Böse Frauen und „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ (2022)

Ein großes Problem, das ich mit Hollywood & Co. habe, ist, dass Frauen nicht im selben Maße als die Bösen präsentiert werden wie die Männer. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft meine spontane Vermutung „Die wechselt bestimmt noch zu den Guten“ zutraf in einem der seltenen Fälle, in denen eine Frau die Böse war. Männer hingegen werden konsequent oft als absolute Ekelpakete präsentiert, so dass man sich über ihr finales Ableben sehr erfreut. Und das ist ein Problem, denn: Dadurch lernt man Männer zu hassen, aber nicht Frauen, man gewöhnt sich daran. Und das hat Konsequenzen; es führt zu einer Spirale des Empathiedefizits.

Umgekehrt findet sich selbst an den guten männlichen Charakteren Makel. So muss sich hier Dr. Strange ständig für seine Doppelgänger aus Paralleluniversen entschuldigen und sich anhören, dass sein Plan, die Welt zu retten, mangelhaft wäre, wobei aber zugleich kein Vorschlag gemacht wird, wie man es besser machen könne, eine naheliegende Frage, die Dr. Strange aber nicht stellt, sondern sich stattdessen nochmals entschuldigt.

Aber natürlich sind Filme, die ihre Figuren nicht einfach schwarz/weiß, gut/böse zeichnen, interessanter, als solche, die so eine Eindimensionalität pflegen.

Und der Film? Ganz nett. Popkornkino.

5 Gedanken zu „Böse Frauen und „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ (2022)

  1. Renton

    Dem Critical Drinker war das in seiner
    Filmkritik
    des Streifens natürlich auch aufgefallen.

    Dass Frauen als nicht wirklich böse dargestellt werden, ist in dieser extremen Ausprägung aber eher ein Problem eine Unsitte des modernen Hollywood, glaube ich. In Beverly Hills Cop II z.B. wurde die böse Gangsterbraut am Filmende sang- und klanglos erschossen, ohne rehabilitiert zu werden. Oder nehmen wir den Klassiker „Schneewittchen und die sieben Zwerge“: Da steht auch am Ende ein rehabilitationsloser Tod der bösen Königin.

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  2. Gunnar

    In „Totel Recall“ (der Urversion mit Arnie, die ich ziemlich klasse finde) gibt’s ja mit Sharon Stone noch eine echte Schurkin, und beim Geballere wird kein Unterschied zwischen Man und Frau gemacht. Einer der besten Gags ist dieser: Sie hat zum widerholten Mal versucht, ihn zu töten, er überwältigt sie, woraufhin sie einen auf Weibchen macht: „Ich bin doch deine Frau“. Und dann erschießt er sie mit den Worten: „Consider this a divorce!“ Auf der DVD zu hören, im Fernsehen gekürzt.

    Antwort
  3. epikur

    Vor allem ist das Leitmotiv der bösen Wanda völlig grotesk: für die Illusion eigene Kinder haben zu können, bringt sie mal eben nicht nur die ganze Welt, sondern gleich mehrere Universen um die Ecke. Was lernen wir daraus? Mutterliebe ist grenzenlos. So richtig „böse“ geht anders.

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