(Keine) Skandalfilme

Antichrist war ein Skandalfilm, Cuties sollte einer werden. Ist es gut, dass es letzterer nicht wurde? Dass die Leute sich nur kurz darüber aufregten und dann weiterzogen, dass der Film mit sexualisierten Minderjährigen einfach… egal war? Das war auch meine Auffassung in der Besprechung von diesem Film. Jetzt allerdings sehe ich das nicht mehr ganz so. Denn wenn so ein Film kein Skandal mehr ist, dann sagt das was aus über die Gesellschaft und wohin sie sich entwickelt. Ich bin sicher, noch in den 90ern wäre die Reaktion ganz anders ausgefallen. Die Gesellschaft hat sich geändert. Nur in was? Welche Geschichte erzählt der Gegenstand eines Skandals und welche heiligen Werte werden mit dieser Geschichte verletzt, bloßgestellt, so das nicht wenige empört sind? Und was ist ein Skandal in einer Gesellschaft, in der sich Schüler einerseits Enthauptungsvideos zusenden und andererseits im Unterricht Analverkehr mit Ausdruckstanz darstellen sollen? Kann überhaupt noch etwas empören?

Ein weitere Skandal, der mir einfällt, ist der um die Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling, die Transfrauen nicht als Frauen anerkannte. Auch Antichrist empörter die Gemüter und wird als Skandalfilm verstanden. Warum diese beiden aber nicht Cuties?

Antichrist erzählt eine Geschichte von einer bösartigen und gewalttätigen Frau, die das Böse repräsentiert; der Antichrist, das Böse ist die Frau. Mit dieser Erzählung verstößt der Film gegen das feministische Narrativ, in dem die Frau die verfolgte Unschuld und der Mann das Böse und größte Übel der Welt ist. Der Film sei frauenfeindlich und damit ein Skandal. Auch J.K. Rowling verstieß gegen feministisches Wollen und Wirken, nämlich die Geschlechter zu dekonstruieren und alle Abweichungen von den natürlichen Geschlechtern zur Norm zu erheben.

Und Cuties? Dieser Film verstieß nicht gegen die feministische Ideologie. Er erzählt, dass sich bereits kleine Mädchen semiprostituieren müssten, um Anerkennung und Aufmerksamkeit zu erfahren. Der Vater in dem Film ist ein gesichts- und namenloses Übel, dessen Existenz allein dadurch bewiesen wird, dass er Frauen Dreck und Arbeit aufhalst. Das ist eine Anklage gegen das sogenannte Patriarchat und widerspricht damit nicht dem feministischen Konsens – im Gegenteil verteidigten Feministen den Film gegen die „rechten Trolle“, die sich über den Film aufregten – Feministen, die sich an anderer Stelle über leicht bekleidete Frauen erregen.

Skandal ist, was den herrschenden Anschauungen widerspricht, hinterfragt und entlarvt. Heutzutage Feminismus, rassistischer Antirassismus und Islam die dominierenden Strömungen im veröffentlichten (aber nicht öffentlichen) Medienmainstream. Werke und Vorfälle, die deren Dogmen zuwiderlaufen, haben das Potential, Skandale auszulösen, gleichzeitig zeigt sich an ihnen, wer und was an der Macht ist.

11 Gedanken zu „(Keine) Skandalfilme

  1. B E A N

    Hey,
    bin mir nicht sicher, warum du „Cuties“ nicht für einen Skandalfilm hältst. Es gab genügend Proteste sowohl von konservativer („Kinderpr0n!!!!!!“) als auch von linker Seite („Migrantenha55!!!!!“) und Löschpetitionen in Richtung Netflix.

    Ich hab den Film gesehen und verstehe beide Seiten nicht. In meinen Augen zeigt „Cuties“ die Zerrissenheit junger Jugendlicher zwischen den teilweise sehr traditionellen Kulturen ihrer Elternhäuser und der modernen, schnellen Medienwelt, die ein Wunschverhalten vorgaukelt, das reine Fiktion ist, aber dennoch nachgeahmt wird, um Teil einer In-Gruppe zu sein. Das ganze noch vor dem Hintergrund der französischen Gesellschaft, die ein sehr viel ernsteres Problem mit städtischer Ghettoisierung von Migrantengruppen hat als wir in Deutschland. Stichwort Banlieus.

    Dass sich bereits junge Mädchen „semiprostituieren müssten, um Anerkennung und Aufmerksamkeit zu erfahren“, kann ich so nicht im Film wiederfinden. Junge Mädchen GLAUBEN, das tun zu müssen, ja, und es wird den Figuren im Film GESAGT, dass das der richtige Weg ist. Aber zugleich zeigt „Cuties“ auch, dass das eben nicht so problemfrei klappt, dass man nicht nur in Konflikte mit seinem familiären Umfeld kommt, sondern dass eben dieser legere Umgang mit einer Semipornogesellschaft, das Ausprobieren der eigenen Sexualität, riesige Probleme verursachen kann und eine mentale Belastung bedeutet, mit der nicht jede klarkommt.

    „Antichrist“ wird vielfach als Kunstfilm verstanden, als ein Werk, das verstören soll, und die Kritik dagegen von feministischer Seite ist eindeutig eine politische Kritik, da gebe ich dir recht. Die häufigste Kritik gegen „Cuties“ kommt meiner Meinung nach von Menschen, die den Film gar nicht gesehen haben und eine Intention hineininterpretieren wollen, die so nicht zu finden ist.

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Also, dass Cuties jetzt so ein großer Skandal war, sehe ich nicht. Man musste schon nah dran am Thema sein, um das überhaupt zu bemerken, dass sich ein paar wenige Gemüter erregten.

      Antwort
      1. Renton

        Du müsstest erstmal definieren, was einen Skandal ausmacht. Es sehe das ähnlich wie B E A N. Beide Filme haben so manche Leute bitter verärgert. Die haben ihrem Ärger Luft gemacht. Punkt. Einen wesentlichen Unterschied in Qualität oder Quantität kann ich nicht erkennen. Wahrscheinlich war der Ärger bei Cuties sogar breiter gestreut als bei Antichrist.

        Ich glaube, Du unterliegst hier einer Selbsttäuschung. Du reagierst empfindlicher, wenn Kritik von feministischer Seite kommt, und siehst diese Kritik darob als wirkmächtiger an (hier Skandal, da nicht). Damit stellst Du Dir Feminismus als (noch) einflussreicher vor, als er ist.

        Hm… ein solches Verhalten, also das Übertreiben der Wirkmächtigkeit des selbst auserkorenen politischen Gegners, ist ziemlich häufig anzutreffen. Wahrscheinlich auch sogar bei mir. (Wo ich doch eigentlich der allerklügste Mensch auf diesem Planeten bin!) Dagegen kann man sich nur einigermaßen schützen, indem man möglichst objektive Kriterien zur Bewertung der Wirkmächtigkeit aufstellt und anwendet. Womit wir wieder beim Anfang wären:

        Du müsstest erstmal definieren, was einen Skandal ausmacht.

        Antwort
        1. Billy Coen

          „(Wo ich doch eigentlich der allerklügste Mensch auf diesem Planeten bin!)“

          Jetzt ist es raus!!! Genderdings ist nur ein Sockenpuppenaccount von dir, in dem du deine Selbstherrlichkeit auslebst. Das macht natürlich deine hingebungsvollen Auseinandersetzungen mit ihm ein Stück weit schräg… 😉

          Antwort
          1. Renton

            @Billy Coen

            Man muss schon ein emotionaler Analphabet sein, um zu der Schlußfolgerung zu kommen, Renton-Betrug und ich seien ein- und dieselbe Person. Es ist klar, daß du ein Mann bist, Frauen sind da deutlich empathiefähiger. Rational ist das nicht zu erklären.

            Deine Trollerei mit den Sockenpuppenaccounts ist einfach nur infantil. Ein intelligenter Mensch würde sich ja den Geschehnissen seiner Kindheit stellen. Man kann sich aber auch konsequent dummstellen. Für alle anderen gibt es hier Hilfe:
            http://www.alice-miller.com/de

            Antwort
            1. Renton

              @GbdA

              Hat deine Frau jetzt so lange mit dem Nudelholz auf Dich eingedroschen, dass du vergessen hast, den Account zu wechseln? Komm, Troll, nimm ne Forelle und halt’s Maul.

            2. Renton

              Es ist reichlich verwunderlich, daß jemand, der sich gegen Geld von einer Domina erniedrigen läßt, mir vorwirft, ich würde von meiner Frau geschlagen. Man muß sich schon dummstellen, um hier keinen tiefenpsychologischen Zusammenhang zu sehen.

              Wer verstehen will, warum manche Menschen andere Leute zwanghaft als „Troll“ denunzieren und ausgrenzen wollen, mache sich hier schlau: http://www.alice-miller.com/de/was-ist-hass/

            3. Renton

              @Billy Coen

              Der nagende Zweifel, die Pontius-Pilatus-Frage „Was ist Wahrheit?“ mögen Dir das Wochenende vergällen.

              Ich mache dann solange einen auf Wahlhelfer 😉

  2. Mika

    Antichrist hab ich teilweise gesehen. Trash. Einen Skandal habe ich nicht gefunden. Cuties habe ich nicht gesehen. Nur einige Kommentare dazu gelesen.
    Das Weib ist böse, war wohl das Thema beim Antichrist. Ja, stimmt. Es gibt böse Weiber. Und nu?
    In Cuties brezeln sich Mädchen auf. Tun sie ja auch in echt. In Berlin gesehen. 10-12 und laufen rum wie Nutten. Wo ist der Skandal? Nur weil es mal gezeigt wird? Hier auf dem Land gibt es das nicht, zum Glück. Aber was soll ich mich künstlich aufregen?
    Beide Filme interessieren mich nicht.
    Und was Rowling betrifft, sie sagt, was jeder sieht. Es gibt Männer und es gibt Frauen. Und leider einige vom Schicksal gezeichnete Menschen, bei denen es nicht so klar ist. Ich verstehe nicht, wie man daraus einen Skandal basteln kann. Wir haben da auch so einen im Ort, der sich als Frau fühlt. Er lebt es aus und keinen stört es. Der tut uns ja nix. Wenn er halt nicht mehr Dieter sein will, dann rufen wir ihn eben Maria, ihm tut es gut und uns nicht weh. Lieb ist er ja trotzdem und immer freundlich. In Berlin würden sie ein Problem daraus machen, hier in der Diaspora ist es ein Mensch.

    Antwort

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