Musikrezension: Miss Platnum – Come Marry Me

 

Hausfrauendasein als Sklaverei, das ist deren voller Ernst.

 

In dem Video „Come Marry Me“ von Miss Platnum wird der Mythos der Unterdrückung und Ausbeutung der Hausfrau reproduziert mit einer Dreistigkeit, die einem die Sprache verschlägt. Allen ernstes wird mit Szenen, die Frauen zeigen, die dem Klischee der Südstaatensklavin entsprechen, Hausfrauendasein analog zu Sklaverei gesetzt. Jeder, der sich auch nur ein bisschen mit dieser Historie auskennt, kann da nur noch in die Tischkante beißen.

Dass das Hausfrauendasein keine Unterdrückung sondern vielmehr ein Privileg darstellt, habe ich ausführlich hier erörtert. Das ist auch der Grund, warum diese Modell nie ausgestorben ist, denn: Er im Werk, sie am Herd ist den Frauen am liebsten.

Unbenannt

Im Refrain beschwert sich Miss Platnum, dass sie eigentlich nur auf sozialen Druck heiraten würde, da man sie warnt, sie sollte noch ein Baby kriegen, bevor es zu spät ist. Auch das beißt sich mit der Realität: In unserer Gesellschaft kriegt keine Frau ein Kind, weil sie irgendwie dazu genötigt wird (Migranten ausgenommen). Vielmehr verspürt sie einen Kinder-wunsch und mit dem Verwirklichen dieses Wunsches betreibt sie Selbstverwirklichung. Und dass es zu spät seine könnte, das sagen nicht nur Verwandte und Bekannte sondern vor allem auch die Natur und Biologie.

Der Bräutigam im Song ist Peter Fox. Der hält fest, dass sie einen Ehemann braucht, er hingegen eine Frau, die gut kochen und nähen kann. Das ist: Ein Witz. Von welcher Frau wird das heute noch verlangt? Mehr noch: Kein Mann, glücklicher Single, vielleicht MGTOW, braucht eine Frau mit solchen Kompetenzen, das regelt er selbst. Später im Song wird verdeutlicht, was der Anteil des Ehemanns in diesem Deal ist: Er holt sie raus aus dem Bauernhof, ihr altes Leben, schickt sie jeden Tag shoppen und zeigt ihr, wo der goldene Westen ist. Peter Fox ist also der Jackpot, den jede nehmen würde, wenn Miss Platnum ihn nicht wollte. Sie hingegen – die noch nicht mal gut aussieht – bietet, so lässt sich das Fazit ziehen: Nichts. Er alles.

Sie ist es also, die alle Vorteile, den großen Gewinn rausholt ohne selbst was einzubringen, sich dabei aber allen ernstes als versklavt versteht…

 

14 Gedanken zu „Musikrezension: Miss Platnum – Come Marry Me

  1. Renton

    Ich sehe kein Stück, dass in dem Lied oder Video Hausfrauendasein mit Sklaverei gleichgesetzt würde. Es geht darum, dass die Heirat mit Peter Fox der Frau als der einzige Weg erscheint, ihrer sie bedrückenden Familie und der relativen Armut zu entkommen.
    Die Bilder von den tanzenden schwarzen Frauen im Südstaatenlook – wenn es denn einer ist – symbolisieren das beschwerliche Leben vor der Hochzeit, nicht danach.

    Klar hat bei dem Song die Frau den größeren Vorteil von der Ehe, deshalb bettelt sie ja auch darum, schlägt auch eine Scheinehe vor. Aber da sind beide ganz ehrlich. Ich sehe kein Problem und glaube, dass Du Dich hier durch Deine Maskubrille verguckt hast.

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Kann dir nicht folgen. Weder das Video noch die Erzählungen über das Hausfrauendasein als Sklaverei („Women are the nigger of the world“ – John Lennon) sprechen für deine Interpretation. Oder woran machst Du das fest?

      Antwort
      1. Renton

        Reden wir von demselben Video?

        Ich zitiere im Folgenden aus dem Liedtext auf Englisch, ohne Übersetzung. Wenn das ein Problem ist, liefere ich die Übersetzung gerne nach.

        „All my uncles, aunts and cousins
        Even the neighbours came to say
        „We′re so happy that you marry
        It was time ′cause soon it’s too late
        You getting older, you know we told ya
        You should have a baby before it′s too late““

        Es wurde starker sozialer Druck von allen möglichen Leuten auf die Protagonistin ausgeübt, zu heiraten und zu gebären, wobei letzteres unter der Voraussetzung von ersterem geschehen sollte. Ihre Reaktion auf die erleichterten Glückwünsche der Verwandten und Bekannten ist aber mitnichten Freude:

        „Oh, leave me alone
        I’m so glad I can leave home“

        Sie will nämlich einfach nur von zuhause weg. Die Heirat ist der Weg dazu, den Peter ihr eröffnen kann, denn direkt im Anschluss fragt sie:

        „Oh Peter, will you marry me?“
        Carry me away from the family“

        Denn was das Familienleben für sie bedeutet, ist das hier:

        „It′s killing me, can’t stay another day“

        Die Sache ist doch wohl eindeutig: Sie will einfach nur weg aus ihrem bisherigen Leben und den Erwartungen an sie. Es macht ihr nichts aus, wenn die Ehe mit Peter nur eine Zweckehe ist (ich habe das weiter oben als Scheinehe bezeichnet, das mag man für überinterpretiert halten, aber eine Zweckehe ist es mindestens) und man sich bald wieder trennen würde, Hauptsache, es geht erstmal weg:

        „We can leave this place, you don′t have to stay
        We can go our separate ways“

        Wozu ja auch das „Peter, I know you don’t love me“ passt. Peter selbst ist mit der Zweckehe einverstanden:

        „Das ist der Deal, du brauchst ’n Ehemann
        Ich brauch‘ ′ne Frau, die gut kochen und nähen kann“

        Eine Ehe als „Deal“. Ihm ist auch völlig klar, dass es ihr um eine Verbesserung ihrer Lebenssituation geht:

        „Du lebst im Bauernhaus, Kuhstall nebenan
        Ich hol′ dich raus, du fängst ’n neues Leben an
        Aus dem Wollrock ins Negligeé
        Ich schick′ dich jeden Tag shoppen in dei’m neuen Carree“

        Und, wie gesagt, er scheint damit einverstanden zu sein, will sich über diverse Geschenke auch gut mit ihrer Familie stellen.

        Der Rest des Liedes handelt von der zünftigen Hochzeitsfeier („Und die Blaskapelle ist zu blau zum Blasen…“).

        Soweit die Begründung für meine Interpretation. Woran machst Du denn Deine Interpretation fest? Ich habe wirklich nichts dafür gefunden. Machst Du es fest an den paar eingestreuten, nicht einmal zweisekündigen Sequenzen von der Farbigen bzw. den zwei Farbigen, die in so etwas wie einem Südstaatenlook tanzen? Zunächst mal sei angemerkt, dass da auch viele Nichtschwarze in anderen Trachten tanzen, und textlich geht es an diesen Stellen vor allem ums Feiern. Von Sklaverei gibt der Text bei diesen Bildern nichts her, John Lennons Ansichten zum Thema Frauen werden überhaupt nicht zitiert, ich weiß nicht, wieso Du das überhaupt erwähnst, es hat weder mit dem Lied noch mit der Bilduntermalung zu tun. Es scheint mir rein in Deinem Kopf vorzukommen.

        Ich bin ehrlich ratlos, weil ich wirklich nichts gefunden habe, was Deine Interpretation stützt. (Und ich bin weder ein schlechter noch ein phantasieloser Kunstinterpret.) Mir scheint es fast, als hättest Du Dich durch das Bild der Frau im Südstaatenlook zu Deinem ganz eigenen Kopfkino inspirieren lassen.

        Antwort
        1. uepsilonniks Autor

          Das, was Du gleich zu Beginn sagst, habe ich schwerer gewichtet als Du:

          „All my uncles, aunts and cousins
          Even the neighbours came to say
          „We′re so happy that you marry
          It was time ′cause soon it’s too late
          You getting older, you know we told ya
          You should have a baby before it′s too late““

          Es wurde starker sozialer Druck von allen möglichen Leuten auf die Protagonistin ausgeübt, zu heiraten und zu gebären, wobei letzteres unter der Voraussetzung von ersterem geschehen sollte.

          Eben, es wird starker sozialer Druck ausgeübt. Das ist ein Logikfehler im Text, denn sie geht ja gerne und freiwillig, muss also gar nicht unter Druck gesetzt werden. Ich habe das so interpretiert, dass sie quasi genötigt wurde, zu heiraten und damit in die „Ehefalle“ zu laufen, wo sie mit niederen Tätigkeiten („Kochen und Nähen“) vorlieb nehmen muss; dass sie Kinder kriegen muss; dass sie an den Herd gefesselt wird im „Frauenknast“ (Küche), wie es der feministische Mythos will – auch ganz ohne Liebe, was die Sache noch mal schlimmer macht. Und dementsprechend habe ich die Südstaatensklavinnen eingeordnet.

          So aber aber ergibt das alles kaum Sinn. Ich sehe besagte Sklavinnen beim besten Willen nicht als Sinnbilder für das an, was sie hinter sich lässt – besonders auch nicht im historischen Kontext.

          Antwort
          1. Renton

            „Eben, es wird starker sozialer Druck ausgeübt. Das ist ein Logikfehler im Text, denn sie geht ja gerne und freiwillig, muss also gar nicht unter Druck gesetzt werden.“

            Sie geht gerne und freiwillig? Aber warum? Weil sie es zuhause nicht aushält, weil sie dort unter Druck gesetzt wird. Ohne diesen Druck käme sie womöglich gar nicht auf die Idee, zu heiraten. Ob das „gerne und freiwillig“ ist – nun ja, unter den Umständen gewissermaßen, aber doch stark vom Umfeld beeinflusst.

            Welchen Logikfehler siehst Du? Das steht doch ganz am Anfang meines Textes – welcher weiteren Aussage widerspricht das denn?

            „Ich habe das so interpretiert, dass sie quasi genötigt wurde, zu heiraten und damit in die „Ehefalle“ zu laufen, wo sie mit niederen Tätigkeiten („Kochen und Nähen“) vorlieb nehmen muss;“

            Dem ersten Teil stimme ich zu, sie wurde genötigt. Aber die Ehe – diese Ehe! – ist für sie doch keine Falle, sondern zunächst mal eine Rettung, deshalb bettelt sie förmlich darum. (Ob sie das in ein paar Jahren immer noch so sehen wird, weiß man jetzt natürlich noch nicht.) Und sie wird nicht nur „kochen und nähen“, sondern auch jeden Tag shoppen gehen. Und genau genommen verlangt Peter von ihr auch nur, Kochen und Nähen gut zu können, wieviel sie das dann wirklich machen soll, bleibt deutlich ungefährer als das Volumen ihrer Shoppingtrips. (Wobei das natürlich nur Versprechen sind.)

            Dass Kochen und Nähen für sie niedere Tätigkeiten sind, dass sie an den Herd „gefesselt“ sein wird, ob sie überhaupt Kinder kriegen wird – das ist alles unbekannt, das hast Du Dir nur ausgedacht. Wie auch, dass die tanzenden schwarzen Frauen Sklavinnen darstellen. Es sind Frauen in einer Art Trachtenkleidern – und Adidas-Sneakern. Komische Sklavenkleidung, oder? Hinter denen steht auch niemand mit der Peitsche, und sie sind auch nicht angekettet. Die Szenen der tanzenden Schwarzen (Singular und Plural) sind eingebettet in Szenen anderer tanzender und feiernder Leute, mit etwas bis sehr unterschiedlichen Trachten. Sind das für Dich auch Sklaven? Die Blaskapelle z.B.? Die dunkelhäutigen Frauen bei 2:11 oder 2:21, die hinter der Protagonistin tanzen? Die komplette Gesellschaft in modernen Anzügen bei 2:13?

            „So aber aber ergibt das alles kaum Sinn.“

            Was ergibt keinen Sinn? Sie hält es zuhause nicht mehr aus, wird auch ständig gedrängt, zu heiraten, und hat sich jetzt jemanden dafür gesucht, damit sie ihre Ruhe hat und im besten Fall von zuhause wegkommt („we can leave this place“). Ihre Verwandten und Bekannten sind vorerst zufrieden und feiern, bis der Arzt kommt. Was daran ist sinnfrei?

            Antwort
            1. uepsilonniks Autor

              Mag sein, mir war die Geschichte „Frau flieht vor der Unterdrückung in eine Ehe um sich dort mit Nähen und Kochen zu verwirklichen“ nicht bekannt.

              Die Szenen der tanzenden Schwarzen (Singular und Plural) sind eingebettet in Szenen anderer tanzender und feiernder Leute, mit etwas bis sehr unterschiedlichen Trachten.

              Die tanzenden schwarzen Frauen sind eindeutig angelehnt an die Südstaatensklavenfolklore – wenn man das so sagen darf…

            2. Renton

              Mir ist die Geschichte „Mensch flieht vor den einengenden gesellschaftlichen und Familienverhältnissen“ von meinem Vater bekannt. Er hat mal erzählt, dass zu seiner Zeit eine Heirat die einzige Möglichkeit war, von zuhause wegzukommen. (Seine erste Ehe ist gescheitert.) War in den 60ern.

              „Die tanzenden schwarzen Frauen sind eindeutig angelehnt an die Südstaatensklavenfolklore“

              Sehe ich auch so, angelehnt sind sie. Aber es sind halt nicht die einzigen Tänzer und die einzige Folklore. Ich sehe von daher keine besondere Verknüpfung zwischen Ehe und ausgerechnet dieser Folklore, geschweige denn einem Sklavendasein.

              Ich wünschte, Du wärst auf meine Argumente eingegangen. Aber ich schätze, Du hast genug zu tun. Bist schließlich einer der Helden der Maskuszene 🙂 Und das meine ich nur positiv 🙂

            3. uepsilonniks Autor

              Sehe ich auch so, angelehnt sind sie. Aber es sind halt nicht die einzigen Tänzer und die einzige Folklore. Ich sehe von daher keine besondere Verknüpfung zwischen Ehe und ausgerechnet dieser Folklore, geschweige denn einem Sklavendasein.

              Und wo siehst Du die Verknüpfung? Die haben schwarze Frauen engagiert, dann in solche Kleider gesteckt und diese Choreografie aufführen lassen, sowas passiert nicht zufällig. Das heißt, hier sollte die Botschaft übermittelt werden: Das ist (wie) Sklaverei!

            4. Renton

              Ich sehe da überhaupt keine Verknüpfung. Die haben eine Tänzerin engagiert und in Trachten und Sneakers gesteckt, ohne irgendwelche Hintergedanken.

              Wenn Du da Hintergedanken siehst – welche siehst Du bei den Frauenkleidern bei 2:11? Was ist das für ein Stil, griechisch, albanisch? Was ist da die versteckte Botschaft – Frauen sind die ärmsten, wie die Albaner in Europa? Sicherlich. Und die schwarzgekleideten Bläser bei 2:13 auf der linken Seite, während die auf der rechten Seite grau sind – ganz klar, hier wird auf das Trauerspiel im linken politischen Spektrum und die Ideenlosigkeit im rechten Spektrum verwiesen. Die Frauen in modernen Brautjungferkleidern bei 2:23 tanzen so, als winkten sie der Protagonistin zum Abschied – auch das ein klarer Fall von Bildsprache: Mit ihrer Heirat verabschiedet sich die Protagonistin aus der Moderne.

              Das ist alles an den Haaren herbeigezogen, so, wie Deine Interpretation. Ich würde sie für plausibler halten, wenn weitere Hinweise im Video wären, aber da ist nichts. Im Gegenteil, Sneakers als Sklavenkleidung? Ein bunter Mischmasch an Kleidungsstilen, aber nur der eine soll eine subversive Botschaft vermitteln? Nee. So’n Quatsch.

            5. uepsilonniks Autor

              Ha! Wenn sie mir recht gibt, wirst Du im Staub vor mir kriechen! *böses Lachen*

              Dear Miss Platnum,

              There is a misunderstanding about your video „Come Marry Me“. Namely, it features black female dancers who remind me of the Southern slave look and who I believe were meant to imply that marriage is like slavery for women. Am I correct in this?

              Thank you very much and best regards

            6. Renton

              Kein Problem. Wenn sie Dir Recht gibt, tauschen wir die Plätze, und Du darfst Dich aus dem Staub endlich erheben 🙂

              Übrigens müsste sie Deutsch sprechen. Sie lebt laut Wiki seit ihrem achten Lebensjahr in Deutschland.

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