Hair: Szenen einer Musterung

Hair stand schon lange auf der Liste der Filme, die ich mir unbedingt mal ansehen wollte, diesen Kultfilm der linksalternativen Szene. „Hair“ deshalb, weil die Hippies ihre Haare lang tragen. Ich war gespannt auf diesen Streifen, dessen Musik auch über die Szene hinaus erfolgreich war, und der allerlei politische Botschaften transportierte.

Als da wären zum Beispiel: Kapitalismus ist falsch, Rassismus ist falsch, Spießbürgertum ist falsch und natürlich: Krieg ist falsch, ganz besonders natürlich der Vietnamkrieg. Dabei bin ich aber ins stolpern geraten, denn im Film findet auch eine Musterung statt und hier geht dem Film nicht auf, was für ein menschenverachtendes Prozedere so eine Musterung eigentlich ist. Klar, Krieg ist schlimm, und es sterben geliebte Menschen in ihm, wie auch eine der Hauptfiguren des Films, aber über die jungen Männer, die untersucht werden darauf, ob sie geeignet sind, sich totschießen zu lassen, kann man sich ruhig mal lustig machen. So werden sie genötigt sich vollständig zu entblößen, stehen dann verletzlich vor der Musterungskommission, ihre Scham mit den Händen bedeckend, währen der Film ein lustiges Liedchen anstimmt. Der junge Mann hat keine Rechte, erst recht nicht das Recht auf Würde. Wirklich kritisch sieht man hier diesen monströsen Verschleiß von Männern nicht, auf die der Staat – ach was: die Gesellschaft, also die Frauen – den totalen Zugriff ausübt. Ob es die Macher unterhaltsam gefunden hätten, wenn man junge Frauen auf diese Weise gemustert hätte, ob sie auch gebärtauglich wären, um sie anschließend mit Zwang zu befruchten? Denn ich vergaß: Patriarchat ist ebenfalls falsch – ein Patriarchat, in dem sich junge Männer gar nicht oder nur sehr schwer dagegen wehren konnten, das wertvollste zu gefährden, das jeder Mensch besitzt: Seine Gesundheit, sein Leben.

Der Film zeigt eine Subkultur, die gute Ansätze hat, für Aufklärung steht, dann aber blind ist für menschenverachtende Praktiken, und warum? Weil’s nur Männer betrifft. Ja, Krieg ist falsch, aber nicht, weil er zwangsgemusterte Männer tötet, sondern nur, weil er andere Menschen tötet, zuvorderst Kinder und Frauen. Dem jungen Mann wird nicht gesagt, dass es falsch ist, dass er gezwungen wird, sein Leben zu riskieren, es ist nur deswegen falsch, weil das Leben anderer riskiert wird. Damit war die ganze Bewegung im Kern falsch, vergiftet, was man heute ja schön beobachten kann anhand einer dominierenden toxischen Linken, die die ersten Opfer im Krieg als Herrscherklasse – alt(?) weiß männlich – anklagt. Die, die man verteidigen müsste, werden angegriffen. Im Ergebnis darf man nicht mehr von Negerküssen sprechen, aber Männer werden nach wie vor verheizt.

24 Gedanken zu „Hair: Szenen einer Musterung

  1. alderMann

    Hair ist ein wunderbarer Musical, ein Dokument seiner Zeit. Ich habs in Mannheim gesehen, die deutsche Fassung mit Su Kramer. Hab ihn auch als Musik-CD (In D). Es geht darum, dass eine sich zivilisiert gebende Nation, die die Humanität als Monstranz vor sich herträgt, ein ganzes Land in die Steinzeit zurückbomben will. Dass Menschen mit Napalm verbrannt werden und Wälder mit Gift aus der Luft entlaubt werden, an dem noch heute Menschen sterben.

    Und dass junge Männer dorthin geflogen werden und in Zinksärgen zurückkommen. Die Demos trafen das Land, bzw. seine Regierenden, dermaßen und das Establishment heizte die Bevölkerung dermaßen auf, dass auch mal ein paar Studenten von der Polizei erschossen wurden.

    Ein Song bleibt mir immer in Erinnerung. Ich krieg ihn jetzt nicht ganz zustande, will mir das auch nicht jetzt nochmal anhören, nur um hier was zu schreiben. Meine Erinnerungsfragmente gehen so:

    Leiber zerfetzt von eisernen Splittern… [Was dann noch alles aufgezählt wird, fehlt mir jetzt. Aber am Ende wird dann gesungen: Elektronische Daten werden das. Und das zeigt eben den ganzen Zynismus dieses Krieges, den jedenfalls Söhne reicher Eltern nicht auszufechten hatten. George Dabblju, der spätere 43. Präsident der usa konnte sich zB trickreich einen schlanken Fuß machen, ich glaub auch sein Kriegsminister Donald Rumsfeld, ebenso wie Donald Trumps zeitweiliger Sicherheitsberater John Bolton. Alles Kriegstreiber mit starken Worten, die aber persönlich nie etwas von einem Krieg gesehen hatten.

    Die ganzen Protestbewegungen, die später auch diese Ungerechtigkeiten aufzeigten, führten wohl auch dazu, aus einer Armee von zwangsrekrutierten jungen Männern eine freiwilligen Berufsarmee zu machen.

    Als ich gemustert wurde, durfte ich schon wählen. Bis zum Kabinett Brandt war es nämlich so, dass du mit Einziehungsalter 18 zwar reif genug warst, zu entscheiden, ob du den Mann da drüben jetzt totschießen sollst, aber volljährig und damit wahlberechtigt warst du erst mit 21, dazu warst du noch nicht reif genug. Auch das eine Folge dieser weltweiten Protestbewegungen.

    Zur Musterung noch was:
    Da hat sich damals noch niemand Gedanken gemacht. Das war halt so. Auf deinem oberen Bild einer Musterung sind ja wenigstens noch lauter Männer zu sehen.
    Als ich gemustert wurde, war das schon etwas anders. Erst mal musste ich mich ganz nackig ausziehen. Der Doktor, der mir dann an den Eiern rumfummelte, war zwar noch ein Mann, aber er hatte eine junge, weibliche Schreibkraft dabei. Die saß links von uns an einem Tisch und schaute diesem Treiben interessiert zu.
    Ich fand das ganze megapeinlich, die Schreibkraft aber nicht. Deren interessierte Blicke fand ich noch peinlicher. Sie aber nicht! Später, als Frauen die Unis fluteten um Medizin zu studieren, war auch der Doktor eine Frau. Zwei Frauen und ein nackter Mann. Fast wie im Porno!

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      1. alderMann

        Wenn du noch einen Hauch von der Zeit sehen willst, in der das Musical entstanden ist, empfehle ich dir das anzusehen: Nein, meine Söhne geb’ ich nicht. – Reinhard Mey 1986

        Hab ich bei dem sehr lesenswerten Artikel (samt der vielen links, die leider nicht mehr alle funktionieren) gefunden, den „Alles nicht einfach“ oben verlinkt hat.

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      2. alderMann

        UPDATE 2:
        Der Vietnamkrieg war übrigens nicht irgendein Geplänkel. Kann man sich heute kaum noch vorstellen. Ich hatte die Zahl von 40.000 im Kopf, die damals die Heimreise in Zinksärgen antreten mussten. 40.000 junge Männer, aus dem zivilen Leben gerissen oder verschickt bevor sie noch an die Uni kamen. Aus dem Leben gerissen, während die anderen, auch junge Frauen, die gerade noch neben ihnen auf der Schulbank saßen, zu Hause Feste feierten.

        Zugegeben, auch ihre Klassenkameradinnen haben mitdemonstriert. Nicht alle, aber doch viele.

        Damals war ich noch ein Linker, es blieb einem gar keine Wahl bei der Bräsigkeit, die das Land regierte. Willy Brandt war mein Held, hatte der aufmüpfigen Jugend als erster und GLAUBHAFT zugehört. Heute hat mich die Linke verraten!

        Wikipedia spricht sogar von 58.200 jungen, amerikanischen Männern, die eigentlich ihr Leben noch vor sich hatten, aber dann eben dort krepiert sind. Die Verluste sind enorm. Laut wikipedia 1.100.000 Nordvietnamesen, 225.000 Südvietnamesen (der Kasten rechts ganz oben).
        https://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg#Bilanz

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    1. Bodu Thakurufaanu

      Und eben die Anwesenheit von Weibern bei dieser ohnehin schon entmenschlichenden Prozedur bzw. ihre Durchführung durch sie setzt(e?) dem Skandal die Krone auf! Man vertausche nur einmal konsequent die Geschlechter bei dieser perversen Sauerei…

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  2. PfefferundSalz

    Das Thema Männer und Kriegsführung ist aber komplizierter als es mit Patriarchat oder Gleichgültigkeit zu beschreiben. Warum melden sich oft viele freiwillig, obwohl es ihnen nur Nachteile bringt? Warum sind in der Vergangenheit manche mehr oder weniger freiwillig vorgestürmt um die feindlichen Linien zu brechen, usw.
    Es gibt etwas in der männlichen Psyche das wir als wertvoller als das eigene Leben ansehen und das sich erst herauswachsen muss. Dies zu leugnen heißt alles zu leugnen was Männlichkeit ausmacht. Leute die das verneinen sind nicht besser als die Genderspinner die keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen sehen. Fakt ist psychisch, ein Mann ist von einer Frau so verschieden wie ein Fisch von einer Katze, unsere Erfahrungen und Empfindungen sind ganz anders, wir haben nur sehr wenig gemeinsam.

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    1. alderMann

      Ich bin kein Krieger. Ich wurde aber nie gefragt, ob ich einer sein wollte. Ich hatte einfach einer zu sein. Es ist wohl eines meiner männlichen Privilegien, von denen Feministinnen und nur eindimensional denken könnende Frauen immer so faseln.

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    2. uepsilonniks Autor

      Ist das so?

      Die Regime hatten so ihre Probleme, genügend Schlachtvieh zusammenzubekommen, weshalb ein paar Männern im Gegenzug für ihre Haut das Wahlrecht gewährt wurde – war natürlich ein fauler Deal. Patriotismus als Ideologie, wonach es „süß und ehrenvoll ist, für’s Vaterland zu sterben“ kam auch viel später.

      Suchen Männer das Gemetzel, oder haben sie schlicht keine Ahnung, worauf sie sich einlassen? Bei dem Sturm auf die Normandie setzte man junges Frischfleisch von Soldaten ein, die nicht wussten, was sie erwartete, statt alte Hasen.

      Dass allerdings mehr Männer als Frauen den Kick suchen, dem stimme ich zu. Allerdings unterscheiden sich Mann und Frau wie Kater und Katze.

      Und ich persönlich denke nicht im Traum daran, für diese Gesellschaft das Leben zu lassen.

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      1. Renton

        „Dulce er decorum est pro patria mori“ („süß und ehrenvoll ist’s, fürs Vaterland zu sterben“) stammt von Horaz (nicht Horst, du dumme Autokorrektur). Das Zeitalter des Nationalismus ist jung, Patriotismus ist es nicht. Gab es auch schon bei den Griechen, vergleiche Alexanders Propaganda für seinen Persieneroberungszug.

        Und ja, Männer suchen eher kriegerische Aktivitäten, Jungs interessieren sich mehr für Krieg und Gewalt als Frauen und Mädchen. Liegt in unserer Natur. Dass einige es hinterher bereuen, besonders im heutigen Zeitalter, dessen Kriegführung unpersönlich und wenig heroisch geworden ist, ist kein Beweis für das Gegenteil. Es gab und gibt die Freiwilligen, von denen PuS spricht, aus Not, aus Abenteuerlust, aus Ruhmsucht, aus Ehre, aus Beutegier. Es gab und gibt diejenigen, die sich lieber die Schneidezähne herausbrachen (zu Napoleons Zeiten, weil man dann keine Pulverpakete mehr mit den Zähnen aufreißen konnte), die lieber eine Gliedmaße abfrieren ließen (in der zaristischen Armee galten Erfrierungen aber als Disziplinarvergehen und wurden bestraft) um dem Militärdienst zu entgehen.

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        1. uepsilonniks Autor

          Das Zeitalter des Nationalismus ist jung, Patriotismus ist es nicht.

          Ah, okay. Aber ohne Wehrpflicht und Todesdrohung für „Fahnenflucht“ klappte es nicht. Auch bedeutet Patriotismus nicht, dass man Krieg und die Beteiligung daran nicht als Übel wahrnimmt.

          Antwort
      2. PfefferundSalz

        Glaub mir, ich kenne genügend die ganz scharf aufs Militär waren. Schau dir die Fremdenlegion an, schau dir die Spezialeinheiten an wo sie ausschließlich Freiwillige nehmen. Und das ist nur heute, vor 1000 Jahren brachte ein Krieger Ruhm, Ehre, Abenteuer, Beute, Sklaven und vieles mehr nach Hause. Der erfolgreiche Krieger hatte die Wahl bei den Frauen und wehe ein Bauernsohn war ihm im Weg. Hitler beschrieb seine Zeit im Schützengraben als etwas familiäres und die Kameradschaft die bei Leuten entsteht die zusammen Gefahren trotzen ist sicher tiefer als dies in der heutigen Online Welt der Fall ist. Viele Veteranen vermissen den Krieg, weil das Leben da unkompliziert war.

        Antwort
        1. uepsilonniks Autor

          Gerade die Schützengräben waren die Hölle, such mal nach „Kriegszitterer“.

          Oder auch die Kriegsmüdigkeit, bei der die Propaganda alles aufbieten musste („Was wird aus unseren Frauen und Kindern, wenn der Feind gewinnt?“), damit die Soldaten, die sowas von keinen Bock mehr hatten, weiterkämpften. Kriegsbegeisterung ist bei jenen, die den Krieg kennen, eher spärlich gesät, und die Selbstmordrate unter Veteranen liegt bei einem vielfachen der Norm – aber nicht, weil sie den Krieg vermissen.

          Auch wurden Derserteure erschossen, man musste also massiven Druck ausüben, neben der Propaganda, dass das „Ehre“ wäre“

          Antwort
        2. PfefferundSalz

          Ja, auch Männer sind nicht alle gleich. Aber gerade die Weimarer Republik bei der sich viele ehemalige Soldaten in paramilitärischen Gruppen organisierten zeigt doch, dass für sie Krieg mehr war als das, was es für den Pazifisten ist.
          Das Problem ist, dass es jemand der Krieg nur aus dem Fernsehen kennt nur schwer verstehen kann. Viele Soldaten die ich kenne, mögen das Militär und waren stolz auf ihre Auslandseinsätze wo sie beschossen wurden.
          Aber um diese Seite verstehen zu können muss man bereit sein sich in diese reinzudenken. Das können die meisten Menschen nicht, deswegen sind wir heute ja auch in dieser Situation wo jeder jeden hasst und misstraut.

          Antwort
    3. Bodu Thakurufaanu

      MIt Verlaub: Was für ein Krampf! Solche Ansichten sind das Ergebnis einer entsprechenden sozialen Kondizionierung und nichts Geschlechtsspezifisches (sofern man im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist.)

      Antwort
      1. Renton

        Doch, ist geschlechtsspezifisch. Ich finde den Artikel gerade nicht, aber Lucas Schoppe z.B. hat IIRC mal dieses schöne von ihm selbst durchgeführte Experiment beschrieben, Jungen und Mädchen abwechselnd eine Fortsetzungsgeschichte erzählen zu lassen.

        Wo bei den Mädchen alles eitschi-tei und harmonisch ist, tauchen bei den Jungs immer gleich Panzer und Dinosaurier auf und machen alles kaputt.

        Hier eine englische Variante des Themas:
        https://www.snopes.com/fact-check/writing-wrongs/

        Antwort
        1. Bodu Thakurufaanu

          Kinderspiele und -phantasien sind eine Sache. Die Erfahrung, als ausgewachsener Mann unter entwürdigendsten Umständen zwangsrekrutiert zu werden und damit Lebenszeit gestohlen zu bekommen oder im schlimmsten Fall sein Leben zu verlieren, eine andere.

          Antwort
          1. Renton

            Wir kamen von „Das Thema Männer und Kriegsführung ist aber komplizierter“ und „Es gibt etwas in der männlichen Psyche das wir als wertvoller als das eigene Leben ansehen“ vs. „Das ist nichts Geschlechtsspezifisches“ und jetzt wechselst Du zu Wehrpflicht. Nun ja.

            Antwort
            1. Bodu Thakurufaanu

              Die Themen sind ja innig miteinander verflochten, und, nebenbei bemerkt, dieses geheimnisvolle Etwas in der männlichen Psyche, das „wir“ (wer?) angeblich als wertvoller als das eigene Leben ansehen, könnte ja auch nicht in einem gesellschaftlichen Vakuum entstanden sein – wenn es denn überhaupt existierte und nicht nur zur Rechtfertigung verschiedener inakzeptabler Zustände diente.

        2. alderMann

          Bodu nennt es sozialen Konditionierung und nichts Geschlechtsspezifisches“. Sehe ich auch so, doch was heißt das?

          Die neumodischen Kämpfer für Gerechtigkeit wollen nicht alles so genau wissen, auch nicht das mit der Genetik. Mal ist sie alles, weshalb ich nun Abbitte leisten soll für die angeblichen Privilegien aller meiner männlichen Vorfahren, dann wieder ist sie gar nichts, weshalb die 1.000 Geschlechter einfach austauschbar sein sollen.

          Es gibt aber diesen genetischen Hintergrung. Und der hat auch eine Evolution durchlaufen. Als der Mensch begann, sich diese Erde Untertan zu machen, da hat er sich gespalten in Mann und Frau. Die Welt war gefährlich und Essen gab es nicht beim Supermarkt. Hatte ein Stamm eine fruchtbare Gegend gefunden, dann war er nicht sicher vor vor anderen Stämmen, die die Gegend auch toll fanden.

          Nun geht es aber um das Überleben des eigenen Stammes und der Gene. Die Gene sind die treibende Kraft, wir sind nur das Vehikel. Die Gene sind es, die überleben wollen. Sie sind die Software, die in eine Welt geschmissen wird und versucht, sich dort durchzuwursteln und zurecht zu kommen.

          Frau konnte und kann diese Gene am Leben erhalten über den eigenen Tod hinaus. Darum musste sie geschützt werden, denn in Zeiten der Schwangerschaft und während der Aufzucht waren sie und das Kind vulnerabel. Da kam der Mann gerade recht. Er hatte nicht diese periodischen Hemmnisse und musste genetisch getrieben seinen Teil dazu beitragen. Also wurde er zum Krieger spezialisiert.

          Diese unterschiedlichen Aufgaben haben sich genetisch manifestiert und unterschiedliche Muster hervorgebracht. Und die verstehen sich auf manchen Gebieten eben nicht so gut. Besonders was den Kriegsdienst angeht, scheinen wir in verschiedenen Welten zu leben, wobei Frauen der emotionale Bezug dazu fehlt.

          In dem Link von „Alles nicht einfach“ ganz oben geht es auch zu einer Umfrage, als Gutenberg die Wehrpflicht abschaffen wollte. Männer waren überwiegend dafür, Frauen waren überwiegend dagegen. Kein Wunder, sie waren ja auch nicht davon betroffen, seit Urzeiten nicht, also hatten sie dazu auch keinen Bezug.

          Immer wenn ich über einen Friedhof gehe(n muss), zieht es mich hin zu der Ecke, wo die geschlachteten Männer der Kriege liegen. Wenn ich irgendwo rumfahre und an einem Soldatenfriedhof vorbei komme, dann muss ich anhalten. Ich gehe rein und verneige mich vor diesen Menschen. Nicht weil sie so heldenhaft gekämpft haben, sondern weil ich stellvertretend um Verzeihung bitte für eine Gesellschaft, die ihnen keine Chance gegeben hat, ihr junges Leben zu leben.

          Als ich mal auf Kreta Urlaub machte, da sah ich auf einer Landkarte einen Soldatenfriedhof, Maleme, eingezeichnet. Ich bin extra da hin gefahren. Fast 4.500 junge deutsche Männer liegen da. Auch Max Schmeling hatten sie in ein Flugzeug gepackt und dann dort abgeworfen. Hätte er sich nicht beim Absprung den Knöchel gebrochen, er wäre vielleicht nie Boxchampion geworden, sondern wäre jetzt bei den 4.500. es gibt da oben einen Pavillion mit Infotafeln, darum weiß ich das.

          Die 4.500 Gräber liegen oben am Hang. Wenn du ganz hinaufgehst, kannst du über alle hinwegblicken, bis hinunter zum Meer. Ich saß da oben und kämpfte mit den Tränen. Meine Gene sagten mir, das hätte dir auch passieren können, wie jedem Mann.

          Meine Bekannte, die ich erst überreden musste, dahin zu fahren, saß ungerührt daneben. Ihr Gesichtsausdruck sagte „Was hat er denn?“ Sie hatte dazu einfach keinen inneren, genetischen Bezug.

          „Kretatipp“
          https://www.kretatipp.de/maleme-soldatenfriedhof/

          Auch wiki hat was:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Soldatenfriedhof_Maleme

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          1. Renton

            Jipp, das meine ich. Wir Männer sind genetisch in deutlich stärkerem Maße auf Kampf und Gewalt vorbereitet als Frauen, körperlich und psychisch. Deshalb gibt es auch immer wieder männliche Individuen, die Kampf und Krieg suchen, selbst wenn (bzw. gerade wenn) sie beides kennen. Das äußert sich bereits im Kindesalter, siehe die unterschiedlichen Spiel- und Geschichteninteressen von Mädchen und Jungs.

            Kleine Anmerkung: Schmelings Boxkarriere war schon vor seinem Dienst bei der Wehrmacht. Nach dem Krieg bestritt er nur noch einen einzigen Kampf, mit 41 oder 42, aus Geldnot.

            Antwort
          2. Victor

            „einer Umfrage, als Gutenberg die Wehrpflicht abschaffen wollte. Männer waren überwiegend dafür, Frauen waren überwiegend dagegen.“

            Zum Kotzen.

            Antwort
  3. PfefferundSalz

    Hier habe ich ein interessantes Video gefunden, welches die Lügen des Heldentums die wir Männer gerne glauben und glauben wollen dekonstruiert. Fand ich sehr gut.

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