Will Smith ohrfeigt Chris Rock

Geschlechterrollen! Der Mann beschützt seine Frau!

Ja, und dann stirbt er im Krieg, aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Will Smith hat auf der Oscar-Verleihung dem Comedian Chris Rock eine Ohrfeige verpasst, da einen Witz über die Frisur von Smiths Frau gerissen hat, die krankheitsbedingt nicht sehr vorteilhaft aussieht.

Ich schwanke in diesem Fall hin und her, kann mich gar nicht entscheiden, auf wessen Seite ich mich schlagen soll.

Erstmal: Ich pflege eine sehr liberale Haltung zu dem, was gesagt werden darf, heißt: Über (fast) alles sollte man Witze reißen dürfen. Zweitens: Auf Worte mit Handgreiflichkeiten zu reagieren finde ich falsch; wenn man nur mit Worten angegriffen wird, sollte man nicht zur Gewalteskalation beitragen – meistens.

Und dieses „meistens“, da sitz‘ ich in der Falle: Denn ich kann gut nachvollziehen, warum Smith eine Ohrfeige ausgeteilt hat und kann nicht ausschließen, dass ich ähnlich handeln würde, und das obwohl ich solchen traditionell-archaischen Rollen das Patriarchat, also die Versklavung des Mannes bis in den Tod, sehe.

Er kämpft für sie. Er stirbt für sie. Aber: Als Held. Der letzte Punkt ist der Grund, warum sich soviele tragisch junge Männer im Krieg verheizen lassen, wobei niemand Heldenlieder auf sie singen wird. Ganz schlechter Deal also, selbst wenn doch noch jemand singen und weinen würde.

Aber Will Smith befand sich nicht auf einem Schlachtfeld sondern auf einer Galaveranstaltung, wo er unter dem Rampenlicht eben jene Persönlichkeit unter Beweis stellte, der er seinen Erfolg verdankt. Er hat seine Frau beschützt, genauer: Gerächt. Manche Feministen sehen darin den Untergang des Mannes, der überfordert wäre mit seiner Männlichkeit, die am Boden liegt und nur zu Gewalt greifen könnte, toxische Männlichkeit halt. Tatsächlich war das aber nicht ein letztes Aufbäumen sondern eine Sternstunde des Patriarchats, da Smith genau das Verhalten zeigte, das von Frauen erwünscht ist, viele von ihnen verteidigten sein Verhalten. Der Mann soll für seine Frau sorgen und sie beschützen, wie es bei jeder kirchlichen Eheschließung heißt – der Grund, warum Frauen das Matriarchat abgeschafft haben.

Ist meine Solidarität mit Männern zu schwach ausgeprägt, wenn ich sage, dass ich unter den gleichen Umständen eventuell auch zugeschlagen hätte? Nun, meine Solidarität mit meiner Familie würde natürlich die gegenüber Fremden stechen, auch wenn meine Frau eine Männerrechtlerin wäre. Ich würde auch meinen Sohn beschützen, das heißt: Ich würde die meinen schützen, nicht weil sie Frauen und ich ein Mann bin, sondern weil sie zu den meinen gehören; nicht aus Geschlechter– sondern auf Familienrollen heraus.

[Nachtrag]

5 Gedanken zu „Will Smith ohrfeigt Chris Rock

  1. Shitlord

    > eben jene Persönlichkeit unter Beweis stellte, der er seinen Erfolg verdankt

    I got in one little fight and my mom got scared
    She said ‚You’re movin‘ with your auntie and uncle in Bel Air‘

    ?

    Findet seine Frau sicher super; dann stört er nicht mehr, wenn sie sich in Malibu von beliebigen anderen Leuten durchbumsen lässt. Mal ernsthaft – Will Smith _spielt_offenbar nur jemand coolen. Das ist er offenbar nicht.

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  2. Mika

    Ich habe das nur so am Rand mitbekommen, weil mich der Oscar nicht interessiert und der Will schon gar nicht. Den anderen Komiker kenne ich nicht. Die Frau von Will auch nicht. Ich hielt es für eine Show Einlage.
    Was soll der Rummel darum? Wenn ein Typ meine Partnerin dumm anmacht, unterstelle ich ihm, er wäre schwanzlos ohne Eier, weil er sich keinen gleichwertigen Gegner sucht. Hat bislang immer gereicht, kam aber sehr selten vor.

    Antwort
  3. Renton

    1. Will Smith ist ein Feigling, der einen Suckerpunch gesetzt hat.
    2. Wenn Smith seiner Frau nicht zutraut, sich gegen einen Witz(!) selbst zu verteidigen, ist er dämlich – entweder, weil er falsch liegt, oder, falls er richtig liegt, weil er so eine unfähige Frau geheiratet hat.
    3. An Chris Rocks Stelle wäre ich schwer versucht gewesen, Will Smith auf sein wiederholtes „Don’t take her name into your fucking mouth“ zu entgegnen: „Sure. What do want me to call her instead? G.I. Jane?“ Wenn Smith dann nochmal aufmarschiert, hat er kein Überraschungsmoment mehr auf seiner Seite.

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  4. Renton

    Übrigens hat die Oscar-Akademie Will Smith jetzt für zehn Jahre von allen ihren Veranstaltungen ausgeschlossen.

    Richtig so.

    Falls Du immer noch schwankst, auf wessen Seite Du sein möchtest, @uepsi: Es hätte eine andere Möglichkeit gegeben, seine Frau zu beschützen, als mit Gewalt. Will Smith hätte der Versammlung auch einfach erklären können, warum er fand, dass Chris Rock einen sehr verletzenden Witz über seine Frau gemacht hat. Das wäre die zivilisierte Reaktion gewesen.

    Antwort

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