Ich Trampel

Ich bin tief in der Genderszene unterwegs und das heißt, dass für mich vieles „normal“ ist, was andere gar nicht auf dem Schirm haben. Trans- und Intersexuelle bin ich gewohnt, ich merke nicht mal bei „schwulen Mädchen“ auf, mir ist vieles bekannt und auch vertraut. Da aber gefühlte 99% der Menschen nach wie vor eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können, ist für die meisten all das Gendergedöhns etwas exotisches. Sie beschäftigen sich nicht jeden Tag mit der Existenz ihrer Merkwürdigkeiten und den daraus abgeleiteten Theoremen, wonach deren Existenz beweise, dass Mann und Frau nicht existieren. Ich bin das Thema gewohnt, ich lese, schreibe und spreche darüber.

Dann aber bin ich mal einer Frau begegnet, der gegenüber ich mir einen Fauxpas leistete, für den ich mich heute noch ohrfeigen konnte. Jedenfalls sah sie schon unweiblich aus, verschärfend kam hinzu, dass sie ihre Haare kurz trug. Ich gelangte zu einer Einschätzung und lag damit falsch als ich sie fragte, ob sie inter- oder transsexuell wäre. Sie reagierte gar nicht, bzw.: Auch keine Antwort ist eine Antwort: Ihre Mimik erstarrte, sie drehte sich um und ging einfach weg. Ich merkte aber, dass sie tief getroffen war.

Das, was Genderisten als die Glückseligkeit einer von der „heteronormativen Matrix“ befreiten Zukunft verkaufen wollen, ist für die meisten der blanke Horror. 99% der Menschen fühlen sich wohl mit ihrem Geschlecht und für die durchschnittliche Frau wie dem durchschnittlichen Mann ist es nicht im geringsten erstrebenswert, nicht auf den ersten Blick als Frau oder Mann erkannt zu werden. Im Gegenteil dürfte das für die meisten einfach nur schrecklich sein. Da ich mich zu tief auf das ganze Gendergedöhns eingelassen hatte, ging mir dieses Verständnis verloren – wofür ich mir selbst in den Hintern treten könnte.

8 Gedanken zu „Ich Trampel

  1. Billy Coen

    Prust!!! Alter, Uepsi, wie kommst du überhaupt auf die Idee, jemandem, den du offensichtlich nicht mal genauer kennst, solch eine Frage zu stellen? Deine in der Überschrift niedergelegte Selbsterkenntnis scheint mir zutreffend… 😉 😛

    Deine Schätzung mit 99 % ist hingegen wohl noch seeehr konservativ angesetzt. Ich denke, dass da noch die eine oder andere 9 hinter das Komma gehört, denn selbst Transsexuelle, welche schon sehr selten sind, legen ja eben sehr großen Wert darauf, einem der beiden Geschlechter zugeordnet zu werden, nur eben nicht dem, welchem sie anatomisch angehören.

    Menschen, die tatsächlich psychisch / von der neuronalen Prägung her inter / nonbinär sind und es nicht, wie etwa mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit eine Hengameh Yoghibärsfahrrad, nur als Monstranz zur Selbstdarstellung vor sich hertragen, sind eine wirlich absolut verschwindend geringe Randerscheinung.

    Antwort
  2. weiss_auch_nicht

    Huch!
    Der Peanuts von heute (ursprünglich wohl aus den achtzigern):

    Peppermint Patty hatte diese Probleme schon lange vor unser schrägen Zeit.

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  3. Renton

    Hihi, ich habe mir mal einen ähnlichen Fauxpas geleistet. Ich hatte im Fernsehen kurz in eine Reportage über Röcke für Männer gezappt, neue Mode oder so. Als ich kurz darauf in einem Einkaufszentrum einen ziemlich dicken Mann mit grauem Rock sah, sprach ich ihn unverdrossen darauf an: „Sind das diese neuen Röcke für Männer?“ Was soll ich sagen, als mein Gegenüber mir antwortete, merkte ich erst, dass es einfach nur eine dicke, verhärmte Frau mittleren Alters war – die Gesichtszüge von Männern und Frauen gleichen sich mit zunehmendem Alter und Körpergewicht halt immer mehr an. Zum Glück hatte sie mich nicht richtig verstanden, oder dachte das zumindest, und ich konnte schnell abwinken und mich verdrücken 😉

    Antwort
    1. beweis

      Aber wie kamst du bei den angeglichenen Gesichtszügen plötzlich darauf, dass es sich um eine (als solche zu lesende) Frau handelte? Hast du dich etwa an den Brüsten orientiert? Hätten doch auch Biertitten sein können.

      Antwort
  4. beweis

    Wenn ich das richtig verstanden habe, sollen gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, nach denen es verboten wird, eine Transperson als solche zu outen, also jemandem Dritten deren ursprüngliches (oder voriges) Geschlecht zuzuflüstern.

    Was würde das für einen wie mich bedeuten, der homophob ist? Nein, ich habe gar nichts gegen Schwule oder Lesben, habe gute Freunde, eine lesbische Mutter und befürworte uneingeschränkt, dass die das genauso leben wie ich meine immer schwieriger werdende Heteronormativität.

    Ich bin einfach nur als Kind und Jugendlicher von Männern sexuell angegangen worden, sodass ich im Rahmen meiner Sexualität nichts mit fremden Penissen zu tun haben möchte. Das ist meine Homophobie – es reaktiviert schlicht Ängste und Unangenehmes aus meiner Kindheit und Jugend.

    Dass diese Homophobie etwas Böses sein soll, irritiert mich schon länger, denn ich halte es für mein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, dass ich das nicht möchte.

    Nunmehr komme ich in die Situation, dass ich auf einer Party vielleicht eine Frau auf meiner Wellenlänge kennenlerne, deren Gesicht und Statur mich anmacht. Ein Freund von mir stellt uns einander vor. Wir kommen uns näher und beschließen, in die Kiste zu hüpfen.

    Nun darf mein Freund mir strafbewehrt nicht mehr zuflüstern, dass ich in der Kiste einen Penis und zwei Überraschungseier vorfinden werde? Er darf mich nicht warnen?

    Wer oder was ist denn hier krank?

    Antwort

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