«Mein Fett ist politisch»

Mancher Schlanker stirbt früh, während sich mancher Fetter eines schönen, langen Lebens erfreut. Exakt dasselbe Argument wurde vor Jahrzehnten auch über das Rauchen angeführt: Mancher Raucher erreiche gesund ein hohes Alter, während mancher Nichtraucher früh an Krebs sterbe. Die Lügen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und schweren Erkrankungen gäbe, wurde von Wissenschaftlern auf hohem Niveau verbreitet, teils gesponsert durch die Tabakindustrie (so funktioniert der Markt).

Ähnlich verhält es sich heutzutage mit dem Diskurs über krankhaftes Übergewicht. So gibt es inzwischen «Fat-Studies», welche aber aus demselben Dunstkreis stammen, in welchem Qualität und objektive Wissenschaft als «patriarchale Konstrukte» abgetan werden, die allein dazu dienen, Männer an der Macht und Frauen draußen zu halten (Frauen sind also nicht zum wissenschaftlichen Arbeiten befähigt? Was wohl Madame Curie dazu sagen würde?). Es handelt sich um eine Pseudowissenschaft, um «Studien» deren Ergebnisse von vornherein feststehen und über allem steht ein Dogma: Übergewicht wäre nicht gesundheitsschädlich. Diese Botschaft wird nicht nur an Erwachsene gerichtet, auch Minderjährige «ab drei Jahren» werden mit «kinderfreundlichen» Titeln wie «Ballula Kugelfee» oder «Wanda Walfisch» in diesen toxischen Unsinn indoktriniert, was nur noch ein Verbrechen ist.

Was passiert hier eigentlich? Wenn ein Mensch, zum Beispiel ein Raucher, die Entscheidung trifft, ein ungesundes Laster nicht aufzugeben, weil ihm der Genuss wichtiger ist als seine Gesundheit, dann ist das eine Sache – es ist sein Leben, sein Körper. Etwas anderes ist es hingegen, wenn er sich einredet, dass seine schlechte Angewohnheit ihm nicht schadet, wenn er sich selbst etwas vormacht. Etwas völlig anderes wiederum ist es, wenn er nicht nur sich selbst sondern auch andere belügt. Wenn er leichtgläubigen Menschen aus vollkommen egoistischen Motiven heraus einen vorzeitigen Tod und langjähriges Elend verkauft. Diesen Leuten reicht es nicht, für sich selbst eine riskante Entscheidung zu treffen, sie wollen die gesellschaftliche Wahrnehmung ändern, damit sie in ihrer Entscheidung bestätigt werden: «Das Problem liegt nicht bei mir, die Gesellschaft ist falsch». Sie belügen sich selbst, sie belügen Andere und wollen von diesen wiederum auch belogen werden.

Es wird generell abgelehnt, Anstrengungen zum Abnehmen zu unternehmen, und das wird mit einer Vielzahl fehlerhafter Argumente begründet: Eine unseriöse Diätindustrie scheffelt Geld mit ihren Produkten? Dann muss Abnehmen der falsche Weg sein! Jemand bringt sich um, weil er wegen seines Übergewichts gemobbt wird? Dann muss Abnehmen der falsche Weg sein! Beim Abnehmen besteht die Gefahr, magersüchtig zu werden? Dann muss Abnehmen der falsche Weg sein! Man kann überhaupt nicht sagen, ab wann genau man übergewichtig ist? Dann muss Abnehmen der falsche Weg sein! In unserer modernen Gesellschaft sind die Menschen zum einen öfter fett, zugleich aber haben wir eine enorm hohe Lebenserwartung wie noch nie in der Geschichte vorliegen? Dann muss Abnehmen der falsche Weg sein!

Um diese Punkte im einzelnem durchzugehen:

Als «Schlangenöl» bezeichnet man mitunter teure aber wirkungslose Medizin. Wenn einem ein windiger Geschäftemacher Schlangenöl gegen ein Zipperlein verkauft, heißt das aber nicht, dass dieses Zipperlein nur Einbildung ist. Ähnlich verhält es sich mit der unseriösen Diätindustrie.

Ein weiterer Fehler, der von Fettbewegten begangen wird, ist, nicht zu unterscheiden zwischen hänselnden Klassenkameraden und dem Arzt, der eine Diagnose stellt. Natürlich: Es ist falsch, Menschen zu mobben, noch dazu für etwas, was nur schwer zu überwinden ist. Aber Ärzten zu unterstellen, sie würden sich daran beteiligen, ist genauso falsch.

Was die Gefahr der Magersucht angeht, bemühe ich das schöne deutsche Sprichwort: «Die Dosis macht das Gift.» Das gilt z.B. für viele Medikamente, die überlebensnotwendig sein können, aber in zu hoher Dosierung gefährlich werden. Weiteres Beispiel: Salz. Der Körper braucht Salz zum Überleben. In zu hoher Dosierung aber wirkt es tödlich. Die Gefahr im Rahmen einer Diät magersüchtig zu werden, sagt nichts darüber aus, ob Übergewicht gesundheitsschädlich ist – was es ist.

Bei dem nächsten Fehlschluss handelt es sich um eine Kontinuumfehlschluss: Nur weil sich keine genaue Grenze ziehen lässt, da die Übergänge fließen sind, man also nicht klar sagen kann, ab wann genau ein bestimmter Zustand vorliegt, heißt das noch lange nicht, dass dieser Zustand nicht real sein kann. Nur weil man nicht ganz genau sagen kann, ab wieviel Alkohol pro Woche man ein Alkoholiker ist, heißt das nicht, dass es die Alkoholkrankheit nicht gibt. Dasselbe gilt für Übergewicht.

Der letzte Punkt ist der weit verbreite Fehler, wonach eine Korrelation mit einer Kausalität gleichgesetzt wird. In unserer Gesellschaft tritt sowohl Übergewicht als auch höhere Lebenserwartung auf. Das ist eine Korrelation, aber keine Kausalität, denn würde letztere vorliegen, würden Übergewichtige keine geringere Lebenserwartung aufweisen, was aber der Fall ist. Wir haben eine hohe Lebenserwartung vorliegen trotz und nicht wegen des verbreiteten Übergewichts.

Ein Begriff, der im Umfeld der Fettbewegten auftritt, ist «Körpervielfalt». Dieses Wort: «Vielfalt» ist ein Blendwort. Alles, was mit ihm etikettiert wird, soll irgendwie gut, schön, progressiv, erstrebenswert sein. Auch an den Universitäten, wo man mehr und mehr Wert legt auf «Vielfalt», also zunehmend auf Geschlecht, Hautfarbe etc. achtet, und weniger, ob jemand auf seinem Gebiet kompetent ist, führt diese Politik nicht zu einem Aufleben sondern zu einem Niedergang der Wissenschaften. Verräterisch auch, dass bis auf das Skelett runtergehungerte Magersüchtige nicht ebenfalls unter «Körpervielfalt» erfasst werden. Hier ist man sich bewusst, dass es sich um eine schwere, mitunter tödliche Erkrankung handelt. Übergewicht hingegen wird mit diesem Modewort verherrlicht, denn man solle sich in «Körperakzeptanz» üben – ein weiteres Blendwort. Mit diesem Schlagwörtern soll unterbunden werden, dass man die nüchternen Fakten auf den Tisch legt, nämlich, dass Übergewicht unästhetisch und ungesund, ja tödlich ist – und dieses Aussprechen der simplen Wahrheit ist keine Diskriminierung. Ja: Fat-Shaming, das Mobben von Übergewichtigen ist falsch und asozial. Aber nur weil es solche Arschlöcher gibt, sollte man nicht in einer Trotzreaktion damit anfangen, Übergewicht geradezu zu glorifizieren: «Wir sind magisch!»

Der Wahnsinn hat System: Es gibt inzwischen eine ganze Bewegung, die in diese Lügen eingeschworen ist, wobei man sich auf die Body-Positivity-Initiative bezieht, welche im 19. Jahrhunderten ungesunde Schönheitsideale bei Frauen überwinden wollte. Heute hingegen will man unter demselben Label ungesundes Gewicht als eine neue akzeptierte Norm etablieren. Taucht man tiefer in dieses Denken ein, tun sich Abgründe auf: Es wird generell geleugnet, dass Übergewicht gesundheitsschädlich sei; Alkohol und Zucker gelten als gleichwertige Alternativen zu Gemüse und Vollkornprodukten; Prominente wie Adele, die erfolgreich abnehmen, sind massivem Cybermobbing ausgesetzt; Ärzte, die nur ihren Job machen und Übergewicht bei ihren Patienten ansprechen, werden als «massiv übergriffig» angefeindet; die Diskussionskultur ist nicht nur miserabel, sie existiert schlicht nicht: Eine Fettbewegte darauf angesprochen, dass Übergewicht gesundheitsschädlich sei, entgegnet, was mit der alltäglichen Diskriminierung von Fetten sei; Kritik ist grundsätzlich Hass, ja Faschismus und natürlich fettfeindlich; generell lebe man in einer «Diätkultur» welche ein Vehikel von Kapitalismus und Patriarchat wäre, was heißt: Das Problem läge nicht bei einem selbst, sondern das System wäre unterdrückerisch bzw. «komisch».

Es lohnt sich, beim letzten Punkt länger zu verweilen. Eine Fettbewegte sagte dazu in einer Talkshow (in freier Rede):

«Und das alles ist kein Zufall, das ist tatsächlich im Rassismus, und… mit Frauenfeindlichkeit, das ist eine Wurzel im Kolonialismus und das macht man, um Menschen runterzumachen, das sind patriarchale Strukturen»

Wir haben hier also die herrschenden Ideologien unserer Zeit versammelt und die Fettbewegung knüpft daran an. Tatsächlich lassen sich verblüffend viele Parallelen unter ihnen ausmachen. So finden sich sowohl in der feministischen, antiweißen als auch in der Fat-Positivity-Ideologie das Konzept von Schutzräumen, die als Echokammern dienen, in welchen man sich selbst bestätigt, wie unterdrückt man wäre und sich immer weiter in diesen Wahn hineinsteigert. Auch versucht man dann, diese Erkenntnisse über Sprachmanipulationen in den öffentlichen Raum zu übertragen: Wo Feministen die Sprache gendern wollen, machen Fettbewegte Begriffe wie «Übergewicht» nieder, da diese angeblich fälschlicherweise suggerierten, dieses «über» wäre gesundheitsschädlich. Alle drei Ideologien arbeiten mit festen Feindbildern, wobei gilt: Männer, Weiße und schlanke Menschen wären privilegiert. In der antiweißen Ideologie ist jeder Weiße ein Rassist, im Feminismus jeder Mann ein privilegierter Patriarch an der Macht, und analog sind in der Fettideologie schlanke fettfeindlich, ich zitiere: «du. bist. fettfeindlich.». So wie man in diesen Gedankengebäuden von «Vielfalt» spricht (wobei es sich immer um die «positive» Diskriminierung von (weißen) Männern handelt), so spricht man in der Fettideologie von «Körpervielfalt», welche in all ihren Ausprägungen als gesund zu akzeptieren wäre. Man arbeitet mit Denk- und Sprachverboten und -vorschriften: Hier soll das generische Maskulinum verdrängt werden, dort die Frage, woher man komme, und dann wiederum sollen Kommentare über das Äußere und Gewicht zu einem Tabu werden.

Es handeln sich um hermetisch abgeriegelte Weltanschauungen, die jedem Argument unzugänglich sind. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit ihnen kann ganze Bücher füllen. Nur ein Punkt zum Ende hin: Es heißt oft, dass Frauen auf ihre Erscheinung festgelegt wären, und dass sie «sexualisiert» würden. Und? Gemerkt? Man verwendet in dieser Anklage das Passiv, womit man eine Verantwortungsverschiebung vornimmt und verschleiert, dass Frauen sich aus sich selbst heraus ganz bewusst und aktiv sexualisieren, z.B. um ihren Wert auf dem Partnermarkt zu erhöhen. Allgemein nimmt man an, dass Männer unter einem wenig vorteilhaften Äußeren weniger leiden als Frauen. Dazu will ich mit einem Zitat schließen:

«Als der Psychologe Barry Glassner in einer Studie 256 nichtmuskulöse männliche Jugendliche untersuchte, stellte er fest, dass jeder einzelne von ihnen entweder Stimmungs- oder Verhaltensstörungen aufwies, die mit Minderwertigkeitsgefühlen zusammenhingen. Und eine landesweite Untersuchung der Zeitschrift »Psychology Today« an 62.000 Lesern ergab einen direkten Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und Körperbau: Je muskulöser nach eigener Einschätzung der Körper, desto größer das Selbstwertgefühl.»

und ganz aktuell haben sportliche Jungs weniger mit seelischen Krankheiten zu kämpfen.

20 Gedanken zu „«Mein Fett ist politisch»

  1. Mike Macke

    Nach dem Motto: „Wurde vieles schon gesagt, aber nicht von jedem“ könnte man hier auf Dr. Nadja Herrmann alias „erzaehlmirnix“ und ihr Buch „Fettlogik überwinden“ hinweisen.
    Dort habe ich neben den oben erwähnten Punkten auch zumindest einen Vorteil des Mannseins erfahren: Männer haben einen höheren Grundumsatz und dürfen daher etwas mehr (fr)essen als Frauen, ohne dick zu werden…
    Interessanterweise ist ihr Account bei WordPress nicht mehr öffentlich. Nach der Veröffentlichung des Buchs gab es Berichte über Angriffe durch „Body Positivity“-Aktivisten. Ich gehe von einem Zusammenhang aus.

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Es gab auch Angriffe von Feministen (sie hat gegen beide geschossen: Maskulisten und Feministen). Denke aus dem Grund hat sie ihren Blog geschlossen, sehr traurig und vielsagend zum Stand der Meinungsfreiheit.

      Antwort
  2. Renton

    Super Artikel.

    Ich möchte noch etwas ergänzen. Die Fat-Acceptance-Bewegung ist meines Erachtens so eindeutig auf einen weiblichen, und zwar tatsächlich praktisch ausschließlich weiblichen, Charakterfehler zurückzuführen wie kein anderer Missstand unserer Zeit.* Es handelt sich um eine fast vollkommene Kritikunwilligkeit das eigene Aussehen betreffend (wenn diese Kritik von außen kommt, versteht sich). Das Aussehen einer Frau darf nicht kritisiert werden, allenfalls von ihr sehr nahestehenden Personen. (Eine Frau selbst hat oftmals regelrecht Komplexe, was ihr eigenes Aussehen betrifft.)

    Dazu eine kleine Anekdote vom Wochenende: Auf einem Seminar habe ich mich gefragt, ob eine klar übergewichtige Frau für eine bestimmte Tätigkeit überhaupt infrage kommt, und ihr das völlig zwanglos auch direkt mitgeteilt. Sie antwortete, dass sie sich das auch frage – und schickte dennoch mit zwei Sekunden Verzögerung einen sehr bösen, unmissverständlichen Blick und eine entsprechende Bemerkung hinterher, dass ich es gewagt hatte, ihr Gewicht zum Thema zu machen, obwohl sie selbst ja den gleichen Gedanken gehabt hatte! Dieses Verhalten ist sowas von typisch für Frauen und betrifft ihr Äußeres generell, dass ich es in meinen inzwischen vierzig Lebensjahren immer nur von Frauen, und zwar seeehr vielen, und nie von Männern erlebt habe.

    Die Fat-Acceptance-Bewegung wurzelt in dieser Charakterschwäche. Ginge es um das Übergewicht von Männern, wäre Fat Acceptance kein Thema, denn Männer (in der Breite 😉 ) kämen nie auf die Idee, sich Kritik (bzw. das bloße Erwähnen eines Umstandes!) derartig zu verbitten.

    *Womit ich auch sagen möchte, dass Frauen selbstverständlich nicht (allein) an allem schuld sind, was ich doof finde.

    Antwort
  3. Sabrina Seerose

    Übergewicht ist für beide Geschlechter zunehmend ungesund.
    Trotz geringerem Grundumsatz, und womit die gesteigerte Gefahr besteht, zu viel zu essen, haben wir derzeit in Deutschland prozentual gesehen aber mehr übergewichtige Männer als Frauen.

    Ich kenne Übergewicht als Folge von „Frustfressen“ aus meiner Jugend, und weiß, wie unwohl ich mich damit gefühlt habe. Mit zielgerichteter Disziplin habe ich innert weniger Monate 35 Kilo abgenommen, und bin seither superschlank mit einer tollen Figur, fühle mich im Vergleich zu früher ganzheitlich wohl, und verfüge über einen optimalen Gesundheitszustand, und damit einhergehend einer top-Kondition.
    „Mein Fett“ war nicht politisch, sondern ein individuelles Poblem.
    Und da ich Menschen mit ausgeprägtem Übergewicht auch nicht „politisch“ wahrnehme, sondern als individuell betroffene Menschen, so wie ich „damals“, kann ich auch nur mein subjektives Empfinden wiedergeben, wonach diese auf mich alles andere als „attraktiv“ wirken.

    Antwort
  4. beweis

    Fettbewegte – was ein geiler Begriff. Erinnert mich an die asynchronen Bewegungen, die übermäßiges Fett bei körperlicher Aktivität verursacht.

    Ich denke, das ist genau der neuartige Grundmechanismus, mit dem wir es zunehmend in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu tun haben: Das zentrale Kriterium für die Bewertung von Taten ist nicht, was objektiv geschieht und faktisch passiert ist – sondern was jemand, der sich als Betroffener definiert, durch das Agieren anderer Personen empfindet.
    Damit wird es komplett willkürlich, weil eine vollschlanke Qualle sich zum Beispiel plötzlich diskriminiert fühlt, wenn ihr jemand sagt: „Ich mag deinen Körper“.
    Ich habe mal in einer Talkshow vorbeigezappt, da saß so ein Ungetüm und beschwerte sich darüber, dass beim Daten immer nur Fettfetischisten auf sie anspringen würden. Das sei so fies, diskriminierend und ungerecht.

    Das Problem ist also, dass jede, die einen Opferstatus für sich festgeschrieben hat, permanent von übergriffigen Tätern umgeben ist, auch wenn keiner etwas Gemeines tut oder tun möchte. Das ist bei Fetten, bei Feministen, bei Andersfarbigen der gleiche Mechanismus. Die Objektivierbarkeit, die Vergleichbarkeit der Geschehnisse spielen keine Rolle mehr – jedes gefühlte Opfer zieht seine eigene rote Linie und ist nur noch umgeben von Mikroaggressionen. Die subjektive Empfindung steht alleine im Vordergrund. Bist du frustriert und unzufrieden mit dir selbst – dann sind die anderen schuld.

    Das ist eine neuartige Infantilität, die zum Maßstab des gesellschaftlichen Diskurses wird. Jeder wird zu irgendeiner Art Täter, ohne das überhaupt zu merken.

    Antwort
      1. beweis

        Genau diesen Mechanismus meine ich, vielen Dank.
        Wenn du als weißer Mann irgendwo hingehst und sagst, du empfindest es als komisch, dass du als Erzieher in der Kleinkindgruppe des Kindergartens pauschal nicht wickeln darfst, weil du ein Mann bist, dann sagen sie dir, das sei halt so. Die von dir empfundene Diskriminierung und Mikroaggression interessiert kein Schwein. Selbst wenn du dich an diesem Punkt zum Opfer stilisiert, interessiert es niemanden.
        Warum aber ist das bei Frauen, Andersfarbigen, Fettleibigen (Frauen) anders?

        Frauen haben schlicht die Bestimmungshoheit erlangt. Welche Gattung von Mensch sich diskriminiert und Schmerz fühlen darf, wird vorab festgelegt. Und da stehen ganz oben die Frauen. Wenn sie zusätzlich andersfarbig, behindert, fett oder PMS-durchgeschüttelt sind, dann erhöht das eher noch den Nimbus der immer und überall Unterdrückten.
        Warum erfährt man nichts von ganz konkret benennbaren dunkelhäutigen Männern und ihrer Diskriminierungserfahrung in Guinea, Tansania, Südafrika oder hier? Sie sind immer nur subsummiert unter die rassistisch und kolonialisitisch unterdrückten Nicht-Weißen. Diese männlichen Opferriten auf Social Media gibt es schlicht nicht. Warum gelten die afghanischen Männer in ihrem Land als so böse, dass man alle Frauen evakuieren muss, bei uns als Flüchlinge plötzlich als lieb?

        Ich gehe davon aus, dass der Feminismus im Einklang mit dem Großteil der Frauen vorgibt, wer sich als Opfer fühlen darf und als Opfer gesellschaftlich akzeptiert wird. Sie haben die Bestimmungshoheit über das Opfersein erlangt. Das Opfersein ist gleichwohl ein immer dominanterer Aspekt im gesellschaftlichen Miteinander geworden.

        Seitdem ich diesen Mechanismus erkannt habe, sind plötzlich all diese für viele komplett irre und unverständlich erscheinenden „woken“ Regungen in Social Media und dem Rest der Welt schlüssig und nachvollziehbar geworden.

        Die Irrationalität gewinnt eine nachvollziehbare Struktur.

        Antwort
  5. Gendern, bis der Arzt kommt

    Diese narzißtisch-relativistischen Opferargumentationen findet man übrigens auch beim Thema Homosexualität. Auch Transsexualität. Jede Kritik, jedes Erwähnen von Fragwürdigkeiten wird als Majestätsbeleidigung aufgefaßt.

    Dabei gibt es nun mal deutliche Indizien dafür, daß Homo- und Transsexualität auf sexuellen Mißbrauch und andere traumatische Kindheitserfahrungen zurückführbar sind. Darüber muß man diskutieren können. Auch über andere negative Begleiterscheinungen von Homosexualität.

    Auch bei Body Positivity versucht man eine offensichtliche Pathologie zu normalisieren, zu naturalisieren. Es ist das exakt gleiche Muster, und ich würde mich freuen, wenn das immer mehr Menschen begreifen und sich nicht von „Homophobie“-Vorwürfen einschüchtern lassen.

    Jeder darf gerne fett, schwul oder trans sein. Aber man muß in einer modernen Gesellschaft auch über die Schattenseiten reden dürfen.

    Antwort
  6. PfefferundSalz

    Immer wieder erstaunlich, 60-70% aller Deutschen sollen ja Übergewichtig sein. Ich muss zugeben, dass ich solche Menschen nicht einmal wahrnehme. Einen Baum, ein Auto, einen Hund all das nehme ich wahr und kann mich daran erinnern, aber wenn ich versuche mir eine dicke Person die ich ja bei einem Anteil von 70 täglich zu dutzenden auf der Straße sehen müsste, dann ist mein Kopf leer und das ist nicht erfunden oder eine Polemik. Erinnert mich irgendwie an eine Black Mirror Folge, bei der Leute, die unerwünscht sind, einfach von der VR-Brille ausgeblendet werden. Geht es jemand anderes auch so?

    Antwort
    1. Renton

      Joah, ich glaube, bei mir ist es auch so. Die Statur ist generell eher nichts, was mich interessiert. Ich könnte daher nicht sagen, ob der Postbote vor der Tür heute übergewichtig war, oder der Gast in der Pizzeria, oder der Pizzabäcker (den ich sogar schon oft gesehen habe). Ich erinnere nur, dass es Männer waren, und noch halbwegs das Alter. Alles andere ist äußerst vage. Ich könnte auch die Gesichter nicht beschreiben.

      Antwort
    2. Gendern, bis der Arzt kommt

      Da hast du offenbar ein Repräsentationsdefizit. Mir ist erst gestern eine sehr adipöse Frau im Auto aufgefallen, wo ich explizit auch an deren mitleiderregendes Übergewicht gedacht habe.

      Schau dir Laschet, Scholz, Altmeier, Merkel, Gabriel, Söder und wie sie alle heißen an. Die haben alle Übergewicht.

      Es gibt sie, die Übergewichtigen, nur achtest du zu wenig drauf. Und außerdem werden sie sich tendenziell weniger in der Öffentlichkeit bewegen. Übergewicht ist im normalen Alltag auf der Straße einfach eine unwichtige Information. Was auch an der Omnipräsenz liegt. An einen Neqer würdest du dich sicherlich besser erinnern.

      Antwort
    3. Marc

      Das hat aber auch mit der fehlenden Unterscheidung zwischen übergewichtig und adipös zu tun. Ich bin 191cm groß und wiege 93kg – damit gelte ich laut BMI als übergewichtig, obwohl ich schon mein ganzes Leben viel Sport mache und praktisch alle Wege mit dem Rad zurücklege und mein Gewicht sicher keine Auswirkung auf meine Lebensqualität und meine Lebenserwartung hat.

      Etwas(!) Übergewicht haben viele (Und das muss gar nichts schlechtes sein, dient zB im Krankheitsfall als Reserve.), aber Du würdest diese Menschen nicht als übergewichtig erkennen, sondern als normal. Aber in der Statistik tauchen sie eben als übergewichtig auf.

      Antwort
  7. Morris

    Das Lustige an der Fettbewegung ist ja, die sind meist zu fett, weil sie sich zu wenig bewegen. Das wäre dann vielleicht die erste Bewegung, die sich zu wenig bewegt.

    Ich habe ja jetzt mit Ende 50 auch etwas Bauch und da sagt doch eine Kollegin, die gefühlt das Doppelte wie ich wiegt zu mir: „Na, Du hast ja auch ganz schön zugenommen.“ Und das zu jemandem, der sich noch nie persönlich über jemanden Figur lustig gemacht hat. Jedenfalls bei keiner Frau.

    Antwort
      1. Marc

        Wie würde die „Kollegin, die gefühlt das Doppelte wie er wiegt“ Deiner Meinung nach auf einen solchen Kommentar reagieren?

        Ausserdem lese ich aus Morris‘ Kommentar keinen Wunsch nach einem Verbot ihres Kommentars, sondern die Verwunderung über die offensichtlich komplett abwesende Selbstreflektion der Kollegin.

        Antwort
      2. Morris

        Natürlich darf sie meine Figur kommentieren. Es ist eben nur etwas verwunderlich, wenn eine der dicksten Frauen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, mir vorwirft, ich hätte zugenommen. Ist ja jetzt nicht so, dass ich das nicht auch merke. Ich bin ja im Gegensatz jemand, der die Figur anderer Leute eher nicht anspricht. Wenn ich mal einen blöden Spruch mache, dann nur zu jemandem, den ich gut kenne und der darüber lachen kann.

        Antwort
        1. Renton

          Ich glaube, ich verstehe jetzt. Sie hat nicht einfach nur festgestellt, dass Du zugenommen hast, sondern es despektierlich kommentiert. Das war mir nach Deinem ersten Kommentar noch nicht klar.

          Dann gilt natürlich: Wer im Glashaus sitzt, sollte keine Elefanten werfen. Meist fallen sie direkt vor einem auf den Boden, mit nur dem eigenen Fuß als Dämpfer dazwischen.

          Antwort

Kommentar verfassen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s