Göttin

Und höre nun demütig die Worte: Keine Mumu soll jemals für schnöden Mammon zu haben sein, denn der Mammon besudelt ihre Heiligkeit, ihre Weiblichkeit, die da geehrt gehört und höher steht als alles, was der Mann da schafft und wirkt. (Aus den Schriften Egalias, offenbart 27 anno dominae)

Soso, Sie sind also ein Freier, Sie elendiger Sünder? Ich hatte dazu mal eine interessante Diskussion mit einer Feministin, die erstaunliches zu Tage brachte: Die Verfolgung der Freier nach dem schwedischen Modell – nur der Käufer nicht die Anbieterin wird bestraft – wird auch dann angestrebt, selbst wenn klar ist, dass das den Sexarbeiterinnen schadet. Und zwar erklärte sie mir, wenn irgendwo eine Frau „käuflich“ sei, dann würde das auch sie betreffen. Daraus wurde ich nicht schlau, aber leider verweigerte sie mir eine Erklärung. Man könnte sich das jetzt so erklären, dass Prostituierte den Marktwert einer Vulva senken. Stichhaltiger aber ist, dass die Frau sakrosankt ist und es damit einer Gotteslästerung, Entweihung gleichkommt, wenn eine Muschi für Geld genutzt werden kann – meine Diskussionspartnerin verfügt dann nicht mehr über was heiliges, sondern nur profanes.

Ähnliches gilt für Pornografie: Da die Frau heilig ist, ist es Frevel, wenn sie als ganz normaler Mensch bei einer menschlichen Tätigkeit gezeigt wird, noch dazu, wenn dieses Herzeigen allein der männlichen Befriedigung dient (dass Pornos auch Frauen anturnen, lassen wir mal beiseite).

Oder sexuelle Belästigung: Pillepalle wie ein schlechtes Kompliment können eine ganze nationale Debatte auslösen, während es kein Thema ist, wenn Obdachlose erfrieren. Vielmehr erregt man sich darüber, dass so einer Mimose nicht der zustehende Respekt gezeigt wurde, der ihr als eine Gottheit nunmal zusteht. Dabei soll der Frau die Allmacht zugestanden werden, dass allein sie entscheidet, was Lästerung ist und was nicht: Sexuelle Belästigung ist, was die Frau als sexuelle Belästigung empfindet. Womit der Willkür Tür und Tor geöffnet wird, was aber ebenfalls kein Problem darstellt, da der göttliche Wille unfehlbar ist.

Ähnlich bei Vergewaltigung: Auch hier soll der Frau Definitionsmacht zugestanden werden. Sie definiert, was ein Übergriff mithin Vergewaltigung ist und dieses Urteil darf auch nicht kritisiert werden; der Beschuldigte hat nicht das Recht, sich zu verteidigen, da jede Verteidigung die göttliche Definition antastet. Damit hängt eng zusammen, dass Feministen kein Problem mit Falschbeschuldigung haben, sondern sogar dazu anleiten. Sie wissen also genau, dass es hier unschuldige Männer trifft, wobei aber ein Mann gar nicht unschuldig sein kann: Sollte die Göttin ihn bezichtigen, dann hat er es auf jeden Fall verdient, was schon allein dadurch bewiesen wird, dass sie ihn falschbeschuldigt, denn das heißt, dass er irgendwie den heiligen Zorn der Göttin auf sich gezogen hat, also wird er zu Recht vernichtet. Deshalb haben Feministen auch ein Problem mit dem Rechtsstaat, zumindest dann, wenn er auch Männer davor schützt, unschuldig in den Knast zu gehen. Und wo wir schon beim Rechtsstaat sind: Es gab bereits ernsthafte Forderungen, Frauengefängnisse abzuschaffen; heißt, eine Kinderfickerin soll nicht in Haft, denn sowas wie eine Sexualstraftäterin gibt es nicht, denn sie ist die Göttin, nicht der Teufel.

Ernst gemeint sind auch die Bestrebungen, den Göttinnen ein Tötungsrecht zuzubilligen, die Rede ist von der sog. Tyrannentötung. Wenn ein Frau angibt, einen häuslichen Gewalttäter, also den Tyrannen getötet zu haben, soll sie freigesprochen werden – und welche Mörderin würde das dann nicht machen? Daraus ergibt sich die göttliche, diktatorische Macht, ein Menschenleben zu beenden.

Oder Sorgerecht: Die Kinder sind Eigentum der Mutter, und wenn sie die Entscheidung trifft, dass sie die einzige Bezugsperson für ihr Kind sein soll – Du sollst keine anderen Götter neben mir haben – dann wird das in unserer Gesellschaft so umgesetzt und der Vater muss erleben, dass er vom Kind verteufelt wird, denn wo eine Göttin, da ist auch der Teufel nicht weit – ihre Heiligkeit bedingt seine Bösartigkeit im Kontrast dazu.

Und natürlich darf man auch keine Witze über Frauen machen – eine bittere Lektion für den Nobelpreisträger Tim Hunt, der wegen einer harmlosen Fotzelei seine Anstellung verlor; er, der mit seiner Forschung Menschen geholfen hat im Gegensatz zu repressiven neumodernen Gotteskriegern – denn nichts ist für heilige Dinge so gefährlich wie das Auslachen:

Der Witz wird von fragilen Naturen naturgemäß besonders kritisch gesehen. Erstens wohnt ihm immer ein anarchistisches Element inne, deshalb bringt er einen ja auch zum Lachen. Jeder Witz ist zudem latent subversiv. Nichts fürchten Menschen, die für eine große Sache streiten, mehr als das Gelächter. Moral lebt vom Pathos. Der Witz erinnert daran, dass es vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein kleiner Schritt ist.

Der Sozialwissenschaftler Djadmoros bringt es auf den Punkt:

»Weiblichkeit« als Inbegriff des Nicht-Entfremdeten der modernen Gesellschaft. Weiblichkeit ist sakral: sie kann durch den geringsten lüsternen Blick entweiht und durch die geringste »Mikroaggression« profaniert werden, den subjektiven Standpunkt einer Frau in Frage zu stellen, ist Lästerung, die geringste Dissonanz, die ihrem Selbstbild zugemutet wird, macht sie zum Opfer, listen and believe ist darum die einzig legitime Form, sich einer Frau zu nähern, aber es wird Dir verlohnt, denn allein, dass sie Dir ihre Aufmerksamkeit zugnadet, heilt Dich von den Skrofeln und dem inneren Aussatz Deiner elenden Existenz!

Frauen ergehen sich kraft ihrer höheren Intuitionen stellvertretend für uns alle in unnachahmlich tiefspürendem Sinnen über den Zustand der Welt und die Wege zu ihrer Besserung, und in ihrer Gnade schließen sie sogar den ursündigen Mann in den Kreis der heilsfähigen Wesen ein, wenn er denn sein verstocktes, toxisches Herz von der Frohbotschaft der weiblichen Friedfertigkeit anrühren lässt und in tiefempfundener Zerknirschung seine patriarchale Hülle von sich stößt.

8 Gedanken zu „Göttin

  1. oneiros

    Besonders unterhaltsam ist der Kampf der starken, selbstbewussten onlinefrauen, also den onlyfansmädels die die clout, also den Twitter Mob auf ihrer Seite haben gegen die politische feministische Kaste, die die Legislative und die ÖR Propaganda auf ihrer Seite haben:D

    In der Vergangenheit hat man den Boxengirls und den Ringgirls die Jobs weggenommen, weil Objektifizierung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Feministen versuchen in Zukunft nicht nur den käuflichen Sex auf der Straße dem Freier strafbar zu machen, sondern auch den „lüsternen Blick“ im Internet.
    Ist für Feministen Prostitution und „onlineprostitution“ wie bei only fans dasselbe? Weil in beiden Fällen offeriert die Dame für Finanzen eine Dienstleistung….gut beim einen virtuell, beim anderen physisch, im Prinzip dennoch dasselbe.
    Selbst wenn sie erfolgreich sein sollten und Prostitution und Pornografie verbieten sollten, was unmöglich sein dürfte, haben die meisten derjenigen die mit dem Internet aufgewachsen sind irgendwo noch eine alte Festplatte rumliegen, auf der davon GBweise liegt….Feminsten und ihre Wolkenschlösser.

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  2. beweis

    Und zwar erklärte sie mir, wenn irgendwo eine Frau „käuflich“ sei, dann würde das auch sie betreffen.

    Meine Interpretation davon ist komplett anders:
    Wenn Männer ihre Triebabfuhr selbstbestimmt erreichen können, dann werden sie unabhängig von den weibischen Kopfschmerzen am Abend im Bett.
    Dadurch hat die Holde einen nicht mehr am Hoden, aka an den Eiern. Und das ist ein Herrschaftsverlust ohne Gleichen.
    Denn wir wissen: Mit dem Mittel der Sexualität erreichen Frauen das höchste Maß an Dominanz über das männliche Verhalten. Mit feministischer Literatur oder andauerndem Gejammer können sie uns nicht wirklich nachhaltig beeindrucken.

    Daher wird die feministische Zukunft geprägt sein vom Kampf gegen Prostitution und Porno.

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        1. beweis

          Na ja, ich finde die grafischen Teaser rechts zu dominant. Die ziehen in ihrer Gewalt beim Lesen des Textes immer wieder die Blicke auf sich. Dadurch tritt der jeweilige aktuelle Text etwas in den Hintergrund.
          Die Ansammlung der Textlinks im Header kommt nicht als Navigation rüber, soll wohl auch keine sein. Die Links würde ich vielleicht sogar in einen Footer setzen als Weiterlesetipps. Dadurch wird es oben schlanker und der aktuelle Inhalt sticht mehr hervor.

          Aber ist natürlich Geschmackssache. Ich weiß auch nicht, was dieses WP-Theme zulässt…

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          1. Renton

            Mh, verstehe. Bei den Links im Header habe ich auch schon oft gedacht, dass eine übersichtlichere Anordnung ihnen gut täte, vielleicht auch einfach der Verzicht auf durchgängige Großschreibung. Und jaaaa… die Bilder rechts ziehen den Blick auf sich. Wahrscheinlich bin ich aber das Ausblenden von blöden Bildern (aka Werbung) schon so gewöhnt, dass mir der Störeffekt gar nicht mehr bewusst wird. Aber jetzt, wo du es sagst, es stimmt: Ich bleibe superoft mit meinem Blick an diesen Bildern hängen.

            Antwort
  3. wähler

    ihre Heiligkeit, ihre Weiblichkeit, die da geehrt gehört und höher steht als alles, was der Mann da schafft und wirkt.

    Ja, Männer müssen was leisten, Frauen sind einfach so heilig. On point.

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