4 Gedanken zu „Verhältnismäßigkeit

  1. Renton

    Dein zweiter Link führt nicht auf eine Meldung zur Verurteilung, sondern nur zur mutmaßlichen Täterwebseite. Hast du einen Link zu einer Pressemeldung o.ä.?

    Antwort
      1. Renton

        Dann ist es echt schwierig, die beiden Fälle zu vergleichen, zumal beim ersten ja ein Minderjähriger verurteilt wurde.

        Ich finde persönlich Bewährungsstrafen bei Vergewaltigung auch gar nicht per se falsch. Kann sein, dass ich mich mit der Ansicht und der folgenden Argumentation unbeliebt mache, aber ich versuch’s mal.

        Es kommt immer auf die konkrete Vergewaltigung an. Jemanden halb totzuprügeln und zu vergewaltigen, da sähe ich eine Bewährungsstrafe auch als zu gering an. Aber eine Vergewaltigung im Schlaf, zum Beispiel? Eine Straftat, zweifellos, aber man sollte den Schaden mal ins Verhältnis setzen. Ich mag diese Dramatisierungen nicht, wie sie auch im Bild-Artikel sind. „Während das Mädchen sein Leben lang unter dieser Tat leiden wird“ – das können die überhaupt nicht wissen. Ich versuche mal, die Verhältnismäßigkeit zu untersuchen: Jemand, der brutal verprügelt wird, wird sicherlich noch einige Jahre darunter leiden, auch wenn die körperlichen Verletzungen längst verheilt sind. In bestimmten Situationen, oder auch anlasslos, wird Angst hochkommen. Aber auch das wird sich irgendwann wieder geben.

        Wie schlimm ist im Vergleich dazu eine Vergewaltigung? Für viele Menschen dürfte die bloße Drohung, brutal verprügelt zu werden, ausreichen, um sich zum Geschlechtsverkehr zwingen zu lassen. Sie sehen das Verprügeln offenbar als das größere Übel als die Vergewaltigung an. Mir ist klar, dass diese Argumentation ein bisschen daran krankt, dass eine Drohung mit einer Ungewissheit operiert – man weiß nicht, wie schlimm es wirklich wird; bei so einer Verprügelung können ja auch dauerhafte Schäden zurückbleiben. Aber wenn man sich selbst einmal ehrlich fragt, wie viel man einzustecken bereit wäre, um eine Vergewaltigung zu verhindern, ab welcher Menge Schaden man doch lieber die Vergewaltigung vorzöge, bekommt man langsam ein Gefühl für die Schwere des Verbrechens Vergewaltigung, meine ich. Würde man lieber einmal gekniffen werden als vergewaltigt? Geohrfeigt? Eine blutige Nase bekommen? Eine gebrochene? Usw. Die Antwort wird individuell sehr unterschiedlich ausfallen, manche würden vielleicht sogar eher sterben, als sich „entehrt“ zu sehen. Aber wenn man die Antwort für sich einmal gefunden hat, kann man sich fragen, welche Strafe man für diese Alternative als gerecht ansehen würde, also für eine gebrochene Nase, etwa, und hat dann einen (ersten & individuellen) Strafmaßstab für Vergewaltigung gefunden, der absieht von einer Überdramatisierung wie im Bildartikel, die ja doch nur ein Gefühl der moralischen Überlegenheit in der Abgrenzung zu anderen erzeugen soll, und dafür jede Angemessenheit fahren lässt.

        Ich halte diese Dramatisierung übrigens auch für potentiell schädlich für die Opfer von Vergewaltigung. Jeder mit genug Lebenserfahrung kennt das Phänomen, wenn ein Kind sich ein bisschen wehtut und ein überbesorgter Elternteil hinzustößt. Erst dann fließen die Tränen so richtig, während ohne den Erwachsenen das Kind auch so klargekommen wäre. Das funktioniert prinzipiell auch bei Erwachsenen: Man kann Menschen einreden, dass ein Schaden schlimmer ist, als er ist, und dann leiden sie umso mehr. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass Vergewaltigungsopfer sich mal nicht so haben sollen. Ein Mensch, dem Schlimmes widerfahren ist, sollte auf Trost und Verständnis stoßen. Aber er sollte nicht auf eine Umwelt stoßen, die ihm sein Trauma auch noch vergrößert, weil sie sich als moralisch „gerecht“ in Szene setzen möchte und ihm deshalb einredet, alles sei noch schlimmer gewesen, als es war.

        So, und um den Bogen zurückzuschlagen: Ich kann mir Vergewaltigungen vorstellen, bei denen ich eine Bewährungsstrafe für angemessen hielte. Es kommt immer auf die genauen Umstände an. Ob das hier der Fall war, kann ich nicht sagen; aber immerhin handelte es sich beim Täter um einen 16jährigen, was, wie ich finde, zurecht strafmildernd wirkt. Berücksichtigt werden muss andererseits natürlich auch der tatsächliche, individuelle Schaden bei seinem 11jährigen Opfer.

        Antwort
        1. uepsilonniks Autor

          Ja, ist einiges dran, auch wenn ich mich doch schon arg gedrängt sehe, jetzt die gegenteilige Position zu vertreten, was nicht unironisch ist für einen maskulistischen Blogger…

          Ich halte das Urteil für zu milde. Besonders weil das Opfer noch ein Kind ist.

          Antwort

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