djadmoros über kollektive Ängste

Ein Kommentar, zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Ich finde diesen Erklärungsansatz [über Massenpsychose] sehr überzeugend. Es ist das folgerichtige, ja zwingende Resultat, wenn eine Gesellschaft kollektive Ängste aufbaut, ohne eine rationale Lösung als Ausweg bereitstellen zu können – oder zu wollen. Dann müssen symbolische und magische Lösungen her, auch Sündenböcke und Exorzismen. Katholik-turned-Maoist-turned-Katholik Winfried Kretschmann beschwört ja schon den Impf-Moses.

Und es kommt zu einer negativen Rückkoppelung, wenn die Magie nicht funktioniert. Wenn das Licht am Ende des Tunnels ausbleibt (das uns mehrfach versprochen wurde wie der Sieg nach »nur noch einer letzten Anstrengung« vor jeder großen Offensive des Ersten Weltkriegs), kommt der nächste psychotische Schub. Wer außer Alice Weidel stört sich denn im Parlament noch am Wegwischen aller roten Linien? Der Wahnsinn kam erst schleichend – am Anfang war es noch ein kollektives Einheitserlebnis, wie »August 1914« – jetzt beginnt der Wahnsinn zu galoppieren.

Lauterbach als Gesundheitsminister. Ein politischer Pate von Finanzkriminellen als Kanzler. Impf-Werbekampagne der bekanntesten Unternehmen. Geplanter Approbationsentzug für ungeimpfte Ärzte in Österreich. Kernschmelze bei den Intellektuellen: Habermas, Chomsky, Misik, Eisenberg, Propagandaartikel in vormals kritischen Fachjournalen. Umfallende Linke (die hatte schon Schlagseite), umfallende FDP. Autoritarismus »on steroids« bei den Grünen.

Ein Kreuzzug im Namen des Impf-Gottes. Ich warte nur noch auf Leute, die sich öffentlich TÜV-Plaketten auf die Schulter tätowieren lassen, um ihr Leben seinem eingeborenen Sohn und Erlöser, dem Booster, zu weihen …

Der Blog von djadmoros.

26 Gedanken zu „djadmoros über kollektive Ängste

  1. elmardiederichs

    Ich hab das video gesehen.

    Ich habe ein tiefes Mißtrauen gegen jede Art von Offfensichtlichkeit in Erklärungen – insbesondere bei spziologischen oder psychologischen Erklärungen. Meiner Erfahrung nach ist das ein sicherer Indikator dafür, daß man der Wahrheit höchstens per Zufall auf der Spur ist.

    Ich gebe offen zu, daß ich es auch nicht besser weiß. Aber lieber bleibe ich auf der Suche nach der Wahrheit, als mich abspeisen zu lassen mit irgendeiner Art von „So sind die Menschen eben.“.

    Antwort
    1. pingpong

      Mißtrauen gegen jede Art von Offfensichtlichkeit in Erklärungen – insbesondere bei spziologischen oder psychologischen Erklärungen. Meiner Erfahrung nach ist das ein sicherer Indikator dafür, daß man der Wahrheit höchstens per Zufall auf der Spur ist.

      Gute heuristik. Solange man vorsichtig ist und nicht vergisst dass sie auch auf sich selbst angewendet werden kann.

      Antwort
      1. elmardiederichs

        @pingpong

        Kann sie und wird sie – was gerade der Grund dafür ist, daß es in meinen Texten selten allgemeinverständlich zugeht.

        Ließ sie mal, dann wirst du das selbst feststellen.

        Antwort
    2. beweis

      daß man der Wahrheit höchstens per Zufall auf der Spur ist

      Ich habe eigentlich das größte Problem mit einem absoluten Wahrheitsbegriff. Denn Wahrheit gibt es nicht, sondern höchstens Übereinstimmungen in den Realitäten. Daraus kann sich dann jeder seine Wahrheit basteln. Und er kann sich auch beliebig ein Balkendiagramm als Beleg dafür zimmern.
      Vielmehr finde ich es wichtig Motivationen, Strukturen und Emotionen als Triebfedern zu beobachten, weil sie Aufschluss darüber geben können, ob wirklich so etwas wie freier Wille und Rationalität greift, oder ob wir nur das, was wir tun, nachträglich in ein Schema einpassen und glauben, wir würden frei und rational handeln und entscheiden. Zum Beispiel sehe ich beim Feminismus die Triebfedern Herrschsucht, Habgier und Missgunst wirken – und eben nicht primär ein Streben nach rationaler Gerechtigkeit.

      Deswegen finde ich solche Gedankenspiele wie in dem Ursprungsvideo sehr interessant, die vor allem mit solch archaischen Triebfedern wie Angst ausgehen. Sie versetzen mich kurzzeitig auf eine Meta-Ebene, von der ich mit gewissem Abstand eine andere Einordnung des Geschehens betrachten kann.
      Yet another Wahrheit eben. Ähnlich wie ich verschiedene Wahrheiten auch auf meinen jugendlichen LSD-Trips erfahren hatte.
      Bloß der Trip im Moment ist ziemlich heftig und fühlt sich an, als würde man nicht mehr runterkommen.

      Antwort
      1. beweis

        Ein gutes Beispiel finde ich den Gender Pay Gap. Das ist ein Hirnkonstrukt, das viele als real ansehen und mit Diagrammen belegen. Realität ist hingegen, dass es keine einzige Frau gibt, die faktisch davon etwas merkt. Denn die weibliche Kaufkraft definiert sich aus allerlei unterschiedlichen Faktoren wie Unterhaltszahlungen, vom Mann herangeschafftes Geld, Förderungen, konkret für Erwerbstätigkeit eingesetzte Lebenszeit, Erbe, staatliche Unterstützung etc.
        Der GPG ist daher ein komplett illusionäres Phänomen, das sich bei keinem realen Menschen und seinen Lebensumständen finden lässt. Das Gap ist also Quatsch, Habgier als Motivation oder Triebfeder hingegen nicht.
        Die nichtexistente, also massenpsychotische Wahrheit vom GPG wird nunmehr zur Maxime für menschliches Handeln genommen. Und Männer wie Frauen nicken dabei und halten es für rational und daher richtig.

        Antwort
        1. pingpong

          Das ist ein Hirnkonstrukt, das viele als real ansehen und mit Diagrammen belegen. Realität ist hingegen, dass es keine einzige Frau gibt, die faktisch davon etwas merkt.

          Du machst einen großen Fehler, wenn du aus dem zweiten Satz den ersten schließt. Der GPG IST real, und er bleibt real, auch wenn dir die Diagramme noch so sehr missfallen. Der durchschnittliche Einkommensunterschied aus Erwerbsarbeit zwischen Männern und Frauen ist so eindeutig, den kann man auch nicht mit unzureichender Datenerhebung oder schlechter Statistik wegerklären.
          Das Problem besteht darin, was es bedeutet. Statistik ist Modellierung. Und wenn dein Modell Fehlannahmen oder sonstige Irrtümer beinhaltet, dann schlägt das auf die Statistik durch. Das kann selbst bei so etwas einfachem wie einem Mittelwert passieren. Wenn deine zugrunde liegenden Daten z.b. Cauchy-verteilt sind, dann gibt es keinen Mittelwert. Du kannst ihn aus deinen samples berechnen, aber er wird beliebig falsch sein und keine Aussagekraft besitzen.

          Die Frage ist also nicht, ob der GPG real ist oder nicht. Er ist real. Die Frage ist, was daraus folgt. Hier ist der zweite Satz von dir sehr relevant und beschreibt im Grunde alles was es dazu zu sagen gibt. Worauf ich hinaus will: wenn du du dich darauf zurückziehst „der GPG ist ein Hirnkonstrukt, ein illusionäres Phänomen“, dann ziehst du dir selber die wichtigsten Argumente weg. Der Diskurs um den GPG ist klassischer Verbalismus. Es werden Worte verwendet die zentral für den ganzen Diskurs sind (Unterschied im durchschnittlichen Einkommen aus Erwerbsarbeit), die gleichzeitig aber inhaltsleer sind und jede Klarheit in der Bedeutung vermissen lassen bzw. deren Bedeutung sich beliebig ändern kann.
          So etwas kannst du nicht dadurch beikommen, dass du dich hinstellst und sagst: „Das ist alles eine Illusion“. Dann bist du auf der verbalistischen Ebene und das wird zu nichts führen. So etwas kannst du dadurch beikommen, dass du auf der strikten Bedeutung der Worte bestehst. Gegen Verbalismus hilft rigoroser Formalismus.
          Denn dann ist die Reaktion auf den GPG nur mehr ein achselzuckendes „Na und?“

          Es sollte m.E. längst ein Pflichtfach „Modelle und Simulation“ in der Schule geben. Damit die jungen Menschen ein Gefühl dafür bekommen was Modelle sind, was sie leisten können und was nicht. Das wäre mal ein vernünftige Verwendung für all die digitalen Endgeräte die das Bildungssystem angeschafft hat.

          Antwort
          1. Shitlord

            Die angemessene Reaktion auf den GPG ist: Und trotzdem haben Frauen volles Wahlrecht?! Das ist ungerecht.

            Im Übrigen würde ich Dein Pflichtfach in „Lügen mit Statistik“ umbenennen; denn das ist das Problem. Weil ich Dir an dem Punkt widerspreche, dass Statistik „nur“ Modellierung sei. Es gibt Inferenzstatistik von relativ einfach bis sehr fancy, um – und das wäre der Punkt – Daten aus der Realität mit Modellen *abzugleichen*. Das geht sogar soweit, dass Dir fancy Verfahren sagen, _wie_ beschissen Dein Modell so grob ist.

            Das *erfordert* aber halt einen Abgleich mit empirischen Daten. Das merkt man gerade bei Corona sehr deutlich, wie schlimm da Schindluder von Halbidioten gegenüber den 99,9% der Bevölkerung, die Statistik überhaupt nicht verstehen, betrieben wird. Letzte Woche zB wurde ja eine „Studie“ durch alle Medien geprügelt, die „zeigt“, wie toll FFP2-Masken gegen die Verbreitung von Corona wirken, wenn man denn nur annimmt, dass FFP2-Masken gegen die Verbreitung von Corona wirken. Und das merkt niemand, da die ganze Pandemie damit anfing, dass irgendwelche Weltuntergangs-Simulanten uns den Tod bis Sommer prophezeit haben – 2020. Und sowas hauen die alle 14 Tage raus, hochgerechneten Schwachsinn. Und so unprofessionell, dass es mir wehtut.

            Der junge Shitlord war mal Unternehmensberater, und da setzte sich der Chefberater mit dem Kunden hin und dachten sich ganz tolle Zahlen aus, weil sie 16 Millionen Euro haben wollten. Und dann gaben sie mir die Zahlen, ich möge das doch bitte hübsch modellieren. Und ich, jung und frech, wies darauf hin, dass das ein exponentielles Wachstum wird. „Fresse“, hieß es da, „modellier das einfach“. Und dann modellierte ich es. „Sieht ja gut aus“, sagte mein Chef, „aber Dein Balken in Jahr 10 ist größer als die Folie, da stimmt das Layout nicht“. „Doch“, sagte ich, und legte die 4 weiteren Blätter auf den Tisch, damit man den Balken ganz sieht.

            „Das glaubt aber doch niemand“, stellte dann auch mein Chef fest. Konsequenz aber war: „mach das mal glaubwürdig“. Und dann machte ich das halt glaubwürdig. War mein Chef happy, der Kunde bekam seine 16 Millionen, und ich eine Yacht. Fucking Aktien von dem Schwachsinn hätte ich mir kaufen sollen. 16 cent die verdammte Aktie, aber ich wusste ja, dass das nur heiße Luft ist; ich hab die ja schließlich gemacht. 72€ kostet die Aktie heute. Ich nehme an, die verwenden mein Modellierungstool immer noch, und in 15 Jahren hat kein einziger Wirtschaftsprüfer den Shitlord-Schwachsinns-Korrekturfaktor gefunden. Fairerweise haben vier hochbezahlte Berater aber auch einen Tag nur darüber diskutiert, wie wir den jetzt *nennen*.

            Antwort
            1. Kniggeldi

              Also für blöde Nazis wie mich, solange nicht einer eine Ausschreibung fürn Friedhofsanbau bringt, ist alle Pandemie nur Phantasie?

            2. Shitlord

              Weiß nicht, was dieses Extrem soll. Ich kenne Dich auch nicht.

              Und zur (aktuellen) Pandemie sage ich nur, dass sie leider deutlich zu wenig Politiker und Scharlatane umbringt.

          2. beweis

            Der GPG IST real, und er bleibt real, auch wenn dir die Diagramme noch so sehr missfallen

            Da sind wir doch genau an dem Punkt. Meine Sicht ist, dass nur das real ist, was vom Menschen wahrnehmbar ist – alles andere sind Hirngeburten aus der Welt des KÖNNTE, eben der Vermutung, Statistik oder Modellierung. Und der GPG ist vom einzelnen Menschen eben nicht wahrnehmbar, von keiner einzigen Frau. Das, was sie wahrnimmt in dem Kontext, ist ein Gefühl von Benachteiligung und vielleicht Habgier, das sich aber eben ausschließlich aus der Darstellung dieser Kopfgeburt ergibt.
            Die Ebene des Verbalismus wird dann verlassen, wenn der Glauben an den GPG in reale, also individuell wahrnehmbare Maßnahmen überführt wird.

            Exakt um diesen Unterschied dreht sich ja auch unsere Corona-Diskussion. Du siehst eine gemessene und gefährliche Virenwelt um uns herum, auf die die Menschen Einfluss haben, die sie in gewisser Weise beherrschen können, indem sie diese oder jene Maßnahmen ergreifen. Diese Viren kann keiner vorzeigen, sie werden überhaupt erst ermittelt durch irgendwelche Fragmente, die je nach Anzahl der Testzyklen immer da sind. Davon werden dann Hochrechnungen erstellt über angebliche Infektionsquoten und Katastrophen modelliert, die dann in die Realität überführt werden über ganz konkrete Maßnahmen. Diese Maßnahmen sind von Individuen dann fühl- und wahrnehmbar und sind damit real.

            Ich halte diese unsichtbare Virenwelt auch für möglich, so wie ich fast alles andere auch für möglich halte. Aber sie ist eben nicht real, sondern eine phantastische Ausgeburt menschlicher Hirne. Real ist hingegen eine konkrete Covid-Erkrankung, denn sie ist fühl- und wahrnehmbar. Da wir über eine recht beschränkte Anzahl von Sinnen verfügen, beschränkt sich auch Realität darauf, was wir damit wahrnehmen. Wenn meine Nichte also das 60-köpfige 2G-plus-Seminar besucht und später 20 Leute PCR-positiv getestet werden, dann ist die Erkrankung bei denen nicht real. Sie ist nur bei der Seminarleiterin real, die wirklich fühlbar erkrankt. Das bildet sich in der Realität so ab, dass eine Frau eine respiratorische Erkrankung hat. Punkt.

            Interessanterweise stellen wir sehr häufig fest, dass die Hochrechnungen und Modellierungen ziemlich daneben liegen. Eine winterliche Erkrankungswelle zieht durch und wieder ab, während aus den Radios die exponentiell bedingte bevorstehende Apokalypse geblökt wird und die Menschen in der Realität eingesperrt werden. Sie machen einen konkret sicht- und fühlbaren Bogen umeinander, weil sie in dem Glauben leben, vom anderen Menschen könne eine Gefahr ausgehen. Die Gefahr ist aber nicht real. Real ist, dass die Menschen nach dem Kuscheln vielleicht niesen müssen oder je nach Konstitution wirklich erkranken. Oder eben nichts derartiges passiert.

            Das Ganze ist so auch übertragbar auf das zweite Endzeit-Szenario – das Klima.
            Ich glaube, unsere hysterische Epoche kennzeichnet sich dadurch, dass wissenschaftliche Evidenz jenseits der oben beschriebenen Realität zu massenpsychotischen Phänomenen führt, die sich darin begründen, dass Hochrechnungen und Modellierungen gefolgt wird, die eben nichts mit der wahrnehmbaren Realität zu tun haben. Sie führen zu Angst, die sich wiederum über konkrete Maßnahmen in die Realität durchschlägt.
            Und dann drehen alle durch.

            Antwort
            1. pingpong

              @beweis:

              Und der GPG ist vom einzelnen Menschen eben nicht wahrnehmbar, von keiner einzigen Frau.

              Fast jede Frau die ich kenne verdient weniger als ihr Partner. Ich denke du wirst, wenn du dich in deinem Bekanntenkreis umsiehst, etwas ähnliches feststellen. Fast alle Menschen machen diese Feststellung wenn sie sich in der Welt umsehen. Diese korrekte(!) Wahrnehmung zu leugnen bringt nichts. Damit manövrierst du dich nur selber in eine schlechte Position, weil man dir dann in einer Diskussion zu Recht vorwerfen kann, Tatsachen zu ignorieren. Der GPG ist keine Kopfgeburt oder eine Illusion. Er ist real, und du tätest gut daran diese Tatsache zu akzeptieren.

              Die Frage ist doch, was daraus folgt dass Frauen weniger durch Erwerbsarbeit verdienen als Männer. Und die Antwort hast du bereits gegeben: Nichts folgt daraus. Weil die realen finanziellen Mittel, die eine Frau zur Verfügung hat, sich nicht ausschließlich aus Erwerbsarbeit generieren. Du hast es aufgezählt: Neben Einkommen aus Erwerbsarbeit gibt es staatliche Unterstützung, Erbe, Querfinanzierung vom Partner etc., und all das in nicht geringem Maß. Wer so tut als wäre ausschließlich das Erwerbseinkommen relevant, der betreibt dieselbe Realitätsverweigerung wie du wenn du behauptest der GPG wäre nicht real. Es ist Realitätsverweigerung, weil in der Wirklichkeit nicht nur das Erwerbseinkommen relevant ist. Das Erwerbseinkommen ist ein Teil der finanziellen Mittel die eine Frau (oder ein Mann) zur Verfügung hat. Wer die ökonomische Analyse der Situation nur auf einem Teil (Einkommen aus Erwerbsarbeit) des ganzen (der Gesamtsumme der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, egal woher sie kommen) aufbaut, der erzeugt notwendigerweise falsche Ergebnisse.

              Anstatt auf die angebliche Nicht-Existenz des GPG hinzuweisen, wäre es besser auf den systematischen Fehler der Nichtbeachtung wichtiger Einflussgrößen hinzuweisen. Denn damit stellen sich ganz automatisch ein paar neue Fragen: Wie setzt sich die Gesamtsumme der finanziellen Mittel zusammen? Wie steht das im Verhältnis zur aufgewandten Zeit? Wie steht es im Verhältnis zur Gefährlichkeit der Arbeit? Wie steht es im Verhältnis zu schweren Arbeitsunfällen usw.?

              Diese Fragen würgst du ab bzw. verhinderst dass sie überhaupt erst gestellt werden, wenn du auf dem „der GPG ist nicht real“ Standpunkt beharrst.

              Der GPG ist nicht dein Feind. Er ist dein Freund, denn mit ihm kannst du auf das grobe Missverhältnis bei Arbeitszeit, bleibenden Schäden durch schwere körperliche Arbeit und tödlichen Arbeitsunfällen hinweisen, welches zwischen Männer und Frauen besteht. Wer eine große Ungerechtigkeit in der Tatsache erblickt, dass Männer für im Schnitt viel mehr Arbeitszeit und viel gefährlichere Jobs auch viel mehr verdienen (und einen Gutteil des Geldes dann auch noch an ihre Partnerinnen weitergeben), der demaskiert sich selbst und zeigt seine wahre hässliche Fratze.

              Exakt um diesen Unterschied dreht sich ja auch unsere Corona-Diskussion.

              Nur insofern, als du dich auch bei der Corona-Diskussion weigerst wichtige Einflussgrößen anzuerkennen und dich stattdessen lieber auf den Standpunkt zurückziehst es wäre „nur eine Grippe“.

              Interessanterweise stellen wir sehr häufig fest, dass die Hochrechnungen und Modellierungen ziemlich daneben liegen.

              Jaja, die alte „alle Modelle sind falsch“ Leier.
              Es ist jedoch wichtig zu unterscheiden, was Modelle vorhersagen können und was nicht. Die Annahmen eines jeden Modells reichen nicht aus, um die Details der meisten realen Systeme zu beschreiben. Diese Systeme können jedoch großmaßstäbliche Eigenschaften aufweisen, die nicht von all diesen Details abhängen (2). Ein einfaches Modell, das diese großskaligen Verhaltensweisen korrekt wiedergibt, aber einige Details falsch beschreibt, ist nützlich; ein kompliziertes Modell, das einige Details korrekt wiedergibt, aber die großskaligen Verhaltensweisen falsch beschreibt, ist bestenfalls irreführend. Die Genauigkeit und Ausgereiftheit der Details eines Modells sind nur dann von Bedeutung, wenn die allgemeinen Annahmen des Modells die relevanten Verhaltensweisen in der realen Welt korrekt beschreiben.
              https://www.pnas.org/content/117/28/16092

              Die Gefahr ist aber nicht real. Real ist, dass die Menschen nach dem Kuscheln vielleicht niesen müssen oder je nach Konstitution wirklich erkranken.

              Wenn sie wirklich erkranken, dann war die Gefahr real.

              Und dann drehen alle durch.

              Verhalten das dir nicht gefällt mit „Irrationalität“ zu erklären ist ziemlich einfallslos und herablassend.

      2. elmardiederichs

        @beweis

        „Ich habe eigentlich das größte Problem mit einem absoluten Wahrheitsbegriff. Denn Wahrheit gibt es nicht, sondern höchstens Übereinstimmungen in den Realitäten.“

        „Übereinstimmungen in den Realitäten“ deutet darauf hin, daß du einen korrespondenztheoretischen Wahrheitsbegriff verwendest – wahr ist ein Satz, wenn er übereinstimmt mit den Sachverhalten (z.B. Aristoteles)

        „Denn Wahrheit gibt es nicht“ deutet darauf hin, daß du entweder einen semantischen-redundanten Wahrheitsbegriff verwendest (z.B. Tugendhat: Wahrheit als Merkmal der Verwendung von sprachlichen Ausdrücken in einem Aussagesatz) oder einen deflationären Wahrheitsbegriff verwendest (siehe: https://wiki.edu.vn/wiki3/2020/12/01/deflationare-wahrheitstheorie-wikipedia/)

        „Daraus kann sich dann jeder seine Wahrheit basteln. Und er kann sich auch beliebig ein Balkendiagramm als Beleg dafür zimmern.“

        Das legt nahe, daß du einen epistemischen Relativismus akzeptierst – selbst,wenn du ihn für schädlich hälst. Doch es gibt ganz gute Gründe, warum das falsch ist – schau mal hier: https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2016/11/18/synopsis-angst-vor-der-wahrheit/

        Meiner Einschätzung nach würde es sehr helfen, wenn du deine Bedenken an diesen Positionen schärfen würdest.

        Antwort
        1. beweis

          Puh. Ich gestehe, mir fehlt der theoretische Unterbau für meine Aussagen. Aber ich habe dafür ein paar Jahrzehnte sog. Lebenserfahrung und -beobachtung vorzuweisen, in denen ich mich nur selten durch vorgeblich elementare Grundlagen korrumpieren ließ.
          Meine kleine Wahrheit eben.

          Antwort
            1. beweis

              @elmar

              Will mich ja nicht ausklinken, aber mir fehlen schlicht die philosophischen Basics, um da wirklich mitzureden. Auf der anderen Seite macht es mir auch einen gewissen Spaß, ganz banal und bodenständig reinzugrätschen, wenn irgendwelche Diskussionen so „brainfucked“ werden, dass ich andauernd nur bei Wiki oder Google nachschauen muss, was wer eigentlich meinen könnte.

              Richtig geil finde ich, wenn Diskurse auf einer turboabstrakten Ebene eine solche Schärfe entwickeln, dass man Angst bekommt, als letzter Satz kommt: „Ich weiß, wo dein Haus wohnt.“

              Denn wenn einer wüsste, wo ein Haus wohnt, dann wäre er ja in gewisser Weise geerdet. Und damit könnte etwas real sein und werden.

      3. Kniggeldi

        Warum sollte es die Wahrheit nicht geben?
        Ist’s nicht sinninger anzunehmen uns mit unseren begrenzten Rezeptoren ist bestenfalls Wahrhaftigkeit gegeben?
        doppelte prädestination und warum ich mich wunder wenn Elmar nur ein Problem mit Islam hat. 😉

        Antwort
    3. djadmoros

      @elmardiederichs:

      Ich betrachte eine solche psychologische Sichtweise auch nicht als ausschließliche Erklärung des Geschehens: sie ist immer in einen historischen Kontext mit je spezifischen Bedingungen eingebettet. Die Pointe liegt m. E. gerade in diesem Punkt des »So sind die Menschen eben«: sie sind genau dann »eben so«, wenn aus jeweils dem historischen Einzelfall angehörenden Gründen ihr kritischer Verstand ausgeschaltet ist. Also beim Aufruf zum Kreuzzug ebenso wie bei der Pogromhetze des Popen.

      Das ist ja auch heute die Pointe: wie es einer hochgradig manipulativen Politik gelingt, durch die feste, aber dünne Decke des ziviliserten Vernunftmenschen in das Magma politisierter Emotionen durchzustanzen und an jene Ebene des Menschen zu appellieren, die wir normalerweise unter Kontrolle halten. Die heutige Epoche des Irrationalismus hat sich lange angekündigt, aber kaum jemand mag sich vorstellen, »dass uns so etwas wieder passieren kann«. Und darum geht eine Mehrheit der Bevölkerung geradewegs den Manipulateuren in die Falle.

      Antwort
      1. elmardiederichs

        @djad

        Na ja …. die Berufung auf einen historischen Kontext geht eigentlich immer nach hinten los. Überleg mal:

        „Kontext “ ist sowas wie die Einführung einer Menge von Parametern, der alles aufgebürdet wird, was uns gerade fehlt. Das macht aber nur Sinn, wenn „Kontext“ selbst KEINE weiteren Parameter einführt, die ihrerseits bestimmt werden müßten, um den Kontext bestimmen zu können.

        Wie ist das hier in unserem Fall? Zweifellos ist die Geschichte eben diejenige Menge an Ereignissen, welche stattgefunden haben. Doch was gehört in unserem Fall dazu? Hat es gereicht, zu tun, was Göring in den Nürnberger Prozessen erklärte, nämlich den Leuten Angst zu machen? Oder mußte man den Leuten Angst machen in einer Zeit, in der der Feminismus das Gerechtigkeitsgefühl nachhaltig gestört hat? Oder hat er das vielleicht gar nicht, sondern er ist nur ein arbiträres Beispiel für eine totalitäre Ideologie, die der Staat zufällig gewählt hat, um die Leute daran zu gewöhnen, daß eine Meinung zu haben, auch einen Preis hat? Und so weiter ….

        Du verstehst das Prinzip.

        Zweitens braucht es vermutlich mehr, um den kritischen Verstand populationsweit auszuschalten. Darauf komme ich, weil Mausfeld berichtet hat, daß Psychologie und Soziologie sich in den letzten 100Jahren entlang dem Machterhaltungsbedürfnis der Eliten entwickelt haben und diesen dazu entsprechende Werkzeuge der soft power geliefert hätten. Wenn das stimmt, dann kann es kaum so einfach sein, daß man die Leute nur in Panik versetzen muß und dann drehen sie durch. Die Sache verhält sich nicht so wie bei einem kleinen Kind, welches sich nachts im Wald verläuft und irgendwann nur noch wimmernd unter einem Baum hockt – nein! Weit daneben, denn die Eliten mußten lange lernen, was es wirklich braucht und dann wurde das vemutlich über 25 Jahre vorbereitet.

        Aber wie gesagt – eine kluge Theorie dazu habe ich auch nicht. Nur eines war es ganz sicher nicht: „einfach“ oder „einfach in und durch einen Kontext“.

        Nee.

        „Das ist ja auch heute die Pointe: wie es einer hochgradig manipulativen Politik gelingt, durch die feste, aber dünne Decke des ziviliserten Vernunftmenschen in das Magma politisierter Emotionen durchzustanzen und an jene Ebene des Menschen zu appellieren, die wir normalerweise unter Kontrolle halten.“

        Ich steh total auf deine Formulierungen! 🙂

        „Und darum geht eine Mehrheit der Bevölkerung geradewegs den Manipulateuren in die Falle.“
        Nein. Eben nicht „darum“. Die Komplexität der Anbahnung wird von uns unterschätzt. Und das ist ein Grund, warum wir bisher mehr oder weniger wehrlos sind.

        Antwort
  2. pingpong

    Kernschmelze bei den Intellektuellen: Habermas, Chomsky, Misik, Eisenberg, Propagandaartikel in vormals kritischen Fachjournalen.

    Was haben die bedauernswerten Herren denn gesagt dass sie in Ungnade gefallen sind?

    Antwort
    1. djadmoros

      Mal hauptsächlich am Beispiel von Habermas, weil ich auf den Mann eigentlich große Stücke halte:

      Die Habermas-Diktatur

      Den betreffenden Aufsatz gibt’s bei den »Blättern« im Volltext:


      Corona und der Schutz des Lebens. Zur Grundrechtsdebatte in der pandemischen Ausnahmesituation

      Das Problem an diesem Aufsatz ist, dass der Großmeister des rationalen Diskurses und der Diskursethik darin nicht auch nur ansatzweise eine Beweiswürdigung in der Sache unternimmt, sondern sich blind dem offiziellen Narrativ von der präzedenzlosen Gefährlichkeit der »Pandemie« unterwirft.

      Chomsky ist noch primitiver: »Impfverweigerer sollten den Anstand haben, sich aus der Gemeinschaft zu entfernen«

      Habermas und Chomsky sind freilich beide über Neunzig.

      Antwort
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