Frauen und die Angst vorm Altern

Auf Jetzt.

die Welt ist grausam und dumm. Der Beweis: Sie hat das Konzept der MILF hervorgebracht. Also eine Bezeichnung für Frauen, die in einem Alter sind, das gemeinhin als Mütter-Alter gilt, also mindestens über 40, und – festhalten – trotzdem körperlich attraktiv sind! Wörtlich übersetzt: Die man (trotz ihres Alters) f****n würde. Aus Sicht nicht weniger Männer eine der höchsten und seltensten Auszeichnungen für eine Frau.

Frauen über 40 können nicht mehr schwanger werden, deshalb macht es aus evolutionärer Sicht keinen Sinn, dass der männliche Sexualtrieb auf dann unfruchtbare Frauen zielte – denn damit werden keine Kinder gezeugt, die das genetische Erbe weitertragen.

Und ja: Die Welt ist ungerecht. Der Beweis: Erfolglose und hässliche Männer werden von Frauen nicht mit dem Arsch angesehen, weshalb sie eine trostlos-verbitterte Existenz als Incel führen müssen und dafür noch angefeindet werden während man Frauen mit Mitgefühl begegnet.

In einer Studie der Universität von Chicago etwa wurde gut belegt, dass die Attraktivität von Gesichtszügen bei Frauen nach der Menopause von Männern als deutlich geringer wahrgenommen wird als vor der Menopause. Im Vergleich dazu war dieser Unterschied kleiner bei der Bewertung von männlichen Gesichtern der entsprechenden Altersgruppen durch Frauen. Heißt: Männer scheinen im Schnitt länger als hot zu gelten als Frauen.

Evolution. Ältere Männer können noch Kinder zeugen und die Ernährerrolle übernehmen.

Aber, wohlgemerkt: Hier ist ja auch nur die Rede von körperlicher Attraktivität – es ist damit längst nicht gesagt, dass Männer in jedem Alter 20-jährige Partnerinnen wollen.

Das Ideal ist, wenn man sich jung findet und dann das Leben bis zum gemeinsamen Familiengrab teilt. Der Mann liebt dann die ganze Persönlichkeit der Frau und nicht nur ihr Äußeres. Aber heutzutage erzählen Feministen Frauen, sie könnten die Partnersuche nach hinten verschieben und sollten sich erstmal ihrer heiligen Karriere widmen und überhaupt ist eine Frau ohne Mann wie ein Fisch ohne Fahrrad, weshalb Feministen aktiv in Familien reingehen und sie zerstören.

Während wir selbst unsere Bierbäuche vor uns her schleppen und uns dabei für George Clooney halten?

Wenn so ein Mann über Kohle verfügt wie ein George Clooney kann er sich das auch leisten. Im übrigen es es nur ein männerfeindliches Klischee, dass für bzw. bei Männern Aussehen unwichtig wäre:

«Als der Psychologe Barry Glassner in einer Studie 256 nichtmuskulöse männliche Jugendliche untersuchte, stellte er fest, dass jeder einzelne von ihnen entweder Stimmungs- oder Verhaltensstörungen aufwies, die mit Minderwertigkeitsgefühlen zusammenhingen. Und eine landesweite Untersuchung der Zeitschrift »Psychology Today« an 62.000 Lesern ergab einen direkten Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und Körperbau: Je muskulöser nach eigener Einschätzung der Körper, desto größer das Selbstwertgefühl.»

Weiter:

Oder arbeitet ihr darauf hin, euren Selbstwert komplett vom männlichen Blick unabhängig zu machen?

Das wäre dann weibliches MGTOW. MGTOW unter Männern wird übrigens von Feministen… äh… „kritisch“ gesehen.

Als ich da so vor dem Spiegel stand, krochen in mir zwei Gedanken hoch. Erstens: Der Verfall setzt ein. Zweitens: Eigentlich könnten wir auch heiraten.

Für den zweiten Gedanken schäme ich mich in diesem Kontext ein bisschen, aber er war nun mal da. Die Logik dahinter geht ungefähr so: ‚Du wirst jetzt alt und unattraktiv und das erträgt sich leichter, wenn man in einer stabilen Beziehung ist – und nicht mehr nach einem Partner suchen muss.‘ Denn dabei spielen optische Merkmale (Haarfülle, Straffheit, Körpergewicht) ja traditionell eine wichtige Rolle. Ich war in diesem Moment also einfach extrem dankbar, schon in einer guten Beziehung angekommen zu sein – wo Äußerlichkeiten inzwischen nicht mehr so wichtig sind.

Sag ich doch. Mal sehen ob sie’s wieder einreißt.

Ich gebe übrigens (mindestens) einem Mann die Mitschuld daran, dass ich denke, man hätte es mit mehr Cellulite und grauen Haare auch automatisch schwer, Liebe zu finden. Mein Vater funktionierte nämlich so, wie ihr das oben beschreibt: Jüngere Frauen fand er schön, ältere Frauen nicht schön. Meine Mutter jedenfalls hielt er nicht lange für eine MILF. Er suchte sich jüngere Frauen und kommentierte immer wieder, dass unsere Mutter eben schon lange nicht mehr richtig in Schuss sei.

Die Geschichte muss man wohl so glauben. Jedenfalls hatte die Mutter ihre Schäfchen bereits ins Trockene gebracht, wenn sie mit dem Vater verheiratet ist, denn das bedeutet die Ehe heutzutage für Frauen – die Rundumalimentierung. Ansonsten habe ich an anderer Stelle die Frage gestellt:Er ist also gegangen? Warum denn dieses? Wurde er nicht geliebt?“ Oder ist es vielleicht so, dass hier das oberflächlich-sexuelle von tiefgehender Liebe zu unterscheiden ist. Nursex mit jungen Dingern aber Lieber für die Mutter seiner Tochter? Eine Mutter, die ihrer Tochter nicht lehrte, ihren Vater zu lieben, wie es Mütter heutzutage so machen?

Gleichzeitig hat es mir auch die Gegenseite belegt: Männer müssen sich wenig Sorgen machen, schon mit 40 altersbedingt ausrangiert zu werden. Dass ihr das bei Frauen anders handhabt und der weiblichen Attraktivität – wenn auch unbewusst – ein Verfallsdatum aufstempelt, finde ich natürlich nicht besonders prickelnd.

Männer werden nach anderen Kriterien aussortiert. Und nicht Männer sondern die Natur verpasst den Frauen diesen Stempel.

Es gibt aber auch die guten Momente: Die, in denen ich mit Ver- und Bewunderung für mich selbst feststelle, dass mir Äußerlichkeiten insgesamt jährlich egaler werden. Wie hätte ich die Falten am Hals sonst so lange übersehen können? Seit ich mich erwachsen fühle, schaue ich seltener in den Spiegel, stelle ich mich kaum mehr auf die Waage. Wenn eine Hose zu eng wird, hungere ich mich nicht zurück in sie hinein, wie ich es als unsicherer Teenie getan hätte. Ich gehe los und kaufe eine größere. Und ob ihr mich dann weniger gut finden könntet – daran denke ich meistens überhaupt nicht mehr. Je reifer ich werde, desto mehr schließe ich auch Frieden mit mir. Ähnliches habe auch schon von vielen anderen Frauen gehört.

Schön.

Was ich dagegen noch nie gehört habe: Dass irgendeine von uns den Wunsch hätte, noch ein paar Jahre länger von Männern sexualisiert zu werden. Auch und vor allem nicht als MILF.

Erstmal sexualisieren Frauen sich selbst und werden nicht sexualisiert. Und zweitens wird mit diesem Statement Sex zu einer rein männlichen Sache erklärt (in der Realität haben auch Frauen Lust auf und Spaß am Sex), und das kommt in der Regel von genau den Frauen, die nicht das geringste zum Sexobjekt mitbringen.

5 Gedanken zu „Frauen und die Angst vorm Altern

  1. elmardiederichs

    „Was ich dagegen noch nie gehört habe: Dass irgendeine von uns den Wunsch hätte, noch ein paar Jahre länger von Männern sexualisiert zu werden. Auch und vor allem nicht als MILF.“

    Man kan ohne Skrupel davon ausgehen, daß solche statements gelogen sind, daß sich die Balken bieten und sich so gut wie alle Frauen nach verzehren von jungen Hengsten begehrt zu werden, um ihr Selbstwertgefühl zu steigen.

    We im Ernst glaubt, daß Frauen ihren sozialen Privilegien, die sie allein durch Äußerlichkeiten akkumulieren, nicht nachtrauern, der hat nichts kapiert.

    Antwort
  2. beweis

    Um nochmal an den Gastbeitrag von gestern anzuschließen mit den Männern mit robuster Persönlichkeit:

    Der Vater eines Freundes sagte dem irgendwann: „Junge, du kannst hässlich sein oder arm – Hauptsache du bist ne Marke.“ Das habe ich mir gemerkt, weil es eigentlich alle gängigen anzustrebenden Ideale verwirft.
    Der Witz ist, dass das so entstehende Selbstbewusstsein, die Unbestechlichkeit und Souveränität offenbar eine für Frauen sehr attraktive Ausstrahlung nach sich ziehen.

    Vielleicht auch, weil sie so sehen, dass die meist medial verbreiteten konformen Mode- und Körperideale nicht alles andere dominieren müssen. Und sie sehen auch, dass die hehren Anforderungen, die zum Erreichen dieser Ideale erfüllt werden müssen, nicht zwingend der Lebensmittelpunkt sind. Denn wer will eine aufgebrezelte Tussi mit Magnetwimpern und Kunststoffmöpsen, wenn sie unerträglich aus der Seele stinkt und keine Persönlichkeit vorweisen kann?
    Was bleibt denen eigentlich, wenn der Kunststoff Richtung Kniekehlen sinkt, wenn die schlaffen Augenlieder die Spinnenbein-Wimpern nach unten klappen lassen? Nix.

    Wären sie doch besser eine Marke geworden. Dann könnten sie in Würde und selbstzufrieden altern. Und würden auch dann noch begehrt werden, weil sie nicht immer mit wuterfüllt-verbiestertem Blick und Nussknackermund rumliefen.

    Aber offenbar wissen sie nicht, wie das geht. Oder kapieren es nicht.

    Antwort
  3. NBG

    „mindestens über 40, und – festhalten – trotzdem körperlich attraktiv sind!“

    Würden sich die meisten Frauen Anfang 30 nicht „gehen lassen“, dann würde der Großteil auch mit Ü40 noch gut aussehen!

    Aber man sitzt die ganz Zeit lieber faul rum, raucht und bestellt bei Lieferando… dazu keinerlei Hautpflege, stattdessen nur Kaschierung behebbarer Mängel.

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  4. Mike Macke

    Zum Glück gibt es ja „feministische Pornographie“. Bestimmt finden dort zahllose Männer einen Arbeitsplatz als Darsteller, die weder die einer „MILF“ entsprechenden körperlichen Vorzüge besitzen noch jung und sportlich aussehen (soweit „feministisch“ in diesem Zusammenhang nicht sowieso „ausschließlich lesbisch“ heißt). Ganz nebenbei wird sicher auch erwähnt, wie diese hässlichen Typen (im Film) erfolglos auf der Straße lebten, bevor die weibliche Identifikationsfigur sie sexuell erlöste und auch sonst zum Erfolg führte.
    Deswegen haben diese feministischen Pornos ja auch alles andere bei Youporn und Co. verdrängt, alle sind glücklich und tanzen zusammen mit ihren Einhörnern unter den Regenbögen auf den nur noch nach feministischen Vorkämpferinnen benannten Straßen…
    Tja, oder vielleicht auch nicht…

    Antwort

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