Will Russland Krieg?

Folge man den Qualitätsmedien, vollzieht Russland eine Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze. Folgt man dem russischem Medium „Russia Today”, sieht die Sache etwas anders aus:

Um die bisherige Situation zusammenzufassen: Amerikanische Medien beschuldigen Russland, eine Invasion der Ukraine zu planen, und führten als Beweis die Existenz einer Garnison an, die sich 260 Kilometer nördlich der russisch-ukrainischen Grenze befindet. Kiew schloss sich dieser Argumentation an. Die USA und die NATO äußerten große Besorgnis über diesen „Aufmarsch“ und stellten fest, dass Russland „demnächst“ in die Ukraine einmarschieren könnte.

Die USA drohten daraufhin, dass „alle Optionen auf dem Tisch“ seien, bevor man klarstellte, dass nur Wirtschaftssanktionen in Betracht gezogen würden. Der Chef der NATO unterstrich, nachdem er die Besorgnis der USA über Russlands aggressive militärische Haltung zum Ausdruck gebracht hatte, die Realität, dass die Militärallianz, die Ukraine nicht verteidigen könne, sollte Russland einmarschieren, da sie kein Mitglied des Bündnisses sei. Kurz gesagt, die NATO wird die Ukraine nicht vor einer russischen Invasion verteidigen, die nur in den Köpfen der Ukraine, der USA und der NATO existiert.

Will Russland Krieg? Oder doch das Imperium? Meine Vermutung: Die NATO will expandieren.

23 Gedanken zu „Will Russland Krieg?

  1. Adrian

    „Will Russland Krieg?“

    Nein. Russland würde es natürlich vorziehen, sich die ehemaligen sowjetischen Mitgliedsstaaten auch ohne Krieg einzuverleiben.

    „Meine Vermutung: Die NATO will expandieren.“

    Möglich, aber zumindest entscheiden über eine Expansion der Nato die jeweiligen Staaten.

    Antwort
    1. Renton

      „Russland würde es natürlich vorziehen, sich die ehemaligen sowjetischen Mitgliedsstaaten […] einzuverleiben.“

      Russland geht es um Sicherheitsinteressen, nicht um Expansion. Wenn es Russland um Expansion ginge, hätte es
      – 2008 im Kaukasuskrieg Georgien besetzt halten können, anstatt sich wieder zurückzuziehen,
      – 2014 beim Putsch in der Ukraine nicht nur die Krim, sondern entweder die ganze Ukraine oder wenigstens
      – den Donbass sich einverleiben können.

      Russland hat, seit Putin an die Macht kam, dem Westen immer wieder die Hand ausgestreckt und Kooperation angeboten. Der Westen hat diese Angebote ausgeschlagen und sich überall auf der Welt gegen russische Interessen gewandt. Zusätzlich haben sie in Gestalt der Amerikaner einen Rüstungsbegrenzungsvertrag nach dem anderen gekündigt und ihre Waffen und Abwehrsysteme – die zwar Abwehrsysteme heißen, aber einen Angriff möglich machen, weil sie die russische Zweitschlagskapazität bedrohen – immer näher an der russischen Grenze stationiert. Als i-Tüpfelchen haben unzählige westliche Politiker (und auch Medien) seit Jahren rhetorisch ein Feindbild Russland/Putin aufgebaut.

      Vor diesem Hintergrund ist auch Dein Satz „zumindest entscheiden über eine Expansion der Nato die jeweiligen Staaten“ zu betrachten. Natürlich ist es das Recht eines jeden Staates, Bündnisse mit anderen Staaten einzugehen. Aber es ist absolut verständlich, dass Russland sich von diesem speziellen Bündnis und seiner Erweiterung bedroht fühlt, und dem entgegenarbeitet. Die Schuld daran trägt der Westen, obwohl er sie natürlich Russland zuschieben möchte. In der Gleichung „actio = reactio“ steht der Westen auf der linken Seite.

      Antwort
        1. Renton

          Laut den Propagandisten der ARD nein .

          Da unsere großartigen Politiker dem ÖR ein Goldfischgedächtnis mit einer Erinnerungsdauer von einem Jahr vorgeschrieben haben, hier die wesentlichsten Abschnitte:

          „Über frühere mündliche Versprechen, dass sich die NATO nicht nach Osten ausdehne, hätten die westlichen Partner sich hinweggesetzt… behauptet Putin seit Jahren.“

          „Wesentlich für die Behauptung einer Zusage an die Sowjetunion sind Gespräche im Februar 1990 zwischen dem damaligen US-Außenminister James Baker und Staatschef Michail Gorbatschow. Einem Memorandum zufolge sagte Baker damals: Die Amerikaner hätten verstanden, dass für die Sowjetunion und andere europäische Länder Garantien wichtig seien für den Fall, dass die USA ihre Präsenz in Deutschland im Rahmen der NATO beibehalten würden, „sich die gegenwärtige Militärhoheit der NATO nicht ein Zoll in östlicher Richtung ausdehnen wird“. Gemeint war jedoch das Gebiet der DDR – an eine NATO-Mitgliedschaft von Staaten des 1990 noch bestehenden Warschauer Paktes war damals nicht zu denken.“

          „Putin verwies in München auf eine Aussage des damaligen NATO-Generalsekretärs Manfred Wörner am 17. Mai 1990: „Schon die Tatsache, dass wir bereit sind, die NATO-Streitkräfte nicht hinter den Grenzen der Bundesrepublik Deutschland zu stationieren, gibt der Sowjetunion feste Sicherheitsgarantien.“ Auch hier war das Gebiet der DDR gemeint. Das wird an einem weiteren Satz Wörners deutlich, den er danach sagte: „Wir könnten uns eine Übergangszeit vorstellen, in der eine verringerte Anzahl von Sowjettruppen in der heutigen DDR stationiert bleiben… Bundeskanzler Helmut Kohls damaliger außenpolitischer Berater Horst Teltschik erklärte später einem Arbeitspapier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik zufolge, es sei damals über den Übergangsstatus für das Gebiet der DDR und Berlins verhandelt worden, solange noch sowjetische Truppen dort stationiert waren. Zu keiner Zeit sei es um eine Erweiterung der NATO über Deutschland hinaus gegangen.“

          Rein formal könnte die ARD-aktuell-Redaktion damit wohl recht haben. Allerdings:

          „Gorbatschow selbst zitierte mehrfach die Worte, wonach sich die NATO keinen Zentimeter nach Osten bewegen würde, so auch in einem Interview mit der „Bild“ im Jahr 2009. Fünf Jahre später sagte er im ZDF jedoch, es sei 1990 um das Territorium der DDR gegangen. Eine NATO-Expansion sei damals nicht diskutiert worden: „Der Warschauer Pakt existierte doch noch. Die Frage stellte sich damals gar nicht.“ Es sei ein Mythos, dass er vom Westen betrogen worden sei.“

          Als geübter Leser der tageschau.de-Propaganda mutmaße ich hier eine absichtliche Irreführung. Bei der Aussage im ZDF könnte es um ganz bestimmte Gespräche gegangen sein, während es bei der Aussage in der BILD um andere Gespräche ging. Leider liefert unser ÖR-Qualitätsjournalismus in gewohnter Manier keine Links zu Originalquellen, so dass man das selbst bequem checken könnte. Das Internet ist halt für uns alle Neuland /Zynismus Ich selbst habe weder das BILD-Interview noch das ZDF-Interview gefunden.

          Es ist es mir aber nicht wert, weiter danach zu suchen. Es braucht kein gebrochenes Versprechen, um zu verstehen, warum Russland sich von der NATO bedroht fühlt.

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          1. djadmoros

            Danke für die Recherche! Ich würde noch ergänzen: Die NATO ist ja im Jahre 2004 mit dem Beitritt der baltischen Länder schon bis an die russischen Grenzen expandiert. Es ist eine Sache, auf die historisch nachvollziehbaren Sicherheitsinteressen der osteuropäischen Länder gegenüber Russland einzugehen, aber eine ganz andere Sache, Russland wieder als ideologisches Feindbild aufzubauen. In Bezug auf die Ukraine ist die westliche Politik unilateral und ideologisch geworden, was in den Putsch von 2014 und eine von der ukrainischen Regierung selbst verschuldete Entfremdung der russischsprachigen Minderheit mündete. Das ist es, worum man sich in Russland Sorgen macht, nicht so sehr die Grenzen der Einflusssphären selbst.

            Antwort
      1. Adrian

        „Aber es ist absolut verständlich, dass Russland sich von diesem speziellen Bündnis und seiner Erweiterung bedroht fühlt, und dem entgegenarbeitet.“

        Natürlich ist es verständlich, dass ein autokratischer Herrscher sich bedroht fühlt, wenn ein Bündnis demokratischer Staaten Zulauf erhält. Aber respektieren muss ich das nicht.

        Antwort
        1. Renton

          In Bezug auf Russland scheinst Du auch noch den letzten Propaganda-Dreck zu glauben. Bezeichnend ist Deine Personalisierung in dieser Frage. Es geht aber um Atomraketen, die auf Russland gerichtet sind, und nicht um unsere defekten demokratischen Systeme, die sich nach Osten ausdehnen und Putins Herrschaft bedrohen.

          Die Militärdiktaturen in Griechenland und der Türkei hat die NATO-Mitgliedschaft ihrer Länder übrigens keinen Deut gestört, wie auch die NATO sich nicht an den Militärdiktaturen gestört hat. Militärbündnisse und Autokratie vertragen sich prima.

          Antwort
            1. uepsilonniks Autor

              Europa und auch Deutschland könnten viel dabei gewinnen, wenn man Russland als Freund begreifen würde. Das aber würde das Imperium nie zulassen.

            2. Adrian

              Russland ist aber nicht unser Freund. Wir können gute Nachbarn sein. Die sich grüßen. Die miteinander handeln. Miteinander Verträge schließen. Aber Russland und die russische Seele stehen außerhalb der westlichen Zivilisation.

            3. Adrian

              Nein. „Homophob“ sind auch Ungarn, Polen, Rumänien. Der Grund ist, dass es in Russland keine Kultur des Liberalismus gibt und sie sich offen gegen die Kultur des Liberalismus stellen.

            4. Renton

              Wie auch immer Du die Bedrohung mit Atomraketen mit einer guten Nachbarschaft unter einen Hut bringen willst.

            5. Adrian

              Es gibt keine Bedrohung Russlands durch Atomraketen. Aber es gibt eine Bedrohung der mittelosteuropäischen Staaten durch Russland. Diese Staaten sind Russland-Fans komischerweise immer völlig egal. Als würde hinter der Oder Moskau anfangen.

            6. djadmoros

              »Russland ist aber nicht unser Freund. Wir können gute Nachbarn sein. Die sich grüßen. Die miteinander handeln. Miteinander Verträge schließen.«

              Mit den imperialen USA verhält es sich leider auch nicht anders.

              »Aber Russland und die russische Seele stehen außerhalb der westlichen Zivilisation.«

              LOL! 😀 Wie gut, dass Du Dich mit der russischen Seele so prima auskennst!

            7. Renton

              „Es gibt keine Bedrohung Russlands durch Atomraketen.“

              Komisch. Eben hast Du noch das genaue Gegenteil behauptet.

              „Aber es gibt eine Bedrohung der mittelosteuropäischen Staaten durch Russland. Diese Staaten sind Russland-Fans komischerweise immer völlig egal.“

              Mal wieder am Strohmannbasteln? Diese Staaten waren bisher gar kein Thema, und Deine Unterstellungen sind, was mich betrifft, haltlos.

            8. djadmoros

              @Adrian:

              »Der Grund ist, dass es in Russland keine Kultur des Liberalismus gibt und sie sich offen gegen die Kultur des Liberalismus stellen.«

              Wie man derzeit beobachten kann, brauchen wir auch gar kein Russland, um diese »Kultur des Liberalismus« bei uns wieder abzuwracken. »Gelenkte Demokratie« haben wir hier jetzt auch ganz ohne autokratische Vorgeschichte.

        2. PfefferundSalz

          Die Frage ist doch eher, was Demokratie ist. Und was ich im Westen sehe sind autokratische Systeme bei denen du dir das Bild des Avatars aussuchen darfst, wie bei einem Computerspiel. Sieht dann zwar besser aus aber ist der gleiche Bullshit. Der Rechtsstaat gilt übrigens auch nur bei Bürger gegen Bürger, wobei regierende Politiker als „der Staat“ gelten und dir wegen einer „Beleidigung“ in der Größe eines Pimmels die Polizei auf den Hals hetzen können und die Wohnung durchsuchen dürfen.
          Dieser Staat ist genauso demokratisch wie der Iran, auch da darfst du wählen, aber am Ende entscheidet immer der Obermullah, wer aufgestellt werden darf. Hier machen das Bundesverfassungsgericht und Medien.

          Antwort
  2. beweis

    Ich stecke da ja nicht drin, aber:
    Wieso sollte Russland die Ukraine überfallen wollen? In der Ost-Ukraine sind die Menschen ziemlich Russland-freundlich, viele wollen zu Russland gehören. Putin lässt den Separatisten Waffen zukommen und hat natürlich nichts dagegen, wenn die das klar machen und sich ans Reich anschließen.

    Dass die an der Grenze Truppen aufziehen und Manöver durchführen, sagt nur so viel wie die letzte riesige Nato-Übung hier in Brandenburg, bei der demonstriert werden sollte, wie schnell und schlagkräftig westliches Militär an der Oder steht. Das könnte man ähnlich werten.

    Ich denke, es ist sehr attraktiv für die Nato, direkt vor der russischen Grenze in der Ukraine Stellung beziehen zu können.

    Natürlich immer nur für das Gute.

    Antwort
  3. GOI

    Hat die Nato nicht in letzter Zeit Manöver im Baltikum durchgeführt? <Br
    Sind nicht zahlreiche (amerikanische) Truppen ins Baltikum verlegt worden?
    Wohlgemerkt VOR dem russischen „Aufmarsch“….

    Die überwiegend ethnischen Russen wollen sich von der Ukraine abspalten. Das halten wir für böse. Als sich der Kosovo von Serbien losgesagt hat, haben wir es sofort anerkannt.

    Doppelte Mäßstäbe, überall …

    Antwort

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