Afghanistan und die Geschlechterkriegstreiberinnen

Für Humanisten ist schlimm, was den Menschen in Afghanistan widerfährt, jetzt wo die Taliban die Herrschaft übernehmen. Für Feministen ist schlimm, was den Frauen und Mädchen widerfährt. Man nehme den Sondermüll eines Artikels auf den Seiten der EMMA, in dem allein weibliche Wesen als die guten Unterdrückten vorkommen und Männer allein als Despoten, wobei zugleich geschickt darum herumlaviert wird, wer als Soldat, also als Mann erst den geschützten Raum für „Frauen und Mädchen“ schaffte. Es sind Männer, die am Rande der Gesellschaft die dortigen Härten auf sich nehmen, damit im Innern sich das Weibliche entfalten kann. Und jetzt gehen sie, die Männer, die ihre Unversehrtheit riskiert haben, und das wird ihnen von den Frauenbewegten im Namen der „Frauen und Mädchen“ zum Vorwurf gemacht, während man sie gleichzeitig anspuckt. Ohja, wie ist der weiße Mann domestiziert.

Dazu einen längeren Auszug aus einem Text aus meinem Archiv (Original nicht mehr online), der sich mit dem westlichen feministischen Bestreben in Afghanistan beschäftigt, damals vor 20 Jahren, als die westlichen Truppen frisch einmarschiert und die Taliban zurückgedrängt waren, Zitat:

Wo hat auch der Feminismus jemals Fuß gefaßt, wo nicht vorher Männer seine Wege ebneten, Männer ‚die Kastanien aus dem Feuer holten‘, Männer seine Durchsetzung planten und begründeten, Männer seine Schritte finanzierten, ja Männer (das eigentliche Opfergeschlecht) sich für Ideale opferten in deren Kreis er, jener Feminismus, der heute die Entrechtung des Mannes ein ganzes Stück vorangetrieben hat, sich tückisch einschlich?

Frauen lassen siegen

Beispiel Afghanistan etwa? Just an dem Tag – wie passend -, an dem wir die Meldung der Überführung der getöteten amerikanischen Soldaten nach Ramstein erhielten (22. Januar 2002), erreichte uns auch die andere: „Afghanistan-Geber wollen 4,5 Milliarden Dollar bereitstellen“.

Eine nicht nur von afghanischen Politikern ersehnte Geste. Denn schon im Dezember des Vorjahres hatten, während einer von EU und UNO einberufenen Konferenz über die Rolle der afghanischen Frauen beim Wiederaufbau des Landes, Ministerinnen und Expertinnen ihre Lippen zu jenem einsilbigen Wörtchen spitz gerundet, das Feministinnen so oft gern vor den Begriff „Frauen“ als wichtiges Accessoire plazieren, um damit in diesem Fall auszusprechen, „daß der Aufbau nur mit den Frauen funktionieren wird“; das „müssen jetzt“ die afghanischen Männer „begreifen“. Denn, meinte eine dieser Damen: „Die Männer in Afghanistan haben bisher nur erfahren, daß Krieg sich lohnt„!2

Wäre doch interessant zu wissen, mit welchen Erfahrungen sie, die Männer Afghanistans, zu der Überzeugung gelangt sein sollten, die ihnen unsere Expertin (Almut Wieland-Karimi, Südasien-Expertin der Friedrich-Ebert-Stiftung) gern hier unterschieben möchte. Vermutlich sind damit die fröhlichen Zwangsrekrutierungen von einigen Tausenden Männern durch die Taliban gemeint. Vermutlich…

Frauen aber, die an diesen Wonnen nicht teilhaben durften, seien nun „die wichtigsten Entwicklungs-Motoren“ verkündete schon Ende November Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul einfach so im ZDF.3 Weil aber heute „schätzungsweise nur noch etwa fünf Prozent der afghanischen Frauen lesen und schreiben können“, wie westliche ‚Frauenfreunde‘ besorgt konstatieren, ohne auch die entsprechende Zahl alphabetisierter Männer anzugeben, wird gefolgert: „Die Beteiligung von Frauen muß… politisch durchgesetzt werden. Man braucht ein breites gesellschaftliches Mandat, um Frauenrechte zu verankern.“ So Andrew Mason, Volkswirt bei der Weltbank.

Diese Forderungen nach geschlechtlicher Orientierung bei der Vergabe von verantwortungsbeladenen Positionen betrifft ein Land, das eben der Asche entsteigt und in welchem, nach Meinung der gleichen Personen, die bisher zitiert wurden, gerade diese Aufgabe „schwierig werden“ dürfte. Die Gründe, nach dem Experten der Weltbank: „Das liegt zum Teil an den Frauen selbst… Vielen Frauen fehlen… nach zwei Jahrzehnten Unterdrückung das Bewußtsein und der politische Wille, um sich für ihre Rechte stark zu machen. Deutlich wird die Verunsicherung zum Beispiel dadurch, daß die Burkas nicht gefallen sind.“ (ebd.)

Diese Feststellung hindert allerdings das EU-Parlament kein bißchen daran, zu fordern, ‚die internationale Gemeinschaft solle die Hilfen für den Wiederaufbau Afghanistans auch davon abhängig machen, daß die Frauen des Landes an der Entscheidungsfindung und der Verwendung dieser Gelder beteiligt werden‘, sprich, politische Positionen einnehmen.

Die zentralen Aussagen der eben angeführten Zitate legen den Hauptgedanken unserer Betrachtung des Feminismus sehr deutlich dar. Halten wir die Grundzüge dieser Äußerungen fest. Sie enthalten: a) Die Abqualifizierung des (hier afghanischen) Mannes, denn er hat „bisher nur erfahren, daß Krieg sich lohnt„, was heißt, daß er mit dem Eintritt des Friedens ausgedient hat und daß er für die weiteren, im Frieden stattfindenden Prozesse nicht relevant bzw. weniger relevant wäre. Folglich ist jetzt b) die ungleich intensive Förderung der (hier afghanischen) Frau angesagt.

Aber bevor wir fortfahren, führen wir hier zum Vergleich die Worte eines Mannes an, eines afghanischen Exil-Politikers (es handelt sich um Afghanistans ehemaligem stellvertretenen Außenminister Mohammad Jalil Shams), wie diese fast zur gleichen Zeit (2. Dez. 2001) der SPIEGEL ONLINE im Rahmen eines Interviews an uns weitergab.

Auf die Frage: „Wird es nicht ohnehin zum Dauerproblem, daß eine ganze Generation nur als Kämpfer groß geworden ist, die nichts anderes kennt, als mit ihrer Bewaffnung Krieg zu führen?“, antwortete er:

„Eine Waffe zu haben ist nicht entscheidend. Auch in meiner Familie gab es 21 Waffen. Bis hin zu einer Maschinenpistole. Wir haben sie aber nie gegen andere Menschen verwendet. Diese jungen Leute wurden zum größten Teil auch gezwungen, für die Taliban oder wen auch immer zu kämpfen. Es ist nicht so, daß sie eine Sucht zum Töten und Kämpfen haben. Man muß ihnen eine Perspektive geben, das ist die anstehende Herausforderung. Dazu gehört auch eine einfallsreiche Bildungsoffensive. Die Afghanen sind zu über 90 Prozent Analphabeten, Frauen zu 95 Prozent [endlich erfahren wir von ihm auch die anderen Zahlen, die der Männer – Anm. d. V.]. Ein funktionierendes Schulsystem ist nicht mehr existent [auch nicht für Jungen also – Anm. d. V.]“

Sodann beantwortete er auch die Frage: „Alle Verhandlungsdelegationen haben versprochen, die Gleichberechtigung der Frauen wiederherzustellen. Wird das auch in der Übergangsregierung der Fall sein?“ Seine Antwort:

„Man kann das übertreiben. Sicher, hier sind nur sechs Frauen aus Afghanistan anwesend, aber in einem technischen Gremium von etwa 30 Personen, das sehr funktional mit anerkannt klugen Köpfen besetzt worden ist, ohne daß Mitglieder nach ihrem Geschlecht ausgewählt wurden. Es ist richtig, daß Frauen über 50 Prozent der afghanischen Bevölkerung stellen, ähnlich wie in Deutschland. Sind denn aber im deutschen Parlament 50 Prozent Frauen? …Wir müssen den Zustand erreichen, daß eine Frau mit allen Rechten kandidieren kann und daß die Männer bereit sind, dieser Frau ihr Votum zu geben, wenn sie es für richtig halten. Nicht weil Frau Frau ist oder Mann Mann, sondern weil sie als eine Kapazität betrachtet werden. Und umgekehrt werden Frauen als Wählerinnen so auch über Männer urteilen, ob sie fähig sind. Das ist doch das Prinzip einer freien Wahl.“

Wie erholsam es doch ist, den gleichen Aspekten hier in einem vernünftigen Zusammenhang zu begegnen, die uns kurz davor im seichten Gelabere westlicher Expertisen verzerrt entgegentraten!

Aber nichtsdestotrotz: In der Broschüre des Entwicklungsministeriums über den „Beitrag Deutschlands zum Wiederaufbau und Entwicklung von Afghanistan“, die nach den Ergebnissen der Geberkonferenz vom 21.-22. Januar in Tokyo herausgegeben wurde, steht im Abschnitt „Frauen“ zu lesen, daß Frauen „in der Situation des Bürgerkrieges… beträchtliche Lasten übernehmen“ mußten. Ein Satz, der entweder dann Bedeutung hätte, wenn Männer „in der Situation des Bürgerkrieges“ keine „beträchtliche Lasten“ hätten „übernehmen“ müssen, oder aber einer, der völlig unsinnig ist.

Doch dieser Satz dient nur als Einleitung, wie auch der folgende: „Frauen, die in Afghanistan nie an Kriegshandlungen teilgenommen haben, sind in einer besonders günstigen Position, um als Motor des Friedensprozesses zu wirken.“ „Motor“? Das kennen wir doch! Wie hieß gleich der andere ‚motorisierte‘ Satz der Entwicklungsministerin: „Frauen sind die wichtigsten Entwicklungs-Motoren…“ Und diese müssen nun ordentlich aus den Beiträgen der Geberländer gespeist werden.

Schlüsselwort aber in diesem Satz ist: „Kriegshandlungen“. Dieser Begriff beabsichtigt die Nivellierung der ethisch zu unterscheidenden Kriegshandlungen der überzeugten (nicht zwangsrekrutierten) Taliban von denen der Anti-Terror-Kämpfer. Ohne diese Nivellierung, in welcher „Kriegshandlungen“ als Sammelbegriff sowohl die Taliban wie auch die Anti-Terror-Soldaten in einem negativen Pool wirft, würde dieser Satz seinen wahren Gehalt preisgeben, nämlich daß Frauen in Afghanistan nicht an ihrem Befreiungsprozeß teilgenommen haben, sondern allein den Nutzen davon tragen (wogegen übrigens kein Mensch auf der Welt etwas hat). Zudem fehlt ihnen, wie auch der Weltbank-Spezialist erkannte, „das Bewußtsein und der politische Wille“.

Warum jetzt diejenigen, die an ihrem Befreiungsprozeß teilnehmen konnten und einen politischen Willen tragen, unwichtigere „Motoren“ in den darauffolgenden Prozessen sein sollen als die, die an ihrem Befreiungsprozeß nicht teilnehmen konnten und denen der politische Wille fehlt, will uns vielleicht die Ministerin ein andermal erklären. (Langsam beginnt man doch zu glauben, daß Ministerinnen recht seltsame Wesen sind!)

In der Broschüre lesen wir dann weiter: „Im Rahmen des deutschen Unterstützungsprogramms wird der Förderung von Frauen als Querschnittsaufgabe besondere Bedeutung zukommen.“ Alles klar!

Man könnte nun meinen, „besondere Bedeutung“ der Frauenförderung innerhalb des deutschen Unterstützungsprogramms sei – nach allem, was wir wissen – normal und nicht anders zu erwarten. Und man könnte weiter meinen, damit hätten wir es dann aber auch schon.

Mitnichten: „Darüber hinaus ist beabsichtigt, Frauen durch gezielte Maßnahmen zu fördern.“ Außer also, daß Frauen durch die allgemeinen Unterstützungsprogramme eine „besondere Bedeutung“, ein Vorrang zukommen soll, werden noch „darüber hinaus… gezielte Maßnahmen“, die nur Frauen zugute kommen sollen, getroffen.

Zu diesen „gezielten Maßnahmen“ gehören Programme „in Bereichen wie berufliche Re-Qualifizierung, Aufbau eines Rechtsberatungszentrums sowie direkte Unterstützung wirtschaftlicher Aktivitäten im Rahmen eines Kleinprojektefonds.“ Letzteres erläuterte die Ministerin gegenüber dem Rundfunk als finanzielle Unterstützung in bezug auf Existenzgründung, den Aufbau also privater und in unserem Fall nur von Frauen gegründeter oder zu gründender Unternehmen.

Was die „besondere Bedeutung“, die der Frauenförderung innerhalb des allgemeinen Unterstützungsprogramms zukommen soll, betrifft, dürften folgende Stellen aus dem Dokument des Entwicklungsministeriums erhellend sein:

„Deutschland… wird der Betreuung und Reintegration traumatisierter Frauen und Kinder, insbesondere auch von Kindersoldaten auch durch nichtstaatliche Maßnahmen besondere Beachtung schenken.“ Es ist nichts von erwachsenen traumatisierten Soldaten oder Männern überhaupt zu lesen; man bedenke: Es geht hier um Afghanistan, um einen jahrzehntelangen Krieg mit umfangreichen Zwangsrekrutierungen Ausgerechnet diejenigen aber, denen jetzt nach den Worten des Herrn Shams eine Perspektive zu geben, „die anstehende Herausforderung“ wäre, die mißbrauchten, zu höchster seelischer und physischer Not vergewaltigten jungen Männer, kommen hier gar nicht als eventuell traumatisiert zur Sprache!

Weiter: Es „sollen Beiträge zur Sicherung der Trinkwasserversorgung… und die Wiederaufnahme von sozialen Diensten geleistet werden, unter besonderer Berücksichtigung von Frauen und Kindern“. (Hoffentlich bekommen die afghanischen Männer überhaupt etwas Wasser – Anm. d. V.)

Im Abschnitt „Prioritäten und Instrumente“ erfahren wir dann, daß zur Überwachung der korrekten Ausführung der Gesamtmaßnahmen eine „Entsendung von Referentinnen (Sie haben richtig gelesen, es gibt offenbar nur weibliche Aufpasser – Anm. d. V.) zur Koordinierung der humanitären und der Wiederaufbauhilfe an die deutsche Botschaft Kabul“ erfolgen soll!

Das kleine Geschlecht

Was geschieht hier eigentlich? Die „Drecksarbeit“ ist gemacht, die Überreste der toten Männer wurden überführt; die lackierten Fingernägel dürfen sich nun an die Sache krallen! Nein, noch nicht die der afghanischen Frauen. Nach Afghanistan müßte erst „Frauenpower“ exportiert werden. Zunächst muß frau mit „Referentinnen“ vorliebnehmen. In dieser Hinsicht ist Afghanistan ein junges Land. Auch sollten vorerst Männer noch nicht gehindert werden, denn wer hätte dann die bösen Männer, die Taliban, verdrängt und den Boden für das eigentlich starke Geschlecht bereitet?

Die Spezialtruppen der Superweiber sind leider noch nicht soweit, wenn es auch gerade in den USA im Proportionalverhältnis mehr Offizierinnen in der Armee als Offiziere gibt! Und obwohl Soldatinnen auch hierzulande nach den Aussagen politisch korrekter Armeevorgesetzter „immer zu den Besten“ gehören.

Heute: Wenn’s nicht so schlimm für die Menschen wäre, die jetzt unter die Taliban fallen, könnte man jetzt befriedigt grinsen beim Gedanken an die Feministin in Afghanistan, die sich von ihren westlichen Schwestern das feministische Gift hat spritzen lassen, und jetzt erleben muss, dass alles, was sie bewegt, was sie erreichen wollte, nichts aber auch gar nichts ist ohne Mann, der ihr unter großem Opfer einen Raum hierfür erst freihält.

Aber es ist ein übles Grinsen, ohne Freude, es ist nämlich alles zum Heulen. Vor dem Krieg kam eine Delegation afghanischer Frauen zu einer UN-Tagung. Sie waren entsetzt darüber, welches Bild der Westen von den afghanischen Männern pflegte, und stellten klar: „Das sind nicht unsere Väter, Männer, Brüder, Söhne, das sind die Taliban!“ Wohl dem, der sich unter dem Joch einer totalitären religiösen Diktatur wenigsten noch auf seine Frau verlassen kann und umgekehrt.

2 Gedanken zu „Afghanistan und die Geschlechterkriegstreiberinnen

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