Naturzustand.
Nur die „soziale Norm“ von „Männlichkeit“ als Selbstaufopferung produziert andere Ergebnisse.
Wenn er schreibt, es existiere eine „Krise der Männlichkeit“ und diese könne sich „nicht mehr in gesunden Bahnen entwickeln“, welche Definition von „Gesundheit“ legt dieser denn zugrunde und für wen soll sie gelten?

Da wird er am Schluss deutlich: „Vielleicht spricht hier der (noch nicht ganz so) alte weiße Mann in mir, aber ich bevorzuge eine Gesellschaft mit den Normen der Titanic und nicht jenen der MV Estonia – und ich glaube den meisten Frauen geht es ähnlich.“

Das ist für ihn die „Idee einer positiven Männlichkeit“ – Selbstaufopferung, Selbstbetrug und Totalentschuldung jedes noch so erbärmlichen weiblichen Verhaltens sowie die Idee, dass man von diesem Geschlecht gar nichts, vom männlichen Geschlecht alles zu erwarten habe.
Benevolenter Sexismus in Reinform für Frauen, malevolenter für Männer.

Das Geschwätz „in den westlichen Gesellschaften (sei) vor allem toxische Maskulinität das Kernproblem“ verfolgt uns seit über zweihundert Jahren (Kucklick hat uns aufgeklärt) – nicht die Gesellschaft hat ein Problem, sondern der Mann ist eins.

Selbstverständlich hat er sowohl hinzunehmen, als Mann das personifizierte Übel der Welt zu sein, als auch, jederzeit sein Leben für eine Gesellschaft zu opfern, welche ihn dämonisiert, seine Benachteiligung ignoriert und dessen allgemeiner Zustand (speziell die Gesundheit) dieser Gesellschaft am Arsch vorbei geht. Wer so – nämlich im gemeinten Sinn – die „Idee einer positiven Männlichkeit“ artikuliert, dem wird die komplette Absurdität von der „Idee einer positiven Männlichkeit“ bewusst.

Dieser „Idee einer positiven Männlichkeit“ hiermit meinen höchstpersönlichen Stinkefinger gezeigt.

2 Gedanken zu „Crumar: Ansprüche an Männer: „Opfere dich!“

  1. Andreas

    Ein massiver Unterschied ist auch, wie schnell ein Schiff sinkt. Der Untergang der Titanic zog sich über 2 Stunden hin, also Zeit genug, die Rettungsbemühungen zu koordinieren. Dann zieht natürlich der Birkenhead-Befehl „Frauen und Kinder zuerst“, besonders wenn die Besatzung die Nerven bewahrt.

    Die Estonia sank in einer knappen Viertelstunde. Die Besatzung war kaum ausgebildet und es herrschte Panik. In solchen Momenten gilt „Rette sich, wer kann“ und die besten Chancen haben in diesem Moment nun einmal junge Männer. Sie sind schnell und kräftig und können sich daher den Weg durch schwächere Menschen bahnen.

    Antwort
    1. elmardiederichs

      Langfristig gedacht, scheint es auch sinnvoller zu sein, den arbeitenden Teil der Menschheit zu retten und die Frauen einfach nur einmal öfter durchzuvögeln. So löst sich das Problem innerhalb einer Generation – oder schneller.

      Antwort

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