Archiv für den Monat Januar 2022

007 ist jetzt einer Frau – „James Bond – Keine Zeit zu sterben“

Und weiter geht es mit der geschlechtlichen Aneignung. Große Erzählungen werden von Frauen gekapert. So ist der Superagent jetzt eine Superagentin. Dazu bin ich jetzt neugierig, wie das umgesetzt wird – klar, sie wird gut kämpfen können. Aber wie sieht es mit Verführungskunst aus? Wird die neue 007 Zielpersonen mit schmachtenden Blick um den Finger wickeln, wenn es der Mission dienlich ist, ganz so wie der alte Bond? James Bond der Neue durfte das nicht mehr. Er verführte nicht mehr, sondern verliebte sich, was ihm ein bisschen die Überlegenheit kostete. Wenn die neue 007 auf diese Weise überlegen ist, den Männern den Kopf verdreht, so dass sie alles für sie tun, dann kollidiert das nicht mit der feministischen Ideologie, da es eben Überlegenheit ausdrückt.

Die Neue trägt kurze Haare, was sie hässlich macht, und muss dem alten Hasen erstmal mit Gewalt drohen. Das ist ein wiederkehrendes Muster im toxischen Feminismus: Eine Frau muss als starke Frau präsentiert werden, indem sie mit Gewalt droht (oder auch anwendet). Auch ein von Stephen King geklauter Spruch, wonach „sich die Welt weitergedreht hat“ darf nicht fehlen, weshalb der alte Hase nicht nur alt sondern geradezu fossil ist. Aber irgendwie funktioniert es nicht so recht. So reißt sie coole Sprüche, die einfach nicht… cool wirken: „Wieviel Uhr ist es?“ … „Zeit zu sterben!“ Man stolpert eher drüber, als das es flutscht. Nachdem sie aber klargestellt hat, dass sie eine taffe überlegene Pauerfrau ist, ist sie eine wertvolle Verbündete.

Trotz der feministischen Programmatik: Sehenswert.

Warum sind so viele Pseudolinke so unkritisch gegenüber dem Corona-Staat?

Ein Kommentar zu wertvoll, um ihn in der Versenkung verschwinden zu lassen:

Zu Pseudo-Links: Gut wirksames Framing; das, was da im März 2020 lief, war ja die gigantischste Schock-Strategie aller Zeiten. Es gab allerdings ja auch mehr als genügend Länder mit »rechten« Regierungen, die die gleiche Lockdown- und Gentherapierungspflicht betrieben haben und weiter betreiben; die AfD bspw. ist sicher alles, nur keine Opposition in Sachen Corona. Hinzu kam eine totalverblödete Linke, die man m. E. gezielt nach dem »Syriza-Unfall« mit pseudolinkem Bullshit beschäftigt, zersetzt und damit entschärft hat. Zur Stärkung des Narrativs hat man diesen Wohlstandsverwahrlosten dann auch noch einen leckeren Knochen (AfD) hingeworfen, an dem sie seitdem genüsslich herumnagen. Ohne dabei sehen zu wollen, was die »Mitte« eigentlich für eine faschistoide bis faschistische Politik betreibt.

Dass aus dem linken / antikapitalistischen Spektrum so viele das Thema Corona vollkommen unkritisch betrachten, hat m. E. auch ganz einfach persönliche Gründe. Nehmen wir mal an, du hast als »Linker« dein Leben lang keinen großen Wert auf deine Gesundheit gelegt. Dir u. a. die Lunge kaputtgeraucht (und das Rauchverbot damals als »Gesundheitsfaschismus« bezeichnet). Und dann kommt da so ein Todesvirus. Panik!

Viele sind ja dann auch letzten Endes abhängig vom weitestgehend alternativlosen Gesundheitssystem. Ihnen bleibt also gar nichts anderes übrig, als diesem System zu vertrauen; obwohl sie natürlich im tiefsten Innern wissen, dass es ihnen eher schadet. Wenn es nun Leute gibt, die diese kognitive Dissonanz ansprechen, flippen sie aus. Sie machen dann gerne das, was für sie am einfachsten ist: Sie projizieren — und bezeichnen dich, bar jeglicher Logik, als »rechts«. Ohne zu sehen, wie »rechts« die gegenwärtige Politik ist, die sie unkritisch bejubeln.

Und noch ein wichtiger, bei vielen sicher der entscheidende Grund: Das gekränkte Ego; sich — als jemand, dem die Propagandatechniken ja bekannt sind — eingestehen zu müssen, voll auf die Propaganda reingefallen zu sein.

Außerdem gibt es auch bei vielen Linken eine Sehnsucht, zur Masse zu gehören; zumindest in Einzelfragen (bspw. zu »Impfungen«) eben jede Systemkritik vollständig zu vergessen — und in die heimelige »Mitte« zu strömen; indem sie bspw. gemeinsam (rechts-mitte-links) gegen »Impfgegner« hetzen. Also in jener großen Masse aufgehen, die sie ansonsten (m. E. zurecht) verachten.

Puer Robustus – Part Seven

Es folgt ein Gastbeitrag von Elmar (zu Part Six):

Der puer robustus wird von Marx und Engels als ökonomischer Klassenrevolutionär und Aufständischer gegen eine von Gott eingesetzte Obrigkeit entworfen, dem bereits diejenige Cleverness anhaftet, die der puer robustus ebenfalls nach dem Entwurf von Tocquevilles hat.

So beschreibt bereits Tocqueville den puer robustus als Selbstrevolutionär, als jemanden, der sich darauf konzentriert, den privaten Gewinn zu maximieren, und sich für so clever hält, daß er politisch zur staatlichen Ordnung ausreichend Distanz hält. Motivation dieser Beschreibung bezieht Tocqueville aus der Beobachtung der Verhältnisse im zeitgenössischen Amerika. Diese exzentrische Variante des puer robustus hat nach Tocqueville dadurch die Zukunft für sich gepachtet und pflegt das Lebensgefühl, unschlagbar zu sein, und neben dem Fehlen sozialer Verpflichtungen dominieren Abenteuerlust und Verspieltheit. Insofern tritt der puer robustus, der mehr sich selbst stört, als andere, als Frühgeburt eines Menschenschlages in die Welt, der von politischer Kooperation wenig, von kapitalistischer Rücksichtlosigkeit aber umso mehr hält – was Tocqueville heftig kritisiert, da nach seiner Ansicht dadurch der Niedergang der Demokratie, der Verlust der politischen, der wahren Freiheit drohen.

Das bedeutet: Im Gegensatz zu Rousseau feiert Tocqueville nicht die innere Ruhe des guten puer robustus. Anders als Diderot liebäugelt er nicht mit einem puer robustus, der die Welt in Bewegung bringt. Und anders als Schiller empfindet er keine Sympathie für den Störenfried, der das Recht bricht und anders als Hugo entdeckt er im puer robustus keinen moralischen Kompass und würde anders als Richard Wagner nie im kühnen, unverbildeten Kind den Erlöser suchen. Wie Hobbes sieht Tocqueville den puer robustus als asozialen Typ, der unfähig oder unwillig ist, politische Regeln zu setzen und einzuhalten, weil er seinen rohen Leidenschaften freienLauf läßt.

Die neue Komponente als Revolutionär im Puzzle, das das Bild des puer robustus inzwischen abgibt, wird von Marx und Engels nun im Sinne einer sozialen Klasse, eines revolutionären Kollektivsubjekts, politisch und moralisch positiv gedeutet. Gleichzeitig machen Marx und Engels den puer robustus zum Protagonisten einer Geschichtsphilosophie, in der die Bosheit ins Gute umschlägt und der damit – anders als bei Victor Hugo – auch Erfolg auf ganzer Linie hat.

Auf unserer spracharchäologischen Suche nach den kulturellen Ursprüngen des Verständnisses von Männlichkeit, referiere ich heute in zweiter Hand die Ideen von Marx und Engels aus dem Buch Puer Robustus (2016) von Dieter Tomä.

Das revolutionäre Kollektivsubjekt ergötzt sich bei Marx und Engels an der Angst der Machthaber, denen es als malitiosus erscheint und es macht sich einen Spaß daraus, dieses von Angst getriebene Urteil der besitzenden Machthaber ironisch zu übernehmen und umzudrehen: Das Böse erscheint bei Marx und Engels als Anstrich des Guten, die Gewalt wird als reinigendes Gewitter begrüßt. Marx und Engels bieten das scheinbar böse, letztlich aber gute, rohe und einfache Volk gegen eine staatliche Ordnung auf, die die Güte nicht, wie Hobbes dies vorsah, für sich reservieren kann. Der Bruch der Ordnung soll sich aber nicht in individueller Willkür erschöpfen, sondern ist dieses Mal das Ergebnis geschichtlicher Kämpfe.

Und um obige geschichtsphilosophische Aufwertung der Identität als gewalttätiges Kollektivsubjekt zu legitimieren, muß der neue puer robustus im Namen der Befreiung der ganzen Menschheit und als Vorreiter einer besseren Welt handeln: Das alte individualistischen Selbstbild, das in der bürgerlichen Gesellschaft zur Herrschaft gelangt ist, wird aufgegeben.

Von der natürlichen Freiheit, in der das Individuum fern der Gesellschaft um seine Selbsterhaltung ringt und dem Naturzwang ausgesetzt ist, hält Marx indes ebenso wenig wie Hobbes. Stattdessen winkt dem Individuum im künftigen Reich der Freiheit, das den Fluchtpunkt von Marx‘ Überlegungen bildet, die Selbstverwirklichung in der Gemeinschaft. Das tradierte, bürgerliche Individuum steht bei Marx für die Lösung eines Problems, i.e. für die Befreiung vom Naturzwang, und wird dabei sogleich Teil eines neuen Problems, denn es bleibt auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe stehen, in der die Freiheit noch verkrüppelt ist.

Wie bei Richard Wagner führt Marx die Verkrüppelung der Freiheit zurück auf die Verirrung, in der sich der zivilisierte Mensch von der Natur entfernt habe: Richard Wagner bringt Natur und Vertrag als Ausdruck einer entwickelten Kultur gegeneinander in Stellung. Der Gesellschaftsvertrag, der die interessegeleiteten Individuen nach Hobbes schließen, taucht bei Wagner daher als künstliche und daher feindliche Ordnung auf. Damit nähert sich Wagner dem Bild des Naturzustands, das Rousseau entworfen hat, denn Wagner faßt die Politik und die Ökonomie in der Welt der Verträge zusammen und betrachtet sie als Spielstätte gewaltsamer oder ränkevoller Individuen, die Verträge nur schließen, um egoistische Vorteile, Zinsgewinne und Ausbeutung zu sichern. Anstatt irgendeine Art von Kooperationsgleichgewicht zu repräsentieren, herrsche nur vom Staat ermöglichte Willkür. Dieser soziale Rahmen sei zudem dafür verantwortlich, daß die Menschen sozial getrennt würden und der freie Wille der Menschen zur widerlichen Leidenschaft, Geiz, Wucher und Gaunergelüste verrküppele sowie der Mensch entwürdigt werde und leide.

Marx attackiert ebenfalls die Vorstellung, dass die Menschen sich verlustfrei als Individuen und Vertragsteilnehmer verstehen können, und sieht die bürgerliche Gesellschaft als eiskalten Institution egoistischer Berechnung, der Trennung und Isolierung, in der nicht gegenseitige Unterstützung, sondern gegenseitige Feindseligkeit, unter gewissen Kriegsgesetzen dominiert, getarnt als sogenannte vernünftige Konkurrenz. Um das zu charakterisieren, bringt er zwei Schlüsselbegriffe in Stellung: Absonderung und Abhängigkeit. Dem Individuum werde weisgemacht, es könne dank der Absonderung von anderen Menschen selbständig entscheiden, auf welche vertraglich geregelte Abhängigkeit es sich einlasse. Doch mit Freiheit hat das nach Marx noch nichts zu tun.

Auch die individuellen Rechte sind nach Marx nicht zufällig Abwehrrechte und nicht etwa Freiheitsrechte: Zwar hat jeder das Recht auf Absonderung, das Recht sich auf sich selbst zu beschränken, doch das gibt dem Individuum kein Recht als Gattungswesen in einer Gemeinschaft zu leben und sich darin selbst zusammen mit anderen frei zu verwirklichen.

Die Vertragsfreiheit allein macht gerade nicht frei, sondern hält die Menschen gefangen in einer Haltung, in der sie sich nur gegen andere, nicht mit anderen entfalten könne. Und indem der Staat seine Aufgabe darin sieht, genau jene Abwehrrechte zu garantieren, die im klassischen liberalistischen Sinne der Vertragsfreiheit dienen, macht er sich zum Helfershelfer eine inhumanen Kapitalismus. So bietet das Recht, das die vertragliche Regelung von Arbeitsverhältnissen ermöglicht, reichlich Möglichkeiten zur faktischen Entrechtung der Arbeiter. Es wirkt ebenso einseitig oder ungerecht wie etwa das allgmeine Verbot, unter Brücken zu schlafen, nur ein Problem für die Armen, nicht aber für die Reichen darstellt.

Infolge seiner wirtschaftlichen These der Kapitalakkumulation, kommt Marx zu der Ansicht, daß sich die Gesellschaft von einer amorphen Masse hin zu einer in wirtschaftliche Lager gespaltenen Gesellschaft entwickelt: Das Proletariat und die Bourgeoisie. In dieser polarisierten Gesellschaft stoßen die einen, die ihre Freiheit beim Vertragsschluss auskosten, auf die anderen, für die die Vertragsbedingungen alternativlos sind und die keinen Spielraum haben, sich zu weitern. Die bürgerlichen, in den Verhältnissen der herrschenden Klasse entwickelten Individuen, meinen in diesem setting über die Abhängigkeiten, die sie als Vertragspartner eingehen, nach Gutdünken entscheiden zu können. Entsprechend deuten sie die Absonderung als Schutzraum, in dem sie auf ihre Freiheit glauben pochen zu können. Die Arbeiter müssen sich dieses individualistische Handlungsmodell zu eigen machen, ohne über einen entsprechenden Spielraum zu verfügen und sind zur Teilnahme an einer Arbeitswelt gezwungen, die als Vertragswelt organisiert ist. Das Junktim aus Absonderung und Abhängigkeit verliert für sie seinen Reiz. Der Angriff der Arbeiter auf die kapitalistische Ordnung lässt sich deshalb präzise als Kampf gegen Abhängigkeit und als Kampf gegen Absonderung fassen. Anders formuliert: Nach dem Modell der bürgerlichen Vergesellschaftung soll an die Stelle der Abhängigkeit vom Naturzwang die Abhängigkeit der Menschen voneinander treten. Letzterer wird der Vorzug zugeschrieben, verhandelbar zu sein: Man soll sich auf Abhängigkeiten einlassen, sich aber auch von ihnen lösen können. Bei den Arbeitern funktioniert diese Verwandlung der Abhängigkeit nun aber nicht. Sie geraten in eine neue Abhängigkeit hinein, bleiben aber zugleich dem Naturzwang ausgeliefert, weil ihnen der Zugang zur Natur mangels Eigentum als unmittelbare Subsistenzquelle verschlossen ist. Daher sind sie um der Befriedigung ihrer natürlichen Bedürfnisse willen auf die Vergesellschaftung in Form des Verkaufs ihrer Arbeitskraft angewiesen.

In dieser Situation ist der Proletarier Engels zufolge so hilflos, daß er für sich selbst kaum einen einzigen Tag leben kann. In der kapitalistischen Produktion wird die abhängige Arbeit nach Marx dazu benutzt, um den erst werdenden Menschen, den ganz unausgebildeten Menschen – das Kind – zum Arbeiter zu machen, und was dabei herauskomme, sei der Arbeiter als verwahrlostes Kind. Der Arbeiter als Repräsentant des revolutionären Klassensubjektes steht daher nicht schon von Anfang an als heldenhafter puer robustus auf der historischen Bühne, sondern muss sich den Kampfesmut erst aneignen. In wirtschaftlicher Not schlägt nun die Stunde des Störenfrieds, der mit diesem Leben in Abhängigkeit bricht und nun als natürlicher Feind an der Schwelle der bourgeoisen Gesellschaft auftaucht. Diese scheinbar unmenschlichen, vormenschlichen Armen werden, je nach Neigung der Gesellschaftsanalysten, verachtet, gefürchtet oder bedauert. Doch die Randposition, die das wilde, tierische Volk einnimmt, ist auch einer positiven Umdeutung zugänglich. Sie setzt an bei der Anerkennung seiner unbändigen Kraft – einer Kraft, wie man sie vom neuzeitlichen puer robustus her kennt.

Die ausstehende Emanzipation des Klassensubjekts, seine revolutionäre Aktivierung, soll nach Marx im Zuge einer Verschiebung des Selbstverständnisses vom individuellen Staatsbürger hin zum Gattungswesen gelingen, insofern jeder Mensch ein gemeinschaftlich lebendes Wesen ist oder werden kann. Tatsächlich handelt es sich um zwei Aspekte, die auseinander gehalten werden müssen:

a) Das Individuum als Gattungswesen ist von vornherein, i.e. vor aller individuellen Entscheidung und Präferenz auf seinem Weg der Autonomiegewinnung in eine vorgegebenen Gemeinschaft eingebettet.

b) Die Gemeinschaft der Individuuen ist nicht vorgegeben, sondern wird zusammen mit anderen aufgrund der individuellen Entwicklungsgeschichte erzeugt. Gemeinschaft wird hier auf ein Mittel für individuelle Zwecke reduziert.

Das Individuum hat nach Marx nicht vorab und als vereinzeltes Wesen Interessen, die es erst in einem zweiten Schritt dazuführen, sich anderen zuzuwenden. Vielmehr findet es sich erst selbst, wenn es sich auf andere einlässt und dabei zugleich sich selbst als Individualisten hinter sich lässt. Diese Idee kann auf zwei Weisen ausbuchstabiert werden:

In seiner später aufgegebenen Verelendungstheorie – das ist Variante a) – führt Marx aus: Unter Bedingungen des Kapitalismus wird der Arbeiter folglich auf seine Existenz als Naturwesen zurückgeworfen: Es gibt gar nicht mehr diesen oder jenen Arbeiter, alle sind vielmehr vereinzelte Gattungswesen in dem Sinne, dass sie als Menschen an die Grenze zum tierischen Leben getrieben werden. Der Zustand tiefster Entfremdung im Hinblick auf die Gemeinschaft soll umspringen in den Zustand höchster Entfaltung: das Kollektivsubjekt als nomozentrischer puer robustus wird auf der Schwelle zwischen zwei Entwicklungsstadien einer durch und durch ökonomisierten Gesellschaft im Kampf gegen die Unmenschlichkeit entfesselt – eine Aktivierung, das Richtige zu erkämpfen, der sich der puer robustus als Schwellenwesen nicht entziehen kann.

Variante b) kommt zum Zug, wenn der Mensch in ökonomische Abhängigkeit gezwungen und dadurch an der freien Entfaltung seines Handelns gehindert wird. Wenn sich die Arbeiter hingegen selbst organisieren, spüren sie die Macht der vereinigten Individuen. Marx wie auch Engels verwenden hier die Intuition der Synergie: In der wirklichen Gemeinschaft erlangen die Individuen in und durch ihre Assoziation als Brüder zugleich ihre Freiheit. Diese Selbstorganisation des puer robustus als Schwellenwesen ist allerdings in besonderer Weise unordentlich und unberechenbar: Auf das Unecht von oben antwortet der puer robustus mit spontanem revolutionären Rechtsbruch von unten.

Man möge es mir nachsehen, daß die die politischen und ökonomischen Theorien von Marx und Engels so weit wie möglich verkürzt habe. Mir kam es hier nur darauf an, darzustellen, wie bei Marx und Engels der Mann als puer robustus als ein Mensch dargestellt wird, der keineswegs asozial ist, sondern erst in der Gemeinschaft der Brüder Zugang zu positiver Freiheit und Selbstverwirklichung erlangen kann. Denn diese Sichtweise des Mannes ist heutzutage beliebig unpopulär.

Nächster Teil: Sigmund Freud.

Mensch_innenrechte in Afghanistan

Die Taliban machen kurzen Prozess mit politischen Gegnern: Sie verschleppen, foltern, morden. Der Stern:

Es gebe regelmäßige Drohanrufe und Drohbesuche der Taliban bei Menschenrechtlern und Journalisten, … Es gebe gezielte Tötungen von ehemaligen Soldaten und Zivilisten, heißt es weiter. Taliban-Kämpfer prügelten demnach auch auf Demonstranten ein. Fotos und Zeugenberichte dokumentieren die Verletzungen von Folteropfern. … Laut Reculeau leben Menschenrechtler in Afghanistan „unter der ständigen Bedrohung von Verhaftung, Folter oder Schlimmerem“.

Das alles geht einher mit einer „Frauen besonders betroffen“-Rhetorik, die mich zutiefst anwidert. Für Humanisten sind Menschenrechtsverletzungen schlimm, für Feministen sind es Menschenrechtsverletzungen an Frauen. Auch in Afghanistan gibt es Frauenrechtlerinnen, nachdem der Westen dort den Feminismus als Exportgut eingeführt hat. Um mich nicht falsch zu verstehen: Frauenrechtler in Afghanistan haben mehr Respekt verdient als jene hierzulande im Zuckerguss, die nur Luxusprobleme kennen.

Ich bin aber abgestoßen davon, in einer Despotie, unter der alle zu leiden haben, allein für eine Untergruppe einzustehen. So betonen die Frauenrechtler, dass Frauen verschleppt und ermordet werden – eine Feststellung, die nur dann ihre Berechtigung hätte, wenn es Männern in Afghanistan nicht so ergehen würde – so aber macht sie nur Sinn, wenn Männer Menschen zweiter Klasse sind, dass ihre Misshandlung und Ermordung also keine Rolle spielt. Die EMMA hat jetzt einen Notruf veröffentlicht, weil eine Frauenrechtlerin verschleppt wurde, etwas also, was in Afghanistan auch gegen Männer an der Tagesordnung ist. Wenn man sich diesen Artikel durchliest, hat man den Eindruck, als würden nur Frauen unter den Taliban leiden, während die Männer Party machen. Wenn dort gesagt wird, dass sich Frauen bei Demonstrationen besonders hervortun, dann heißt das entweder, dass diese Frauen besonders mutig sind, oder aber, dass auch die Taliban den Frauenbonus praktizieren, ganz wie die Schlächter von Boko Haram, oder einfach… alle.

Feminismus ist stark, und das heißt, dass es auch im Auswärtigen Amt (Punkt 2) nachrangig ist, wenn Männer verschleppt, gefoltert, ermordet werden – das ist die Fratze des Feminismus, welcher für das empathische, soziale Geschlecht steht. Und demnächst wieder: Wenn Männer in Not sind, haben sie selbst schuld, weil sie nicht um Hilfe bitten können.

Weiterlesen: Geschlechterkrieg in Afghanistan.

Offener Brief von 400 Ärzten gegen Impfdrangsalierung

Sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Bundeskanzler,


mit großer Sorge nehmen wir wahr, dass unsere Gesellschaft in gegen-COVID-
Geimpfte und Ungeimpfte gespalten wird und dass auf Ungeimpfte ein wachsender
Druck ausgeübt wird, sich impfen zu lassen.


Wir fordern die Regierung auf, dieser Spaltung Einhalt zu gebieten und alle direkten
und indirekten Zwangsmaßnahmen mit dem Ziel einer Impfung von bisher
Ungeimpften nicht nur einzustellen, sondern aktiv zu unterbinden.


Im Folgenden legen wir dar, warum ein wie auch immer gearteter Zwang oder Druck,
sich impfen zu lassen, weder gerechtfertigt noch ethisch vertretbar ist.

Weiterlesen: Offener Brief von 400 Ärzten gegen Impfdrangsalierung

Gran Torino (2008) – Eine liebevolle Geschichte über einen alten weißen Mann

Clint Eastwood spielt in Gran Torino einen alten weißen Mann, der so ziemlich alle Klischees über „toxische Männlichkeit“ in sich vereint, aber dennoch ein Sympathieträger ist. So sieht zwar nicht die Familie, aber der Zuschauer es ihm nach, dass der Veteran seine koreanischen Nachbarn konsequent als „Schlitzaugen“ tituliert und auch sonst ein unfreundliches, griesgrämiges Gebaren an den Tag legt. Er ist hager, erzkonservativ, ein Patriot, weiß sich zu wehren und sich zu helfen (dieser Typ Mann wird wegen seiner Autonomie von Feministen gehasst), so dass es nicht schlimm ist, dass er nach dem Tod seiner Frau allein ist; spuckt auf den Boden, womit er seine Verachtung kundtut und denkt nicht im Traum daran, zur Beichte zu gehen, erst Recht nicht zu einem Bengel, der gerade vom Priesterseminar kommt und noch nicht trocken hinter den Ohren ist.

Wenn man sich den Film mit anderen ansieht, kann man ruhig darauf hinweisen, dass alte weiße Männer ganz in Ordnung sind. Hilfreich, an Clint Eastwood zu denken, wenn die nächste Hasskampagne gegen Männlichkeit gefahren wird.

Und zum Schluss?

„Ja, stimmt! Ich bin der weiße Teufel!“

Feminismus und das Ende allen Scheißens

Das Kacken hat es den Scheißerinnen vom Missy-Magazin angetan, zu groß die tägliche Demütigung. Aber jetzt endlich ist Land in Sicht. Der Feminismus schickt sich an, das Kacken zu überwinden.

Denn:

Eines haben diese Wesen [in der feministischen Fiktion] alle gemeinsam: Sie existieren außerhalb der körpernormativen cis hetero Narration über Stuhlgang, […]

Damit wird eine der zentralen feministischen Utopien thematisiert: Menschen mit Anus können nur frei sein, wenn sie auch von der Gängelung des Stuhlgangs körperlich befreit werden. (quelle)

Da will doch einer mal sagen, Feminismus wäre weltfremd und nicht die Erlösung. Es sind helle und bodenständige Geister, ganz nah dran an dem kleinen Mann, die da den lieben langen Tag darüber nachdenken, wie wir uns von diesem täglichen Übel befreien könnten; was wären wir ohne sie?!

Ein Leben ohne Scheißen wird in Zukunft nicht nur cis-normativen Heiligen – also nur einigen wenigen – vorbehalten sein, sondern für alle geöffnet! Kanalarbeiter braucht es dann auch nicht mehr, die können dann bei der Missy-Redaktion anheuern, um endlich mal was sinnvolles zu leisten.

Ruhm und Ehre dem Missy Magazin!

Weiterlesen: Ein voll verkackter Artikel

Studien zu Diversity

Auf Twitter:

Es kam eine Anfrage: ob ich in einem lokalen Diversity-Gremium mitwirken wolle? Weil dazu gute Kenntnisse der Materie sinnvoll sind, habe ich in die Forschung geschaut: Was haben Unternehmen von Diversity? Ich muss sagen, das lief überhaupt nicht wie erwartet. Hier die Daten.

Meine Kenntnisse der Thematik beschränkten sich bisher auf Beiträge wie diesen (Q1). Die verheißenen Vorteile der Vielfalt wollte ich jetzt in der Fachliteratur erkunden, spezifisch diese Frage: Wie wirkt sich Diversity auf Teamperformance aus? Macht Vielfalt ein Team besser?

Erster Eindruck: So eine wilde Literatur sieht man nicht jeden Tag. 10 große Meta-Studien hatte ich am Ende gelesen. Klare Resultate? Fehlanzeige. Dafür Korrelationen jeder Art, Richtung und Signifikanz, und immer neue Fragezeichen. Oder um es akademisch-höflich zu sagen (Q2):

Besser wird es erst, wenn man (wie im Zitat gefordert) Diversity in einzelne Aspekte aufteilt und separat betrachtet, z.B. so:

  1. biodemografisch (Geschlecht, Ethnie, Alter)
  2. persönlich (Persönlichkeit, Werte, Einstellungen)
  3. fachlich (Berufserfahrung, Ausbildung)

„Biodemografische“ Vielfalt ist, was sich die meisten Leute landläufig unter Diversity vorstellen dürften: nach Geschlecht, Herkunft oder Generation bunt gemischte Teams. Dieser Diversity-Begriff steht auch im Fokus, wo (repräsentative) Vielfalt per Quote vorgeschlagen wird.

Der öffentlichen Wahrnehmung zum Trotz bringt diese Art von Diversity für die Teamperformance offenbar praktisch nichts. Meta-Studien finden entweder gar keinen Zusammenhang (Q3, Q4) oder systematische kleine, aber negative Effekte für die Qualität der Teamarbeit (Q2, Q5, Q6).

Einzig Q7 ergibt positive Einflüsse auf Kreativität und Zufriedenheit, die aber durch andere negative Folgen (z.B. Teamkonflikte) wieder kaputtgemacht werden. Insgesamt scheint dieses Zitat die wohlwollendste Deutung der Lage zu bieten (Q4). Kein schlagendes Verkaufsargument:

Nicht viel besser sieht es bei Nr. 2 aus: Vielfalt bei Persönlichkeit, Werten und Einstellungen. Q8 ergibt, dass Vielfalt dieser Art systematisch mehr Konflikte generiert und Prozesse erschwert (ähnlich auch Q7), besonders bei komplexen Aufgaben und in Teams im Topmanagement.

Immerhin bei der fachlichen Vielfalt (Nr. 3) zeigt sich ein potenzieller Mehrwert. Zwar gibt es auch hier Studien, die gar keine oder teils keine Zusammenhänge finden (Q2, Q3, Q4) oder negative Effekte feststellen, z.B. Konflikte (Q5). Aber positive Befunde gibt es eben auch.

Vor allem Vielfalt nach Funktion (berufliche Erfahrung) scheint einen positiven Effekt auf Arbeit und Erfolg im Team zu haben (Q2, Q4, Q5, Q9). Unten ein Beispiel für Ergebnisse solcher Meta-Studien, hier als Vergleich von fachlicher und biodemographischer Vielfalt (Q10).

Was folgt nun aus alledem? Wichtig: Solche Performance-Daten für Teams erlauben keinen Schluss über Sinn und Unsinn von Diversity insgesamt. In anderen Bereichen wird ein potenzieller Mehrwert sichtbarer, z.B. in der Korrelation von Diversity und Unternehmenserfolg (Q11).

Auch Diversity auf Teamebene bleibt im Rennen. Die Studien zeigen, dass sich Effekte teils nach Branche, Kultur und Aufgabe unterscheiden (Q9). Implikation: Verantwortliche sollten gut prüfen, was in ihrem Kontext funktioniert. Vgl. z.B. Q12 für den medizinischen Bereich.

Unter dem Strich ergibt sich aber, dass in vielen Fällen homogenere Teams eine gute Idee bleiben dürften. Einen echten Mehrwert verspricht besonders die fachliche Vielfalt. Für Diversity rein nach äußeren Merkmalen zahlt man vielleicht einen Performancepreis auf Teamebene.

p.s.: Der Beitrag wird auch bei Christian besprochen.

Quellen:

Q1: https://tinyurl.com/mkmu8sap

Q2: https://doi.org/10.1177/0149206310365001

Q3: https://doi.org/10.1016/S0149-2063(00)00093-3

Q4: https://eref.uni-bayreuth.de/id/eprint/53062

Q5: https://doi.org/10.1177/1059601118799475

Q6: https://doi.org/10.1080/09585192.2014.957712

Q7: https://doi.org/10.1057/jibs.2009.85

Q8: https://doi.org/10.1111/joms.1

Q9: https://doi.org/10.5465/amj.2009.41331491

Q10: https://doi.org/10.1177/0149206307308587

Q11: https://tinyurl.com/k84yk48c

Q12: https://doi.org/10.1016/j.jnma.2019.01.006