Let Me In (2010)

Let Me In ist ein Film, der ohne den Empathygap gegen Männer nicht funktionieren würde.

Es geht um einen Vampir, wobei dies-er Vampir aber die Erscheinung einer Teenagerin hat, und für diese müssen dann andere sterben, damit sie weiterleben kann. Der Film spielt intelligent mit dem Dilemma, das sich für den Zuschauer auftut: Ist es in Ordnung, dass Blutlieferanten ihr Leben lassen müssen, damit die Kleine weiterleben kann? So wird gezeigt, wie brutal und hart es für den Helfer der Vampirin ist, auf Menschenjagd zu gehen, um ihr den Lebensnektar zu beschaffen. Dabei geht der Film aber nicht weit genug, was schade ist: So wird keine Frau zum Abzapfen getötet, womit man den Zwiespalt in dem Spiel „Wer darf leben, wer muss sterben, und was kümmert es mich?“ auf die Spitze getrieben und den Zuschauer noch drastischer in die moralische Zwickmühle genommen hätte. Eine Chance, die der Film versäumt hat.

So sterben eben „nur“ Männer, damit die Teenagerin überleben kann. Wie sagte schon John Hartigan? „Ein alter Mann stirbt, ein junges Mädchen lebt. Fairer Tausch.“ Der ganze Film würde nicht funktionieren, gäbe es keinen Empathygap gegen Männer. Er würde nicht funktionieren, wenn andere junge Mädchen sterben müssten, um den Blutdurst zu befriedigen, und er würde auch nicht funktionieren, wenn die Vampirin ein ausgewachsener Mann wäre. So einem würde man es nicht verzeihen, wenn er töten würde: Das Urteil, dass vielmehr er selbst sterben müsste wäre sonnenklar, wie es eigentlich auch bei der kindlichen Vampirin sein müsste, aber hier regt sich Mitleid, Mitgefühl – Empathie eben, da es keinen Empathiegap gegen kleine Mädchen gibt.

Aufgrund äußerlicher Merkmale – jung, weiblich – kann man darüber hinwegsehen, dass die Protagonistin im Grunde einfach nur ein Mörderin ist. Hier junge Frau, dort weißer Mann, letzterer ist leicht zu opfern.

Guter Film, kann man sich ansehen – ich habe nur wenig gespoilert.

2 Gedanken zu „Let Me In (2010)

  1. Renton

    Übrigens ist auch dieser Film nur ein Hollywood-Abklatsch eines ausländischen Originals.* „Låt den rätte komma in“ bzw. „So finster die Nacht“ auf deutsch hatte mir damals (2008) sehr gefallen. Der Film hatte ein ungewohnt-angenehm ruhiges Erzähltempo. Damals hatte ich noch keinen maskulistischen Blick auf Filme, aber ich glaube, der Fokus lag nicht auf einem moralischen Dilemma, sondern auf der Beziehungs/Liebesgeschichte zwischen dem Jungen und der Vampirin. (Welche übrigens nicht unbedingt ein Mädchen war, der Film ließ das im Ungewissen. Ich erinnere mich noch: „Jag är ingen flicka“, zu deutsch „Ich bin kein Mädchen“, konnte das Geschlecht wie das Vampirdasein meinen. Herrliche Zeiten, als so etwas nebenbei und ohne missionarischen Eifer erzählt wurde.) Ich empfehle diesen Film, und sei es nur zum Vergleich, fast uneingeschränkt, nur mit der kleinen Anmerkung, dass es a. ein bisschen Horror ist – Vampirfilm halt – und b. definitiv nichts für 08/15-Hollywoodkonsumenten, denen Spezialeffekte alles und eine gute Geschichte nichts bedeuten.

    Trivia: Roxette hatte extra für den Film ein neues Lied im Stil der 80er geschrieben (der Film spielt in den 80ern).

    *Ein weiterer Beleg, dass mein Vetter Feminismus-Renton öfter recht hat, als einem lieb sein kann.

    Antwort

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