Er hat sie sitzen lassen…

Die Mehrheit aller Trennungen geht auf Frauen zurück. Verständlich, schließlich ist sie es, die reiche Beute macht mit Kindern und Unterhaltsansprüchen, die sie dann als Alleinmächtige erwirbt. Moralisch verurteilt wird sie dafür nicht. Anders der Mann, wenn er es ist, der die Beziehung aufkündigt. Das wusste schon Goethe: Die Gründe einer Frau, zu gehen, sind immer gültig, die eines Mannes nie. Eine Frau befreit sich, ein Mann lässt sitzen.

Über Männer, die eine Ehe verlassen, heißt es, er habe sie „sitzen lassen“. Dass er damit massive Nachteile in Kauf nimmt – Unterhaltspflicht, Verlust der Kinder – wird dabei unterschlagen. Wenn man aber diese berücksichtigt, ist er nur umso verwunderlich, dass er die Beziehung beendet, womöglich, um zu einer jüngeren zu gehen, wie es in der Anklage empört heißt.

So? Er ist also gegangen? Warum denn dieses? Kann es vielleicht sein, dass er in „seiner“ Familie nur ein Fremder war, eine Diagnose, wie sie bereits Esther Vilar für viele Familien traf? Dass er in ihr keine Liebe, Geborgenheit und Nestwärme fand? Denn wenn er geliebt wurde, wäre er sicherlich nicht gegangen. Mit dem Altwerden wird er sich ausgerechnet haben, dass er nur noch einige wenige gute Jahre hat, die er dann lieber nicht in der Kälte einer Familie zubringen will, in der mehr geduldet als geliebt wird.

2 Gedanken zu „Er hat sie sitzen lassen…

  1. Sepp

    Du hast so recht 🙂

    Ich erinnere mich in der letzten Beziehung sehr oft an Aussagen wie „es wäre sehr schlimm wenn du mir das Herz brichst“ oder auch von einer Freundin „wenn du ihr weh tust, bekommst du es mit mir zu tun“.

    Schluss gemacht hat dann sie…

    Unter manchen Frauen herrschen da ganz extreme Doppelstandards. Unter manchen, denn in meiner aktuellen Beziehung habe ich soetwas noch nie gehört. Da heißt es eher “ gemeinsam“.

    Antwort

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