Feministische Archäologie

Crumar:

[Kontext: Es geht um Geschlechterrollen in der Steinzeit]

Das sind überwiegend Thesen von Brigitte Roeder u.a., die quasi wegbereitend für eine feministische Archäologie waren. Die sich über den bias und die Reproduktion von rückwärtsgewandten Geschlechterstereotypen (berechtigt) aufregten, um dann sehr lustige neue Geschlechterstereotypen und biases erzeug(t)en.

Hier schreibt sie in: Jungsteinzeit: Frauenzeit? – Frauen in frühen bäuerlichen Gesellschaften Mitteleuropas über die Verbindung von Lebenserwartung, Schwangerschaft und Arbeit für Frauen:
„Doch Schwangerschaften und Stillen waren nicht die einzigen Faktoren, die die Lebenserwartung der Frauen senkten.“

Nämlich (kursiv von mir): „Während im Mesolithikum Männer und Frauen eine ähnlich hohe Lebenserwartung hatten, sank diese mit der Neolithisierung speziell für die Frauen drastisch ab. Frauen starben in der Bandkeramik im Schnitt ein Jahrzehnt früher als Männer. Angesichts der ohnehin relativ niedrigen Lebenserwartung ist das enorm: Die meisten Frauen starben im dritten Lebensjahrzehnt, die meisten Männer dagegen erst rund 10 Jahre später.
In dieser Gesellschaft war es gang und gäbe, daß viele Kinder ihre Mutter früh verloren. Großmütter waren eine Seltenheit; die meisten älteren Menschen waren Männer.“

Was dann allerdings erstens bedeutet, die Weitergabe der Kinderaufzucht an „die ältere Generation“ war mangels Anwesenheit von 50% dieser nicht möglich. Zweitens hätte die Formel „bis dass der Tod euch scheidet“ trotzdem für kurze Ehen gesorgt und „the wall“ war eher endgültig. Drittens war das „Patriarchat“ in Sachen Lebenserwartung für Männer tätig zu sein damals vorbildlich, hat seitdem in seinen Bestrebungen aber auffällig nachgelassen. Da sollten wir uns in der nächsten Sitzung beschweren! 😉

Roeder weiter: „Ein weiterer Aspekt war ihre hohe Arbeitsbelastung. Die bei einigen anthropologischen Untersuchungen festgestellten ungewöhnlich stark ausgeprägten Muskelmarken an den Knochen zeigen, daß bandkeramische Frauen ausgesprochen hart und schwer arbeiteten. Welche Arbeiten sie im einzelnen verrichteten, wissen wir nicht. Wir dürfen jedoch davon ausgehen, daß Frauen in großem Umfang auch an den schweren – und deshalb häufig den Männern zugeschriebenen Tätigkeiten wie z. B. Roden und Hausbau – beteiligt waren. Man fragt sich, ob nicht sogar ein Großteil der angefallenen Arbeiten auf den Schultern der Frauen verteilt wurde.“

„Man fragt“ sich, weil man „nicht weiß“, aber deshalb „darf man jedoch (!) davon ausgehen“ ist ein ziemlich putzige Logik. Denn „ungewöhnlich stark ausgeprägten Muskelmarken an den Knochen“ bedeuten bei den Geschlechtern nicht die identischen Belastungen.

Was sie hier unterstellt ist, die identischen Abnutzungserscheinungen deuten auf die gleiche Arbeit hin und dies beinhaltet eine weitere These, nämlich, die physischen Abnutzungseffekte des Muskel- und Skelettapparat wären identisch. Nope.

Die Grenzwerte für „Heben und Tragen“ von Lasten im heutigen Arbeitsschutz differenzieren nicht umsonst in erster Linie nach Geschlecht und Alter und dem Umstand „Schwangerschaft“.
Der Grenzwert für häufiges „Heben und Tragen“ von Lasten liegt für Männer zwischen 20-45 bei 20 Kilogramm, für gleich alte Frauen bei 9 Kilogramm. Das ist weniger als die Hälfte.
„Selten“ können Männer dieser Altersgruppe auch 50 Kilogramm heben – bei Frauen sind es 15 Kilogramm, also weniger als ein Drittel. Für werdende Mütter kommt „häufig“ (10-35% der Schicht) gar nicht in Frage und der Grenzwert liegt bei 5 Kilogramm, also 25%.

Diese Grenzwerte basieren auf der historischen Erfahrung mit den nach Geschlecht unterschiedlichen Abnutzungseffekten des Muskel- und Skelettapparat durch (schwere) körperliche Arbeit.
Damit lässt sich ihre Beobachtung erklären, ohne zu ihrer Diskriminierungsthese zu greifen, Mann hätte einen „Großteil der angefallenen Arbeiten auf den Schultern der Frauen verteilt“.
Aber seit wann können Feministinnen darauf verzichten, Diskriminierungen von Frauen in der Geschichte zu sehen? Das wäre quasi gegen ihre Natur. 😉

Putzig auch so etwas von ihr: „Es gibt in der Altsteinzeit, das kennen die meisten Leute, diese wunderschönen Tierbilder aus den Höhlen in Südfrankreich und Nordspanien, Lascaux, Altamira und so weiter. Was weniger bekannt ist, dass häufig neben diesen Tierbildern auch Handnegative erscheinen. Die Menschen haben eine Hand auf die Felswand gelegt und dann mit einem Röhrchen Farbpigment draufgeblasen, und dann blieb der Umriss der Hand erhalten. Und die Biologie hat schon vor einiger Zeit eine Methode entwickelt, die es erlaubt, an den Händen, an den Größenverhältnissen der Finger, Männer- und Frauenhände zu unterscheiden.“

Und jetzt mit Tusch: „Tatsächlich kamen vor wenigen Jahren zwei unterschiedliche Forscherteams zu dem Ergebnis, dass gut drei Viertel dieser Hände von Frauen stammt.

„Es heißt ja immer, diese Tiere sind so wunderbar dargestellt, so naturalistisch, weil die Menschen damals auf der Jagd die Tiere beobachtet haben, und das konnten sie dann wiedergeben bei den Felsbildern. Wenn jetzt die Frauen die Bilder gemacht haben, dann ist natürlich die Wahrscheinlichkeit da, dass sie zumindest mit dabei waren auf der Jagd. Und darum geht es uns. Also, es ist keine Ausstellung, die fertige Antworten liefert, können wir nicht. Aber wir versuchen, den Fächer zu öffnen, damit man nicht Sachen übersieht, nur weil man nicht bereit ist, das zu sehen.“
https://www.deutschlandfunkkultur.de/geschlechterrollen-forscher-entzaubern-die-steinzeit.976.de.html?dram:article_id=342902

Womit sie nun wiederum die These aufstellt, diejenigen, die die „Handnegative“ mit wenig Aufwand hergestellt haben, sind identisch mit denjenigen, die die Tierbilder mit viel Aufwand hergestellt haben.
Kann sie diese These beweisen? Nope.
Aber man darf ja mal behaupten.
Kann ich auch: Die moderne Entsprechung des Umriss der Hand mit einem Röhrchen Farbpigment an die Höhlenwand zu „malen“ ist das Selfie.
Der Beweis für meine These ergibt sich daraus, dass heute ebenfalls drei Viertel dieser Selfies von Frauen gemacht werden. Case closed!

9 Gedanken zu „Feministische Archäologie

  1. Mike Macke

    Schön bei der verlinkten Reportage sind ja die letzten beiden Absätze, wo die “ Matriarchatsforschung“ angesprochen wird, die das „wir wissen es nicht“ für ihren „Forschungsgegenstand“ erstmal ablehnt. Dass zu steinzeitlichen Familienmodellen die „Familie Feuerstein. zitiert wird, die zweifellos Nullkommanull „Erkenntnisse“ über die Steinzeit vermittelt (wenn man die nicht in der Zeit vor sechzig Jahren verortet), ist echt eine seltsame Volte.
    Immerhin: In der Zeit, von der die Feuersteins ausgehen, gab es ja noch mehrere steinzeitliche Landwirtschaft betreibenden Gesellschaften, nämlich z.B. in den Tälern Papua-Neuguineas. Mich wundert, dass Archäologinnen nicht einfach die Frauen dort mal fragen, wenn ihnen die Berichte der Forscher aus den Siebzigern zu cis-maskulin sind?

    Antwort
  2. Alles nicht einfach

    Aus dem Artikel:
    „Das Colombischlössle in Freiburg wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von der reichen Gräfin Colombi erbaut – als Witwensitz.“
    Ein wunderbares Bild.
    Ich sehe es genau vor mir, wie die Gräfin die Ärmel hochkrempelte und einfach mal nach Bauchgefühl und weiblicher Intuition mit den eigenen Händen ein zauberhaftes Schloss erbaute.

    Dass in diesem einen Satz mal so nebenbei die zahlreichen männlichen Handwerker vergessen gemacht wurden, – geschenkt. Dass auf so einer Baustelle vermutlich auch viele tödliche Arbeitsunfälle passiert sind, – auch geschenkt. Dass die Pläne für das Schloss von einem Mann entworfen wurden, naaaa… hab dich mal nicht so. Dass dieser Mann dabei von seinem männlichen Lehrer inspiriert wurde, hey! Jetzt ist aber genug, du heteronormativer weisser cis-Mann! Hör auf, die herausragenden Leistungen von Frauen klein reden zu wollen. Und überhaupt, du Arschloch hast „Handwerker“ nicht gegendert.

    Den restlichen Artikel habe ich nur grob überflogen. Vermutlich nur feministischer Propagandamüll. Hat für das Leben der Menschen in meinem Umfeld keinerlei Bedeutung.

    Wir haben noch einige wenige Naturvölker auf dem Planeten. Völker, die die Geisteskrankheit „Zivilisation“ bisher vermieden haben. Vielleicht sollte man einfach mal schauen wie die ihren Alltag geregelt haben und welche Zivilisationskrankheiten die mit uns gemein haben. Oder welche sie nicht mal kennen. Depressionen zum Beispiel.

    Antwort
    1. alderMann

      Genau das ist mit auch als erstes aufgefallen. Nachdem ich dann wusste, wie diese Professeuse „wissenschaftet“, bin ich vor Lachen vom Stuhl gefallen und fragte mich, ob denn ein Leben ausreicht, alleine so ein Schloss zu bauen. Aber ach, sie hat das in nur zwei Jahren gestemmt! 1859-1861. https://de.wikipedia.org/wiki/Colombischlössle

      Frauen können eben alles, nur viel besser. Und wie uns Märchentante Professeuese Brigitte Röder weismachen will, auch noch viel, viel schneller.

      Antwort
  3. Renton

    „Wir haben noch einige wenige Naturvölker auf dem Planeten. Völker, die die Geisteskrankheit „Zivilisation“ bisher vermieden haben. Vielleicht sollte man einfach mal schauen wie die ihren Alltag geregelt haben und welche Zivilisationskrankheiten die mit uns gemein haben. Oder welche sie nicht mal kennen. Depressionen zum Beispiel.“

    Du kannst ja gerne in den Wald gehen. Ich für meinen Teil möchte um nichts in der Welt so leben wie ein Naturvolk und auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten, auch nicht im Nachhinein. Und ich habe Depressionen gehabt.

    Antwort
    1. alderMann

      Sie wird das auch nicht wollen. Diese romantisch verklärten Naturvölker haben das Problem, genügend Nahrung herbeizuschaffen. Da muss jeder ordentlich ranklotzen, eine die nur dumm rumlabert, können die da nicht brauchen, die wird ausgegrenzt.

      Antwort
      1. Renton

        Ich habe mal eine Dokumentation über ein Naturvolk gesehen – dieses hier, meine ich -, die ohne romamtische Verklärung auskam und die die Angehörigen des Volks ein paar Jahre nach ihrem Kontakt mit der „Zivilisation“ vorgestellt hat, von der sie sich schon so einiges angenommen hatten.

        Dinge, die diese Menschen nie mehr missen wollen:

        1. Kleidung. Sie wärmt.
        2. Schuhe. (Sie trugen jetzt Badelatschen.) Wer sich nicht vorstellen kann, warum, sollte mal jahrelang ohne Schuhe durch den Dschungel laufen.
        3. Ein Dach über dem Kopf. Früher(tm) hatten sie bei tagelangem Regen genau so viele Tage hungernd und frierend ohne Schlaf zugebracht, weil es keinen trockenen Platz zum Schlafen gab.

        Sicherlich ist die heutige Zivilisation nicht optimal für den Menschen, Stichwort Zivilisationskrankheiten. Aber wer sich zurück zur Natur wünscht, den kann ich nur auslachen. Die Zivilisationskrankheiten sind Kinkerlitzchen gegen die „Natur“krankheiten, die die meisten von uns ohne Zivilisation ratz-fatz hinwegraffen würden, und gegen all die anderen Übel, vor denen uns die Zivilisation schützt.

        Antwort
        1. Alles nicht einfach

          Ich wollte nicht die Naturvölker verherrlichen oder in den Wald gehen. Mir ging es eher darum, dass es nicht notwendig ist Jahrtausende in der Vergangenheit herumzuwühlen und Funde zu interpretieren, wenn man genauso gut auch Leute beobachten kann (könnte), die so leben wie ihre Urahnen es auch taten. Um herauszufinden, wer in einer funktionierenden Gemeinschaft was macht.

          Auch geht es nicht um tolle Errungenschaften der Zivilisation, die die Naturvölker übernommen haben und nicht mehr missen möchten. Es ging ursprünglich um die Rollen, die die Männer und Frauen in ihrer Gemeinschaft übernehmen (müssen), um den Fortbestand ihrer Gemeinschaft zu sichern.

          Antwort
          1. Renton

            Dann habe ich das in den falschen Hals gekriegt. Wobei ich nun anmerken möchte, dass das Studium bestehender Naturvölker zum Verständnis vergangener sicherlich hilfreich ist, jedoch „die Rollen, die die Männer und Frauen in ihrer Gemeinschaft übernehmen (müssen)[Präsens(!), Anm. von mir], um den Fortbestand ihrer Gemeinschaft zu sichern“ kaum von Naturvölkern für moderne Zivilisationen abgeschaut werden können. Zu groß sind die Unterschiede.

            Ein einfaches Beispiel: Sichere Verhütungsmittel. Vor ihrer Einführung hatte eine rigide Sexualmoral speziell, aber nicht nur für Frauen sicherlich ihre Berechtigung. Heutzutage kann man vögeln ohne Reue und Ende, weshalb der wesentliche Grund für ein enthaltsames Ideal entfallen ist.

            Aber vielleicht habe ich ja auch da etwas in den falschen Hals gekriegt, weil Du zwar das Präsens verwendet, aber das Präteritum gemeint hast 😉

            Antwort
          2. alderMann

            Ich wollte nicht die Naturvölker verherrlichen oder in den Wald gehen.

            Das habe ich auch nicht so verstanden und Renton vermutlich auch nicht. Das, worauf sich meine Antwort bezog hast du ja in Anführungszeichen gesetzt, ist also als Zitat zu lesen und zeigt eben, wie naiv und unwissenschaftlich diese Professeuse aus der Feministischen „Wissenschaft“ wissenschaftet. Und darauf bezog sich mein Kommentar.

            Antwort

Kommentar verfassen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s