Woran sich Linke ein Beispiel an Rechten nehmen sollten oder über Selbstverachtung

Ich kenne mich mit anderen Kulturen nicht so aus, aber ich bezweifle, dass dieser massenpsychotische Selbsthass, wie er von den Deutschen gepflegt wird, auch in anderen Ländern auf diese Weise grassiert.

Dazu gehört nicht einfach nur Geringschätzung sich selbst gegenüber, sondern dass man sich geradezu selbst niedermacht. Die Rechten verlangen einem nicht ab, dass man sich selbst erniedrigt, wenn man dazu gehören will: Kein Privilegiencheck, keine Selbstzerfleischung und kein schlechtes Gewissen darüber, dass man ein Rassist wäre, woran man nichts ändern könnte und steter Beweis für die eigene Minderwertigkeit.

Oder ist die Linke inzwischen so heruntergekommen, dass sie gar nichts anderes mehr ist? Besteht sie nur noch aus weißem und männlich-geschlechtlichem Selbsthass? Wenn man das wegnähme, wäre nichts übrig? Eine fatale Diagnose für eine Bewegung, der wir Gesundheitsversicherung, Gewerkschaften, Renten, Sozialleistungen und Arbeitslosengeld verdanken und die sich damit den übelsten Härten und der systematischen Ausbeutung des kleinen Mannes in den Weg stellten. Und hier höre ich sie schon heulen: „Kleiner Mann?! Was für eine sexistische Kackscheiße!“die damit erfolgreich von ihrer eigentlichen Bestimmung abgelenkt wurden, und voller Idiotie den kleingeistigen und selbstsüchtigen Feministinnen lauschen, die darüber beleidigt sind, dass ein Kampf um ein menschenwürdiges Leben nicht als erstes Frauen adressiert, oder die sich Sorgen darum machen, dass ein Farbiger nach seiner Herkunft gefragt wird. Es ist fatal, dass nur noch der ein aufrechter Linker sein kann, der nicht aufrecht steht, sondern kniet – der perfekte und erwünschte Glaube der Obrigkeit.

Wobei hier ein interessanter psychologischer Komplex wirkt: Der Stolz der Minderwertigkeit oder auch Sündenstolz. Man bekennt sich offensiv zu seinen Fehlern und erhöht sich doch dadurch. Man ist was besseres, da man sich ständig der Verbrechen der eigenen Nation, des eigenen Geschlechts bewusst ist und erhebt sich so über die, die hier keinen Anlass für ein schlechtes Gewissen sehen. Oder mit Nietzsche:

Wer sich selbst verachtet, achtet sich doch immer noch dabei als Verächter.

7 Gedanken zu „Woran sich Linke ein Beispiel an Rechten nehmen sollten oder über Selbstverachtung

  1. Gunnar

    „Der Stolz der Minderwertigkeit oder auch Sündenstolz. Man bekennt sich offensiv zu seinen Fehlern und erhöht sich doch dadurch. “

    Das ist, glaube ich, der Kern des Ganzen. Weißenhass, Männerhass, Deutschenhass – you name it. Dahinter steckt die alte Hybris: Wir sind besser als der Rest der Welt.

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      1. Renton

        Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung, weiß der Volksmund. Wenn man allen Schlechtigkeit unterstellt, ist man mit der Selbsterkenntnis einen Schritt voraus. Das macht doch keinen Knoten im Hirn.

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      1. uepsilonniks Autor

        Ich bezweifle, dass die Deutschen mit dieser Haltung die westliche Welt übernehmen. Eher sieht es so aus, dass alles den Bach runtergeht…

        Und die Erbsünde ist ja nur ein Teilaspekt der christlichen Lehre.

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        1. Bill Miller

          Nicht die Deutschen, die Wokies. Passt auch sehr gut, denn man kann es als die „Erweckten“ übersetzen. Solche Erweckungsbewegungen sind ein Kennzeichen europäischer/christlicher Staaten. Endeten m.W. immer mit einem furchtbaren Kater wenn der Moralinrausch nachließ.
          Siehe auch:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Great_Awakening

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  2. Ratze

    Ich glaube, es war bei den Neulandrebellen, wo man sich mal Gedanken um den Unterschied im Menschenbild von links und konservativ gemacht hat. Den genauen Artikel weiß ich auch nicht mehr. Ihr Schluss war, soweit ich mich erinnere:
    Die Konservativen halten den Mensch für fehlerbehaftet, aber das kriegt man auch nicht mehr aus ihm raus. Darum braucht er Gesetze und Autoritäten, die verhindern, dass die Fehler ausarten und andere in Mitleidenschaft ziehen.
    Die sozialistischen Linken halten den Mensch ebenfalls für fehlerbehaftet, aber durch die richtige Erziehung kann man die Fehler ausmerzen und die Menschen auf diese Art verbessern.
    Und ab hier übernehme ich: Im Stalinismus gab es ein Strafverfahren namens „Kritik und Selbstkritik“. Wer Kritik äußerte und nicht voll auf Linie war, wurde zu einem Gepräch ‚eingeladen‘, um zu klären, wo die Fehler lagen, und warum letzten Endes die eigene Einstellung schuld an den Problemen war.
    Mir kommt es so vor, als würde das noch mit hinein spielen. Dieser krampfhafte Wunsch der Sozialisten, die Menschheit durch Erziehung umgestalten und verbessern zu wollen. Denn wenn es nichts an der Menschheit zu verbessern gibt beziehungsweise die Umerziehung nicht möglich ist – wozu braucht man sie dann noch? Die Revolution muss schließlich weitergehen. Und einen dritten Weg darf es bekanntlich nicht geben, das wäre doch viel zu kompliziert.

    Übrigens gute Musikauswahl. Fun Fact am Rande: Die Zeile „Guilty of being right“ am Ende haben Slayer selbst hinzugefügt. Minor Threat, von denen das Original stammt, sollen darüber nicht begeistert gewesen sein – Slayer hatten damals immer wieder mit Vorwürfen zu kämpfen, sie seien rechts bis rechtsextrem, wegen einiger etwas blöder Provokationen der Band. Deswegen soll das Punk – Coveralbum „Undisputed Attitude“ mit der Nummer oben entstanden sein. Und wegen genau dieser Zeile bekam die Band prompt wieder vorgeworfen, sie seien rechts…

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