Gendersprech: „Ich kann nicht operieren!“ [Nachtrag]

Ein Klassiker in den feministischen Pseudowissenschaften ist diese Erzählung:

„Ein Vater und sein Sohn verunglücken gemeinsam in ihrem Auto. Der Vater stirbt beim Unfall. Der Sohn wird mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht und sofort auf den Operationstisch gelegt. Der Arzt wirft einen kurzen Blick auf ihn und sagt, dass ein Spezialist benötigt wird. Der Spezialist kommt, sieht sich den jungen Mann auf dem OP-Tisch an und sagt: „Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn.“ Wie kann das sein?“

Dass Teilnehmer dieser Fragen nicht die korrekte Antwort geben – „Der Spezialist ist die Mutter“ wird dem generischen Maskulinum angelastet. Nur, dass hier keines hätte stehen dürfen. Bei der zweiten Nennung „Spezialist“ ist eine konkrete Person gemeint, eine Frau und keine Gruppe von Menschen oder eine Funktion. Es hätte korrekterweise „Die Spezialistin“ heißen müssen.

Dieser Fehler unterläuft einigen feministischen Linguisten, wenn sie mal wieder die Sprache dafür verantwortlich machen wollen, dass so wenig Frauen Kanalarbeiter werden. In ihren Versuchsaufbauten wird ein fehlerhaftes generisches Maskulinum verwendet, welches so im alltäglichen Sprachgebrauch nicht vorkommt, vergleiche auch Fabian Payr – „Von Menschen und Menschen*innnen“

Wenn aber die Leute beim weiblichen Begriff „die Koryphäe“ eher an Männer denken, dann liegt das an einem Umstand, der heute nicht mehr genannt werden darf. Merke: Männer werden Professoren. Frauen werden Quotenprofessoren – Wer ist dann eher eine Koryphäe?

Um Antwort wird gebeten:

Dear Sir or Madam,

here:

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2018.00985/full#supplementary-material

you present a text that should expose the generic masculine as inappropriate, I quote:

„A father and his son driving together in their car have a terrible car accident. The father dies upon impact. The son is rushed to the hospital in an ambulance and is immediately brought to the operating table. The doctor takes a quick look at him and says that a specialist is needed. The specialist comes, looks at the young man on the operating table and proclaims: „I cannot operate on him, he is my son.“ How can this be?“

The error in this text is that in the second mention of „the specialist“ the feminine form must be used, since a concrete person is meant and thus the generic masculine must not be used. Since a concrete person is meant here, but this person is presented in the masculine form, the test subjects naturally (!) assume that it is a man, from which the confusion arises.

By the way, feminist linguists make this mistake very often.

Yours sincerely

Antwort:

Dear…

as it seems, you didn’t read the study properly.

The generic masculine is used in the priming text (in one condition), not in the riddle itself.

Moreover, in the riddle, the German word “Koryphäe” is used, which is grammatically feminine.

Please stop mansplaining my own research to me.

Best

Kommentar: Mir wurde das Rätsel oft genug mit dem fehlerhaften generischem Maskulinum präsentiert, zum Beispiel: „Der Chirurg sagte: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn.“ Aber gut, mein Fehler.

[Nachtrag]

Ich muss mich entschuldigen, dass ich so einen Bock geschossen habe. Die Kritik aber, dass feministische Linguisten oft mit einem fehlerhaften generischem Maskulinum hantieren, bleibt bestehen, auch, wenn ich diese hier fälschlicherweise auf diese konkrete Studie angewendet habe.

Zu dieser speziellen Studie lautet eine Kritik nach Hugor:

Kurz gefasst, ist es eine neue Untersuchung bezüglich des „Koryphäe“-Rätsels, wo Vater und Sohn verunglücken, Vater tot, Sohn schwerverletzt. Im Krankenhaus soll eine Koryphäe herangezogen werden, diese Koryphäe sagt dann aber: “ Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn“.
Die Uni Wien hat herausgefunden, dass mehr Testpersonen (44% statt 33%) die korrekte Lösung – die Koryphäe ist die Mutter des Patienten – angeben, wenn man ihnen zuvor einen gegenderten Beispieltext zu lesen gibt statt dem entsprechenden Text mit generischem Maskulinum. Kernsatz der beiden kurzen Texte:
Herausragende Experten/ExpertInnen werden auch als Koryphäen bezeichnet.

Völlig überraschend führt der Satz „ExpertInnen werden auch als Koryphäen bezeichnet.“ (also die Verwendung des Worts Experte in praktisch weiblicher Form) dazu, dass bei direkt anschließender Frage zu einer Koryphäe die Sensibilisierung für eine weibliche Identität etwas höher ist. DAS ist Wissenschaft!

Was die Uni Wien leider nicht ansatzweise erklärt, ist, inwiefern das generische Maskulinum dafür verantwortlich sein soll, dass sich Menschen unter dem weiblichen Begriff Koryphäe eher einen Mann vorstellen…

Und Billy Coen sekundiert:

Denen fällt aber auch gar nix Neues mehr ein, um Leute zu manipulieren. Der alte Schenkelklopfer mit der Koryphäe ist doch nun wirklich ein Fall für die Bartwickelmaschine. Und jeder, mit nur einem kleinen Bisschen an Sprachverständnis erkennt die darin enthaltene Manipulation: Wenn der Erzähler oder in einigen Varianten sogar das Klinikpersonal in direkter Rede besagte Koryphäe als „Arzt“ ankündigen, obwohl sowohl der Erzähler als auch erst Recht das fiktive Personal die Vorkenntnis des Geschlechtes besagten Mediziners haben sollten, geht man als Zuhörer/Leser davon aus, dass sich hinter einem von diesen als „Arzt“ Angekündigten ein Mann verbirgt. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie wir völlig intuitiv Sprache kontextuell bewerten. Leider ist das alles so intuitiv, dass sich die Intuition auch leicht überlisten lässt, indem man einfach Marker im Text platziert, die einen intuitiv in eine Richtung lenken, um dann die durch die Marker gesetzten Voraussetzungen in ihr Gegenteil verkehren und um dann wiederum die Überraschung bei den Zuhörern/Lesern auszunutzen, indem man ihnen erklärt, das käme nur von sexistischen Vorstellungen, die durch unsere sexistische Sprache perpetuiert werden.

Sie können einfach nichts anderes als ununterbrochen zu manipulieren und zu lügen.

10 Gedanken zu „Gendersprech: „Ich kann nicht operieren!“ [Nachtrag]

  1. Robert W

    Ich hab mal eine Antwort auf dieses Szenario gelesen (könnt bei AE gewesen sein), das man all den Genderfanatikern immer wieder in den Kopf hämmern sollte:
    Natürlich denkt man da sofort an eine Frau, denn jeder Mann würde heldenhaft seinen Sohn retten wollen 😉

    Antwort
  2. Hugor

    YX, du hast tatsächlich eine Antwort bekommen? Immerhin, hätte ich nicht erwartet. Zumal (wie ich jetzt erst festgestellt habe), die „Studie“ anscheinend schon aus dem Jahr 2018 ist.

    Ja, dort wird tatsächlich mit „die Koryphäe“ gearbeitet. Beeindruckend finde ich die fortgesetzte völlige Ausblendung des Umstands, dass das generische Maskulinum selbstverständlich nicht die Wahrnehmung eines WEIBLICHEN Begriffs negativ beeinflussen kann.
    Die Argumentation der Studie läuft letztlich auf folgendes hinaus:
    Hypothese: Wenn Menschen Begriffe im generischen Maskulinum hören, stellen sie sich eher Männer vor, weil das Wort grammatikalisch männlich ist.
    Experimentelle Daten: Menschen stellen sich unter dem grammatikalisch weiblichen Begriff „Koryphäe“ eher einen Mann vor.
    Ergebnis: Damit ist bewiesen, dass das generische Maskulinum die Vorstellung zugunsten von Männern beeinflusst.

    Als Frau wird man für so eine „Forschung“ vermutlich promoviert…

    Antwort
    1. Billy Coen

      Mit Sicherheit wird sie bislang nur Jubel für ihre „Forschung“ erfahren haben. Darum auch ihre überbordende Arroganz, die sich in ihrer Antwort widerspiegelt. Sie meint Kritik damit abkanzeln zu können durch die unbelegte Unterstellung, der Kritiker sei halt einfach nur zu doof, ihre geniale Forschung zu durchblicken und meint sie dann auch noch komplett entwerten zu können durch einen sexistischen Verweis auf das Geschlecht des Kritikers, was sie, trotz der Höflichkeit, wenigstens überhaupt geantwortet zu haben, als doch leider nur feministisch stark durchideologisiertes Miststück ausweist.

      Antwort
      1. beweis

        Please stop mansplaining my own research to me.

        Genau. Sie hat „Please“ geschrieben.
        Und danach den Stopp des diskursiven Austausches mit Männern verfügt.
        So kenne ich die Herrenfrauen.

        Antwort
  3. Bob

    Bei diesem Beispiel kommt mir schon wieder die Galle hoch.

    Der Geschichtenerzähler setzt hier beim Fahrer eine geschlechtliche Identität voraus. Eigentlich eine Frechheit.

    Und wieso überlebte der „Sohn“? Wenn überhaupt hat eine „Tochter“ zu überleben. Aber die fehlt natürlich wieder mal, weil sich alles nur um die Scheissmänner zu drehen hat.

    Vielleicht war der Spezialist vorher eine Frau und definiert sich jetzt als Mann. In dem Fall wurde ihm doppelt Unrecht angetan (weil der Geschichtenerzähler in der Auflösung von „Mutter“ spricht) und er müsste in dem Beispiel sagen: „Ich kann ihn nicht operieren, weil der Geschichtenerzähler mich in seiner Auflösung misgendert!“

    Solche Geschichten sind völlig an den Haaren herbeigezogen und dienen nur dazu, irgendeinen Quatsch zu „beweisen“. Gleichzeitig schließt dieser Humbug aber auch zahlreiche Menschen aus (Exklusion), die den Sinn dieser Erzählung nicht begreifen.
    Dazu habe ich einen Test mit meinem Kollegen Altay gemacht:
    „Altay, die Feministinnen wollen dir dein generisches Maskulinum abschneiden.“
    „Diese Dreckshurefotzen!“

    Womit nach woker Logik bewiesen ist, dass gendern rassistisch ist.

    Kleine Anmerkung am Rande: Die Worte „Transfeindlichkeit“ und „misgendert“ werden mir rot unterstrichen.
    Entweder ist die Rechtschreibprüfung von wordpress transfeindlich, oder bei wordpress haben sie noch funktionierende Gehirne.
    Hat man eigentlich schon herausgefunden, dass Rechtschreibung mindestens genauso rassistisch ist wie Mathematik? Die schließt nämlich auch gewisse Randgruppen aus.

    Antwort
  4. Renton

    „Ein Vater und sein Sohn verunglücken gemeinsam in ihrem Auto. Der Vater stirbt beim Unfall. Der Sohn wird mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht und sofort auf den Operationstisch gelegt. Der Arzt wirft einen kurzen Blick auf ihn und sagt, dass ein Spezialist benötigt wird. Der Spezialist kommt, sieht sich den jungen Mann auf dem OP-Tisch an und sagt: „Ich kann ihn nicht operieren, er ist mein Sohn.“ Wie kann das sein?“ – „…dem generischen Maskulinum angelastet. Nur, dass hier keines hätte stehen dürfen. Bei der zweiten Nennung „Spezialist“ ist eine konkrete Person gemeint, eine Frau und keine Gruppe von Menschen oder eine Funktion. Es hätte korrekterweise „Die Spezialistin“ heißen müssen.“

    Nope. Der Arzt hat geschlechtsneutral nach einem Spezialisten verlangt. Das „der Spezialist“ im Folgesatz nimmt darauf Bezug. Stünde dort „die Spezialistin“ würde man sich fragen: Welche? Vorher war von keinem spezifisch weiblichen Spezialisten die Rede. „Der Spezialist“ ist korrekt.

    Allenfalls könnte man formulieren: „Eine Spezialistin kommt…“, dann wäre aber die Bezugnahme schwächer. Es wäre dann nicht mehr eindeutig so, dass ein Spezialist der vorher verlangten Art kommt.

    „Der Spezialist“ kann einfach auch eine Frau sein, so ist das mit generischen Formen. Es ist ein hübsches Rätsel, das mit einer Besonderheit der deutschen Sprache spielt. Ich sehe kein Problem darin, dass manche Menschen dabei keine Frau auf dem Schirm haben. (Haben einige bei „die Koryphäe“ ja anscheinend auch nicht.) Entscheidend ist nämlich, dass die behaupteten Auswirkungen dieses Nicht-auf-dem-Schirm-Habens (ist „Habens“ groß geschrieben eigentlich korrekt?) wie Diskriminierung, Berufswahlverhalten etc. so seriös belegt sind wie Astrologie. Es stimmt einfach nicht, dass sich irgendjemand in seinen Lebensentscheidungen oder seiner Sicht auf Frauen davon beeinflussen ließe. Diese Dinge hängen von ganz anderen Faktoren ab, was sich allein daraus erschließen lässt, dass zwischen Menschen bzw. Gesellschaften, die Sprachen mit oder ohne Genusformen sprechen, keine Unterschiede bei diesen Dingen abhängig von der jeweiligen Sprachart finden lassen.

    Antwort
    1. uepsilonniks Autor

      Habe jetzt nochmal nachgesehen: Wenn eine konkrete Person gemeint ist, kommt das generische Maskulinum nicht zur Anwendung und hier ist konkret die Mutter gemeint.

      Dieses Beispiel ist „komisch“ konstruiert, im allgemeinen Sprachgebrauch würde man das nicht so ausdrücken.

      „Der Spezialist“ kann einfach auch eine Frau sein, so ist das mit generischen Formen.

      Wenn die generische Form verwendet wird, ist weder ein konkreter Mann noch eine konkrete Frau gemeint, die generische Form operiert unabhängig vom Geschlecht. In „Die Studenten demonstrierten gegen die Studiengebühren“ zählt allein ihre Funktion als „Student“ völlig unabhängig vom Geschlecht.

      Sobald jemand konkretes gemeint ist, und die männliche Form verwendet wird, ist auch ein Mann gemeint – wie es hier der Fall ist – nicht, wie gesagt, komisch konstruiertes Beispiel, welches hier in einer neuen Version vorliegt. Die müssen lange daran designt haben um diese Falle aufzustellen, in die Du hineingelaufen bist.

      Antwort
      1. Renton

        Nein, @uepsi. Verlass Dich auf Dein Sprachgefühl und lies Dir das folgende durch:

        1. Er verlangt nach einem Spezialisten. Der Spezialist erscheint und stellt sich als die Mutter des Unfallopfers heraus.

        2. Man ruft nach einem Spezialisten. Die Spezialistin erscheint.

        Ersteres ist unproblematisch, letzteres führt zu einem sprachlichen „Hoppala“. Welche Spezialistin? Es war doch vorher von keiner konkreten SpezialistIN die Rede?

        Es ginge:
        Man ruft nach einem Spezialisten. Es erscheint – eine Spezialistin.

        Hier aber wird der generische Spezialist im Nachhinein durch den weiteren Kontext zu einem rein männlichen Spezialisten, sogar dann, wenn der Rufer es gar nicht so gemeint hatte. Hier wird das Geschlecht des erschienenen Spezialisten betont – er ist eine Frau!

        ER ist eine Frau – dieser Satz geht im Deutschen, weil wir die generische Form haben. „Er“ meint hier eine konkrete Person, die eine „sie“ ist, weil „er“ generisch verwendet wird. Das geht – wie Du ganz intuitiv verstehen müsstest, weil sich Dir beim Lesen dieser Sätze nicht die Fußnägel aufrollen.

        Insofern: Dieses Beispiel ist nicht komisch, sondern clever konstruiert, weil wir es im allgemeinen Sprachgebrauch ganz genau so ausdrücken.

        P.S.: „Habe jetzt nochmal nachgesehen: Wenn eine konkrete Person gemeint ist, kommt das generische Maskulinum nicht zur Anwendung“

        Diese Regel ist entweder falsch, oder unvollständig, oder gilt hier nicht, weil „der Spezialist“ auf „ein Spezialist“ rekurriert.

        Antwort
        1. uepsilonniks Autor

          Ok, wie gesagt, das ist doch sehr konstruiert.

          Wie oft kommt es zu solchen Fällen, wo ein generisches Maskulinum sich wandelt und dann in der männlichen Form eine Frau meint? Mir fällt dazu jetzt kein Beispiel ein und ich hantiere viel mit generischem Maskulinum, bei mir sind zum Beispiel Feministen konsequent Feministen – und da bietet es sich an, dass aus generisch männlich weiblich wird.

          Antwort
  5. Mike Macke

    Was seid ihr alle eigentlich so schwulenfeindlich? Ist doch ganz einfach: Der Junge wurde in der idealen Welt, in der wir leben, im Zweifelsfall gerne auch noch als farbiger Waisenknabe in Deutschland, von einem schwulen Päärchen adoptiert. Natürlich redet DER Spezialist von seinem Sohn. Den einzigen berechtigten Zweifel an dieser These hat Robert W. geäußert:
    Bei einem Mann käme am nächsten Tag die Schlagzeile „Arzt verweigert seinem Sohn die mögliche Hilfe“, und am übernächsten vermutlich „schon wieder ein Selbstmord eines Mannes, diesmal sogar einer medizinischen Koryphäe.“

    Antwort

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