Das Generische Femininum

Über dem Missverständnis, dass das generische Maskulinum Männer mehr betone, oder, wie Lügnerinnen anführen, allein Männer meine, sieht man hier und da das generische Femininum als gerechte Lösung an – so wie man dafür sorgen will, dass ab sofort nur noch Frauen am Arbeitsplatz (Punkt 4) oder obdachlos unter der Brücke verrecken. Nach Jahrtausenden „Patriarchat“ wird auf allen Ebenen für den historischen Ausgleich gesorgt. Sprachlich heißt das, man verwendet die bisher exklusiv weibliche Form generisch, die meine dann Männer mit – „Stahlarbeiterinnen“ z.B. meint dann auch Männer.

Das führt zu Irritationen. Mir sind schon Leute untergekommen, die zu Texten feministischer Medien nachfragten, ob nun Männer oder Frauen gemeint wären.

Das wäre der eine Punkt, der andere ist, dass mit dem generischen Femininum Abhilfe geschaffen werden soll für das generische Maskulinum, welches als ungerecht empfunden wird – und damit per definitionem selbst ungerecht ist. Ein scheinbares Unrecht soll durch echtes Unrecht abgelöst werden.

Und es ist eine Lüge. Es ist eine Lüge, wenn von Stahlarbeiterinnen gesprochen wird. Diese Sprache bildet nicht die eigentlichen Verhältnisse ab, und sie führt auch nicht dazu. Es hat andere, tiefergehende Gründe, warum Stahlarbeiter Männer und Hebammen Frauen sind – auch in Ländern, deren Sprachen kein Genus kennen, womit das Argument widerlegt ist, die Sprache forme die Verhältnisse. Auch wenn überall von „StahlarbeiterInnen“ gesprochen würde; auch wenn man in Schulbüchern Models präsentiert, die man in einen Hitzeschutzanzug gesteckt hat, wird es nicht mehr der sehnlichst begehrten Sorte geben. Der feuchte feministische Traum, dass Frauen wie Männer werden, wenn man nur die Sprache manipuliert, wird sich nicht erfüllen.

Weiterlesen: MANNdat: Gerechtigkeit oder Misandrie?

3 Gedanken zu „Das Generische Femininum

  1. Mike Macke

    Noch’n (natürlich nie umgesetzter) Lösungsvorschlag: Der bisher „männlich gelesene“ Begriff (Stahlarbeiter, Obdachloser, Dachdecker, Junge) wird per Ordre de Gendersprech-Mufti als „Neutrum“ deklariert. Weiblich wird „-in“ bzw. „-innen“ angehängt („Obdach-loserinnen“). Um die Mehrheit der Dachdecker und Obdachlosen anzusprechen, hängen wir „-außen“ an, also Dachdeckeraußen für nur männliche Dachdecker. Der Charme dieses Vorschlags wäre, dass man sich an der Position der kennzeichnenden Geschlechtsorgane orientieren könnte…

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    1. oneiros

      Unmöglich. Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, von dem es x beliebig viele geben kann. Damit würde bereits in der Anred eine mikroagession stattfinden, die unverzeihlich wäre:D.

      Antwort
  2. Matze

    Das Generische Femininum ist ein klassisches Beispiel für „It is only wrong when they so it“. Feminismus hat nichts gegen Sexismus. Sexismus darf nur nicht zu Nachteil von Frauen sein. Männer von Posten ausschließen? Kein Problem!
    Männer nur noch mitmeinen? Kein Problem! (Bei Frauen ungerecht!)
    Männer aufgrund des Geschlechts bei Einstellungen benachteiligen? Kein Problem!
    Männer die Schuld dafür geben Opfer zu werden? Kein Problem!

    Ohne Doppelstandard hätten Feministinnen gar keinen Standard.

    Antwort

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