Drachenburger

Peng! – Und wieder einter tot im Egoshooter. Es waren Legionen von Männern, die Willy abgeknallt hatte. Er hielt nichts von der Diskussion, ob Killerspiele Killer produzierten, offensichtlich taten sie es nicht, denn sonst hätte man jeden Tag einen Amoklauf bei der Masse an Spielern. Unten klingelte es. Unwillig drückte Willy die Pausetaste und begab sich zur Haustür. Es war der Bürgermeister von Drachenburg.
„Du bist einberufen, ein Drache bedroht die Stadt. Hier ein Schild, Du gehst mit Manni, komm komm, wir haben keine Zeit!“
Fassungslos drehte sich Willy zu seiner Mutter um. Er erwartete, dass sie irgendwelche wundersamen Sätze sagen würde, die bewirkten, dass er befreit wäre.
Aber sie sagte nur: „Kehr mit deinem Schild wieder oder auf ihm.“ Sollte heißen, dass er die Schlacht gewinnen sollte, egal ob er überlebte oder nicht, denn wenn er verlor, ging der Schild in Feindbesitz über und kehrte nicht heim. Es war der traditionelle Gruß, mit dem Mütter ihre Söhne und Frauen ihre Männer verabschiedeten. Es hatten sich ein paar Leute versammelt, Willy erkannte Lotti, die in der Schule ein Mädchenempowerungsprogramm vorangetrieben hatte. Sie würde sich nicht in Gefahr begeben müssen. Willy deutete auf sie und wollte was sagen, aber sie kam ihn zuvor:
„Dafür kriegen wir die Kinder, um die wir uns sorgen müssen!“ Dass sich Väter auch um ihre Kinder kümmerten war natürlich egal. Zähneknirschend nahm Willy den Schild und machte sich mit dem blassen Manni auf den Weg. Wenig später waren sie beim Drachen. Der schnippte Mannis Schild weg und vernaschte den blassen Jungen. Dann wandte er sich Willy zu. Der hatte einen Einfall:
„Warte! Willst Du allen klar machen, dass Du hier der unangefochtene Herrscher bist? Dann verlange nach süßen Junfrauen, die sind das größte Opfer, niemanden interessiert es, wenn Männer sterben!“
Der Drache hielt inne.
„Hm, da ist was dran. Also jeden Monat eine Jungfrau!“
„Wirst Du davon auch satt?“
„Also jede Woche eine! Geh und tu meinen Willen kund!“
Willy ging zurück nach Drachenburg und tat so. Und dann aß Willy ungesunde Sachen, ging mit seinen Kumpels auf Zechtour, rülpste, kratzte sich am Sack und lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage.

Hiervon inspiriert.

Ein Gedanke zu „Drachenburger

  1. beweis

    Tipp für den Drachen:
    Am besten schmecken die, die andere in die Schlacht schicken, selbst aber nicht ziehen, sondern sich hinter Kindern verschanzen. Davon gibt es so viele, dass er sicher satt wird.

    Antwort

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