Mensch_innenrechte in Afghanistan

Die Taliban machen kurzen Prozess mit politischen Gegnern: Sie verschleppen, foltern, morden. Der Stern:

Es gebe regelmäßige Drohanrufe und Drohbesuche der Taliban bei Menschenrechtlern und Journalisten, … Es gebe gezielte Tötungen von ehemaligen Soldaten und Zivilisten, heißt es weiter. Taliban-Kämpfer prügelten demnach auch auf Demonstranten ein. Fotos und Zeugenberichte dokumentieren die Verletzungen von Folteropfern. … Laut Reculeau leben Menschenrechtler in Afghanistan „unter der ständigen Bedrohung von Verhaftung, Folter oder Schlimmerem“.

Das alles geht einher mit einer „Frauen besonders betroffen“-Rhetorik, die mich zutiefst anwidert. Für Humanisten sind Menschenrechtsverletzungen schlimm, für Feministen sind es Menschenrechtsverletzungen an Frauen. Auch in Afghanistan gibt es Frauenrechtlerinnen, nachdem der Westen dort den Feminismus als Exportgut eingeführt hat. Um mich nicht falsch zu verstehen: Frauenrechtler in Afghanistan haben mehr Respekt verdient als jene hierzulande im Zuckerguss, die nur Luxusprobleme kennen.

Ich bin aber abgestoßen davon, in einer Despotie, unter der alle zu leiden haben, allein für eine Untergruppe einzustehen. So betonen die Frauenrechtler, dass Frauen verschleppt und ermordet werden – eine Feststellung, die nur dann ihre Berechtigung hätte, wenn es Männern in Afghanistan nicht so ergehen würde – so aber macht sie nur Sinn, wenn Männer Menschen zweiter Klasse sind, dass ihre Misshandlung und Ermordung also keine Rolle spielt. Die EMMA hat jetzt einen Notruf veröffentlicht, weil eine Frauenrechtlerin verschleppt wurde, etwas also, was in Afghanistan auch gegen Männer an der Tagesordnung ist. Wenn man sich diesen Artikel durchliest, hat man den Eindruck, als würden nur Frauen unter den Taliban leiden, während die Männer Party machen. Wenn dort gesagt wird, dass sich Frauen bei Demonstrationen besonders hervortun, dann heißt das entweder, dass diese Frauen besonders mutig sind, oder aber, dass auch die Taliban den Frauenbonus praktizieren, ganz wie die Schlächter von Boko Haram, oder einfach… alle.

Feminismus ist stark, und das heißt, dass es auch im Auswärtigen Amt (Punkt 2) nachrangig ist, wenn Männer verschleppt, gefoltert, ermordet werden – das ist die Fratze des Feminismus, welcher für das empathische, soziale Geschlecht steht. Und demnächst wieder: Wenn Männer in Not sind, haben sie selbst schuld, weil sie nicht um Hilfe bitten können.

Weiterlesen: Geschlechterkrieg in Afghanistan.

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