Das Damengambit (2020)

Förderer.

Paul-Hermann Gruner schreibt zu einer Managerin:

Dass man eine ganz andere Weiblichkeit leben kann, und dies beglückend offensiv, zeigt beispielsweise die deutsche Unternehmerin des Jahres 1991. Annette Winkler, damals 32 Jahre alt, reüssierte im Baugewerbe (Männer!!!) und dort gleich in zwei erfolgreichen Firmen. Selbstbewusster Mensch und nicht hektisch kompensierende Vorzeigefrau, schaut sie gelassen auf Geschlechtsstereotype. «Ich hatte als Frau immer Vorteile, keine Nachteile», sagt sie. Ein solcher Satz verböte sich jeder Feministin von vornherein, auch wenn er stimmte, steht dieser doch quer zu den Anwendungsvorschriften des Opfer-Paradigmas. «Offensichlich», fährt die Prämierte fort, «wird die Tatsache, dass eine Frau das (gemeint: das Engagement im Baugewerbe, d. Verf.) überhaupt macht, für so außergewöhnlich erachtet, dass viele bereit waren, zu helfen.» … Da Winkler «soziale Komponenten» des kooperativen Führungsstils in ihrer Unternehmensführung praktiziert, steht die Unternehmerin über kurz oder lang – kein Mann wird im oft umgekehrt vorliegenden Fall danach gefragt – vor der Nachforschung, ob dies «eine typisch weibliche Art der Führung» sei. Antwort: «Nein. Ich kenne Unternehmen, wo das unter Führung eines Mannes stattfindet und umgekehrt in von Frauen geleiteten Betrieben nicht.» So viel Standfestigkeit und Korrektheit angesichts der steten Verführung, feministischen Zusatzbeifall einzuheimsen, verdient Respekt.(Paul-Hermann Gruner: „Frauen und Kinder zuerst“)

Das, worüber hier berichtet wird, widerspricht einer der ganz großen Lügen im feministischen Krieg gegen Männer: Dass Männer Frauen benachteiligen würden, weshalb sie es in Männerdomänen besonders schwer hätten. Auch meine eigenen Erfahrungen in männerdominierten Räumen widersprechen dem: Frauen werden anständig behandelt, und zwar anständiger als mancher Mann. Männer lieben Frauen. Wenn eine Wehleidige über angeblich frauenfeindliche Strukturen jammert, dann erlebt sie nichts anderes als den rauen Wind des Konkurrenzkampfes, der Männern genauso ins Gesicht weht.

Nun zur im Titel angekündigten Serie: Sie handelt vom Schachgenie Elizabeth Harmon, das sich in einer Männerwelt nach oben spielt. Und hätte ich geraten, ja: Ich hätte gedacht, dass da lauter fiese, schmierige Männer sind, wie man sie heutzutage überall präsentiert bekommt, die Harmon nicht akzeptieren, sie hindern, mit faulen Tricks gegen sie spielen oder was weiß ich. Stattdessen das Gegenteil: Die Männer respektieren und unterstützen Harmon, auch mit der bitteren Lektion, dass man eine Niederlage hinnehmen musste, und werden so fast durchgehend positiv gezeichnet. Und der Erfolg spricht für sich: Binnen eines Monats wurde die Serie von 62 Millionen Abonnenten gesehen, wodurch Das Damengambit zur bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichsten Miniserie auf Netflix wurde. Mit Recht, auch mich hat die Serie gefesselt und davon können die Männerfeinde, die so einen Mist wie „Ghostbusters“ mit Frauen produzieren, und in dem Männer entweder Sadisten oder Witzfiguren sind, nur lernen.

Denn es zeigt wunderbar, dass es keinen toxischen Feminismus braucht, mit dem die Überlegenheit einer Pauerfrau daran verdeutlicht wird, dass sie einen Mann erniedrigt und demütigt. Ganz ohne Feminismus kommt die Serie aber nicht aus, so wird das arge Schicksal der Nurhausfrauen und deren größtes Problem im Leben – Langeweile – betont, aber was soll’s. Harmon ist kein überlegenes Powerweibchen (außer im Schach) und wirkt so manchmal etwas verpeilt, wenn sie naive Fragen stellt wie: „Was ist ein Schwanzlutscher?“ Schade nur, dass keine positiv besetzte Vaterfigur in der Serie vorkommt, womit sie den MacGyver-Test nicht besteht, ansonsten: Sehr zu empfehlen.

„Ich arbeite dran.“
„Da musst Du aber erst an mir vorbei!“
„Ich arbeite auch daran.“

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